Giffey: "Für Barcelona lasse ich Silvester gerne ausfallen!"

Niels Giffey ist nach seiner erfolgreichen College-Karriere zu seinem Jugendverein ALBA BERLIN zurückgekehrt, wo er in vertrauter Umgebung den Sprung in den Profi-Basketball nahtlos gemeistert hat. Nach nur drei Monaten ist er mit seiner Vielseitigkeit kaum noch aus dem ALBA-Team wegzudenken, Im DKB-Talk sprechen wir mit dem Forward über die Umstellung auf das Profi-Leben und über die aktuelle Situation bei ALBA.

Niels, hattest du ein schönes Weihnachtsfest?

 

NG: Weihnachten war sehr gut. Ich habe das zum ersten Mal nach fünf Jahren wieder bei meiner Familie verbracht. Den Heiligabend haben wir dann ganz klassisch bei meinen Eltern gefeiert. Das war sehr schön.

 

Und dann hat die Niederlage in Bamberg Weihnachten doch noch verdorben?

 

NG: Leider ja, das war auch für uns Spieler etwas schockierend, wie schwach wir uns da präsentiert haben. Klar, haben die Bamberger zu Beginn alles getroffen, aber dass wir überhaupt keine Wege gefunden haben, darauf zu reagieren, war schon bitter. Wir haben in der Defensive überhaupt nicht funktioniert und auch offensiv haben wir überhaupt keinen Spielfluss gefunden.

 

Viele Beobachter hatten den Eindruck, dass ihr müde wart?

 

NG: Ich glaube, wir hatten schon Spiele, wo wir müder waren. Das Problem war mehr, dass wir mental einfach nicht bereit waren, ein solches Spiel gegen die zweitbeste Mannschaft in der Bundesliga anzunehmen. Wir hatten zuvor diese harten drei Wochen, wo wir permanent unter Strom standen. Wenn danach ein kurzer Break kommt, dann schaltest du schon ein wenig ab. Dann zum Bamberg-Spiel wieder hochzuschalten, hat irgendwie nicht geklappt. Das konnte man schon vorher im Training sehen, als viele vom Coach angesagte Dinge nicht zu hundert Prozent umgesetzt wurden.

 

Ist der MBC jetzt der richtige Gegner, um wieder Fahrt aufzunehmen?

 

NG: Es ist für uns in dieser Phase aber eigentlich egal, gegen wen wir spielen. Für uns kommt es jetzt darauf an, wieder richtig zu trainieren, denn nur darüber werden wir auch unseren Spielrhythmus wiederfinden. In den letzten Wochen hatten wir zu wenig Gelegenheit, um richtig intensiv zu trainieren.

 

Der MBC hat mit Christian Standhardinger ja auch einen deutschen College-Rookie im Team, der gleichzeitig mit dir in den USA war. Gibt es da Kontakte zwischen den deutschen Jungs?

 

NG: Da gibt es nicht soviel Kontakt untereinander. Da hat jeder an seinem College seine eigenen  Leute Ich habe Christian auch erst im A2-Team nach meinem zweiten oder dritten USA-Jahr kennengelernt. Er war ein bisschen so das verlorene Talent des deutschen Basketballs, den viele schon abgeschrieben haben, obwohl er wirklich talentiert ist. Ich freue mich für ihn, dass er das jetzt beim MBC beweisen kann.

 

Macht der Wechsel vom College in die Bundesliga einen großen Unterschied aus?

 

NG: Ja, das ist ein großer Unterschied. Sportlich ist es schon eine Umstellung, zweimal am Tag zu trainieren. Auch wenn die Trainings oft weniger intensiv sind, ist die Belastung insgesamt höher. Ich spiele jetzt mit ALBA wahrscheinlich in der Saison über siebzig Spiele. In einer College-Saison spielst du nur halb so viele Spiele. Die mentale Belastung schlägt dabei noch mehr durch als die physische.

