Nach der extremen Belastung der letzten Monate (13 Spiele alleine im März, neun davon auswärts) müssen unsere Albatrosse aktuell nochmal eine Woche mit drei Partien absolvieren und wechseln danach erstmalig seit Mitte Oktober wieder zu einem normalen Rhythmus mit zwei Spielen pro Woche. Im April stehen für Coach Aito und sein Team "nur" acht Pflichtspiele und das Pokal-TOP4 in München auf dem Plan. Das kommende Heimspiel am Karfreitag (Tipoff 19 Uhr) gegen Valencia Basket ist dabei als Neuauflage des EuroCup-Finales 2019 ein Saison-Highlight, auch wenn ein Einsatz bei der Rückkehr des im Sommer aus Berlin nach Valencia gewechselten Martin Hermannsson wegen einer Verletzung noch fraglich ist.

Für Valencia geht es um den Verbleib in der EuroLeague

Im Hinspiel am 3. Dezember war Hermannsson Valencias bester Spieler, konnte mit seinen 13 Punkten und sechs Assists aber nicht verhindern, dass die ohne Marcus Eriksson, Simone Fontecchio und Ben Lammers stark ersatzgeschwächten Berliner mit 17/32 Dreiern und 28 Assists auf spektakuläre Weise Basketball-Geschichte schrieben. ALBAs 100:92-Sieg war der erste Sieg einer deutschen Mannschaft in Valencia. Der Sieg in der „La Fonteta“-Arena tat ALBA dabei doppelt gut, denn Valencia war im EuroCup nicht nur im Finale 2019, sondern auch schon 2010 (Finale), 2014 (Viertelfinale) und 2017 (TOP16) Endstation für die Berliner gewesen.

Mit vier EuroCup-Titeln (2003, 2010, 2014 und 2019) sowie der spanischen Meisterschaft 2017 (damals mit Luke Sikma) ist Valencia das erfolgreichste spanische Team hinter Real Madrid, dem FC Barcelona und Baskonia Vitoria, wurde aber - vor allem wegen der kleinen Halle – von der EuroLeague nie für eine langfristige A-Lizenz in Betracht gezogen. Mittlerweile wird eine neue Arena gebaut, aber vorerst muss Valencia sich den vierten spanischen EuroLeague-Startplatz weiter alljährlich neu verdienen – in dieser Saison über das Erreichen der Playoffs. Um das zu schaffen, muss Valencia am Freitag zwingend in Berlin gewinnen.

Sam van Rossom und Guillem Vives führen seit 2014 Regie

Ein großes Erfolgsgeheimnis von Valencia ist seit jeher die Kontinuität, die auf der Spielmacher-Position von Guillem Vives und Sam van Rossom personifiziert wird. Der Katalane und der Belgier dirigieren Valencia schon in der siebten Saison und tun das mit ihrer zunehmenden Erfahrung so souverän und abgeklärt, dass es für Martin Hermannsson zunächst schwer war, an ihrer Seite einen Platz im Team zu finden. Vives ist dabei defensiv etwas stärker, während van Rossom die etwas kreativeren Pässe gibt.

Vergleichsweise neu sind bei Valencia die beiden Schützen auf der Position zwei. Der bei Partizan Belgrad groß gewordene Vanja Marinkovic kam erst 2019 und der Slowene Klemen Prepelic kam erst im vergangenen Sommer von Real Madrid, wo er es müde war, den 13. Mann zu spielen. Der Stern des Ex-Oldenburgers (2015/16) ging vor allem bei der EM 2017 auf, wo er zusammen mit den NBA-Stars Luka Doncic und Goran Dragic beim Europameister Slowenien ein geniales Backcourt-Trio bildete. Auch in Valencia beweist er sich in dieser Saison als Spieler, bei dem der Ball in der Crunchtime, wenn es auf den letzten Wurf ankommt, gut aufgehoben ist.

Nikola Kalinic war im Sommer Valencias „Königstransfer“

Ein zweites Erfolgsgeheimnis Valencias ist die gute Ballbewegung. Nur ALBA teilt den Ball in der Offensive ähnlich ausgiebig wie die Spanier. Valencia und ALBA führen entsprechend die Assist-Statistik der EuroLeague mit je zwanzig pro Spiel an und noch mehr als bei ALBA verteilen sich diese Pässe in Valencia dabei auf verschiedene Spieler. Neben den Aufbauspielern verteilen auch Klemen Prepelic und Center Bojan Dubljevic mehr als zwei Assists pro Spiel und auch der im Sommer von Fenerbahce Istanbul nach Valencia gekommene Nikola Kalinic agiert auf dem Flügel mit mehr als drei Assists pro Spiel und großer Spielübersicht wie ein Aufbauspieler.

