Unsere Albatrosse verabschieden sich am Donnerstag um 20 Uhr mit einem Heimspiel gegen "Roter Stern" bzw. "Crvena zvezda" Belgrad aus der Saison 2020/2021 der Turkish Airlines EuroLeague. Da beide Teams keine Playoff-Chancen mehr haben, rückt am letzten Spieltag aus Berliner Sicht das Wiedersehen mit den Ex-Berlinern Landry Nnoko und Marko Simonovic in den Fokus. Vor allem der kamerunischen Center, der beim letztjährigen Gewinn des Doubles ALBAs "Turm in der Schlacht" war, ist allen ALBA-Fans noch gut in Erinnerung.

Trainer Dejan Radonjic löste im Dezember Sasa Obradovic ab

Ansonsten dürften beide Teams das Spiel zur Vorbereitung auf die nächsten Aufgaben auf nationaler Ebene nutzen. ALBA erwartet nur zwei Tage später mit den Hamburg Towers in der easyCredit BBL einen möglichen Playoff-Gegner und eine Woche später geht es beim TOP4 in München bereits um den Pokaltitel. Roter Stern Belgrad steuert in der Adria-Liga im Kopf-an-Kopf-Rennen mit Buducnost Podgorica auf einen dramatischen Endspurt zu, dem eine große Bedeutung zukommt. Nur der Champion der Adria-Liga kann sich nämlich Chancen ausrechnen, auch in der kommenden Saison in der EuroLeague zu spielen.

Das von ALBA am 15. Dezember in Belgrad 90:84 nach Verlängerung gewonnene Hinspiel stand noch ganz im Zeichen des Wiedersehens mit Sasa Obradovic, der im Sommer mit großen Erwartungen das Traineramt bei seinem Heimatclub angetreten hatte, nach mehreren Niederlagen aber damals schon unter Druck stand und zehn Tage später tatsächlich entlassen wurde. Neuer Headcoach wurde der im Frühjahr 2020 nach zwei Jahren von Bayern München entlassene Dejan Radonjic, der schon von 2013 bis 2017 Headcoach war und großen Anteil daran hatte, dass Roter Stern die Vorherrschaft des Erzrivalen Partizan in Serbien beendete.

US-Duo Langston Hall & Corey Walden dirigiert das Team

Aber auch der zurückgekehrte Erfolgstrainer konnte die Niederlagenserie von Roter Stern lange nicht stoppen. Von den ersten elf Rückrundenspielen wurde nur eines (bei Real Madrid) gewonnen. Dass sich im Februar gleich fünf Spieler mit dem Corona-Virus infizierten und wochenlang ausfielen, machte die Aufgabe für den montenegrinischen Trainer dabei doppelt schwer. Erst im März fand die Mannschaft mit der für Mannschaften von Radonjic typischen starken Verteidigung allmählich zu ihrem Spiel. Die Siege kamen aber viel zu spät, um den bereits verlorenen Kampf um die Playoff-Ränge noch einmal aufzunehmen.

Angeführt wird Roter Stern von den beiden US-Spielmachern Langston Hall und Corey Walden, die zwar ihre erste Saison in der EuroLeague spielen, sich in den Vorjahren aber als sehr gute Pick&Roll-Spieler (auch gute Pick&Roll-Verteidiger) im EuroCup für höhere Aufgaben empfohlen hatten. Hall, der 2016 eine halbe Saison für Bonn in der Bundesliga spielte, ist dabei in der Offensive der kreativere, Walden der wurfstärkere Guard. Als beide im Februar mit Corona-Infektionen ausfielen, nutzte der U20-Nationalspieler Aleksa Uskokovic die Gunst der Stunde und spielte sich mit frechen Auftritten in die Rotation von Trainer Radonjic.

Jordan Loyd: Drittbester Scorer der EuroLeague (18 P./Sp.)

Der absolute Go-to-Guy der Belgrader ist aber der als Valencias Topscorer in der spanischen Liga 2019/20 im Sommer in Europa heiß umworbene Jordan Loyd, der viele Experten damit überraschte, dass er nicht zu einem Topteam, sondern zum Außenseiter Roter Stern wechselte, wo er als Shooting Guard jederzeit das „grüne Licht“ hat und ähnlich viele Würfe nehmen darf wie z. B. Alexey Shved bei Khimki. Bei im Schnitt 28 Minuten auf dem Parkett ist der extrem versierte und korbgefährliche Shooting Guard hinter Mike James und Shved der drittbeste Scorer der EuroLeague. Im Hinspiel gegen ALBA machte er 21 Punkte.

