Trotz Allen-Gala - ALBA unterliegt bei Phoenix Hagen
(12.1.) Die Albatrosse haben den Sprung auf den zweiten Tabellenplatz verpasst. Trotz einer 37-Punkte-Gala von Derrick Allen verloren die Berliner am Mittwoch Abend ihr Nachholspiel in Hagen mit 86:92 (40:50). Schon am Sonntag bietet sich in der o2 World (17 Uhr) die Gelegenheit zur Revanche.
Konstantin Lwowsky bei KISS FM
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37 Punkte hatte lange kein ALBA-Spieler mehr erzielt. Die letzte Punktausbeute in dieser Kategorie gelang Bobby Brown mit 44 Zählern im legendären ULEB Cup-Spiel gegen Bosna Sarajevo am 4.12.2007 in der Max-Schmeling-Halle. Doch das konnte Derrick Allen kaum über die Niederlage hinweg trösten, genauso wenig wie sich Julius Jenkins wohl darüber freuen konnte, dass er Marco Pesic auf Platz drei der Alltime-ALBA-Scorerliste überholt hatte. Zu viele Fehler hatten die Albatrosse, denen immer noch Tadija Dragicevic fehlte, in Hagen begangen. Zum Beispiel, dass sie das schnelle Spiel der Gastgeber mitgespielt hatten, anstatt sich auf ihre eigenen Stärken zu besinnen. So waren sie zur Halbzeit schon 10 Punkte in Rückstand geraten, nicht in der Lage, das Eins-gegen-Eins und die Dreipunktewürfe der Hausherren zu stoppen. Im dritten Viertel hatten sie zwar wieder Kontrolle über die Partie gewonnen und kurzzeitig geführt. Doch unglückliche Entscheidungen und Schwächen im Rebound brachten in dieser Phase die Hagener wieder ins Spiel, die im Schlussviertel im Gegensatz zu ALBA nun die „Big Plays“ landeten und als verdienter Sieger vom Platz gingen.
Derrick Allens Saisonbestleistung von 37 Punkten (15/18 Trefferquote) und 5 Rebounds halfen genauso wenig, wie 18 Zähler von Julius Jenkins, der wie der Rest des Team einen ganz schwarzen Tag an der Dreierlinie erwischte hatte. Der Shooting Guard traf nicht einen seiner fünf Dreierversuche, sein Team auch lediglich 3 von 16. In fast allen anderen Statistiken unterlegen, glänzten hier die „Feuervögel“ mit 9/19 Treffern (47%). In Reihen der Gastgeber ragten die Amerikaner Bell und Burtschi heraus, die 25 und 19 Zähler erzielten.
Spielverlauf: Die Albatrosse starteten gut in der modernisierten Enervie Arena und setzten sich gleich auf 9:2 ab. Nach drei Minuten hieß es immer noch 11:4, wobei ein gut aufgelegter Derrick Allen bemerkenswerter Weise sämtliche Punkte bei ALBA erzielt hatte. Doch plötzlich geriet eine Menge Sand ins Berliner Getriebe: Lucca Staiger netzte in der sechsten Minuten noch einen Dreier zum 16:12 für sein Team ein, doch es spielten nur noch die Hagener. ALBA gelang bis zur Viertelpause kein Punkt mehr, während sich die Hausherren angeführt von Jacob Burtschi und David Bell mit ihrem berüchtigten Tempospiel und ihrer Ganzfeld-Mannpresse bis auf 23:16 absetzten.
Auch eine anhaltende Gala-Vorstellung von Derrick Allen, der in der ersten Halbzeit 21 Punkte markierte, half den Albatrosse nicht, das Spiel wieder unter Kontrolle zu bekommen. Dreier um Dreier versenkten die Gastgeber. In der 12. Minute brachte Pryor (natürlich per Dreipunktewurf) die Hagen-Führung erstmals in den zweistelligen Bereich (30:20), der überragende Burtschi erhöhte kurz darauf sogar auf 37:24. ALBA zwang die Hagener zu immer mehr Ballverlusten, konnte daraus aber nicht ausreichend Kapital schlagen. Julius Jenkins, dem von außen gar nichts gelingen wollte, verkürzte per Fastbreak-Dunk noch mal auf 28:37 und Derrick Allen kurz vor der Halbzeit auf 38:45, aber der vierte Dreier von Burtschi (im sechsten Versuch) und Freiwürfe durch Dorris machten die Differenz nach 20 Minuten wieder zweistellig (50:40). Phoenix hatte zur Halbzeit 6/10, ALBA 1/10 Dreiern getroffen.