Der vielseitige serbische Nationalspieler, der auch gut von Angriff auf Verteidigung umschaltet, viele Rebounds holt und den Dreier trifft, war im Sommer nach fünf erfolgreichen Jahren bei Fenerbahce Istanbul der „Königstransfer“ von Trainer Jaume Ponsarnau. Mit seiner Athletik ist Kalinic in der Offensive am gefährlichsten, wenn er aggressiv zum Korb zieht. Mit dem defensivstarken Joan Sastre (fünfte Saison in Valencia) und dem spielintelligenten und unverwüstlichen 37-jährigen Ex-Nationalspieler Fernando San Emeterio (sechste Saison in Valencia) weiß Kalinic zwei starke Back-ups hinter sich, die Valencia auf dem Flügel sehr variabel machen.

Die Center Bojan Dubljevic und Mike Tobey werfen auch Dreier

Zusammen mit Kalinic kam im Sommer der beim NBA-Draft 2011 an zweiter Stelle gezogene Power Forward Derrick Williams von Fenerbahce nach Valencia. Der NBA-Star, der in der Saison 2018/19 bei seinem Europa-Debüt im Bayern-Trikot für viele spektakuläre Höhepunkte in der Bundesliga sorgte, verließ die Münchener aber nach nur einer Saison wieder und zelebriert seine Dunkings jetzt für Valencia. Der lange Louis Labeyrie fungiert auf der Position vier mit großer Intensität und viel Gespür für Rebounds und zu blockende Würfe als das defensive Gegenstück zu “D-Will“, was den Franzosen aber nicht davon abhält, zuweilen einen Dreier einzustreuen.

Keine Angst vorm Dreier haben auch Valencias Center Bojan Dubljevic und Mike Tobey, die sich mit großer Beweglichkeit und Finesse sehr effektiv unter dem Korb abwechseln. Dubljevic kam schon 2012 aus Montenegro nach Valencia, wo er als bester Center des EuroCups Kultstatus genießt – auch weil er stets standhaft Rufe diverser NBA- und EuroLeague-Clubs überhörte. Seit 2018 wird er vom acht Zentimeter größeren US-Center Mike Tobey unterstützt, dem es auf seiner ersten Station in Europa offenbar in Valencia genauso gut gefällt und der sich in großen Schritten zu einer echten Alternative zum bulligeren Dubljevic gemausert hat.

Große Aufholjagd kann 79:88-Niederlage gegen Piräus nicht verhindern

Am Dienstag hätte Valencia bereits einen großen Schritt in Richtung Playoffs tun können, aber das Heimspiel gegen Olympiakos entwickelte sich für die Spanier, die im zweiten und dritten Viertel total verkrampften, zum Albtraum. Nach drei Vierteln lag Valencia schon 41:74 hinten. Auch ein von Klemen Prepelic (12) und Fernando San Emeterio (11) angeführter furioser 38:14-Endspurt im Schlussviertel konnte den Sieg nicht mehr retten (79:88) und war allenfalls dafür gut, die Moral im Team vor dem nun noch wichtigeren Spiel in Berlin etwas aufzubessern. Ansonsten punkteten für Valencia nur noch Vanja Marinkovic und Joan Sastre (je 10) zweistellig.

Seit der Verletzung von Martin Hermannsson spielt Valencia in folgender Aufstellung (in Klammern gerundete Saison-Stats/Spiel):
PG: Sam van Rossom (23 min, 7 p, 4 as, 3 rb), Guillem Vives (18 min, 5 p, 2 as)
SG: Klemen Prepelic (21 min, 12 p 3 as), Vanja Marinkovic (15 min, 6 p), Puerto (5 min)
SF: Nikola Kalinic (27 min, 10 p, 3 rb, 3 as), Joan Sastre (17 min, 5 p), S.Emeterio (14 min, 5 p)
PF: Derrick Williams (20 min, 9 p, 3 rb), Louis Labeyrie (21 min, 8 p, 4 rb), Pradilla (7 min)
C: Mike Tobey (19 min, 10 p, 5 rb), Bojan Dubljevic (23 min, 10 p, 6 rb)

Stimmen zum Spiel:
 

Aito Garcia Reneses (ALBA-Headcoach): „Valencia ist eine Mannschaft, die den Ball sehr gut bewegt. Sie haben auf allen Positionen sehr viel Qualität und sind tief besetzt, dazu werden sie sehr gut gecoacht. Es wird das nächste schwierige Spiel für uns, aber wir werden dagegenhalten und wollen bis zum Ende der EuroLeague-Spielzeit unser Bestes geben.“

Marcus Eriksson (ALBA-Guard): „Es wird ein schweres Spiel. Valencia kämpft noch um den Einzug in die Playoffs. Sie werden dementsprechend gut vorbereitet und bereit sein, wir müssen deshalb mit viel Energie ins Spiel gehen. Außerdem liegt unser Fokus darauf, guten Basketball über 40 Minuten zu spielen und die Schwächephasen, die wir zuletzt zeitweise in unserem Spiel hatten, auszuradieren.“

Gut zu wissen:
 

Luke Sikma spielte vor seinem Wechsel zu ALBA zwei Jahre für Valencia. Aus der Mannschaft, die 2017 spanischer Meister wurde, sind heute noch Sam van Rossom, Guillem Vives, Joan Sastre, Fernando San Emeterio und Bojan Dubljevic dabei. Auch der junge Josep Puerto gehörte damals schon zum erweiterten Kader. Jaume Ponsarnau war damals noch Assistenztrainer.

