Während sich die ALBA-Spieler in den vergangenen Wochen auf die aktuellen Umstände einstellen mussten, hatte sich für Marcus Eriksson eigentlich gar nicht so viel verändert. Zwar zog es den Schweden zurück in die Heimat, dort konnte er jedoch weiter trainieren. Uns hat er am Telefon erzählt, wie er sich trotzdem an die Regeln des Social Distancing gehalten und was er am meisten vermisst hat.

Einen besser im Basketballtraining stehenden Spieler als ihn dürfte es wohl im Moment kaum geben. Während sich seine Mitspieler in ihren Ländern mit den veränderten Gegebenheiten arrangieren und ihre Trainingsgewohnheiten umstellen mussten, hatte sich für Marcus Eriksson in den letzten Wochen nicht so viel geändert. In seiner Heimat Schweden wurde die Corona-Pandemie regierungsseitig etwas anders angegangen. „Bei uns ist es ein wenig anders als beim Rest der Welt“, sagt unser Flügelspieler mit einem etwas verlegenen Lachen, „sie haben nicht alles geschlossen. Ich hatte Zugang zur Sporthalle und habe dort mit einem Individualtrainer und zwei anderen Spielern trainiert.“

Als in Berlin im Zuge der Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie nicht nur die Saison in der BBL unterbrochen wurde, sondern auch alle Sporthallen dicht machten, ging es für unseren Schweden in die Heimat und damit in das Land, das einen etwas anderen Corona-Weg eingeschlagen hat. „Schweden hat nicht so viele Einwohner und ist nicht so dicht besiedelt. In Stockholm ist es etwas belebter, aber die anderen Teile in Schweden sind relativ sicher“, erzählt Marcus. „Für Schweden scheint das System zu funktionieren, aber in anderen Ländern ginge das so wahrscheinlich nicht.“ Im Vergleich zu Deutschland etwa hat Schweden 90.000 Quadratkilometer mehr Fläche, aber nur 10 Millionen Einwohner. Und von denen lebt wiederum ein Zehntel allein in der Hauptstadt Stockholm. Das wirkt sich natürlich auf einen anderen statistischen Wert aus: Gerade einmal 23 Einwohner leben auf einem Quadratkilometer, in Deutschland sind es zehnmal so viele.

 

Marcus Eriksson hat seinen Bewegungsradius in den letzten Wochen dennoch erheblich eingeschränkt. Die eigenen Eltern hat er besucht, die eigene Schwester, die vor drei Monaten ein Baby bekommen hat, konnte er sehen und auch der Besuch bei den künftigen Schwiegereltern war möglich. Aber: Alles nur unter Einhaltung der Empfehlungen bezüglich des Social Distancing. Kein Händeschütteln, keine Umarmungen – nicht bei den Eltern, nicht bei der Schwester, nicht bei den Schwiegereltern. „Ich habe vielleicht ein, zwei andere Freunde getroffen, aber immer Distanz gehalten. Vielen anderen Freunden habe ich gesagt, dass wir uns nicht treffen können. Einige haben es ernst genommen, einige nicht so. Ich nehme es wahrscheinlich etwas ernster als andere Leute“, erzählt unser Dreierexperte. Und auch wenn er weiter an seinem Wurf arbeiten konnte, tat er das mit dem nötigen Abstand: „Beim Training hatte ich keinen direkten Kontakt, da wir individuell trainiert haben.“

Während seine ALBA-Teamkollegen in den eigenen vier Wänden kreativ werden mussten, die Umgebung ihres Aufenthaltortes joggend oder auf dem Fahrrad erkundeten und den Basketball nur anfassen, aber nicht dribbeln oder werfen konnten, hatte Marcus eine solche Einschränkung nicht. „Ich konnte in die Halle, aber es war schon anders als sonst, wenn die Halle für alle Leute offen ist. Wenn am Nachmittag zu viele Kinder kamen, haben sie die Halle geschlossen“, sagt er. Viermal pro Woche hat er in Schweden individuell trainiert und sich in Form gehalten. Und nebenbei noch so viel Golf gespielt, wie sonst nie während einer Basketball-Saison.

Gerade das Golfen hat ihm viel Spaß bereitet, so richtig glücklich macht so eine veränderte Situation mit ausschließlich Trainingseinheiten einen Spieler allerdings nicht. „Natürlich möchte man nicht nur trainieren, sondern auch mal ein Spiel haben. Aber ich denke nicht so oft daran, denn es liegt nicht in meiner Hand. Ich konzentriere mich lieber auf die Dinge, die ich beeinflussen kann und versuche mich an die Gegebenheiten anzupassen“, erzählt Marcus. Sich auf die faule Haut zu legen und mal ein paar Tage frei zu machen, kam für ihn dabei nicht in Frage. Auch wenn der Rhythmus ohne richtiges Teamtraining, ohne Spiele und ohne Reisen ein ganz anderer als sonst in einer Saison war, wollte er für eine mögliche Saisonfortsetzung in Form bleiben.

Keine schlechte Entscheidung vor dem Hintergrund, dass die BBL eine Fortsetzung der Saison anstrebt und Marcus Eriksson dann auch wieder mit seinen Teamkollegen in Berlin in das Mannschaftstraining einsteigen würde. Ob es dazu kommen kann, werden die Behörden wohl in den kommenden Tagen beschließen. „Als Spieler kann man nur vorbereitet sein und abwarten, was passiert“, sagt er. Die Pausenüberbrückung hat er, aufgrund der etwas anderen Situation in seinem Heimatland, etwas besser hinbekommen, als der Großteil seiner Teamkollegen. Verbrachten die auch mal langweilige Tage, suchten sich neue Hobbies oder kochten viel mehr als sonst, hatte unser Schwede „eigentlich ein ziemlich normales Leben“, sagt er mit Blick auf die vergangenen Wochen und lacht: „Wir haben dadurch nicht öfter Netflix als sonst geschaut.“