Martin Hermannsson im Lockdown: Warum der Isländer mittlerweile zum Hobby-Heimwerker geworden ist, wie er sich aktuell fit hält und womit er sich in seiner Heimat gerade sonst noch beschäftigt, hat er uns in einem Videotelefonat erzählt.

Viele Highlights hat Martin Hermannsson während seiner fast zweijährigen Zeit im ALBA-Trikot schon gezeigt. Unzählige Dreier, schöne Assists sowie Treffsicherheit von der Freiwurflinie in wichtigen Situationen kennen die Fans von ihm bereits. Kann sich aber jemand an einen Dunking unseres Isländers erinnern? Dass er ihn durchaus im Repertoire hat, war in den vergangenen Tagen auf seinem Instagram-Account zu bewundern. Gut, der Korb hing vielleicht nicht ganz so hoch, wie er es eigentlich sollte. Aber hey, Dunk ist Dunk. Und das Wichtigste: Martin hatte mal wieder einen Ball in der Hand und ein Lächeln im Gesicht. Selbst die Corona-Krise kann unserem Aufbauspieler offenbar nicht viel anhaben. Gewohnt locker und gut gelaunt grüßt er auf Deutsch aus seinem Auto in der Heimat. Das Gespräch läuft dann aber doch auf Englisch, ganz so viel Zeit zum Lernen der deutschen Sprache ist in den vergangenen Tagen doch nicht geblieben.

Dafür hat Martin ein anderes Talent entdeckt: „Mein neues Hobby ist es, Sachen für unser Appartement zu bauen“, erzählt er im Videotelefonat und beginnt aufzuzählen, was alles neu ist: „Ich habe eine neue Couch gebaut, einen Barbecue-Grill für draußen, einen neuen Tisch, eine kleine Küche für meinen Sohn und ein paar andere Sachen. Da bin ich schon ein bisschen stolz auf mich.“ Dabei ist Martin gar nicht der passionierte Handwerker. Vor der Corona-Krise hatte er sich mit solchen Dingen gar nicht beschäftigt, „aber meine Frau wollte gerne einen Mann haben, der handwerklich begabt ist. Da bin ich auf einem guten Weg“, sagt er und muss wieder lachen. Genau wie über eine kleine andere Anekdote. Denn keine zwei Wochen vor der Unterbrechung in Bundesliga und Euroleague hatte sich Martin für seine Wohnung in Berlin eine PlayStation geholt. Sie mit nach Island zu nehmen, war allerdings keine Option: „Weil meine Frau sagte, dass sie mich dann verlässt.“
 

Viel wichtiger als die Spielkonsole war freilich die Rückkehr nach Reykjavik, auch wenn dort Mitte März noch Schnee gelegen hatte und die Temperaturen selbst jetzt noch nicht sehr frühlingshaft sind. „Ich hatte meinen Sohn davor anderthalb Monate nicht gesehen, deshalb war es großartig, ihn zu sehen“, erzählt unsere Nummer 15. Etwas nervig war für unseren gut gelaunten Isländer allerdings die Anfangszeit, die ersten 14 Tage musste er schließlich in Quarantäne verbringen und durfte das Haus nicht verlassen. „Das war kein Spaß. Ich konnte nicht viel machen, niemanden sehen, keinen Basketball spielen“, erzählt er. Doch das hat sich schnell geändert. Zwar wird auch in Island auf den Abstand geachtet, haben alle Restaurants schließen müssen und waren gerade in der Anfangszeit auch alle Sportanlagen geschlossen, doch hat er gelernt, sich mit der veränderten Situation zu arrangieren.

Der Tag ist, vor allem wegen seines Sohnes, gut durchgetaktet und startet mit dem gemeinsamen Aufstehen. Bis vor wenigen Tagen ging es zweimal in der Woche in den Kindergarten, seit dieser Woche aber kann er jeden Tag gehen. „Wenn er nicht im Kindergarten ist, frühstücken wir zusammen und gehen danach auf den Spielplatz“, berichtet Martin. Einen Basketball hat unser Aufbauspieler zwar immer dabei, doch ist der Sohnemann, zumindest im Moment, einer größerer Auto-Fan. „Wenn wir durch die Straßen laufen, schaut er immer nach den Autos, das ist seine größte Freude“, sagt Martin.

Nach der großen Autoshow essen sie zusammen Mittag. Und wenn der Kleine seinen Mittagsschlaf macht, geht es für den Papa zum Training. Mittlerweile sogar in einer kleinen Sporthalle, die zur Arbeitsstätte seiner Mutter gehört. Da gibt es zwar keine Basketballkörbe, dafür aber ein paar Fitnessgeräte und auf dem Hallenboden die Möglichkeit, etwas für das Ballhandling zu machen. Nach anderthalb Stunden aber wird wieder mit dem fast zweijährigen Sohn gespielt, damit der richtig ausgepowert ist und in der Nacht gut schlafen kann. „Wir halten die Dinge einfach, da wir auch nicht viele Möglichkeiten haben“, beschreibt Martin den Umgang mit der ungewöhnlichen Situation. Zuletzt hatte es in kleiner Runde auch schon wieder mal ein Barbecue gegeben, bei dem alle auf den Abstand und die anderen Regeln geachtet hatten. Ein kleines Musik-Quiz, bei dem Songs gespielt und gesungen wurden und der Songname auf einen Zettel geschrieben werden mussten, sorgten für Ablenkung.

Wenn man Martin Hermannsson nach schwierigen Phasen oder Tagen während dieser Zeit fragt, bekommt man von ihm zu hören, dass es die eigentlich gar nicht so recht gegeben hat. „Es ist natürlich schon komisch, dass man nicht jeden Tag trainieren oder sich mit Leuten treffen kann. Ich bin ein sehr sozialer Mensch, der es toll findet, wenn er jeden Tag zum Training gehen, dort Freunde sehen und mit ihnen über Dinge reden kann, über die man nicht zuhause spricht“, sagt er. Doch für die Entbehrungen fühlt er sich ausreichend entschädigt: „Wir suchen sichere Wege, um ein wenig Spaß zu haben. Die schönste Sache ist, meinen Sohn aufwachsen zu sehen. Ende des Monats wird er zwei Jahre alt und es ist gerade ein lustiges Alter, in dem sich sehr viel bei ihm verändert.“

Sollten die Saisonfortsetzungspläne der BBL Realität werden, könnte er sich aber schon bald zur Vorbereitung nach Berlin aufmachen. „Es ist so ein Gefühl wie in der Achterbahn. Als ich zurück in Island war, dachte ich, dass ich ziemlich schnell nach Deutschland zurückkommen kann. Aber als ich gesehen habe, dass die Handball-Bundesliga abgesagt wurde, dachte ich, dass wir auch nicht weiterspielen werden und habe etwas runtergefahren“, gibt er einen Einblick in seine Gedankenwelt. „Nun hat die BBL entschieden, dass weitergespielt werden soll, wenn das möglich ist. Wir hatten dann ein Online-Meeting mit Himar darüber, wie es weitergehen soll. Jetzt bin ich gedanklich schon wieder voll beim Basketball.“ Etwas Zeit wird es jedoch brauchen: „Ich bin jetzt fünf Wochen nicht mehr in einer Halle gewesen und habe fünf Wochen nicht geworfen.“ Da war es vielleicht ganz gut, dass er vor ein paar Tagen mal wieder auf dem Freiplatz war. Und weil er seine Instagram-Fans daran teilhaben ließ, konnten diese so auch mal einen Dunking von Martin sehen.