74:73 Krimi-Sieg beim ukrainischen Meister Azovmash
(1.12.) Das es nach dem 75:73 gegen Teramo im zweiten Eurocup-Spiel noch knapper werden könnte, hatte wohl kaum jemand für möglich gehalten. Doch die Albatrosse vollbrachten dieses Kunststück und gewannen bei Azovmash Mariupol mit 74:73. Nach einem kompletten Fehlstart hatten sich die Albatrosse zurückgekämpft in eine Partie, die bis zum Schluss auf Messers Schneide stand.
Video Highlights >>
Stimmen zum Spiel >>
Foto-Galerie >>
Die letzten beiden der 22 Punkte von Julius Jenkins vermochten die Ukrainer nicht mehr aufzuholen, so dass ALBA in der Gruppe A nun mit zwei Siegen aus zwei Spielen da steht. Nach einem völlig verkorksten ersten Viertel bewiesen die Albatrosse in der Ukraine Moral und kamen stark zurück. Es schien bis zum Schluss so, als spielte die Mannschaft von Luka Pavicevic ausschließlich gegen drei Spieler: Ejike Ugboaja (20 Punkte, 6 Rebounds), Ronaldas Jarutis (16 Punkte, 3 Assists) und vor allem der überragende Slowene Hasan Rizvic (38 Effektivitätsindex, 22 Punkte, 8 Rebounds, 6 Blocks, 8 gezogenen Fouls), der nicht eine Sekunde auf dem Feld verpasste, beschäftigten ALBA fast im Alleingang. Ihr prominenter Neuzugang Fred House erzielte 7 Punkte und 6 Assists, wurde aber von Derrick Byars defensiv hervorragend abgemeldet. Bei ALBA stach Julius Jenkins mit 22 Punkten hervor, während sich der Rest der Punkte ausgeglichen über die Mannschaft verteilte. Starke 34 Rebounds (Azovmash 28) und gute Wurfquoten der Albatrosse (53% 2er, 50% 3er) wurden getrübt durch 16 Ballverluste, die die Hausherren vor allem in der ersten Halbzeit mit ihrer oft in Zone wechselnde und absinkende Defense provoziert hatten.
ALBA kam schnell ins Laufen und führte nach zwei Minuten bereits 7:5. Die Gastgeber suchten den frühen Abschluss und machten das Spiel sehr schnell. Vor allem ihr nigerianischer Forward Ejike Ugboaja wer überhaupt nicht zu stoppen und erzielte alleine im ersten Viertel 14 Punkte. Auch Jaruits, der es in der ukrainischen Liga auf 19% Dreierquote bringt, streute gleich drei Distanztreffer ein. Den Albatrossen unterliefen viele Ballverluste, die die Ukrainer, gerne auch von der Dreipunktelinie, eiskalt bestraften. Offensiv hielten die Berliner, angeführt von Julius Jenkins mit 10 Punkten im ersten Abschnitt, dagegen, aber defensiv hatten sie große Probleme die Hausherren in den Griff zu bekommen und reboundeten schlecht. Als die Albatrosse in den Schlussminuten des Viertels vorne ein paar Chancen in Serie vergaben, zog Azovmash binnen kürzester Zeit mit einem 10:3-Lauf davon und baute die Führung zur ersten Pause bis auf 31:22 aus.
Im zweiten Spielabschnitt schien es zunächst so weiter zu gehen wie vorher. Auch wenn die Albatrosse über Jenkins und Byars aus der Halbdistanz sowie Hamann per Dreier versuchten, wieder aufzuschließen, fanden die Ukrainier Aktivposten Rizvic und Jarutis immer wieder einen Weg, den Ball im ALBA-Korb unterzubringen. In der 16. Minute, beim Stand von 41:31, rüttelte Rashad Wright sein Team mit einem Steal endlich wach und initiierte damit einen Schlussspurt vor der Halbzeit. Den Ukrainern wurde mit nun starker Verteidigung überhaupt kein Punkt mehr gewährt, während Dojcin per Dreier und McElroy per Steal nach Fastbreak bis zur Pause auf 40:41 verkürzten. Die Dreierquote der Gastgeber, die in der ersten Hälfte alleine 15 mal aus dieser Distanz draufhielten, war gesunken und lag „nur“ noch bei 40%, während ALBA sehr starke fünf Treffer von acht Versuchen vorzuweisen hatte.
Während Dragan Dojcin sein viertes Foul kassierte und auf die Bank musste, schoss Fred House Azovmash von der Freiwurflinie 62:58 in Front. Chubb und Byars antworteten zum Ausgleich. Ugobaja bekam eine kurze Verschnaufpause, aber der überragende Rizvic musste weiterspielen. Er war einfach nicht zu ersetzen für Mariupol-Coach Andrey Podkovyrov und schoss sein Team mit vier Freiwürfen wieder 69:67 nach vorn, obwohl Sekulic vorher mit einem sauberen Dreier mit Ablauf der 24 Sekunden die erste ALBA-Führung seit langem erzielt hatte. Jetzt ging es Schlag auf Schlag: Jenkins kontertete per Treffer aus 6,25 Metern und Sekulic baute die Führung zweieinhalb Minuten vor Schluss auf 72:69 aus. Bajramovic und Sekulic hatten die Chance weiter vorzulegen, vergaben aber und mussten dann mit ansehen, wie Jaruits bei weniger als zwei Minuten Restzeit seinen Dreier zum Ausgleich durch die Reuse schickte. Nach einer ALBA-Auszeit netzte der starke Julius Jenkins schließlich zum 74:72 ein. Die letzte Minute war angebrochen und Jenkins hatte an der Freiwurflinie die Möglichkeit, den Sack zuzumachen. Er vergab beide Versuche und so musste sein Team noch mal Zittern. Die Berliner verteidigten gut und zwangen Rizvic zum Fehlwurf, doch nach einem Ballverlust von Bajramovic zog Jarutis wenige Sekunden vor dem Ende noch ein Foul. Er verwandelte nur einen der beiden Würfe und in den verbleibenden neun Sekunden entwischte Julius Jenkins mit dem Ball allen Gegnern, die ihn foulen wollten, und brachte so den knappen 74:73 Auswärtssieg über die Zeit.


