Malte Delow im Lockdown. Was den jüngsten Spieler im ALBA-Kader derzeit in den elterlichen Garten treibt und was der 19-Jährige am meisten vermisst - er hat es uns am Telefon erzählt.

An sich war das kein schlechter Geburtstag. Nach dem Ausschlafen zunächst mit einem schönen Frühstück mit der Freundin und den Eltern in den Tag gestartet, im anliegenden Park spazieren gewesen und Kuchen gegessen, wurden am Abend des 22. April auch noch ein paar Gesellschaftsspiele gespielt. Und natürlich gab es für Malte Delow Geschenke, unter anderem Socken und Geld von den Großeltern.

„An sich war es ein schöner Tag, halt mal etwas anderes für einen Geburtstag“, erzählt der 19-Jährige. Anders deshalb, weil Oma und Opa in der aktuellen Situation nicht dabei sein konnten. „Ich sehe meine Großeltern generell schon nicht mehr so oft während der Saison, weil sie nicht in Berlin wohnen. Und bei solchen Gelegenheiten würde man sie normalerweise sehen. Sie haben sich deshalb natürlich geärgert, aber wir werden uns danach sicherlich treffen und etwas feiern“, erzählt Malte an diesem Nachmittag.

Normalerweise ist das die Zeit, wo er sich von der einen Trainingseinheit erholt und auf die nächste Einheit oder ein Spiel schon gedanklich sowie körperlich vorbereitet. Die Inhalte haben sich in den vergangenen Wochen allerdings etwas geändert. Aus dem Basketballer ist ein Auftragsgärtner und Maulwurf geworden. Denn: Auf der Suche nach einem geregelten Tagesablauf „habe ich im Garten meiner Eltern angefangen, ein paar Aufgaben zu erledigen. Das hat so einen Plan in den Tag gebracht“, sagt Malte.

Genau das war es, das ihm in den ersten Tagen nach der Schließung der Hallen und der Unterbrechung der Saison fehlte. „Da bin ich erst einmal ins Nichtstun verfallen, was nach so einer bislang harten Saison die ersten zwei Tage auch mal entspannt, aber danach sehr eintönig und langweilig war“, erzählt er. Diese ersten Tage seien die schlimmsten für ihn gewesen. Keine Klarheit, kein Training, keine Verpflichtungen, gar nichts. Was für einen gestandenen Profi schon nicht sehr einfach, weil einfach unbekannt ist, stellt einen so jungen Spieler, der in dieser Saison seine ersten Spiele mit dem Profiteam in der Bundesliga, im Pokal und der Euroleague absolviert hat und noch bei den Eltern wohnt, vor noch größere Herausforderungen.

Ganz wichtig ist dabei eine gewisse Struktur im sonst durch ständige Trainingseinheiten, Videostudium, An- und Abreisen sowie Spiele vorgegebenen und weitestgehend fremdbestimmten Tagesablauf. Unterstützung gab es für Malte in Gesprächen mit seiner Mutter, die Sportpsychologin ist und ihm mit Ratschlägen zur Seite stand. Aber auch durch ALBA-Athletiktrainer Pepe Moreno. „Als alles etwas klarer wurde, habe ich mich aufgerafft und mir einen Tagesplan gemacht, damit ich nicht immer ewig schlafe oder zu lange wach bleibe, sondern früher ins Bett gehe und früher aufstehe“, berichtet Malte. Eine große Hilfe war dabei ein Tipp von Pepe: Intervallfasten. An acht Stunden essen, an 16 Stunden nicht. „Das hat mir insofern geholfen, als dass ich es jetzt so zwischen 12 und 20 Uhr esse. Dadurch regelt sich der Alltag viel besser. Dadurch geht man auch nicht mehr so spät ins Bett“, sagt Malte und erzählt, dass er dadurch mit seiner Freundin auch mal neue Sachen kocht.

Aber nicht nur auf dem Basketballfeld, sondern auch im Garten der Eltern kann man viel Energie lassen. Dort, in diesem Garten, waren vor wenigen Wochen noch mehrere Sachen kaputt oder sollten verändert werden. „Im Prinzip bekomme ich immer Aufträge von meinen Eltern, die ich dann umsetze. Ich musste schon mehrere Löcher graben, einmal dabei sogar ein unterirdisches Rohr finden“, sagt der 19-Jährige. Gerade am Anfang haben diese Aufgaben viel Zeit in Anspruch genommen, aber mittlerweile sei die Liste schon ganz gut abgearbeitet. Gehört zum normalen Training eines Basketballers ausreichend Zeit zur Regeneration, benötigt so ein Auftragsgärtner auch eine Abwechslung. Die gibt es für Malte aktuell mal wieder etwas häufiger vor der PlayStation. Und dann gerne beim Fifa-Spielen mit den Teamkollegen Lorenz und Jonas. Aber auch die Netflix-Hits „The Last Dance“ und „Tiger King“ stehen, neben „Gotham“, auf seiner Liste.

Seit letzter Woche aber ist der Fokus wieder etwas mehr auf den Basketball gerückt. Als die BBL ihre Entscheidung verkündete, dass die Saison nach Möglichkeit in veränderter Form fortgesetzt werden solle, war die Freude bei unserem Youngster groß. „Es war ja die große Hoffnung, dass wir weiterspielen können. Dass der Wille da ist, die Saison fortzusetzen, ist natürlich schön zu hören und hat einen Motivationsschub gegeben“, sagt er. Neben den Einheiten, die er vom ALBA-Trainerteam übermittelt bekam, hat er in den vergangenen Wochen auch an der Rudermaschine der Eltern etwas für die eigene Fitness getan. Bei allen Übungen, „merkt man natürlich, dass die Form etwas runtergegangen ist, aber mittlerweile komme ich wieder ganz gut klar und bin bereit, wenn die Saison wieder weitergehen sollte“, erzählt Malte.

Eine Fortsetzung würde auch gleichzeitig einen weiteren Wunsch erfüllen - den nach sozialen Kontakten. Aktuell sieht Malte Delow „lediglich“ seine Eltern und die Freundin. Aber: „Man braucht mal wieder sozialen Austausch mit anderen Leuten, den man über Telefon oder Videokonferenzen nicht bekommen kann. Das schöne Wetter genießen, sich im Park mit Freunden treffen oder etwas unternehmen, die Familie besuchen“, sagt er und schaut auf seine Liste. Nach dem morgendlichen Training ist da für diesen Nachmittag wieder Arbeit im Garten zu lesen. Heute muss zum Glück kein Rohr tief in der Erde gefunden, sondern es wollen ein paar Steine verlegt werden. Das hat Malte zwar noch nie gemacht, aber das gilt aktuell für viele Dinge in dieser merkwürdigen Zeit.