Vergangene Woche war Johannes Thiemann zu Gast in "ALBAs täglicher Sportstunde" und staunte nicht schlecht, wie viel Arbeit in so einem Dreh steckt. Wie der ALBA-Center die letzten Wochen verbracht hat, warum die Malerei doch kein neues Hobby von ihm wird und wie es sich angefühlt hat, nach einem Monat Abwesenheit die Katakomben der Mercedes-Benz Arena zu betreten, hat uns "JT" am Telefon erzählt.

Es war schon eine Weile her, dass Johannes Thiemann den Weg in die Mercedes-Benz Arena genommen hatte. Am 4. März durfte er mit seinen Teamkollegen vor knapp 9000 Zuschauern gegen den großen FC Barcelona spielen und hätte dabei fast für eine große Überraschung gesorgt. Dass auch er in genau zwei Monaten Pause ein wenig die Orientierung verlieren kann, hat er am 4. Mai erfahren. „Ich hätte mich fast verfahren“, sagt er und muss selber lachen, als er von seiner Anfahrt zur Arena sprach. Doch nicht nur den Weg, sondern auch die ALBA-Heimspielstätte als solches hätte er fast nicht wiedererkannt: „Die Halle ist dunkel, es liegt kein Parkett, man läuft einfach nur zur Kabine.“ Und auch dort, wo er sich sonst vor Spielen umzieht, darauf vorbereitet und Siege oder Niederlagen verarbeitet, hat sich einiges verändert.
 

Der heilige Ort der Spieler ist während des Lockdowns zum Studio für "ALBAs tägliche Sportstunde“ geworden. Und JT war nun auch mal mittendrin. „Da es eine coole Aktion ist, habe ich mir das aber auch öfter mal angeschaut und gesagt, dass ich auch mal helfen würde, falls man mich braucht“, erzählt unser Nationalspieler. Mal wieder auf seinem Platz in der Kabine zu sitzen, mal wieder überhaupt zur Halle zu fahren, war für ihn ein tolles Gefühl, auch wenn es ein wenig ernüchternd war. „Es war schon ein bisschen traurig, dass man nicht spielen kann und darf. An sich hat es sich aber gut angefühlt, mal wieder da zu sein“, sagt er. Von der Arbeit vor Ort war er allerdings überrascht. „Lustig war, dass ich dachte, man dreht das so in einem Ruck weg und es dauert so eine oder zwei Stunden“, sagt JT und muss wieder etwas lachen. Denn tatsächlich waren er und der Rest der Filmcrew von 14.30 bis 19.30 Uhr zugange. „Das war schon harte Arbeit. Respekt an die Leute, die das jeden Tag machen. Ich war echt beeindruckt, ich hätte nicht gedacht, dass das so ausführlich wird und so viel Arbeit dahintersteckt“, erzählt unser Center.
 

Der Aufwand dahinter ist halt vor dem heimischen Computer nicht zu sehen. Ein paar Mal hat Johannes Thiemann in den vergangenen Wochen reingeschaut. Mitgemacht allerdings nicht. „Für mich habe ich meine eigenen Home-Workouts gemacht und bin joggen gegangen. Ich hatte genug Trainingspläne, so dass ich keine Sportstunde machen musste“, erzählt er, „ich habe aber auch mal ein „Pamela-Reif-Workout“ mitgemacht.“ Seine Freundin hatte ihn dazu überredet und es war auch ganz lustig. Doch diente das eher dem Spaß, die Pläne von Fitness-Coach Pepe und die eigenen Laufpläne hatten da schon eine höhere Priorität. Gelegentlich war er auch mal mit dem nötigen Abstand gemeinsam mit unserem Kapitän Niels Giffey joggen. „Wir haben aber auch so viel über die gesamte Situation geredet, da wir auch mittlerweile sehr gute Freunde geworden sind. Aber auch mit Timmi hatte ich viel Kontakt“, so JT.

Die Haupt-Bezugsperson war allerdings die eigene Freundin. Neben dem kleinen Workout hatte sie noch eine andere Idee: das Zeichnen auf Leinwand. Schon als Kind hatte Johannes gerne gezeichnet und war schnell davon begeistert, das jetzt noch einmal aufleben zu lassen. Selbst bei Instagram zeigte er seine „Künste“. Doch war die neue Karriere nicht von langer Dauer. „Das haben wir einfach mal versucht und es hat auch Spaß gemacht. Zumindest die beiden Male - danach war das Experiment auch schon wieder vorbei. Es ist auf jeden Fall nicht mein neues Hobby geworden. Wenn man richtig gut werden und nicht nur abstrakte Kunst machen will, dann ist das schon anspruchsvoll und dann fehlt mir auch die Lust, dafür noch mehr Zeit zu investieren“, erzählt JT.

Zumal er diese Zeit während einer normalen Saison ja auch gar nicht hat. Doch vor ein paar Wochen, als noch niemand so recht wusste, wann es wieder in Richtung dieses normalen Lebens gehen würde, blieb plötzlich Zeit für die Dinge, die man sonst nicht machen kann. „Wir haben auch viel gekocht. Meine Freundin war konstant im Homeoffice beschäftigt und ich hatte viel Zeit für mich selber. Ich habe viel gelesen, ein paar Weiterbildungen gemacht“, sagt unser Center. So schön es gewesen ist, die erste Woche auch mal so ein bisschen in den Tag hineinzuleben, hatte er recht schnell gemerkt, dass das auf Dauer nicht funktioniere. Sich einen Plan zu machen, in dem man gemeinsam Mittag isst und andere Etappenziele hat, waren wichtig, „um nicht durchzudrehen. Ich habe die Zeit auch genutzt, mich um meine Schulter zu kümmern, die noch immer Probleme gemacht hat“, sagt JT. Wenn es ihm mental mal nicht so gut ging, hat er sich die eigentliche Situation immer mal wieder vor Augen geführt: „Es gibt Leute, die geliebte Menschen oder ihre Existenzen verlieren und ich spiele halt gerade kein Basketball und habe nicht viel zu tun. Eigentlich gibt es da keinen Grund, schlecht drauf zu sein.“

Erst recht nicht, wenn einem Profisportler in Aussicht gestellt wird, dass er möglicherweise zeitnah wieder spielen wird und damit wieder mehr zu tun hat. Wie die anderen Spieler hat er diese Entscheidung mit großem Interesse verfolgt. „Ich habe mich gefreut, dass es weitergehen könnte und man wieder ein Ziel vor Augen hat. Man ist die vielen Sprints nicht umsonst gelaufen“, sagt er und lacht. „Jetzt muss man sehen, wie die Umsetzung ist. Ich glaube, dass es sehr herausfordernd wird, aber ich finde die Idee gut und möchte auch weiterspielen.“ Bis zur endgültigen Entscheidung aber hat er noch Zeit für ein paar Sachen, die er in den Wochen des Lockdowns zu schätzen gelernt hat. In erster Linie die vielen Spaziergänge in den Parks der Hauptstadt. „Es war schön, die Stadt mal wieder begrünt zu sehen und ein bisschen zu entschleunigen. Auch wenn er sein Lieblings-Lockdown-Essen, Tacos und mexikanische Bowls, in den eigenen vier Wänden gegessen hat, gab es häufig Abstecher zum Lieblings-Café am Monbijou-Park. Das war geöffnet und mit einem Coffee to go von dort „haben wir uns dann auf die Wiese gesetzt und sind vor zum Dom auf die Wiese gegangen“. Zumindest diesen Weg kennt JT mittlerweile im Schlaf und wird dort nicht so schnell die Orientierung verlieren.