Israel-Tagebuch
Sonntag, 22. August
Den größten Teil des Freitag verbrachten die Spieler bei Ihren Gastfamilien, da sich das alltägliche Leben Freitagnachmittag schon beruhigt und sich alles langsam auf den Sabbath vorbereitet. An Freitagen ist es üblich, dass sich die Familien zu Hause versammeln und ein großes Abendessen veranstalten. Oft gibt es verschiedene Gänge, die Speisen sind alle koscher, d.h. dass die Nachspeise nicht mit Milch gemacht werden darf, wenn vorher Fleisch gegessen wurde. Aber es gibt noch mehrere Vorschriften nach welchen Kriterien Lebensmittel koscher sind. Im alltäglichen Leben richtet sich einiges nach dem Sabbath. So gibt es für die religiösen Menschen beispielsweise einen Sabbath-Fahrstuhl, der selbständig in allen Etagen hält, da das Drücken der Etagentaste als Arbeit angesehen und somit nicht erlaubt wäre.
Ein anderer Aspekt, der typisch israelisch, aber unabhängig vom Sabbath ist, sind die erhöhten Sicherheitsvorkehrungen. Am Eingang zum Supermarkt werden die Taschen kontrolliert. Jedoch nicht nach dem Einkauf und um Diebstahl vorzubeugen, sondern wenn man das Geschäft betritt. Jedes Auto, das in ein Parkhaus eines Einkaufszentrums fährt, muss den Kofferraum für Sicherheitspersonal öffnen. Auf der Straße ist Militär inklusive Maschinengewehr zu sehen. In „Yad Vashem“ sahen wir eine Gruppe von jungen, Militärdienst leistenden Frauen, alle um die 20 Jahre alt, in Uniform und natürlich alle mit umgehangener Waffe. Im ersten Augenblick sind das gewöhnungsbedürftige Momente, aber eben diese Gewöhnung geht sehr schnell vonstatten.
Am Sabbath selbst waren wir noch einmal in Jerusalem, da unser erster Aufenthalt doch recht kurz ausgefallen war und wir alle noch mal ein bisschen Zeit haben wollten, um die Stadt ein bisschen genauer kennen zu lernen und das ein oder andere Souvenir zu kaufen. Diesmal haben wir uns ein wenig mehr im arabischen Teil der Stadt aufgehalten und haben verschiedene Stationen von Jesus’ Kreuzweg besucht.
Sonntag Stand ein Turnier mit Hapoel Jerusalem und Maccabi Tel Aviv an. Wir spielten das erste Spiel gegen Hapoel. Nachdem wir die erste Halbzeit mir zwölf Punkten gewonnen hatten, verloren wir leider im dritten Viertel ein wenig den Faden, so das Jerusalem wieder ins Spiel kommen konnte. Nachdem wir kurz vor Ende des vierten Viertels zwei Freiwürfe sicher verwandelt hatten und somit den Vorsprung auf drei Punkte ausgebaut hatten, konnte Hapoel mit einem Dreier gegen zwei Verteidiger 1,7 Sekunden vor Schluss ausgleichen. In der Verlängerung verloren wir dann knapp. Das Spiel der beiden israelischen Rivalen gewann unser Gastgeber mit zwanzig Punkten Differenz deutlich.
Im Spiel gegen Maccabi fingen wir gut an und spielten eine sehr gute erste Halbzeit, die wir mit 17 Punkten gewannen. In der zweiten Halbzeit gelang es Tel Aviv jedoch Stück für Stück aufzuholen, so dass das Spiel am Ende noch knapp wurde. Allerdings hatte die Aufholjagd Maccabi viel Kraft gekostet, so dass ALBAs NBBL Mannschaft am Ende verdient mit fünf Punkten Unterschied gewann. Jeder Turnierteilnehmer hatte ein Spiel gewonnen und eins verloren, doch aufgrund der Korbdifferenz sicherte sich Maccabi am Ende den ersten, ALBA den zweiten und Hapoel den dritten Platz. Einen Gruß möchte die Mannschaft und die Trainer noch an Leon los werden: Schade, dass Du nicht mit dabei sein kannst! Werd schnell wieder fit! Viele Grüße!
Donnerstag, 19. August
Wir haben wieder eine Menge erlebt. Zusammen mit dem Leiter des Maccabi Jugendprogramms, Ori Vitale, diskutierten die Spieler beider Teams über das tägliche Leben in Tel Aviv und in Berlin. Für beide Seiten war es interessant, dass es doch neben den vielen Parallelen im Alltagsleben auch gravierende Unterschiede gibt. Während die Berliner tendenziell weniger Nachrichten schauen, sind für die israelischen Jugendlichen die medialen Neuigkeiten in den Medien Pflicht. Überraschend für beide Seiten war das Thema Militärdienst: Während die Israelis überrascht waren, dass man in Deutschland nicht notwendigerweise zur Armee muss, waren die Deutschen gleichermaßen verblüfft, dass der Militärdienst in Israel drei Jahre dauert. Besonders viele Gemeinsamkeiten gab es bei den Themen Freunden und Hobbys.
