Im Verein Sport zu treiben, ist vieler Orts gar nicht so leicht. Nicht, weil die Menschen es nicht tun wollen und es an Motivation mangelt, sondern weil es schlichtweg nicht immer möglich ist. Für Kinder und Jugendliche beispielsweise sind das aufstrebende Konzept Ganztagsschule und Sport im Verein nur schwer zu vereinbaren. Und auch diejenigen, die dem Schulalter bereits länger entwachsen sind – Eltern zum Beispiel – finden nicht immer Zugang zum Sport. Um dem entgegenzuwirken, denkt ALBA Sport anders und schafft da Angebote, wo sie gebraucht werden. Zum Beispiel mit dem Projekt „ALBA macht Schule“, das nicht nur berlinweit für sportliche Sozialarbeit steht, sondern auch ein neues Verhältnis von Schule und Verein kreiert.

Mirko Petrick steht lachend an der hölzernen Wandbekleidung in der der Schulturnhalle der Grundschule am Falkplatz. Vor ihm wuseln dutzende Kinder wild durcheinander durch die Halle, in deren Mitte eine aus Matten gebaute Wand steht. Sie spielen ein Spiel, dessen Ziel es ist, viele verschiedene Bälle so oft wie möglich über die Mauer und in das Feld des gegnerischen Teams zu werfen. Sehr simpel, umso spaßiger. Die Kinder, die vor Petrick herumwirbeln, werfen und passen sind Teilnehmer einer sogenannten Ballspielgruppe. Die Ballspielgruppe wiederum gehört zu dem Angebot, dass ALBA und die Grundschule am Falkplatz im Rahmen des allumfassenden Projektes „ALBA macht Schule“ anbieten.

2005 wurde dieses mit dem Ziel gegründet, mehr Basketball und Sport im Allgemeinen an Berliner und Brandenburger Schulen möglich zu machen. Die Beweggründe sind einfach: Durch das Modell Ganztagsschule verzeichnen viele Vereine rückläufige Mitgliederzahlen. Also wartet ALBA nicht, bis die Kinder von alleine kommen oder eben nicht kommen, sondern geht dorthin, wo die Kinder sowieso sind: in die Schulen. Die Vorteile sind zahlreich und beidseitig. „Wir profitieren davon, dass wir viele Kinder erreichen“, sagt Petrick und ergänzt: „Die Kids haben kurze Wege und können in ihrem gewohnten Umfeld Sport machen – zusammen mit ihren Kumpels und bei Trainern, die sie gut kennen und denen sie vertrauen.“ In Zusammenarbeit mit den Lehrern können diese wiederum sportorientierte Sozialarbeit leisten und ein Sportangebot schaffen, das es in der Form vorher nicht gab.

Für diejenige, die im Sportunterricht, in den Ballspielgruppen und Basketball-AGs vom Basketball nicht genug bekommen, hat ALBA mit einigen Partnerschulen sogenannte Schulvereinsteams geschaffen. Gewissermaßen Schulmannschaften, die auch im regulären und außerschulischen Spielbetrieb des Berliner Basketball Verbandes zusammenspielen – als ALBA Hausburg oder ALBA am Falkplatz beispielsweise. An fünf Partnerschulen von ALBA gibt es inzwischen solche Schulvereinsteams.

