Konstis Corner

Was wolltest Du schon immer mal über die Albatrosse wissen?

An dieser Stelle haben alle ALBA-Fans die exklusive Möglichkeit, Informationen über ALBA BERLIN "aus erster Hand" zu bekommen, die so vielleicht noch nicht an die Öffentlichkeit gedrungen sind. Ich gewähre Euch in regelmäßigen Abständen Einblicke hinter die Kulissen bei ALBA und versuche, zu beantworten, was Euch unter den Nägeln brennt. Was auch immer Ihr über das Team von ALBA BERLIN wissen möchtet, hier könnt Ihr es loswerden.
Euer Konsti

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Luka Pavicevic und Rashad Wright beim Training

7.5.2010
Beantwortung der Frage: Wie ist der typische Ablauf vor einem Heimspiel für die Mannschaft?


Der Rhythmus und der Sport sind nicht allein in zahlreichen Sportleräußerungen und Sport-Schlagzeilen seit jeher verbunden. Beispiele gefällig? Der Autorennfahrer sucht noch („Schumacher sucht den Rhythmus“), einem Golfer ist er ganz abhanden gekommen („Tiger loses rhythm, misses cut“), die Konsequenzen für einen Fußballklub („kein Rhythmus, kein Glanz“-HSV, und Eishockeyspieler („Eisbären kämpfen mit Rhythmusproblemen“) sind bekannt. Rhythmus im Sport scheint also mehr zu sein als der Takt, in dem das Herz das Blut durch den Körper pumpt. So versuche ich im Folgenden, dem Begriff mehr auf den Grund zu gehen und ihn in einen Zusammenhang mit unserer Arbeit mit dem Team zu setzen.

In einer kurzen Vorbereitungsphase vor den Playoffs geht es zunächst darum, den Trainingsrhythmus zu bestimmen. Nun ist es nicht so, dass wir besonders viele Anhaltspunkte für eine Trainingsphase mit sieben aufeinanderfolgenden potentiellen Trainingstagen haben. Genaugenommen gab es diesen Fall genau zweimal für uns in dieser Saison. Umso wichtiger ist es, sich dabei auf Mika Svraka, seine Erfahrung und sein bis ins Detail durchdachte Trainingskonzeption verlassen zu können, die uns immer wieder in der Saison Orientierung für die Trainingsgestaltung gab. So haben wir in dieser Woche nach zwei freien Tagen zwei Trainingstage, einen weiteren Pausentag und danach erneut zwei Trainingstage angesetzt, insgesamt kommen wir dabei auf sieben Trainingseinheiten vor dem Spiel am Sonntag.

Die Trainingseinheiten selbst waren eher kurz (70-80 Minuten) konzipiert, die intensive und dabei exakte Umsetzung der Trainingsinhalte im Angriff und Verteidigung sollte nicht durch körperlich zu lange Trainingsblöcke gefährdet sein, zudem sollte der Gefahr begegnet werden, sich in dieser Phase ungewohnt häufiger Trainingseinheiten in eine Müdigkeit hineinzutrainieren.

Für uns war nach einer Reihe von Wochen, die durch viel kurze oder längere Pausen einzelner Spieler geprägt war, natürlich ebenso von großer Wichtigkeit, einen Spielrhythmus wieder zu erarbeiten und hoffentlich schon bald wieder wohlgeordnet und exakt erklingen lassen zu können. Wir folgten dabei unserer Trainingsidee, die eigenen Spielsysteme in unterschiedlichen Drill-Formen viel im 4-4 und 5-5 gegen die erwarteten Verteidigungsideen des Gegners spielen zu lassen oder Spielsysteme des Gegners zu nutzen, die eigenen Verteidigungsprinzipien weiter zu automatisieren. Natürlich ging es dabei mitunter auch um Punkte, um den Wettkampfgedanken und den Ehrgeiz bei den Spielern geweckt zu lassen.

Der Spieltag selbst wird am Sonntag auch einem ritualisierten Ablauf folgen. Da das Spiel bereits um 17.00 Uhr beginnt, fällt eine morgendliche Trainingseinheit aus und wir werden uns am späten Vormittag als Team in unser Partnerhotel begeben. Dort werden wir gemeinsam essen, dann doch aber lieber voneinander getrennt schlafen oder wie auch immer Ruhe finden für gute zwei Stunden, um uns dann zu einem abschließenden Meeting zusammenzufinden, in dem wir vor allem die Schlüsselaspekte unser Verteidigung anhand von Videomaterial besprechen werden.

