Harnischs China-Blog Pt 2: ALBA in Shanghai

Im zweiten Teil seines China-Blogs reist ALBAs Vizepräsident Henning Harnisch nach Shanghai. In der Metropole am Huangpu veranstaltet ALBA BERLIN eine Lehrerfortbildung an der Deutschen Schule sowie ein großes Basketball-Turnier mit mehr als 150 Mädchen und Jungen. Auf dem Campus der renommierten Tongji-Universität findet ein ALBA-Freiplatzturnier statt. Von seinen Erlebnissen berichtet Henning Harnisch hier.

Heute ist Lehrerfortbildung an der Deutschen Schule Shanghai Eurocampus. Lehrer von diversen Deutschen Schulen Chinas reisen an, aus Hong Kong, Peking und Changchun kommen sie. Insgesamt 20 und ein Schülerdemoteam nehmen an der Fortbildung teil. Unser ALBA-Coach Norbert leitet sie. Im ersten Teil werden die Grundtechniken thematisiert, im zweiten Teil geht es um die Spielvermittlung. Organisiert und vorbereitet wurde die Fortbildung vor Ort vom Fachbereichsleiter der Schule, Robert Vrsek.

Die Deutsche Schule in Shanghai muss für uns durch Robert Vrsek erzählt werden. Norbert meint, Robert redet wie Otto (der Komiker). Ich mache die Augen zu. Otto! Robert ist A-Basketballtrainer, Robert ist aber vor allem ein Typ, mit dem man etwas auf die Beine stellen kann. Er war im Herbst sofort Feuer und Flamme, als wir über die Idee einer Lehrerfortbildung und ein Schulturnier an seiner Schule geredet haben. Seine Frau erwartet gerade ihr zweites Kind, Termin ist der kommende Dienstag. Robert sagt, das bleibt auch so, das geht ja nicht anders, wegen der Fortbildung und dem Turnier. Robert steht für mich stellvertretend für viele Lehrer, die ich jetzt an unterschiedlichen Deutschen Schulen in China kennengelernt habe, in Hong Kong, in Peking und in Shanghai, und eben jetzt bei der Fortbildung: wach sind sie, begeisterungsfähig und gut druff. Robert meint übrigens, nächstes Jahr würden sie zurück nach Bremen gehen, er ist verbeamtet, ein Reihenhaus ist dort gekauft. Ich meine, er kommt dann zu uns nach Berlin, zu ALBA.

Berlin und ALBA in der Welt

Der stellvertretende Schulleiter der Deutschen Schule Shanghai, Marc Vehllow, kommt aus Spandau („Teo Ötztürk ist ein guter Freund“), seine Familie ist in Februar nach fünf Jahren zurückgezogen, er folgt ihnen im Sommer.

Der Praktikant Dennis Olschowski (Basketballer ohne Verein) ist im Landkreis Oberhavel in Klein-Ziethen aufgewachsen, sein Abitur hat er an einer ALBA-Partnerschule gemacht, dem Hedwig-Bollhagen-Gymnasium.

Roberto Gohr, der seit Sommer 2012 an der Schule im Kindergarten und in der Schulanfangsphase arbeitet, wohnte vorher in Friedrichshain („ich habe ja quasi neben der o2 World gewohnt“), aufgewachsen ist er in Mitte.

Hail Chung von der Deutschen Schule Seoul ist in Charlottenburg („damals in der Sömmeringhalle“) aufgewachsen. Nach dem juristischen Staatsexamen ist er nach Seoul gegangen und leitet dort das Nachmittagsprogramm. 

Die Krankenschwester der Deutschen Schule Shanghai, Diane Wiesner, ehemals Kreuzberg, war früher TusLi-Spielerin.

Norbert verschmäht Nudelsuppe. Unglaublich. Nudelsuppe gibt sooo viel Kraft und macht glücklich!

Der Samstag bietet 12 Stunden Basketball. Von 9-11 Uhr sind wir zunächst beim Deutschlandtag. Schüler, Studenten und deren Eltern können sich hier in einem Konferenzzentrum über deutsche Bildungs- und Sprachinstitutionen informieren. Deutsche Kultur und Sprache erschließen sich sukzessive in einem Rundgang entlang benannter Buden: Goethe. DAAD. ZfA (Zentrale für das Auslandsschulwesen).

Auch mit Stand vor Ort: die Universities of Bavaria. Und meine Rolle hier? Buchstabenspiele mit basketballaffinen Studenten. Wie schreibt man Basketball? Dunking? Das ist Weltsprache. Wie schreibt man werfen, dribbeln, passen? Ist das Deutsch für Anfänger? Was für ein schwer zu buchstabierendes und auszusprechendes Verb: dribbeln. Dann folgt der didaktische Teil. Wir DRIBBELN wirklich, wir WERFEN, wir PASSEN. LINKE Hand, RECHTE Hand. HIGHFIVE!

