Ein Plädoyer für den Basketball in der Schule

Der Berliner Basketball ist einzigartig, da sind sich alle Baller in der Hauptstadt eh einig. Doch was macht den Sport in unserer Stadt eigentlich so unverwechselbar im Vergleich zu anderen Bundesländern oder Stadtstaaten? Klar, da ist mit ALBA BERLIN der erfolgreiche Proficlub zu Hause und zahlreiche Berliner Vereine nehmen am Spielbetrieb des Verbands mit ihren Jugend- und Erwachsenenmannschaft teil. Aber da ist noch etwas, auf einer anderen Ebene, ein Modell mit Vorzeigecharakter, der Berliner Schulbasketball.

Kein anderer steht so selbstverständlich für die Entwicklung, den Aufstieg und den Erfolg wie Mathias Ramsauer. Nach 35 Jahren ist jedoch Schluss, zumindest so halb und mit Florian Lau hat der Nachfolger bereits seit Februar die ersten Schritte auf einem gut bestellten Feld gewagt. Eine Zeitreise in die Ära der Europameister von 1993 und des Streetball-Boom sowie ein Blick in die Zukunft mit ALBA-Geschäftsstellenleiter Daniel Endres und den beiden Protagonisten Mathias Ramsauer und Florian Lau:


Mathias, machen wir doch mal eine kleine Zeitreise zu deinen Anfängen im Berliner Schulbasketball. Wie ging das eigentlich los?


Mathias: Das war schon ein wenig kurios. Ich war im ICC beim Sportlehrerkongress und der damalige Schulrat kam auf mich zu, wollte schon fast an mir vorbeigehen und dann fragte ich ihn einfach, ob er schon einen Nachfolger für Gerhard Schmidt, also aus heutiger Sicht, meinen Vorgänger, gefunden hatte. Er sagte, „Noch nicht, wieso? Willst du es machen?“ Ich habe nicht lange überlegt, ihm vier Bedingungen genannt, die damals fast unannehmbar waren und danach ging er kurz weiter, drehte sich doch noch um und sagte: „In Ordnung“. So ging das alles los. Als ich angefangen hatte, bekam ich einen Zettel mit den teilnehmenden Mannschaften des Vorjahres. Das war die Übergabe.


Das hört sich spannend, schon fast geheimnisvoll an. Was waren denn nun die vier Bedingungen?


Mathias: Es ging um Ermäßigungsstunden und fachliche Sachen, die im Schulbetrieb damals eine große Rolle spielten. Das Hauptmerkmal war aber, dass ich zu entscheiden habe und an meiner Schreibtischkante „Ende der Fahnenstange“ ist.


Ein Mann, ein Wort also. Würdest du denn jetzt zurückblickend diese 35 Jahre auch ein Stück weit als dein Lebenswerk bezeichnen?


Mathias: Basketball war immer ein großer Teil in meinem Leben und klar, da muss man schon ein bisschen verrückt sein. Ich war halt auch damals aktiver Basketballer und habe früher auf die Funktionäre immer geschimpft. Doch dann habe ich mir gesagt, dann musst du jetzt zeigen, dass du es besser kannst und habe geguckt, wie bekomme ich das systematisiert. Am Anfang gab es ja nur eine Runde pro Altersklasse und 1983 hab ich dann ein Ergebnis eines Schulspiels von 186:10 auf dem Tisch vor mir liegen gehabt. Damit bin ich dann zur Senatsverwaltung gegangen und habe gesagt: „So kann das nicht weitergehen, wir müssen die Spielgruppen teilen. Wir brauchen eine Breitensport- und eine Leistungssportrunde, in der man sich fürs Bundesfinale qualifizieren kann“.


Florian, du hast ja auch eine ganz besondere Beziehung zum Schulbasketball von Anfang an gehabt. Wie hast du deine Zeit – anfangs noch als Spieler und später dann als Trainer – im Berliner Schulbasketball miterlebt, den Matthias gestaltet hat?


Florian: Ja, das stimmt. Ich kann mich noch gut an die Trennung zwischen Breitensport- und Leistungsrunde erinnern, weil ich irgendwann nicht mehr mitspielen durfte, was meinen Einstieg in die Trainertätigkeit bedeutete. Damals habe ich über ein Vorbild zum Basketball gefunden. Schulmannschaften waren da immer eine sehr große Motivation, das war schon eine besondere Ehre dort mitspielen zu dürfen. Dadurch bin ich dann auch zum Vereinssport gekommen, als Spieler, Trainer und auch als Schiedsrichter. Irgendwann habe ich dann, auch durch dieses starke Vorbild motiviert, einen eigenen Verein (Basket Dragons Marzahn Anm. d. Red.) gegründet, den es jetzt seit zehn Jahren gibt und der auch in die Schulen geht und versucht, die gleichen positiven Erfahrungen weiterzugeben und Kinder zu motivieren. Der Schulbasketball hat mich also massiv geprägt und ich habe selber sehr stark profitiert.


