Die Gropiusstadt ist einzigartig in Deutschland. Nicht wegen des berühmten Architekten, der diesen Stadtteil einst gebaut hat. Auch nicht wegen der Ruhe und des vielen Grüns zwischen den Häusern und Wohnanlagen. Sondern wegen einer innovativen Sportidee – die ALBA BERLIN hier seit fünf Jahren gemeinsam mit Partnern vor Ort umsetzt. Im Zentrum dieser Idee steht zweierlei: Zum einen die Idee selber. Zum anderen die Akteure, welche diese umsetzen. Akteure, welche die Sportidee nicht nur prägen und verkörpern, sondern sie auch selber am besten erzählen können.

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Philip Hickethier I Projektleiter „Alba macht Schule“

"Wir haben verstreut in Berlin 140 Partnerschulen, in 60 davon arbeiten wir sehr intensiv mit Trainern viele Stunden die Woche. Insgesamt haben wir in der Alba-Jugend 80 Mitarbeiter, 40 davon hauptberuflich. Gropiusstadt ist für mich ein interessanter Kiez, ein spezieller Sozialraum: alle Bildungseinrichtungen eng beieinander, fußläufig oder mit dem Fahrrad erreichbar, großartige Kita- und Schulleiter, durch den Austausch untereinander entsteht spürbar positive Energie. Auch haben Eltern und Kinder hier im Vergleich zu anderen Teilen der Stadt gefühlt noch mehr Lust, Neues kennenzulernen und zu entwickeln. Um die Kommunikation in Schwung zu halten, haben wir eine Kiez-Koordinatorin eingesetzt.

Derzeit bewegen wir schon 850 Kinder jede Woche – eine starke Zahl. Unsere Idee für Gropiusstadt ist: dass man die bildungsbiographischen Übergänge von der Kita bis zum Schulabschluss mit Sport und Basketball auflädt, dass sich das auf Dauer auch in die Freizeit erstreckt, in die Wochenenden und Ferien. Deshalb gründen wir extra einen Verein, das Alba-Logo und die Profi-Welt können doch Motivation sein für alle, die Bock auf mehr haben. Wenn dadurch mal ein Nationalspieler herauskommt, wäre das schön und identitätsstiftend für den Gropiusstädter Kiez, und die anderen Kinder wachsen eben mit Basketball auf. Wir denken langfristig. Das Bezirksamt will uns am Campus Efeuweg, wo ein Sprach- und Bewegungszentrum entstehen wird, Räume zur Verfügung stellen. Dann gibt es Alba in Gropiusstadt auch als Ort. Ich selbst war ja Handballer, drei Kreuzbandrisse und mit Leistungssport war es vorbei. Doch weil Sport meine ganze Sozialisation begleitet hat, studierte ich Sportsoziologie. Bei „Alba macht Schule“ bin ich seit sechs Jahren. Und das reizvolle an der Idee für Gropiusstadt ist: Sie ist einmalig, es gibt dafür keine Blaupause, an der man sich orientieren könnte, wir sind kreativ und frei."
 

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Elke Meyer I Kita-Leiterin

"Von unseren 132 Kindern leiden viele an Bewegungsarmut. Die stolpern, wenn sie rennen sollen, haben einen schlechten Gleichgewichtssinn und Angst vor Höhe; sie sind schon beim Spazierengehen rasch erschöpft. Das ist wie in Nord-Neukölln, am Herrmannplatz, wo ich früher war. Sie alle haben in ihren zu kleinen Wohnungen wenig Raum für Bewegung, sitzen vorm Bildschirm. Im Norden mussten wir die Spielplätze sogar nach Spritzbesteck absuchen, auf den Gehwegen wurden die Kinder angerempelt, das ist in Gropiusstadt anders, da steht auch nicht an jeder Ecke ne ausrangierte Couchgarnitur. Wir haben hier Platz, viele Wiesen, Büsche, Bäume, sogar ein Wäldchen und eine Drachenwiese.

