Gegner-Preview: Welches Gesicht zeigen Paulding & Co.?

Nun ist also Oldenburg unser Viertefinal-Gegner geworden. Dass der letztjährige Vizemeister in dieser Saison nur als Siebter in die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft geht, darf unsere Albatrosse dabei auf keinen Fall veranlassen, die EWE Baskets auf die leichte Schulter zu nehmen. Schließlich starteten die Oldenburger auch im Vorjahr ohne Heimvorteil (damals als Fünfter) in die Playoffs und standen trotzdem am Ende im Finale. Ausführliche Vorstellung eines gefährlichen Gegners, der in dieser Saison schon sehr unterschiedliche Gesichter gezeigt hat.

 

Oldenburg geht mit Verletzungssorgen in die Playoffs

 

Vielmehr hat ALBA den wohl unberechenbarsten Gegner aus dem diesjährigen Teilnehmerfeld erwischt. Auf die 83:91-Niederlage, die Oldenburg Mitte Februar hier in der Mercedes-Benz Arena bezog, ließen die EWE Baskets fünf Siege in Serie folgen – gekrönt von einem 100:77-Kantersieg über die Bayern. Die Ernüchterung folgte aber Anfang April mit drei Niederlagen am Stück, bevor drei Siege in Folge endlich das Playoff-Ticket unter Dach und Fach brachten und sich sogar eine Chance auf den vierten Platz eröffnete. Die wurde aber mit einer 74:90-Heimpleite gegen Frankfurt recht enttäuschend vergeben.

 

Mitverantwortlich für die Oldenburger Achterbahnfahrt der vergangenen Wochen sind sicher die Verletzungen gleich mehrerer Leistungsträger. Neben dem Ersatz-Spielmacher Brad Loesing (gebrochener Finger) fehlten Trainer Mladen Drijencic zuletzt auch der kürzlich nachverpflichtete US-Forward Durand Scott (muskuläre Probleme) und der belgische Power Forward Maxime De Zeeuw. Vor allem der gerade am Meniskus operierte belgische Nationalspieler ist mit seiner bis hinter die Dreierlinie reichenden Korbgefährlichkeit ein Schlüsselspieler im Oldenburger Frontcourt, weil De Zeeuw mit seinen 2,06 Metern auch den Center Rasid Mahalbasic entlastet.

 

Center Rasid Mahalbasic: Topscorer mit Auge für Mitspieler

 

Der österreichische Nationalcenter ist mit seiner Präsenz in der Zone der Dreh- und Angelpunkt des Oldenburger Innenspiels. Mit seiner guten Fußarbeit ist der kräftige Big Man für seine Statur recht beweglich. Dass er fintenreich beidhändig abschließen kann und zudem als exzellenter Passgeber ein gutes Auge für seine Mitspieler hat, macht den 2,10 Meter langen Riesen doppelt gefährlich. Mit seinen 27 Jahren steuert der mit Engagements von Kasachstan bis Spanien schon weitgereiste Center auf seine beste Phase zu und ist in dieser Saison hinter John Bryant, Scott Eatherton und Luke Sikma der vierteffektivste Spieler in der easyCredit BBL.

 

In Abwesenheit von De Zeeuw rücken Philipp Schwethelm und zuweilen auch US-Forward Armani Moore bei den EWE Baskets verstärkt auf die Position vier hoch. Der erfahrene Schwethelm, der in jungen Jahren eher auf der Position zwei spielte, hat sich in seiner dritten Oldenburger Saison längst daran gewöhnt, zwischen der kleinen und der großen Flügelposition hin- und herzupendeln und sich im Frontcourt mit den „großen Jungs“ auseinanderzusetzen. Seine gefährlichen Dreier kann er ja auch als Power Forward abdrücken. Dem nur 1,96 Meter großen Armani Moore hilft beim Ausflug in den Frontcourt seine starke Athletik. Mit seiner Schnelligkeit kann der erst 24-Jährige aber auch Guards verteidigen.

 

Rickey Paulding ist weiter für die Big Points zuständig

 

°Natürlich wäre jede Präsentation der EWE Baskets ohne eine ausführliche Würdigung von Rickey Paulding unvollständig. Der Small Forward ist auch in seiner elften Oldenburger Saison das Gesicht der EWE Baskets, hat trotz mittlerweile 35 Jahren auch 2017/18 kein einziges Oldenburger Spiel verpasst und gehört immer noch zu den zehn Spielern in der Liga mit der längsten Einsatzzeit. Und wenn der entscheidende Wurf ansteht, blicken alle erwartungsvoll auf Rickey Paulding – auch wenn der mittlerweile hinter Mahalbasic nur noch der zweitbeste Oldenburger Scorer ist. Beim letzten Auftritt in Berlin machte er trotzdem 22 Punkte.