Auch nach der Pause behielt Derrick Allen bei ALBA offensiv das Kommando. Er erzielte Punkt um Punkt und initiierte mit seinem Team eine Aufholjagd. Nachdem Marinovic auch endlich wieder einen Dreier für ALBA getroffen hatte, stand es nur noch 52:54 und Hagen-Coach Freyer brauchte schnell eine Auszeit. Kurz darauf glich Allen aus und die Partie war wieder komplett offen. Sven Schultze kassierte zwar schon sein viertes Foul, aber Derrick Allen brachte ALBA mit seinen Punkten 30 und 31 nach langer Zeit endlich wieder 60:59 in Führung (27. Minute). Anderthalb Minuten vor der Viertelpause führten die Berliner noch mit 65:63, doch durch eimen 0:7-Lauf der Hausherren, abgeschlossen durch einen Dreipunktwurf in letzter Sekunde von Jonusas, geriet ALBA vor dem Schlussabschnitt wieder 65:70 ins Hintertreffen.
ALBA behielt den Anschluss, schaffte es aber nicht, auf einen Zähler oder unentschieden heranzukommen. Dabei war auch nicht förderlich, dass Derrick Allen und Marko Marinovic mit ihrem jeweils vierten Foul auf der Bank Platz nehmen mussten. Sechs Minuten vor Schluss setzte Büchert Hagen auf 77:72 ab, doch Julius Jenkins, der in der fünften Minuten seinem eigenen verworfenen Freiwurf nachging und den Ball einlegte, machte es wieder eng – 79:80. Aber die Gastgeber hatten nun immer ein Big Play als Antwort parat, so dass die Berliner, die wiederum Punkte an der Freiwurflinie liegen ließen und denen unnötige Fouls (zwei unsportliche) und Ballverluste unterliefen, das Blatt nicht mehr wenden konnten. Nachdem in den letzten Minuten Hagen drei Freiwürfe verlegte und McElroy nochmals auf 84:88 verkürzte, keimte wieder etwas Hoffnung auf. Doch als Jonusas 37 Sekunden vor Schluss zwei Freiwürfe zu einer Sechs-Punkte-Führung für Hagen versenkte, war die Messe gelesen.
Stimmen zum Spiel
Ingo Freyer (Hagen):
Wir haben heute wieder mit sehr viel Herz gespielt. Diesmal haben wir zudem taktisch alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Wir wollten ALBA die Dreier wegnehmen, das ist uns weitgehend gelungen. Die paar freien Würfe haben sie nicht getroffen, das hat ebenfalls geholfen. Dadurch konnte Allen viel am Brett punkten, aber das haben wir hinnehmen müssen, um die Dreierlinie zu verteidigen. Für Berlin war unser Tempo sicher ungewohnt. Bei uns musste natürlich alles stimmen, um zu gewinnen. Ich bin unglaublich stolz, dass wir ALBA hier in Hagen schlagen konnten. Vor zwei Jahren waren wir noch zweitklassig. Ich bin heute ganz besonders stolz auf meine Spieler. Es geht bei uns aber weiter nur um den Klassenerhalt. Zu den Abstiegsplätzen haben wir jetzt etwas Luft.
Luka Pavicevic (ALBA):
Hagen hat uns sein Spiel und sein Tempo aufgezwungen. Wir konnten das nicht unterbinden. Dadurch hat Hagen viele Schüsse aus der Bewegung und viele Eins-gegen-Eins-Situationen bekommen. Für uns war das heute die Chance, eine Serie von Siegen fortzusetzen. Das haben wir nicht geschafft. Wir sind einfach nicht konstant genug. Wir haben eigentlich die Qualität, konnten diese aber an einem Ort wie Hagen, der schwer zu spielen ist, nicht abrufen.