Franzi, die Trainerin von Alba, kümmert sich um die Kinder ab drei in unserem Bewegungsraum. Mit den ältesten geht sie einmal in der Woche in die Sporthalle der Hermann-von-Helmholtz-Schule gleich nebenan, da baut sie einen Parcour auf, in der Gruppe machen auch die Erstklässler mit. Für unsere Kinder ist das ein Abenteuer, allein die räumliche Dimension dieser Halle, die Akustik, wie winzig sie sich darin fühlen. Ich war total baff, wie sich Ältere und Jüngere gegenseitig motivieren und Mut machen, hey, du schaffst das, hoch zu klettern, probier’s nochmal, über den Balken zu gehen… Und wie schnell man Erfolge sieht. Sie werden sicherer in ihrer Motorik, die Auge-Hand-Koordination macht Fortschritte, sie lernen das Miteinander im Team, es gibt sehr klare Regeln in so einer Stunde, das soziale Verhalten ist besser geworden. So schnuppern unsere Kinder spielerisch schon mal in den Kosmos Schule rein, das macht Lust darauf und den Übergang für sie einfacher. Für die ganz Kleinen haben wir vor Monaten eine Bewegungsbaustelle angeschafft, Holzbausteine, Balancierelemente, Stäbe, an denen sich das Körperbewusstsein schulen lässt, das funktioniert super. Die nächste Gruppe wird schon viel fitter zu Franzi ins Training kommen."
 

Franziska Winckelmann I Alba-Kita-Trainerin

"Montag ist Franzi-Tag, das ist längst bei den Kindern drin, sie freuen sich richtig drauf. Mit so ganz Kleinen hatte ich als Trainerin noch keine Erfahrung. Seit zweieinhalb Jahren komme ich jetzt nach Gropiusstadt, meine Sprache hat sich seitdem verändert: Die Ansagen sind kürzer, präziser geworden, für Kinder schneller aufzunehmen. Mit den Zwei- bis Fünfjährigen arbeite ich jeweils eine halbe Stunde im Bewegungsraum der Kita, mit den Vorschülern gehe ich in die Sporthalle der Schule nebenan, dort trainieren wir in zwei Gruppen je 45 Minuten gemeinsam mit den Erstklässlern. Die Lehrer und Erzieher sind immer dabei. So können wir in kurzer Zeit viel aufbauen, Hilfestellungen geben und üben.

Durch den Kita-Sport sind alle mittlerweile viel besser vorbereitet, kürzlich haben wir Ringe geturnt, so tolle Sachen gehen inzwischen. Ich habe kein Kind mehr, das sich nichts traut, sie sind alle sicherer geworden und mutiger. Wenn die eine Matte sehen, machen sie eine Rolle. Über eine umgedrehte Bank balancieren sie, ohne dass ich etwas sage. Anfangs hatten sie Respekt, brauchten eine helfende Hand. Bei mir gibt es vier klare Regeln: Erstens, zuhören. Zweitens, Spaß haben (sonst lernen sie nichts). Drittens, wenn ich hinfalle, stehe ich auf und mache weiter. Viertens, wir sind rücksichtsvoll. Das funktioniert. Neulich haben wir wieder an den Geräten gearbeitet, ein Lehrer kam und meinte, oh, das ist ja ganz ruhig bei euch. Klar, die Kinder konzentrieren sich. Mein Ziel ist, dass die Kinder so viele Sportgeräte wie möglich kennenlernen, sich vielseitig bewegen können, dass sie zum Beispiel auf einem Bein hüpfen können. Aber auch Bewegung zu Musik oder Rhythmusübungen gehören bei mir dazu. Ich habe Sport studiert und bin seit elf Jahren Trainerin. Ich arbeite schon lange am Leistungsstützpunktweiblich des Berliner Basketball Verbandes, seit 2016 hauptamtlich. Und außerdem bin ich bei den BERLIN BASKETS, die in Lichtenberg und Hohenschönhausen tätig sind. Wie in Gropiusstadt gibt es auch dort viele Hochhäuser. Nur ist es an der Frankfurter Allee um einige Dezibel lauter."
 