Zwei Stunden vor Spielbeginn brechen wir dann Richtung Halle auf, allseits bereit alles dafür zu tun, Rhythmus auf dem Spielfeld schnell zu finden, sich vom Trommeln des Gegners den eigenen auch nicht mehr rauben zu lassen und dann im Gleichklang mit einem zufriedenen Publikum ein 1:0 zu erspielen.

In diesem Sinne, Euer Konstantin!


25.2.2010
Beantwortung der Frage: Wie geht das Team mit Niederlagen um?


Sucht man nach Zitaten und weisen Sprüchen zum Thema Niederlage, so findet man in unterschiedlichen Formulierungen tröstende und aufbauende Worte, die alle den Wert der Niederlage "als Saatkorn für kommende Erfolg" ausdrücken wollen. Nun ja... nichts nährt den Erfolg wie der Erfolg und Niederlagen sind grundsätzlich einfach immer nicht schön und nerven gewaltig, halte ich dagegen. Somit sind die Wochen zuletzt nicht ganz so einfach zu nehmen und nur zu ungerne akzeptiert man den steten Wechsel von Sieg und Niederlage und muss es doch ertragen und damit so umgehen können, dass es in der Zukunft wahrscheinlicher wird, Siege zu wiederholen als Niederlagen.

In der Kabine nach dem Spiel und einer anstehenden Busfahrt zurück ins Hotel bedeuten Niederlagen vor allem Schweigen und Zurückgezogenheit der Spieler in die ihnen eigene Gedankenwelt. Oder Kopfhörer zeugen von dem Wunsch, die Gedanken einzuschränken und sich abzulenken. Die sportliche Führung ist meist gesprächiger untereinander und ordnet das schon Sichtbare und Erinnerbare ein, immer aber im Wissen, nach einem Spiel niemals im Besitz einer Wahrheit oder treffenden Analyse sein zu können, bevor man sich nicht das Spiel noch einmal angesehen hat. Calvin Oldham prägte damals den Satz, niemals sei etwas so gut oder so schlecht wie es scheint und meinte damit den Unterschied zwischen der Erwartungshaltung, gespeist aus der Erinnerung des Spielgeschehens, und den tatsächlichen Erkenntnissen aus dem erneuten Sehen des Spieles. So sind auch der aktuelle Trainerstab und die Verantwortlichen weit von Hysterie entfernt, siegreiche Spiele zu überhöhen, noch nach Niederlagen zu verzweifeln.

Vielen Beteiligten steht aber der Gedanke nahe, sich nach Niederlagen zunächst ein wenig am Buffet zu trösten. Gerade Auswärtsfahrten bieten Gelegenheit ungebremster Kalorienaufnahme durch regionale Spezialitäten oder Süßspeisen, die sportlergerecht erst nach einem Spiel von unserem Doktor für die Essensauswahl freigegeben werden. Eine allerdings zutiefst fiese Variante ist der Verzehr von Burgern oder Pizzen bei einer anschließenden Busfahrt, da dieser spätestens beim Aufwachen aus dem ohnehin schon fragwürdigen Busschlaf das Gefühl der Erschlagenheit potenziert.

Wenn wir im Hotel bleiben, werden von den Spielern meist die gleichen Rituale gepflegt - unabhängig von Sieg oder Niederlage. Vielleicht tun die Blessuren mehr weh, braucht es mehr als den einen Spätfilm oder das eine Spätbier zum Einschlafen. Jeder findet letztendlich den für ihn geeigneten Weg abzuschalten und die Zeit zu nutzen, bevor der Moment kommt, in dem man unweigerlich weiß, dass nichts wahrer ist als, dass nach dem Spiel vor dem Spiel ist. Meist kommt dieser Moment in Form eines kurzen Treffens vor dem Bus nach der Rückkehr nach Berlin, unabhängig übrigens von Tages- oder Nachzeit, Sonnenschein oder Schneegestöber, oder zum Glück im selteneren Fall direkt nach dem Spiel in der Heimkabine. Der Coach weist in einer kurzen Ansage noch einmal den Weg zu den nächsten Aufgaben und gibt Auskunft über das anstehende Trainingsprogramm bis zum nächsten Spiel.

Der letzte Teil der Verarbeitung erfolgt dann im nächsten Training in einer längeren Ansprache mit einer genaueren Analyse des letzten Spiels, ohne dabei allerdings zu sehr in der Vergangenheit zu verweilen. Erkenntnisse werden in Appelle für die zukünftigen Herausforderungen gewandelt, die Motive dafür benannt, aus den benannten Fehlern zu lernen und auf die Ziele eingeschworen, die wir immer wieder bereit sind, ehrgeizig und selbstbewusst zu formulieren: Wir wollen eine Mannschaft sein, die weiß, wie man gewinnt, den Niederlagen entkommt und den anderen überlässt, all das angeblich Positive darin zu finden...