Zwei Paradebeispiele für das neue, engere Verhältnis von Schule und Verein sind die Grundschule am Kollwitzplatz und die bereits erwähnte Grundschule am Falkplatz. An der erstgenannten sei man schon im Schuljahr 2006/2007 mit einer Basketball-AG gestartet, erinnert sich Marius Huth, der damals ALBA-Jugendtrainer war und heute zusätzlich für die Mini- und Grundschulkoordination zuständig ist. Zwei Jahre später wurde die Schule zur Sportprofilschule und somit auch im regulären Sportunterricht von ALBA-Trainern unterstützt – bis zu 16 Stunden wöchentlich. Seit 2010 gibt es an der Schule auch Schulvereinsteams. Inzwischen gleich mehrere in jeder Altersklasse, sodass derzeit über 60 Schülerinnen und Schüler ALBA-Mitglieder sind und sich als ALBA Kollwitzplatz mit anderen Berliner Vereinen messen. Ganz ähnlich, aber im Schnelldurchlauf lässt sich die Entwicklung an der Grundschule am Falkplatz beschreiben. Auch hier wurde 2016 mit einer einzelnen AG und nur einer Handvoll Kinder gestartet. Auch hier spielen inzwischen über 50 Kinder in gleich fünf Schulvereinsteams. Bis zur u12 können sowohl Mädchen als auch Jungen in diesen Mannschaften spielen. Erst im Anschluss wechseln diejenigen, die weiter Basketball spielen wollen, in einen klassischen Verein – die meisten zu ALBA. „Ungefähr die Hälfte spielt nach der Grundschule weiter“ sagt Marius Huth.

Die Kombi Schule und Verein geht also auf. Die Gründe hierfür sind zahlreich. Einer von ihnen ist die kontinuierliche Betreuung durch die bestenfalls immer gleichen Vereinstrainer. „Der Trainer macht unheimlich viel aus“, sagt Marius Huth und ergänzt: „Er fängt die Kids ein und begeistert sie.“ Bestes Beispiel: Mirko Petrick an der Grundschule am Falkplatz. Der betreut nämlich mit seinem Trainerteam nicht nur die Kinder der Ballspielgruppe, die vor ihm noch immer voller Enthusiasmus ihre Bälle über die Mauer schmeißen, sondern auch regulären Sportunterricht und eben die Schulvereinsteams. So wandern die Kinder alters- und interessensbedingt zwischen den Gruppen, aber der Trainer bleibt der gleiche. „Wir glauben extrem an diese Idee, dass du dort Sport machst, wo du auch zur Schule gehst, bei den Trainern, bei denen du auch den normalen und allumfassenden Sportunterricht hast“, sagt Marius Huth.

Nicht ganz so schnell und auch mit etwas weniger Begeisterung, als die Grundschulkinder, bewegen sich gut zehn Stunden nach der Ballspielgruppe von Petrick nun erwachsene Menschen über das Parkett. In der ALBA-Jugendhalle in der Knaackstraße spielt ausnahmsweise nicht die Jugend, sondern deren Elternschaft. Einmal die Woche bietet sich dieses Bild – beim ALBA Elternsport. Es wird ein wenig trainiert und viel gespielt.

Angebote wie der Elternsport spielen in der Philosophie ALBAs eine wichtige Rolle. Schließlich sind sie ein wichtiger Teil in dem Bestreben, ein breit gefächertes Sportangebot für alle Altersklassen anzubieten und Berlin zu einer Sportstadt für alle zu machen. Und auch für die Eltern, die zwar nicht mit kindlichem Enthusiasmus, aber doch mit einiger Begeisterung und viel Ehrgeiz am Körbewerfen probieren ist das spielerische Training bei ALBA eine gute Sache. So lernen sie nicht nur den Basketball auf eine neue Art kennen, sondern bekommen zusätzlich einen Einblick, was ihre Kinder eigentlich Woche für Woche so tun und leisten. Zum Beispiel in den Ballspielgruppen, AGs und Schulvereinsteams der Grundschule am Falkplatz.

Alle erschienenen Teile der Serie:
Teil 1: Eine Einführung
Teil 2: Vereinssprt neu und ganzheitlicher denken
Teil 3: Sportlerbiografien möglich machen

Teil 4: Anreize setzen
Teil 5: Leistungssport neu denken
Teil 6: Unser größtes Kapital
Teil 7: Vernetzen und entwickeln
Teil 8: Wissen teilen
Teil 9: Schaufenster in die Welt

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