Stephan Witzke I Schulleiter der Lisa-Tetzner-Grundschule

"Ich habe einen Traum: Eines Tages wird es große Schulturniere geben, bei denen die Namen der Schulen etwas zählen, hey, da ist die Lisa-Tetzner dabei, gegen die müssen wir unseren besten Basketball spielen, die sind stark. Meine Schule, mein Team, unsere Trikotfarben. So, wie es in den USA betrieben wird. Das schafft Identifikation, hier zählt nur der Sport, und nicht, hast du das neue Smartphone. Die ganze Schule ist dann dabei und feuert das eigene Team an. Deshalb habe ich sofort zugepackt, als ich von der Idee „ALBA macht Schule“ gehört habe. Im Moment profitieren schon 65 Schüler von den professionellen Basketball-Trainern, die einmal die Wochen zu uns kommen. Die Erfahrungen sind hervorragend.

Bewegung ist ein ganz großer Motor für die kognitive Entwicklung, etwa in Mathematik. Gerade im pränumerischen Bereich geht es darum zu ordnen, das ist oben, das ist unten. Wenn ich aus meinem Büro schaue, sehe ich Einfamilienhäuser auf der einen Seite, Hochhäuser auf der anderen; für diese Schüler wäre es enorm zu sagen, ich gehe Nachmittags zu meinem Training, ich mache das jede Woche, ich werde gebraucht. Disziplin ist für viele eine hohe Hürde. Ich freue mich riesig für jeden, der das schafft. Das Profil unserer Schule ist Theater, da machen wir viel. Auf der Bühne geht es auch darum, sich zu bewegen, und um Sprachbildung. Sport könnte unser zweites Standbein mit Integrationskraft sein. Ich habe als Kind selbst gern Basketball gespielt, einen Verein gab es in Köpenick nicht. Seit knapp drei Jahren leite ich jetzt die Schule, ich bin mit meiner Familie in die Gegend gezogen. Ich würde gerne langfristig etwas Tolles aufbauen."
 

Elisa Lierhaus I Kiez-Koordinatorin

"Jeden Donnerstag fahre ich von Pankow, wo ich wohne, in den Süden nach Gropiusstadt und arbeite mit den Kleinen im Bewegungsraum. Da geht es um erste motorische Erfahrungen, Bälle rollen, irgendwo reinwerfen, Purzelbaum machen, sehr spielerisch. Ente, Ente, Fuchs ist etwas, was ihnen viel Freude macht, die sitzen im Kreis und ein Kind geht außen herum, tippt jeden auf den Kopf, und bei Fuchs muss das Kind aufstehen und einen Platz klauen. Ich versuche, jede Übung mit Sprache zu verbinden, denn Bewegung und Sprache gehören zusammen; zudem haben die meisten einen Migrationshintergrund, sich ausdrücken zu lernen ist da wichtig. Vor einem Jahr habe ich mich auf die Ausschreibung bei Alba beworben.

Kiez-Koordinatorin, 40 Stunden. Ich habe den Master in Sportwissenschaft und Sportpsychologie und wurde genommen. 40 Stunden koordinieren?, dachte ich zuerst. Doch die Aufgabe ist umfangreich, wir haben in Gropiusstadt sieben Kitas und sieben Schulen, Trainer, Erzieher, Lehrer, Kinder, Förderer, das Quartiersmanagement, die wollen alle informiert und zusammengehalten werden. Wir veranstalten zum Beispiel ein großes Kiez-Turnier für die Grundschul-Liga. Habe ich alle eingeladen, Politik, Presse, unsere Hauptpartner, die Wohnungsbaugesellschaften? Wir machen einen Stand, große Banner, Catering…, so etwas organisiere ich auch Außerdem bin ich die Vertretung der Leitung des Alba-Kita-Projekts für die gesamte Stadt Berlin, das bauen wir ständig aus; derzeit schickt Alba Trainer an 50 Kitas, von Spandau bis Wedding, von Prenzlauer Berg bis Gropiusstadt. Mit gefällt’s, ich arbeite gern hinter den Kulissen."
 

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