Bis zum nächsten Mal,
Euer Konsti


27.1.2010
Beantwortung der Frage: Welche Teams haben Dich bis zu diesem Zeitpunkt der Saison am meisten beeindruckt?


Von etwas beeindruckt zu sein heißt ja oftmals auch, von etwas überrascht zu sein, etwas zu erleben oder zu erkennen, das über die eigene Erwartung hinaus geht.

Die Erwartungshaltung an die Basketball-Bundesliga war auch vor dieser Saison, in ihr auf im Vergleich zu anderen europäischen Ligen ungewöhnlich facettenreichen Basketball zu treffen. Während in den Ligen in Spanien und Griechenland gerne den Ideen von Basketball nachgeeifert wird, die die Top-Teams vorspielen, gilt es in unserer Liga, sich Spiel für Spiel auf eine andere, oft auch gegensätzliche Spielausrichtung einzustellen. Sehr extrem machte sich dies zum Beispiel bei uns in den letzten Wochen bemerkbar, als wir an einem Tag gegen Gießen spielten, die das Spiel durch lange eigene Angriffe und viel Zonenverteidigung sehr langsam zu machen versuchten und nur wenige Tage gegen MBC spielten, die durch eine überaggressive Verteidigung und durch schnelle Abschlüsse versuchten, das Spiel zu beschleunigen.

Die Spielidee, die in der letzten Saison sicherlich am meisten überraschte, war die des Göttinger Teams. Und nicht wenige –einschließlich mir- waren skeptisch, ob sich ein Spiel auf Dauer etablieren kann, das in der Verteidigung ein sehr hohes Risiko geht, da es einige Angriffsoptionen vollständig verhindert, dabei aber auch andere Optionen weit öffnet und das im Angriff auf ein hohes Maß an Energie und beständiger Aggressivität der meist für ihre Positionen im Vergleich kleinen Spieler angewiesen ist. Hinzu kam der Zweifel, ob das Team erneut mit Spielern besetzt werden kann, die diese Spielidee auch tragen können.

Nicht allein wegen der Niederlage, die wir selbst erleiden mussten, sondern auch auf Grund des ungefährdeten Platzes in der Spitzengruppe der Liga und der souveränen Qualifikation in ihrem europäischen Wettbewerb, wissen wir nun, dass das Göttinger Spiel stark genug ist zu bestehen. Hier beeindruckt eine Einstellung zum Basketballspiel, die ihre Stärke dadurch gewinnt, eine Idee zu formulieren, sie dann in größtmöglicher Konsequenz umzusetzen und sie auch dann nicht zu verlieren, wenn sie einmal nicht die gewünschten Erfolge mit sich bringt. Der Glaube an die Kraft des eigenen Spiels verleiht einer Mannschaft in der Summe mehr Kraft, als es das individuelle Potential der einzelnen Spieler jemals ergeben könnte.

Und daher will ich auch nicht verschweigen, dass auch die Leistungssteigerung der letzten Monate und die nun erreichte Stabilität der Bamberger Mannschaft Eindruck macht, da sie eben auch darin ihre Grundlage hat, in einer wahrhaft schwierigen Saisonphase an einer Spielidee und –konzeption festgehalten zu haben und auf die nach und nach erfolgte personelle Stärkung des Teams gesetzt zu haben anstatt sich von eigenen Überzeugungen zu verabschieden. Und wer glaubt nun nicht mehr daran, dass sich hier ein Team gefestigt hat, das um die Meisterschaft mitspielen wird.

Um in einer personell so ausgeglichenen Liga wie der Beko BBL in jdem Spiel um einen Sieg mitspielen zu können, musst Du einen eigenen Stil haben, ihn festigen können und gegenüber den anderen Spielstilen verteidigen und durchsetzen können. Es reicht nicht aus, sich aus fremden Ideen die vermeintlich besten und passenden Stücke zu suchen und sich daraus ein Spiel zu basteln und zu hoffen, dass es einzelne Spieler schon zu einem Erfolg tragen werden.

Und daher glaube ich, dass sich alles schon in die richtige Richtung zurechtrückt in unserer schiefen Tabelle der Beko BBL und dass am Ende acht Mannschaften um die Meisterschaft spielen, die alle ausreichend Grund haben können, an sich und ihr Spiel zu glauben.

Bis zum nächsten Mal,
Euer Konsti


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