Nach den großen Siegen gegen Bayern München und Baskonia Vitoria und einem tollen Kampf gegen Maccabi Tel Aviv dürfen unsere ersatzgeschwächten Albatrosse zumindest auch das vierte Spiel (innerhalb von acht Tagen) nach dem Jahreswechsel in der vertrauten Mercedes-Benz Arena austragen. Am zwölften Spieltag der easyCredit BBL gibt es dabei gegen die Gießen 46ers am Sonntag (Tipoff 15 Uhr) ein Jubiläum zu feiern. Die Hessen stehen ALBA nämlich zum 75. Mal gegenüber. MagentaSport überträgt ab 14:45 Uhr live.

Rolf Scholz löst Trainer Ingo Freyer an der Seitenlinie ab

Als die Gießen 46ers die neue Saison mit drei Pokalniederlagen beim Vorrundenturnier in Vechta eröffneten, ahnte man an der Lahn noch nichts Böses. Schließlich hatten die 46ers in der Vorbereitung viel Verletzungspech und ohnehin hatten in Gießen nur die größten Optimisten sich Chancen auf den Pokal ausgerechnet. Als die Niederlagenserie aber auch in der zwei Wochen später startenden Bundesliga kein Ende nehmen wollte, zog der neue Manager und Sportdirektor Michael Koch (der Ex-Nationalspieler startete seine große Karriere einst bei den 46ers) die Notbremse.

Trainer Ingo Freyer wurde beurlaubt und Rolf Scholz, Trainer des Gießener Farmteams in der ProB, erhielt den Auftrag, das Team durch die Weihnachtsferien zu führen, wofür der Polizeibeamte seinen Urlaub opferte. Schon nach zwei Wochen feierte Scholz mit einem furiosen 110:99 in Bayreuth seinen ersten Sieg mit den 46ers. Nachdem Gießen vier Tage später auch das prestigeträchtige Hessen-Derby gegen Frankfurt gewonnen hat, spricht jetzt viel dafür, dass Rolf Scholz auch über das Spiel in Berlin hinaus (an seinem letzten Urlaubstag) Chefcoach bleibt.

US-Guard Jonathan Stark spielt seine erste Saison in Europa

Die Gießener, die viele wurfstarke Spieler im Aufgebot haben, die im eins-gegen-eins kreieren können, spielen auch unter dem neuen Trainer mit viel Tempo, aber nicht mehr so bedingungslos wie unter Ingo Freyer. Rolf Scholz scheint es zudem zu gelingen, den Umstand, dass viele seiner Spieler auf verschiedenen Positionen agieren können, stärker für eine organisierte Verteidigung zu nutzen. Kassierten die 49ers an den ersten fünf Spieltagen im Schnitt noch hundert Gegenpunkte, waren es in den letzten fünf Spielen unter Scholz nur noch 88 pro Spiel.

Im US-Point Guard Jonathan Stark, der nach vier College-Jahren und einer Saison in der G-League zum ersten Mal in Europa spielt, haben die Gießener einen kräftigen und zugleich explosiven Dirigenten gefunden, der mit einem kräftigen Zug zum Korb oder mit Dreiern auch selbst scort. Als zweiter Point Guard fungiert der erst 21-jährige Bjarne Kraushaar. Das Gießener Eigengewächs, das schon in der vergangenen Saison einige freche Auftritte in der easyCredit BBL hingelegt hat, wurde zuvor von Rolf Scholz im ProB-Team aufgebaut und gefördert.

Kapitän Brandon Thomas die Allzeckwaffe auf dem Fügel

Die neuen Shooting Guards Liam O’Reilly und Isaac Hamilton bringen schon etwas Europa-Erfahrung mit nach Gießen. O’Reilly, der auch als Aufbauspieler agieren kann, spielte bereits in der Slowakei und auf Zypern. Auch der acht Zentimeter größere Hamilton landete nach zwei Jahren in der G-League in Europa zunächst in der zyprischen Liga, wo er wie jetzt in Gießen mit seiner großen Vielseitigkeit auch oft als Small Forward agiert und dabei im bisherigen Saisonverlauf mit einer Dreierquote von 43 Prozent glänzte.

Der beste Gießener Dreierschütze war in den ersten elf Bundesligaspielen mit einer Quote von 49 Prozent der 23-jährige Alen Pjanic, der wie Kraushaar als Gießener Eigengewächs den neuen Trainer schon aus der Jugend kennt. Der Small Forward ist mit viel Energie und Leidenschaft auch ein guter Rebounder. Dreizehn Jahre älter ist Brandon Thomas, der schon mit den Artland Dragons und den Bayern gegen ALBA spielte und als Allzweckwaffe und Kapitän in seiner dritten Saison für die 46ers zwischen den Positionen zwei und vier pendelt.

Routinier Brandon Bowman stärkt jungen Big Men den Rücken

Auch der ebenfalls schon 36-jährige Brandon Bowman hat eine bewegte Laufbahn hinter sich. Der Ex-Bonner (2008/09) spielte schon in Italien, der Türkei, in Serbien, Israel, Frankreich, Korea, Neuseeland und Paraguay und soll mit seiner Erfahrung den jüngeren Big Men den Rücken stärken. Der College-Rookie Scottie Smith jr. bringt auch eine starke Physis mit, die der Forward/Center mit viel Leidenschaft und Energie spektakulär an beiden Enden des Spielfelds nicht nur am Brett einsetzt. Er kann durchaus auch den einen oder anderen Dreier einstreuen.