Um 12 Uhr wird es historisch: unser erstes, gemeinsam mit dem Chinesisch-Deutschen-Campus (Simone Schlüter-Mihaila, Thomas Willems, Barbara Ziesch – Hallo und Danke!) konzipiertes, offizielles Studententurnier an der renommierten Tongji-Universität. Punkt. Ein Freiplatzturnier. Genau, und so hat es den Morgen über geregnet. Nichtsdestotrotz trudeln Teams und zig Helfer ein, auch Schiedsrichter der Unisportverwaltung geben sich zu erkennen. Alle gucken skeptisch. Zwei Plätze voller Pfützen werden von den Spielern abgegangen und untersucht. Spielen wir??? Fuck die Icebox!, wie unser Jugendbundestrainer Bernd Röder zu sagen pflegte, natürlich spielen wir! Verkürzte Zeit, zwei Halbfinals, Spiel um Platz 3. Mehr Regen, verkürztere Zeit, Finale. Ende. 

Einer der Spieler, Wu Kai, vom Team des Chinesisch-Deutschen Hochschulkollegs, verkörpert die Idee hinter dem Turnier. Er wird im Frühling 2015 zum Studieren an die TU nach Berlin kommen. Den Masterstudenten der Wirtschaftswissenschaften und zähen Point Guard (er gewinnt den Turnierpreis „Bester Verteidiger“) habe ich schon im Herbst kennengelernt. Wenn er - einer der vielen basketballbegeisterten chinesischen Studenten, die jedes Jahr zum Studieren nach Berlin kommen -, wenn er dann also in der Stadt ankommt, dann wird er uns schon kennen und dann werden wir ihn mit Highfive begrüßen und ihn den Weg Richtung Stadt und Leute ebnen, mit den Mitteln des Basketballs - Wu Kai, hier ist das Training der Hochschule und hier kannst Du regelmäßig im Verein spielen!

Siegerfoto mit der Mannschaft der Fudan-Universität, und dann gleich ab zur U-Bahn, Linie 10 , umsteigen in die Linie 2, eine gute Stunde Fahrt zur Deutschen Schule. Dort wird um 18 Uhr das Schulturnier eröffnet. Zwischendrin bloggen, wie der Blogger zu sagen pflegt; zum Glück unterstützt Robert die harte Arbeit.

Die Schule, am Rande der Stadt gelegen... – Stop, anders: Die Schule liegt in einer Gegend, die vor drei Monaten noch von alten Häuser- und Geschäftszeilen geprägt war, und die jetzt, mehr als nur teilweise, zu einer kilometerlangen Trümmerhalde mutiert ist. Das korrespondiert herrlich mit dem fast fertiggestellten, zukünftig wohl größtem Messezentrum der Welt,  dem Symbol oder auch dem Grund für die Veränderung vor Ort.


Im Atrium lauschen knapp 200 Jugendliche von der Deutschen Schule und acht Pasch-Schulen aus der Region Shanghai den Eröffnungsreden der Schulleiterin Regine Michel und des Mitarbeiters des Generalkonsulats (der selber ein Basketballer ist). Dann gibt es, dem Modell der ALBA Jugendküche folgend, Essen von Schülern (und Eltern!) für Schüler. Und zwar Kartoffelsalat mit Würstchen. Lecker! Ganz toll noch danach (deutsche Schulen im Inland bitte weghören): Im Fine Arts Center (wie Kinosaal 2 im Filmtheater Friedrichshain) befragen mich Schüler zu Deutschland, Sport und Basketball. Um 10 Uhr geht es dann nach Hause, einmal durch eine Stadtlandschaft die wahlweise an Playstation (Norbert) oder an Blade Runner II (Henning) erinnert. Nachts dann noch, im Schlaf, Halbfinale und Endspieleinzug der NBBL bejubelt!

Sonntag morgen. Pünktlich um 9 Uhr, startet das erste ALBA-Schulturnier mit dem sehr kurzem Namen an der Deutschen Schule. Fast 200 Schüler sind dabei, aufgeregt und ready sind sie. In zwei Altersklassen (U16 und U18) spielen Chinesen und Deutsche bis um 16 Uhr ihre Sieger aus. Besonders bewegend: ohne jede Vorerfahrung tritt auch eine Mädchenmannschaft aus Nanjing gegen ein Team von der Deutschen Schule an – toll, Ihr Pionierinnen! Interkultureller Dialog via Basketball: Statt Text erzählt durch Fotos vom Turnier.

Live in China dabei! Die NBBL-Mannschaft ist Meister. Bravo!

Robert, Norbert und ich feiern mit einem Tsingtao aus dem Kiosk und einer Footmassage.

In Shanghai startet am Mittwoch der Asiengipfel. Die Expats hier sagen mir, es könne gut sein, dass man hier ab morgen nicht mehr ins Netz kommt. Glaube ich sofort. Und verabschiede mich bis...?

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