Der beste Verteidiger im Team ist in seiner schon zehnten Saison der langjährige Nationalspieler und Mannschaftskapitän Branko Lazic. Der defensivstarke und unermüdliche Guard/Forward, der bevor er zum Basketball kam ein begeisterter Karate-Kämpfer war, hat auf dem Flügel mit Dejan Davidovac und Ognjen Dobric zwei weitere klassische jugoslawische Forwards an seiner Seite, die mit solider Grundausbildung und großer Vielseitigkeit überzeugen. Während Dobric sich dabei in dieser Saison zum besten Dreierschützen im Team gemausert hat, glänzt Davidovac mit viel Kreativität vor allem als verdeckter Aufbauspieler.

Landry Nnoko hat sich zum startenden Center gemausert

Auf der großen Fügelposition spielen die weit über dreißigjährigen Veteranen Marko Simonovic und Marko Jagodic-Kuridza ihre große Erfahrung aus. Der Ex-Albatros und langjährige serbische Nationalspieler ist nach dem Abgang von US-Power Forward Johnny O’Bryant (wechselte im Februar zu Türk Telekom Ankara) bei Roter Stern mit starken Leistungen und guten Dreierquoten in die erste Fünf aufgerückt. Auch Marko Jagodic-Kuridza, für den das Engagement beim Europaligisten nach Stationen in Bosnien, Kroatien, Belgien und Slowenien ein später Karriere-Höhepunkt ist, trifft den Dreier, ist aber mit seiner Physis in Korbnähe effektiver.

Unter dem Korb hat Trainer Dejan Radonjic Center Landry Nnoko, der nach seinem Wechsel aus Berlin in Belgrad zunächst im Oktober durch den Medizin-Check gefallen war, in der Rückrunde doch noch eine Chance gegeben. Die hat der Ex-Albatros mit seiner bekannten Athletik trotz zwischenzeitlicher Corona-Quarantäne so engagiert genutzt, dass er mittlerweile klar die erste Option im Frontcourt ist. Der NBA-erfahrene kräftige Nationalcenter Ognjen Kuzmic, dessen vielversprechende Karriere 2019 von einem schweren Verkehrsunfall jäh unterbrochen wurde, kommt mit seinen 2,13 Metern jetzt als starke Alternative von der Bank.

76:64-Sieg über Maccabi Tel Aviv im letzten Heimspiel

Die Ende Februar endgültig von mehreren Corona-Infektionen aus der Bahn geworfenen Belgrader benötigten im März einige Wochen, um wieder in einen guten Spielrhythmus zu kommen. Umso mehr wurden die Siege gegen Khimki und Panathinaikos und vor allem der 76:64-Sieg über Maccabi Tel Aviv in der vorigen Woche gefeiert. Landry Nnoko und Marko Simonovic sorgten mit je elf Rebounds im letzten EuroLeague-Heimspiel dafür, dass Roter Stern die Bretter mit 48:26 Rebounds dominierte. Jordan Loyd glänzte mit 21 Punkten (10/11 Freiwürfe) einmal mehr in der Rolle des Topscorers.

In den letzten Wochen spielte Roter Stern in folgender Aufstellung (in Klammern gerundete Saison-Stats/Spiel):
PG: Langston Hall (17 min, 6 p, 3 as), Aleksa Uskokovic (14 min, 4 p, 2 as)
SG: Jordan Loyd (28 min, 18 p, 4 rb, 3 as), Corey Walden (24 min, 11 p, 2 as)
SF: Branko Lazic (16 min), Dejan Davidovac (23 min, 7 p, 2 as), Ognjen Dobric (19 min, 8 p)
PF: Marko Simonovic (19 min, 5 p), Marko Jagodic-Kuridza (19 min, 4 p, 3 rb)
C: Landry Nnoko (21 min, 7 p, 5 rb), Ognjen Kuzmic (14 min, 4 p, 4 rb), Duop Reath (13 min)

Stimmen zum Spiel:
 

Aito Garcia Reneses (ALBA Headcoach): „Wir wollen die Saison in der EuroLeague unbedingt mit einem guten Gefühl beenden. Um das zu erreichen, werden wir auch gegen Belgrad wieder mit viel Einsatz und Intensität auftreten. Das Hinspiel bei Roter Stern war sehr eng, wir haben es in der Verlängerung gewonnen. Dementsprechend erwarten wir auch diesmal ein knappes Spiel, in dem wir 40 Minuten lang konzentriert sein müssen.“

Peyton Siva (ALBA-Guard): „Das Spiel gegen Belgrad ist für uns das letzte dieser intensiven EuroLeague-Saison. Wir wollen diese Spielzeit unbedingt mit einem Sieg beenden. Roter Stern ist ein hartes Team, das sehr entschlossen und physisch spielt. Wir müssen mit unserem eigenen Spielstil dagegenhalten.“

Gut zu wissen:
 

Am Tag nach dem Sieg über Maccabi wurden bei den obligatorischen Corona-Tests am Freitag vier (von Roter Stern nicht namentlich genannte) Spieler bzw. Teammitglieder positiv getestet und mussten sich in Quarantäne begeben. Alle vier werden das Spiel in Berlin deshalb verpassen. Das Wiedersehen mit unserem Double-Sieger Landry Nnoko ist aber nicht gefährdet, denn der letztjährige ALBA-Center gehört zu den Spielern, die sich bereits im Februar mit dem Virus infizierten, hat sich inzwischen aber zum Glück komplett davon erholt und legte in den Spielen bei ZSKA Moskau und gegen Maccabi schon wieder seine gewohnten Double-Doubles auf.