Wer war denn das Vorbild?


Florian: Christian von Angern, mein Sportlehrer und erster Trainer am Barnim-Gymnasium, ebenfalls Vorsitzender eines Basketballvereins, rundum ein toller Typ und Tausendsassa. Ich hoffe, dass ich in 30 Jahren auch so viel bewegt haben werde wie er. Ich habe ihm viel zu verdanken.

Die 35 Jahre, in denen du tätig warst, waren ja sicherlich eine spannende Zeit, auch in der Basketballwelt generell. Ich denke da an den Europameistertitel für Deutschland 1993 zurück oder auch den Streetball-Boom in Deutschland Anfang der 90er-Jahre, der durch adidas ausgelöst worden ist. Mathias, wie hast du diese Zeit erlebt und welche Auswirkungen hatte das auf deine Arbeit?


Mathias: Der Europameister-Titel war für gesamt Basketball-Deutschland eine verrückte Sache und hat natürlich auch in Berlin dazu geführt, dass sich mehr Menschen für Basketball interessiert haben. Die Streetball-Bewegung war absolut spektakulär: Daraus hat sich ja auch die Streetball-Serie der School-Finals entwickelt. Jedoch brauchten wir Geld, um die Serie nach einem erfolgreichen Start auch weiterhin durchführen zu können. Also bin ich losgezogen und habe Sponsoren gesucht. Die Berliner Morgenpost hat die Plakate gedruckt und die Berliner Sparkasse hat uns mit Geldern unterstützt. Der rbb war dabei, damals noch SFB, weshalb es ja auch „School-Finals Berlin“ heißt.


Du hast gerade die School-Finals angesprochen, die es ja jetzt auch schon seit 23 Jahren gibt. Würdest du diese im Rahmen deiner Tätigkeit für Schulbasketball als „dein Baby“ bezeichnen?


Mathias (lacht): Nicht mein einziges, aber schon mein „Favorite Baby“.


Vom Streetball zurück zur Schulrunde: Wenn wir dort mal in die jüngere Vergangenheit des Berliner Schulbasketballs gucken: Hier gibt es ja neue Entwicklungen durch die Kooperation mit ALBA im Bereich der Grundschule, den du ja auch mit begleitet und initiiert hast. Seit zwei Jahren gibt es dieses Modell auch in der Oberschule. Was waren deine Motive für Veränderungen in diesen Bereichen?


Mathias: Nachdem ALBA mit Henning (Harnisch, Anm. d. Red) ziemlich schnell und konsequent an die Grundschulen im Prenzlauer Berg gegangen ist, wurde die ALBA Grundschulliga schnell größer als die bestehende Grundschulliga (der Senatsverwaltung, Anm. d. Red.). Dann wollten plötzlich Zehlendorfer Grundschulen in der „ALBA Grundschulliga Prenzlauer Berg“ mitspielen. Wir haben schnell gemerkt, dass das natürlich nicht unser gemeinsames Ziel sein kann. Also bin ich zu Henning gegangen und habe gesagt: „Wir brauchen keine zwei Grundschulligen, es darf nur eine geben. Egal, wer die organisiert. Wollt ihr?“ Somit war die ALBA Grundschulliga geboren. Die Ausweitung dieser Kooperation auf die ALBA Oberschulliga war dann der logische nächste Schritt – jedoch muss man hier andere Vorzeichen hinsichtlich der Wettkampfstruktur beachten und ein passendes Modell für die Schulen und Lehrer entwickeln. In diesem Prozess befinden wir uns noch, aus meiner Sicht.


Du hast gerade die Lehrer angesprochen. Sie sind es ja, die den Schulbasketball tragen. Wie lassen sich denn überhaupt Lehrer für Basketball begeistern und wie kann man noch mehr Lehrer dazu bringen, diesen Weg mit uns allen gemeinsam zu gehen?