Nach der lebhaften Diskussion besuchten wir gemeinsam die Ausstellung „Olympic Experience“, in der die Olympische Geschichte Israels thematisiert wurde und die israelischen Gewinner von olympischen Medaillen im Fokus standen. Insbesondere die moderne und medial anspruchsvolle Gestaltung der Ausstellung gefiel unseren Spielern. Abschließend konnten sie noch in verschiedenen Tests Ihre Schnelligkeit, Konzentrationsfähigkeit und Ihre Kraft testen. Am Ende des Tages ging es noch ins Bowlingcenter, wo in gemischten Teams wieder einmal gute Stimmung aufkam und der ein oder andere Strike bejubelt wurde.
Am Donnerstag sollte der zweite große Ausflug folgen. Reiseziel war Jerusalem und die dortige Holocaust Gedenkstätte „Yad Vashem“. Bevor wir jedoch zur Gedenkstätte fuhren, verschafften wir uns von verschiedenen, rund um Jerusalem gelegenen Aussichtspunkten einen Überblick über die heilige Stadt.
„Yad Vashem“ bereitet das schwierige Thema Holocaust eindrucksvoll und vielfältig auf. Die ausgestellten Fotos, Filme, Gegenstände und Texte der Holocaustopfer lassen das Unkonkrete und nicht Fassbare nunmehr konkret erscheinen, die Ausstellung gibt den Opfern ein Gesicht und einen Namen. Auch vor dem Hintergrund der wieder einmal hohen Temperaturen zeigten die Spieler ein hohes Interesse. Der Besuch der Gedenkstätte wurde mit einem zweisprachigen Gedenken an die Opfer des Holocaust abgerundet.
Nun standen die heilige Stadt Jerusalem und deren umfangreiche Geschichte auf dem Programm. So schlängelten wir uns durch die engen Straßen der alten jüdischen Stadt und besuchten die Grabeskirche. Danach gingen wir zur Klagemauer, wo sich viele ALBA Spieler an ihren Gastbrüdern ein Vorbild nahmen und an diesem heiligen Ort eine Kippa aufsetzten. Nachdem jeder seine Wünsche auf einem Zettel formuliert hatte und diesen versuchte in einen Mauerritz zu stecken, machten wir ein gemeinsames Foto vor der Klagemauer. Insbesondere die Klagemauer selbst und die vielen betenden, orthodoxen Juden schafften eine aufregende und einzigartige Atmosphäre.
Mittwoch, 18. August
Montag war erst der zweite Tag in Tel Aviv, aber allen kommt es schon so vor, als ob wir hier schon eine Woche sind. Die vielen Eindrücke, die vielen Aktivitäten, die Maccabi für uns organisiert hat, die vielen Menschen, die wir kennen lernen und die vielen Gespräche mit den Maccabi-Trainern und Offiziellen lassen uns die Zeit so vorkommen, als ob wir schon lange hier sind. Montag haben wir uns das sehr schöne Tel Aviv Museum angeschaut, das anschaulich und toll aufbereitet die verschiedenen Aspekte der umfangreichen israelischen Geschichte behandelt. Merkbar steckte den Spielern jedoch noch die Reise in den Knochen. Abends fand sich trotz Müdigkeit noch die Gelegenheit die Weiße Stadt von Tel Aviv in Augenschein zu nehmen. Die weißen, alten und neuen Bauhaus-Bauten im mediterranen Flair nicht unweit des Mittelmeers haben eine tolle Wirkung. Auch hier kann man schon das berühmte Nachtleben der Stadt erahnen, die Straßen sind voller Leute, Partylaune schwebt in der Luft.
Dienstag begingen wir den ersten großen Ausflug. Neben dem Besuch des Nationalheiligtums Massada – wo jüdische Siedler 66 n. Chr. die Festung über drei Jahre gegen die Römer verteidigt hatten – stand das Tote Meer und ein Besuch bei Beduinen auf dem Programm. Ich will eigentlich nicht ständig über die Temperaturen sprechen, aber die Besichtigung der Festung Massada bei 42 Grad und zumeist wenig Möglichkeit sich im Schatten zu bewegen, forderte uns einige Kraft und vor allem Flüssigkeit ab. Eine Kopfbedeckung und trinken, trinken, trinken war Pflicht und wurde von unserem Reiseführer immer wieder eingefordert. Wie sich die jüdischen Bewohner der Festung Massada mitten in der Judäischen Wüste über so lange Zeit gegen ihre Besetzer bewähren konnten, ist heute in Zeiten von Elektrizität und fließend Wasser nur sehr schwer vorstellbar. Doch die Besonderheit des Ortes, seine ungewöhnliche topographische Lage und das historische Antlitz der Anlage waren für alle Spieler mehr als eindrucksvoll.