Landry ist nicht der einzige Ex-Albatros im Team von Roter Stern. Die Saison 2011/12, in der Marko Simonovic das ALBA-Trikot trug, ist aber schon ein paar Jahre her. Eine kleine Gedächtnisstütze: Trainer der damaligen ALBA-Mannschaft war Gordon Herbert. In den folgenden Jahren spielte Marko Simonovic – unterbrochen von Gastspielen für Pau-Orthez, Zenit St. Petersburg, Olimpija Ljubljana und Unicaja Malaga – immer wieder für Roter Stern Belgrad. Ein Wiedersehen gibt es in Berlin auch auch für Belgrads Trainer Dejan Radonjic, der in den vergangenen beiden Jahren bei Bayern München der Trainer von Maodo Lô war.

Roter Stern Belgrad (Stats Turkish Airlines EuroLeague 2020/21)

Nr.

Name

Pos.

Alter

cm

Nat.

EL

Ø Pkt

Ø Rb

Ø As

1

Langston Hall

1

29

192

USA

---

5,5

1,6

2,9

2

Corey Walden

1

28

188

USA

---

10,8

1,8

2,3

3

Jordan Loyd

2

27

193

USA

1 J.

17,6

3,6

3,3

4

Aleksa Uskokovic

1

21

194

SRB

---

4,3

1,5

2,0

5

Nikola Saranovic

3

17

201

SRB

---

 

 

 

6

Milutin Vujicic

1

18

190

SRB

---

 

 

 

7

Dejan Davidovac

3

25

202

SRB

2 J.

7,2

2,8

1,6

10

Branko Lazic

2

31

195

SRB

6 J.

2,8

1,3

0,7

11

Duop Reath

5

24

210

AUS

---

4,8

1,9

0,2

12

Aleksa Radanov

2/3

22

202

SRB

---

3,2

1,4

0,5

13

Ognjen Dobric

3

26

200

SRB

3 J.

8,3

2,0

0,8

19

Marko Simonovic

3/4

34

203

SRB

3 J.

5,0

2,4

0,5

21

Marko Jagodic-Kuridza

4

33

205

SRB

1 J.

4,4

3,0

1,1

32

Ognjen Kuzmic

5

30

213

SRB

5 J.

3,8

3,8

0,3

35

Landry Nnoko

5

26

208

CMR

1 J.

7,1

4,6

0,7

55

Quino Colom

1

32

188

ESP

2 J.

6,6

0,9

2,5

Head Coach: Dejan Radonjic (51, MNE, siebte EL-Saison, mit Unterbrechung die fünfte mit R.Stern)

Roter Stern: Resultate der letzten drei Wochen:
19.3. Panathinaikos Athen – Roter Stern (EuroLeague) 82:86 (S) Loyd 27
22.3. Buducnost Podgorica (Adria-Liga) 83:63 (N) Walden 17
25.3. ZSKA Moskau – Roter Stern (EuroLeague) 87:72 (N) Davidovac 20
27.3. Roter Stern – FMP Belgrad (Adria-Liga) 101:71 (S) Loyd 18
30.3. Roter Stern – Armani Mailand (EuroLeague) 72:93 (N) Loyd 22
01.4. Roter Stern – Maccabi Tel Aviv (EuroLeague) 76:64 (S) Loyd 21

ALBA BERLIN: Resultate der letzten drei Wochen:
18.3. ALBA – Olympiakos Piräus (EuroLeague) 80:84 (N) Siva 14
21.3. Frankfurt – ALBA (easyCredit BBL) 60:94 (S) Eriksson 18
23.3. Hamburg – ALBA (easyCredit BBL) 90:75 (N) Giffey 16
26.3. FC Barcelona – ALBA (EuroLeague) 80:67 (N) Sikma 9
28.3. ALBA – Weißenfels (easyCredit BBL) 93:82 (S) Fontecchio 17
30.3. Zalgiris Kaunas – ALBA (EuroLeague) 96:86 (N) Eriksson 19
02.4. ALBA – BC Valencia (EuroLeague) 86:90 (N) Eriksson 17
04.4. Telekom Baskets Bonn – ALBA (easyCredit BBL) 75:80 (S) Sikma 17

ALBA-Bilanz gegen Roter Stern: 4:1 Siege
EuroLeague 14/15: 69:86 in Belgrad und 73:68 in Berlin
EuroLeague 19/20: 93:80 in Berlin und 94:85 in Belgrad
EuroLeague 20/21: 84:90 in Belgrad