Peyton Siva im Lockdown - wie geht es unserem Point Guard in diesen Tagen? Er hat uns erzählt, wie er und seine Familie sich in Florida die Zeit vertreiben.

Der Tag des Triumphs ist noch gar nicht lange her und kommt uns doch so weit entfernt vor. Als unsere Jungs am 16. Februar den MagentaSport BBL-Pokal in der Mercedes-Benz Arena in die Höhe streckten, konnte niemand erahnen, dass der Spielbetrieb schon bald aufgrund der Corona-Pandemie unterbrochen werden muss. Viele Momente sind uns Erinnerung geblieben und verschönern uns derzeit so manche Situationen, in denen wir den Basketball vermissen: Die ausgelassene Freude nach dem Schlusspfiff, die UFFTA zwischen Spielern und Fans, aber auch die Bilder von Peyton Siva, wie er mit seinen Töchtern mit dem Goldglitter gespielt und sich mit ihnen gefreut hat oder sie bei den Interviews neben sich hatte.

Es war nicht der erste Tag, in der man Peytons große Liebe zu seinen Töchtern und seiner Familie gesehen hat. Immer, wenn seine Ehefrau mit den Kindern in Berlin ist, scheint das „Team Siva“ unzertrennlich zu sein. Auch jetzt, wo sich die Welt verändert hat, stellt die Familie für ihn das Rückgrat dar. „Für mich ist es während dieser Phase sehr wichtig, die Zeit mit meiner Familie verbringen zu können“, sagt Peyton Siva.

Wenige Tage nachdem die Hallen geschlossen und der Spielbetrieb unterbrochen wurden, ging es für ihn und seine drei Frauen zurück in die Heimat. In Florida verbringen sie die Zeit gemeinsam und versuchen den Kontakt zur Außenwelt zu minimieren. Die Einschnitte im Leben sind auch für unseren Pointguard jeden Tag zu sehen. Ja, man darf noch zur Arbeit gehen, in Lebensmittelgeschäften einkaufen oder sich Essen in Restaurants holen, aber ansonsten ist von dem Leben, wie wir es noch vor wenigen Wochen gekannt haben, nicht viel übrig. „Ich kann nicht mehr in eine Sporthalle zum Training gehen, nicht mehr an Stränden oder in Parks mit den Kindern entspannen und mit ihnen Spaß haben. Ausflüge mit der Familie, sämtliche Freizeitaktivitäten oder einfach nur in einem Restaurant essen zu gehen, sind nicht mehr erlaubt.“

Die Corona-Krise hat auch im Leben von Peyton Siva viel verändert. Der Alltag ist plötzlich ein ganz anderer und musste erst einmal an die neue Situation angepasst werden. Die ersten Tage waren noch ganz nett. In Berlin hatte unsere Nummer drei mit der Familie entspannt und sich, als absehbar war, dass so schnell nicht mehr an Spiele zu denken war, auf den Weg nach Florida begeben. Er erwartete ein echtes Abenteuer. Über Social Media hatte Peyton gesehen, wie lang die Schlangen teilweise an den Abfertigungsschaltern der Flughäfen waren. „Wir hatten Informationen gehört, dass sie die Grenzen schließen wollen und niemand mehr in die USA einreisen darf“, erzählt er. „Das hat meine Frau und mich ein wenig beunruhigt. Zum Glück war der ganze Vorgang dann aber doch problemlos, da nicht viele Leute geflogen sind und es nicht so voll war.“

Nach der Erleichterung, es unkompliziert in die Heimat geschafft zu haben, wurde die vierköpfige Familie aber schnell etwas rastlos. Um nicht die komplette Zeit nur im Haus zu verbringen, „haben wir mit ein paar Spaziergängen angefangen, die Mädels hatten ihre Fahrräder und wir konnten ein paar Aktivitäten draußen machen“, berichtet Peyton. Mittlerweile haben er und seine Ehefrau Patience die Aufgaben innerhalb des Haushalts ganz gut aufgeteilt. Peyton steht früh auf, räumt im Haus ein wenig auf und hilft Patience dabei, die beiden Töchter fertigzumachen, bevor sie von ihr unterrichtet werden. Peyton nutzt diese Zeit, um sich fit zu halten. Auf einem Ergometer wird fleißig gestrampelt, die Übungen von Athletiktrainer Pepe werden abgearbeitet. Da auch in Florida die Hallen geschlossen sind, nutzt Peyton die Drills für das Ballhandling, die er von Coach Aito bekommen hat.

Nach diesen Übungen ist das „Team Siva“ wieder vereint und hält ein gemeinsames Mittagsschläfchen. Mit dem Familienhund und den Töchtern geht es dann täglich in die Natur, bevor Cartoons und gemeinsame Spiele den weiteren Tagesablauf füllen. Erst wenn die beiden Töchterchen schlafen, bleibt auch mal etwas Zeit für Peytons aktuelle Lieblingsserie. Während bei seinen Teamkollegen derzeit „The Last Dance“ und der „Tiger King“ auf der Beliebtheitsskala ganz oben stehen, schaut Peyton „The Office“.

Diese tägliche Routine ist zurzeit auch für einen erfahrenen Spieler wie ihn sehr wichtig. Gerade dann, wenn er mal eine schlechte Phase hat. In den Momenten, wo er sich zu viele Gedanken macht oder den Kindern langweilig wird, ist es hin und wieder nicht so einfach. Aus solchen Momenten hilft er sich mental mit beten und einem positiven Blick auf die Gesamtsituation. Denn: „Eigentlich kann ich doch recht glücklich darüber sein, dass ich meine Familie um mich habe. Während einer Saison kann ich sie nicht so oft sehen, wie ich gerne möchte und deshalb genieße ich jetzt jeden gemeinsamen Moment.“

Erst recht seit er und seine Teamkollegen am Montag davon erfahren haben, dass die Bundesliga den Spielbetrieb wieder aufnehmen möchte und er seine Familie in dieser Zeit möglicherweise nicht mehr so häufig oder gar nicht sehen kann. Neben allen Fragen, die sich für ihn nach dieser Entscheidung ergeben haben, ist er froh, dass er jetzt eine Orientierung hat. „Einerseits bin ich glücklich darüber, dass ich die Chance bekomme, wieder Basketball spielen zu können, aber auf der anderen Seite schießen mir viele Fragen durch den Kopf“, sagt er. An den Antworten wird gerade gearbeitet, sodass Peyton schon bald wieder in einer Halle stehen und trainieren könnte. Damit ihn seine Teamkollegen und Fans dann aber auch wiedererkennen, muss er noch einmal an der Optik arbeiten. Schließlich ist „mein Bart so lang wie noch nie und auch meine Haare sind etwas außer Kontrolle geraten“, sagt er und lacht. So, wie vor wenigen Wochen, als er mit seiner Familie und allen Anwesenden den Pokalgewinn feiern konnte.