Jonas Mattisseck zog es kürzlich vom Berliner Stadtrand ins Zentrum - in die erste eigene Wohnung. Warum ALBAs jüngster Spieler im Profikader besonders viel Glück bei der Wohnungssuche hatte, was ihm in Zeiten der Quarantäne am meisten fehlt und wie er seinem Bedürfnis nach etwas Wettkampf gerade nachkommt, hat er uns am Telefon erzählt.

Bei der Wahl der ersten eigenen Wohnung kann man ziemlich viele Fehler machen. Mal fehlen genug Einkaufsmöglichkeiten, der lange Weg zum Bus oder zur Bahn kann sich nach dem Einzug ebenfalls als Problem herausstellen. Oder es sind nicht genug Steckdosen vorhanden, statt des gewohnten Kabelfernsehens gibt es die bildliche Unterhaltung von einem Satelliten oder umgedreht, die Fenster halten den Lärm von der Straße nicht fern, sondern lassen ihn in die Wohnung. Als eins der größten Probleme aber stellt sich im Nachhinein allerdings gerne mal die falsche Himmelsrichtung heraus. Wenn bei Sonnenschein die Freunde den Balkon zum Erhaschen von Pigmenten, zum Kaffeetrinken oder auch nur zum Züchten von Kräutern nutzen, hat derjenige das Nachsehen, dessen Balkon in Richtung Norden zeigt und stets um dunklen und kühlen Schatten liegt. Jonas Mattisseck scheint diesbezüglich über einen sehr guten, inneren Kompass zu verfügen, kann er sich doch über fehlendes Sonnenlicht in seinem Leben nicht beklagen. „Ich habe von 9 bis 17.30 Uhr auf meinem Balkon die Sonne und anscheinend den perfekten Spot gefunden“, sagt er.

Diese Wahl bezeichnet unser Aufbauspieler allerdings als großes Glück. Denn: „Bei meiner Wohnungssuche habe überhaupt nicht darauf geachtet, wieviel Sonne ich auf meinem Balkon habe. Das hätte auch ganz schön nach hinten losgehen können“, sagt er und freut sich über seinen erfolgreichen Umzug von der Stadtgrenze zu Brandenburg in das Berliner Zentrum. Und doch hat es ihn in den vergangenen Tagen mal wieder in das Elternhaus gezogen. Bildlich festgehalten wurde der Ausflug auf ein Feld in Brandenburg in einer Insta-Story. Ein Wurf, ein Schlag mit dem Baseballschläger und der Ball flog. Ein Glückstreffer, Können oder zeigt das Video den 53. Anlauf, in dem Jonas endlich mal den Ball mit der „Keule“ getroffen hat? „Es hat wirklich gleich im ersten Anlauf geklappt“, sagt er und erzählt von seiner Verbindung zur zweitschönsten Sportart der Welt, die mit einem „B“ beginnt: „Mein Vater hat hier in Berlin eine Zeit lang Baseball im Verein gespielt.“ Den Vereinsnamen kennt Jonas nicht mehr, erinnert sich aber noch an die Tage, an denen er seinen Vater an den Wochenenden zu den Spielen begleitete und auch mal schlagen durfte. „Das hat mir immer schon sehr viel Spaß gemacht und auch wenn wir im Sommer in den USA waren, läuft da außer Baseball kein Profisport“, sagt er. Und weil ein paar Freunde eben nicht in New York oder Boston wohnen, schlägt das Baseball-Herz von unserem Jungprofi für die Minnesota Twins.

Die große Sportlerliebe gehört aber natürlich weiterhin dem Basketball. Auch wenn er den in den vergangenen Wochen nicht so häufig in den Händen halten konnte. Schließlich hat die Corona-Pandemie auch sein Leben geprägt. Gespräche mit Freunden drehten sich gerade zu Beginn nicht um ein Spiel in der Euroleague oder der Bundesliga, sondern um das Virus und die Auswirkungen auf das Leben. „Man merkt erst, wie sehr man seine Freunde vermisst, wenn man sie nicht treffen kann. Schon so kleine Sachen, wie eine Umarmung zur Begrüßung fehlt mir oder mal ein Spieleabend mit Freunden“, erzählt Jonas. Der Entzug aber hat auch ihn erfinderisch gemacht. Beim Malen hat er hin und wieder Entspannung gefunden, in mental schwierigen Phasen ein paar alte Basketball-Spiele auf dem Fernseher geschaut und wieder vermehrt ein paar Runden mit dem Fahrrad gedreht. „Das habe ich wieder neu für mich entdeckt. Da ich in meiner eigenen Wohnung jetzt wieder direkt in der Stadt und nicht mehr am Rand wohne, komme ich mit dem Fahrrad eigentlich überall hin und habe angefangen, ein paar Touren zu fahren und dadurch Konditionstraining gemacht“, erzählt er. Und: „Auf meinem Balkon habe ich jetzt auch ein paar Pflanzen. Ich bin ganz stolz auf meine Erdbeere, die mittlerweile anfängt zu wachsen.“ Neben dem inneren Kompass hat Jonas also auch einen grünen Daumen. Oder ist auch das nur Glück?

Darauf verlässt er sich aber nicht in allen Lebenslagen. Vor allem nicht im Wettkampf. Der fehlt ihm in diesen Tagen ganz besonders. Um dieses Verlangen auszugleichen, wurden verstärkt Battles beim Fifa-Spielen an der PlayStation ins Leben gerufen, Backgammon oder Karten gespielt. „Aber ich habe gemerkt, dass ich jetzt so ziemlich alles nutze, um ein wenig Wettkampf in mein Leben zu bekommen. Das erfahren meine Freundin und meine Familie gerade sehr doll“, sagt er mit einem Lachen. Auch auf seinem Dartboard in der Wohnung werden regelmäßig Duelle ausgetragen. „Das Spiel an der Dartscheibe ist aktuell mein Mainevent des Tages, da hebe ich mein Spiel auf ein ganz neues Level.“ Gut, manche Dinge des täglichen Lebens sind doch nicht sein Kerngebiet. Duelle im Abwaschen und Abtrocknen gibt es in seinem Haushalt nicht, die würde er nach eigener Aussage nur verlieren. Und wer schon seit Kindesalter sehr gerne spielt, verliert eben nicht so gerne.

Positive Zeichen auf eine mögliche Fortsetzung der BBL-Saison kamen da genau richtig. „Als ich davon hörte, habe ich mich riesig gefreut und war einfach nur froh, wieder eine Hoffnung zu haben“, sagt er, „ich würde mich freuen, wenn es klappt, weiß aber auch, dass es eine große Herausforderung wird. Für die Fans, aber auch für die Sportler wird es schön, mal wieder Sport im Fernsehen zu sehen.“ In den kommenden Tagen wird er die Intensität in seiner Trainingseinheiten weiter hochfahren und vielleicht schon bald wieder mit seinen Teamkollegen in der Halle stehen. Bis dahin kann das Sonnenkind aus Lichtenrade die Zeit in der eigenen Wohnung aber noch genießen. Auf dem sonnigen Balkon oder wie zuletzt bei einem Star-Wars-Marathon mit der Freundin. Vor allem die älteren Teile sind es dabei, die sein Herz schneller schlagen lassen. Und die Freundin musste da eben in dieser Woche mit durch. „Ich habe sie aber nicht gezwungen“, stellt Jonas klar, „denn ich habe ihr im Gegenzug versprochen, dass wir in den nächsten Tagen zwei Filme von ihr schauen. Dann landen wir bei den romantischen Filmen, aber das macht man mit seiner Partnerin natürlich gerne.“