Florian: Lehrer werden durch den Spaß der Kinder motiviert, der entsteht, wenn man an einem Spielbetrieb teilnimmt. Das kenne ich aus eigener Erfahrung. Die Kinder lernen die Liebe für den Sport, aber auch ein kooperatives Gegeneinander und sammeln dabei wichtige Erfahrungen. Den Lehrern muss man dahingehend entgegenkommen, dass die Strukturen auf sie zugeschnitten werden. Die Grundschulliga muss demnach andere Strukturen bieten als die Oberschulliga, da sind wir, wie Mathias gesagt hat, noch im Findungsprozess, werden aber immer besser. Wir wollen die Lehrer ernst nehmen und einen Dialog mit ihnen führen, um gemeinsam ein gutes Modell zu entwickeln.


Mathias: Die Lehrer sind ja genauso basketballinfiziert wie wir! Sie bringen den Schülern etwas bei und suchen dann auch nach Erfolgserlebnissen. Wenn sie dauernd auf die Mütze bekommen, dann verlieren sie ja aber auch schnell den Spaß an der Sache. Deshalb ist es ganz wichtig, dass wir viel Zeit und Energie in Lehrerausbildungen und -fortbildungen investieren und gute Trainer als Mentoren einsetzen, damit die Lehrer das Wissen aufnehmen und an die Schüler weitergeben können.


Florian: Im Übrigen eines der wichtigsten Ziele für Teams, die an der Grundschulliga, aber auch an der Oberschulliga teilnehmen: Es muss Erfolgserlebnisse geben! Der Vorteil an dem Wettkampfmodell bei uns ist, dass eine Leistungsdifferenzierung stattfindet, spätestens zur Zwischenrunde weiß man wo man steht und zum Endturnier ist man dann in der richtigen Gruppe. So kommt es dann nicht zu solch extremen Ergebnissen, wie du sie vorhin genannt hast.


Mathias, wenn du jetzt einmal die 35 Jahre Revue passieren lässt: Gibt es einen Moment, ein Highlight, das dir ganz stark in Erinnerung geblieben ist? Oder vielleicht sogar mehrere?


Mathias: Es gab einen positiven und einen negativen Moment. Der positive Moment war 1999, die Eröffnung der School-Finals Berlin, das war der anstrengendste aber auch imposanteste Tag, den ich bisher erlebt habe. Da hatte ich zum Startschuss Detlef Schrempf und gegen 13 Uhr bin ich mit Kobe Bryant über den Platz gelaufen. Wahnsinn! Ich kann mich noch gut an einen kleinen Jungen erinnern, der vor mir am Spielfeldrand stand und zu seinem Kumpel sagte: „Wenn wir das morgen in der Schule erzählen, dass wir mit Kobe Bryant zusammen auf dem Freiplatz waren, dann glaubt uns das kein Mensch…“. Der negativste Tag war für mich im Jahr 2007, als ich das Streetball-Finale wegen Regens abbrechen musste, das ist dann ausgefallen. Der Termin war leider kurz vor den Sommerferien und daher nicht wiederholbar, das war schon sehr traurig für alle Beteiligten.


Wenn wir jetzt in die Zukunft schauen, was würdest du Florian mit auf den Weg geben wollen? Wo soll der Berliner Schulbasketball in 10 Jahren stehen?


Mathias: Ich bin da eher zurückhaltend und möchte für die Zukunft nichts vorgeben, es kann ja auch sein, dass es in Zukunft jemand anders und wesentlich besser macht als ich bisher. Florian wird sich entscheiden müssen, wo er hin will, welchen Weg er gehen will. Das wird, wie auch in meinen Jahren nicht immer ein einfacher Weg werden. Es ist eine Aufgabe, für die man viel Kraft und Motivation braucht. Wenn ich gefragt werde, stehe ich natürlich weiterhin beratend zur Seite. Es ist mir selbstverständlich weiterhin eine Herzensangelegenheit.


Florian: Danke Mathias, ich weiß deine Unterstützung zu schätzen. Mir ist es aber auch wichtig, dass Schulbasketball deutlich weiter gefasst und nicht nur auf den Spielbetrieb reduziert wird. Selbstverständlich bildet Spielbetrieb die Basis, aber Feriencamps, Lehrerfortbildungen, Basketballworkshops an den Schulen spielen ebenfalls eine große Rolle. Ich wünsche mir, dass der Schulbasketball in Zukunft noch mehr Kindern und Jugendlichen ermöglicht, den Weg zum Basketballsport zu finden. Ich glaube, dass das Fundament dazu in der Schule gelegt werden muss und der eingeschlagene Weg in unserem Sinne konsequent weitergedacht und gegangen werden muss.

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