 

Dritter Oldenburger Schlüsselspieler neben Mahalbasic und Paulding ist der quirlige US-Aufbauspieler Mickey McConnell, der nicht nur seine Mitspieler mit pfeilschnellen und präzisen Pässen in Szene setzt, sondern auch selbst mit eiskalten Dreiern Oldenburgs drittbester Scorer ist. Nationalspieler Karsten Tadda, der seine größten Stärken in der Defensive hat, und der sich mit gleichermaßen starker Offensive und Defensive immer mehr in den Vordergrund spielende Combo Guard Frantz Massenat stehen McConnell im Backcourt am effektivsten zur Seite. 

 

Haben die Oldenburger die besten Nerven?

 

Wenn man die komplette BBL-Hauptrunde betrachtet, kommt heraus, dass die EWE Baskets Oldenburg alle knappen Spiele (also alle, die mit weniger als vier Punkten Differenz bzw. nach Verlängerung entschieden wurden) gewonnen haben. Haben wir da etwa in der ersten Playoff-Runde einen Gegner mit starken Nerven erwischt? Aber auch die Albatrosse sind nicht unbedingt durch schwache Nerven aufgefallen. Das einzige enge Spiel, das sie verloren haben, war die 64:66-Heimniederlage gegen Bremerhaven gleich am zweiten Spieltag.

 

Dieser Ausrutscher und das 70:80 gegen Bayern München am 8. Spieltag waren aber auch schon die einzigen Heimniederlagen hier in der Mercedes-Benz Arena. Unter dem Strich zählte ALBA damit zusammen mit den Bayern und mit Bamberg zu den heimstärksten Teams in der easyCredit BBL 2017/18. Unserem Gegner Oldenburg scheint es hingegen egal zu sein, ob er in eigener Halle oder auswärts spielt: 11-6 Heimsiegen stehen 10-7 in fremder Halle gegenüber. 

 

Aufstellung EWE Baskets Oldenburg (Statistik easyCredit BBL 2017/18)

Nr.

Name

Pos

Alter

cm

Nat.

Min/Sp

Pkt/Sp

Rb/Sp

As/Sp

4

Armani Moore

3/4

24

196

USA

18,7

6,2

3,8

0,7

5

Haris Hujic

1

21

192

GER

2,8

1,2

0,1

0,1

9

Karsten Tadda

2

29

191

GER

19,2

5,3

2,6

2,2

10

Frantz Massenat

1/2

26

193

USA

21,9

9,4

2,4

2,7

13

Marko Bacak

5

22

210

D/CRO

6,0

1,8

0,7

0,2

15

Marcel Keßen

5

21

207

GER

3,2

1,2

0,8

0,0

16

Till Isemann

5

21

208

GER

1,1

0,0

0,0

0,0

22

Kevin Wohlrath

3

23

197

GER

0,8

0,0

0,0

0,0

23

Rickey Paulding

3

35

196

USA

31,2

14,7

3,2

1,8

24

Rasid Mahalbasic

5

27

210

AUT

26,7

16,1

6,2

3,3

25

Robert Drijencic

½

22

190

GER

 

 

 

 

31

Isaiah Philmore

4/5

28

203

D/US

10,7

4,9

2,1

0,3

32

Mickey McConnell

1

29

183

USA

29,4

11,3

2,6

1,0

33

Philipp Schwethelm

¾

29

201

GER

20,6

7,9

3,9

0,9

Head Coach: Mladen Drijencic (52, D/BIH vierte Bundesliga-Saison mit Oldenburg)

Oldenburg: Resultate der letzten vier Wochen
14.04. Oldenburg - Würzburg (easyCredit BBL) 80:93 (N) Mahalbasic 19, Tadda 15
20.04. Bamberg – Oldenburg (easyCredit BBL) 95:82 (N) Mahalbasic 15, Paulding 14
22.04. Oldenburg – MBC (easyCredit BBL) 86:84 (S) Mahalbasic 25, Paulding 13
27.04. Oldenburg – Göttingen (easyCredit BBL) 97:75 (S) Mahalbasic 22, Scott 16
29.04. Ulm – Oldenburg (easyCredit BBL) 70:87 (S) Paulding 26, Massenat 12
01.05. Oldenburg – Frankfurt (easyCredit BBL) 74:90 (N) Massenat 21, Mahalbasic 13

ALBA-Bilanz gegen Oldenburg
38 Siege – 17 Niederlagen (24:5 in Berlin)
BBL: 24-12 / Playoff: 12-5 / Pokal 2-0
Höchster Sieg: 105:60 am 25. Oktober 1998 in Oldenburg (Pokal)
Höchste Niederlage: 67:82 am 3. Februar 2013 in Oldenburg

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