 

Und auf dem Spielfeld gibt es schon hin und wieder Situationen, wo Dinge, die dir im College-Basketball wie selbstverständlich von der Hand gingen, jetzt nicht mehr so einfach funktionieren?

 

NG: Bei ein paar Sachen ist das wirklich so. Das ist schon eine interessante Erfahrung, dass du da auf Gegenspieler triffst, die vielleicht sogar langsamer sind als deine Gegenspieler am College, an denen du aber trotzdem nicht so leicht vorbeikommst, weil die die Situationen viel besser lesen und viel mehr mit Täuschungen arbeiten. Daran muss ich mich erst mal gewöhnen.

 

Die meisten deiner Gegenspieler sind in der Bundesliga kräftiger als du. Gehst du oft in die „Kraftkammer“, um das zu ändern?

 

NG: Ich glaube, das kommt einfach mit der Zeit. Ich will das auch nicht auf Gewalt in kürzester Zeit erzwingen. Ich arbeite da mehr kontinuierlich darauf hin. Da speilen so viele Dinge, zum Beispiel auch die Ernährung, eine Rolle. Das wird hier bei ALBA wirklich alles gut organsiert für mich.

 

Wie lange wird es noch dauern, bis du so aussiehst wie Alex King?

 

NG: (lacht) Wie alt ist Alex jetzt – 29? Gut, wenn ich 29 bin, werde ich wahrscheinlich genauso aussehen wie Alex. 

 

Das Euroleague-TOP16 beginnt für euch mit dem Gastspiel des FC Barcelona gleich mit einem richtigen Kracher?

 

NG: Das wird ein Riesenspiel. Natürlich gehen wir da als totaler Underdog rein, aber da wissen wir wenigstens, dass wir mehr als hundert Prozent geben müssen, um auch nur halbwegs mitzuhalten. Für ein solches Spiel gegen Barcelona lasse ich in diesem Jahr gerne Silvester ausfallen.

 

Auf welche Gegenspieler freust du dich besonders?

 

NG: Natürlich auf Tibor Pleiss, der ja jetzt auch für Barcelona spielt. Dann freue ich mich auch auf Deshaun Thomas, mit dem ich im Sommer in den USA trainiert habe und der dann von den Spurs an Nr. 58 gedraftet wurde. Der wird wahrscheinlich im Spiel auch mein direkter Gegenspieler sein. Das wird eine echte Herausforderung, denn der ist ein sehr guter Spieler. Er ist ein Linkshänder und ein guter Schütze.

 

In der Vorrunde habt ihr auch gleich gegen die großen Favoriten ZSKA und Maccabi gespielt und ordentlich einen auf die Mütze bekommen. Jetzt geht das TOP16 wieder gleich gegen den Gruppenfavoriten los. Werdet ihr da selbstbewusster auftreten?

 

NG: Das hoffe ich doch. Sehr groß wird unsere Siegchance gegen einen solchen  Gegner nicht sein. Aber nachdem wir uns in der Euroleague in den entscheidenden Spielen doch sehr gut verkauft haben, denke ich, dass wir jetzt schon mit mehr Selbstbewusstsein in die TOP16-Spiele gehen können. Wichtig wäre es auch, schon zwei Tage vorher gegen den MBC ein richtig gutes Spiel zu machen.

 

Das ist ja das „Ost-Derby“ – sagt dir das etwas?

 

NG: Ich finde es schade, dass der Basketball im Osten immer noch so einen schweren Stand hat. Ein paar mehr Clubs aus dem Osten würden der Beko BBL schon gut stehen, aber irgendwie ist der Basketball da noch nicht so richtig angekommen.

 

Da hast du ja Glück gehabt, dass du in Berlin geboren bist und nicht in Rostock?

 

NG: Dann würde ich wahrscheinlich jetzt bei Hansa Rostock Fußball spielen. Ich bin ja sowieso Hansa-Fan.

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