Der Mallorquiner Joan Sastre begann seine Profikarriere in der spanischen Liga in Sevilla, wo von 2012 bis 2014 Coach Aito sein Trainer war. Derrick Williams spielte in der Saison 2018/19 zusammen mit Maodo Lô für Bayern München.

Valencia Basket (Stats Turkish Airlines EuroLeague 2020/21)

Nr.

Name

Pos.

Alter

cm

Nat.

EL

Ø Pkt

Ø Rb

Ø As

2

Vanja Marinkovic

2

24

198

SRB

1 J.

6,2

1,1

0,6

3

Klemen Prepelic

2

28

191

SLO

2 J.

11,6

1,4

2,7

4

Jaime Pradilla

4/5

20

205

ESP

---

2,9

1,3

0,3

6

Josep Puerto

2

22

200

ESP

1 J.

1,2

0,4

0,3

7

Louis Labeyrie

4

29

209

FRA

1 J.

7,9

3,6

0,5

9

Sam van Rossom

1

34

188

BEL

3 J.

7,3

2,6

3,8

10

Mike Tobey

5

26

213

USA

1 J.

9,5

4,9

0,8

12

Nikola Kalinic

3/4

29

202

SRB

6 J.

10,1

3,3

3,2

14

Bojan Dubljevic

5

29

205

MNE

3 J.

10,0

5,7

2,3

16

Guillem Vives

1/2

27

192

ESP

3 J.

4,8

1,5

2,2

19

Fernando San Emeterio

3

37

199

ESP

9 J.

5,4

1,5

1,4

21

Derrick Williams

4

29

203

USA

2 J.

8,6

3,0

1,0

24

Martin Hermannsson (verl.)

1/2

26

190

ISL

1 J.

6,9

1,5

3,4

30

Joan Sastre

2/3

29

201

ESP

2 J.

5,1

1,2

0,9

42

Millan Jimenez

2

18

198

ESP

1 J.

0,0

0,0

0,0

45

Guillem Ferrando

1

19

185

ESP

1 J.

0,0

0,0

0,0

Head Coach: Jaume Ponsarnau (49, ESP, dritte Saison mit Valencia, die zweite in der EuroLeague)

Valencia: Resultate der letzten drei Wochen:
12.3. Valencia – Fenerbahce Istanbul (EuroLeague) 66:52 (S) van Rossom 17
14.3. GBC San Sebastian – Valencia (Liga endesa) 78:60 (N) Labeyrien 15
19.3. Khimki Moskau – Valencia (EuroLeague) 68:77 (S) Williams 18
21.3. Valencia – FC Barcelona (Liga endesa) 64:80 (N) Tobey 13
25.3. Valencia – Bayern München (EuroLeague) 83:76 (S) Tobey 18
28.3. Lenovo Teneriffa – Valencia (Liga endesa) 90:86 (N) Dubljevic 18
31.3. Valencia – Olympiakos Piräus (EuroLeague) 79:88 (N) Prepelic 12

ALBA BERLIN: Resultate der letzten drei Wochen:
11.3. ASVEL Villeurbanne – ALBA (EuroLeague) 89:95 (S) Siva 21
14.3. ALBA – Göttingen (easyCredit BBL) 89:58 (S) Fontecchio 14
16.3. Weißenfels – ALBA (easyCredit BBL) 82:96 (S) Eriksson 16
18.3. ALBA – Olympiakos Piräus (EuroLeague) 80:84 (N) Siva 14
21.3. Frankfurt – ALBA (easyCredit BBL) 60:94 (S) Eriksson 18
23.3. Hamburg – ALBA (easyCredit BBL) 90:75 (N) Giffey 16
26.3. FC Barcelona – ALBA (EuroLeague) 80:67 (N) Sikma 9
28.3. ALBA – Weißenfels (easyCredit BBL) 93:82 (S) Fontecchio 17
30.3. Zalgiris Kaunas – ALBA (EuroLeague) 96:86 (N) Siva 16

ALBA-Bilanz gegen Valencia: 3:9
3 Siege – 9 Niederlagen (in Berlin 2:2)
EuroLeague 0:3, EuroCup 2:6
Höchster Sieg: 100:82 am 3. Dezember 2020 in Valencia
Höchste Niederlage: 54:86 am 19. März 2014 in Valencia