Mit dem 27-jährigen Johannes Richter bekleidete bisher ein erfahrener deutscher Center die Position fünf, dessen Wechsel nach Hamburg aber am Freitag just bekannt gegeben wurde. Die 46ers haben deshalb vor einer Woche mit Chad Brown einen US-Center verpflichtet, der dem Gießener Innenspiel an beiden Enden des Spielfelds zusätzliche Durchschlagskraft geben soll. Allerdings muss der aus Griechenland nach Gießen gekommene Center erst in die Corona-Quarantäne und wird deshalb gegen ALBA wohl noch nicht zur Verfügung stehen.

Mit 90:92 vs. Göttingen dritten Sieg in Folge knapp verpasst

Nach den Siegen in Bayreuth und gegen Frankfurt verpassten die Gießen 46ers unter ihrem neuen Trainer Rolf Scholz am vergangenen Wochenende beim 90:92 gegen Göttingen nur knapp den dritten Sieg in Folge. Schuld an der Niederlage war die in der ersten Halbzeit zu fahrlässige Verteidigung, die den Gästen zu viele offene Würfe erlaubte, die Göttingen zu einer 45:34-Führung nutzte. Der von Jonathan Stark (23 Punkte und sieben Assists) angeführte Endspurt wurde dann aber von der Schlusssirene gestoppt. Neben Stark waren Isaac Hamilton (16 Punkte) und Johannes Richter (15 Punkte und sieben Rebounds) die besten Gießener.

Im bisherigen Saisonverlauf spielte Gießen in folgender Aufstellung (in Klammern gerundete Bundesliga-Stats/Spiel):
PG: Jonathan Stark (27 min, 13 p, 5 as), Bjarne Kraushaar (16 min, 5 p, 3 as)
SG: Brandon Thomas (27 min, 12 p, 4 rb), Liam O’Reilly (19 min, 6 p, 2 as), F. Zylka (8 min)
SF: Alen Pjanic (22 min, 8 p, 3 rb), Isaac Hamilton (18 min, 10 o, 3 rb)
PF: Brandon Bowman (22 min, 8 p, 4 rb), Scottie James (20 min, 9 p, 5 rb)
C: Johannes Richter (23 min, 9 p, 5 rb)

Gut zu wissen:
 

Der 1998 in Berlin geborene Ferdinand Zylka wurde in der ALBA Jugend (u. a. in der ALBA-WG zusammen mit Tim Schneider) groß und absolvierte für ALBA mit einer Doppellizenz schon als Nachwuchsspieler 2017 gegen Würzburg auch sein erstes Bundesligaspiel. 2018 verließ der U18- und U20-Nationalspieler ALBA in Richtung Gotha, spielte in den folgenden Jahren für den MBC und die BSW Sixers, um sich im vergangen Sommer den Gießen 46ers anzuschließen.

JobStairs Gießen 46ers (easyCredit BBL 2020/21)

Nr.

Name

Pos.

Alter

cm

Nat.

BBL

Pkt

Rb

As

1

Jonathan Stark

1

25

184

USA

---

13,0

1,3

4,9

2

Isaac Hamilton

2/3

26

196

USA

---

10,1

3,1

0,9

3

Liam O’Reilly

1/2

24

188

USA

---

6,1

2,0

2,2

4

Bjarne Kraushaar

1

21

190

GER

3 J.

4,9

1,0

3,0

5

Tim Köpple

1

20

182

GER

1 J.

0,0

0,0

0,0

8

Alen Pjanic

3/4

23

200

GER

4 J.

8,6

2,6

0,6

10

Tim Uhlemann

4

21

203

GER

2 J.

0,0

0,0

0,3

15

Brandon Bowman

4/5

36

206

USA

3 J.

8,8

4,2

1,6

20

Ferdinand Zylka

2

22

190

GER

4 J.

3,9

1,0

0,6

22

Chad Brown

5

24

206

USA

---

 

 

 

31

Scottie James jr.

4/5

24

203

USA

---

9,1

5,1

0,4

33

Brandon Thomas

2/3

36

198

USA

8 J.

11,9

4,1

1,3

Head Coach: Rolf Scholz (40 Jahre, GER, erste Bundesligasaison)

ALBA-Bilanz gegen Gießen: 65:9 Siege
65 Siege – 9 Niederlagen (in Berlin 36:1)
BBL: 51-5 / Playoff: 9-4 / Pokal 5-0
Höchster Sieg: 92:54 am 10.Oktober 2007 in Berlin (Bundesliga)
Höchste Niederlage: 87:102 am 29. April 2018 in Gießen (Bundesliga)

Stimmen zum Spiel:
 

Israel Gonzalez (ALBA Associate Headcoach): „Wahrscheinlich sind wir nach den schweren letzten Wochen das erste Mal wieder Favorit vor einem Spiel. Gießen hat jedoch zwei der letzten drei Spiele gewonnen und zeigt nach dem Trainerwechsel eine ansteigende Form. Wir ändern im Vergleich zu den letzten Spielen nichts an unserer Herangehensweise. Wir nehmen uns weiterhin vor, eine positive Energie zu erzeugen und mit viel Freude und Enthusiasmus in die Spiele zu gehen. Wenn wir unabhängig von der Anzeigetafel alles geben, können wir zufrieden mit unserer Leistung sein.“

Kresimir Nikic (ALBA-Center): „In unserer Situation, mit all den Verletzten und so vielen Spielen in kürzester Zeit, erwartet uns gegen Gießen das nächste schwere Spiel. Wir müssen uns bis zum Spiel bestmöglich erholen und bereit für eine weitere Aufgabe sein. Für uns geht es weiterhin darum, den Fokus hochzuhalten und der Partie unseren Rhythmus aufzuzwingen.“