Da wir von Massada das Tote Meer schon im Blick hatten, fuhren wir nun zum Strand und bekamen die Möglichkeit im warmen Wasser zu baden, oder besser zu schweben. Wirklich jeder konnte sich vom Salzwasser durch den hohen Salzgehalt tragen lassen. Alle rieben sich mit dem für die Haut wohltuenden, schwarzen Schlamm ein und ließen sich vor der unglaublichen Kulisse der Berge im Toten Meer treiben. Man hat dies schon auf vielen Postkarten gesehen, aber wenn man selbst in der Situation ist, erscheint die Aussicht noch viel unglaublicher. Die Hitze und das Bad in dem wirklich warmen Wasser sorgten dafür, dass auf dem Weg zu den Beduinen wirklich alle Spieler schliefen. Dort angekommen, waren sie jedoch wieder frisch genug, um sich von den beiden Beduinen deren alltägliches Leben und deren Kultur näher bringen zu lassen. Danach tischten die beduinischen Gastgeber ein mindestens so hervorragendes wie einfaches Essen auf, was wir nur mithilfe unserer Hände aßen.
Nachdem sich alle satt gegessen hatten, gab es für alle die Möglichkeit eine Runde auf einem Kamel zu reiten. Ganz der Aufbauspieler, traute sich Josip als Erster. Als Headcoach Marius die reitende Runde vervollständigte, war die gute Stimmung des Tages auf ihrem Höhepunkt.
Montag, 16. August
Seit unserer Abreise prasseln die verschiedensten Eindrücke auf uns ein, Dinge, die einfach ein wenig anders sind im Gegensatz zu denen, die wir gewohnt sind. Der Flug startete 1:20 Uhr Sonntagnacht, so dass wir uns Samstagabend trafen. Die ausgiebigen Befragungen der israelischen Sicherheitsbeamten und der zweimalige gründliche Sicherheitscheck wurden von allen Spielern, aber auch von den Trainern mit Interesse und Aufregung verfolgt.
Nachdem wir im Flieger versuchten so viel Schlaf wie möglich zu bekommen, es den meisten jedoch nicht gelang, kamen wir gegen 6 Uhr müde am Tel Aviver Flughafen an, wo wir von einem Offiziellen der Maccabi Jugendabteilung abgeholt wurden. Allein der Weg aus dem Flughafen zum Bus war aufgrund der hohen Temperatur und der hohen Luftfeuchtigkeit ein kleiner Schock. Im Trainingszentrum der Maccabi Jugend wurden die Spieler ihren Gastfamilien vorgestellt. Um vor dem Training noch ein wenig Schlaf nachzuholen und die Reisetasche abstellen, verschwanden die Maccabi-Spieler mit ihrem jeweiligen Gastbruder.
Insgesamt wurden wir von allen Mitarbeitern von Maccabi sehr freundlich und offen empfangen. Jeder, wirklich jeder, versucht uns unsere Wünsche von den Lippen abzulesen und diese auch sofort in die Tat umzusetzen. Wir können erahnen und nachvollziehen, warum Maccabi eine der besten Basketballorganisationen in Europa ist.
Am Nachmittag beim ersten gemischten Training war auch sogleich zu erkennen, dass insbesondere die Israelis keine Scheu hatten, mit den ALBA Spielern zu kommunizieren. Das erste Mal war deutlich zu spüren, wie schnell Sport und insbesondere Basketball in der Lage ist, Leute zueinander zu bringen, so dass sie miteinander agieren und sich kennen lernen.
Als Ausklang des ersten Tages hatte Maccabi ein Pizzaessen in einem Freibad organisiert, wo die Spieler schwimmen und relaxen konnten.
Leider haben wir von der Stadt noch nicht so viel gesehen. Unser bisheriger Eindruck ist, dass in Tel Aviv anscheinend alles mit dem Auto erledigt wird. So werden auch wir immer von A nach B und wieder zurück kutschiert. Da wir noch immer die anstrengende Anreise verkraften müssen und zudem die Temperaturen übel mitspielen, kann uns das aber nur recht sein. Wir werden uns aber bemühen, die Stadt zu Fuß zu erkunden.
Nochmal zu den Temperaturen: SAm Tag unserer Anreise war das Thermometer schon um sieben Uhr morgens auf 28 Grad angestiegen. Generell klettern die Temperaturen gerade sehr hoch und kratzen an 40 Grad; in der Sonne ist es fast nicht auszuhalten. Die Wechsel zwischen kalten, klimatisierten Räumen und der wahnsinnigen Hitze draußen, sind wirklich gewöhnungsbedürftig. Auf der anderen Seite ist es angenehm, dass selbst nachts die Temperaturen nicht unter 30 Grad sinken.

