Herber-Interview: "Nicht in der Konzentration nachlassen"

Johannes Herber kommt nach einem langen und beschwerlichen Weg wieder besser in Tritt bei ALBA. Kurz vor dem Jahresende sprachen wir mit dem Berliner Guard über den Stand seiner Entwicklung und die Zeit, die er hinter sich hat.

Müsste man den Basketball-Pechvogel des Jahres küren, wäre Johannes Herber mit seiner Geschichte ein heißer Kandidat für diesen Titel. Nach der Kreuzbandverletzung im Oktober 2007 hat er sich durch die monatelange Reha gekämpft, um im Mai dasselbe Knie bei seinem Comeback-Spiel erneut zu überdehnen. Nicht nur der Traum von einer Playoff-Teilnahme, sondern auch der von Olympia war ausgeräumt. Im Herbst dann zu Saisonbeginn der nächste Rückschlag: Muskelfaserriss in der linken Wade. Auch die neue Saison begann für den Nationalspieler erst vor wenigen Wochen mit Verspätung.

 

Johannes, Du bist doch sicher froh, dass dieses Katastrophenjahr endlich zu Ende geht?

 

JH: Basketballerisch ist das Jahr sicher nicht gut für mich verlaufen und natürlich wünsche ich, dass 2009 besser wird. Aber ansonsten war das Jahr für mich nicht so schlimm, dass ich jetzt unbedingt froh bin, dass es vorbeigeht. Ich bin vielmehr froh, dass eine neues Jahr beginnt.

 

Spürst Du im Knie eigentlich noch etwas von der Verletzung?

 

JH: Ja, manchmal spüre ich, dass das Knie nicht mehr ganz so geschmeidig ist wie vor der Verletzung. Darauf haben mich die Ärzte aber vorbereitet.

Trotzdem machen Deine ersten Einsätze in den letzten Spielen doch Mut?

 

JH: In den letzten Wochen habe ich mich im Training schon wieder ganz gut gefühlt und konnte in den letzten Spielen auch schon die ersten kleinen Erfolgserlebnisse auf dem Spielfeld sammeln, was mir sehr hilft. Ein Jahr lang nur zu trainieren, da fehlt einem dann doch irgendwie die Belohnung für die ganze Arbeit.

 

 

In welchen Bereichen hast Du noch Defizite?

 

JH: Mir fehlt noch etwas die Spritzigkeit. Auch im Entscheidungsverhalten muss ich mich noch verbessern: Wann spiele ich den Pass? Wann ziehe oder werfe ich selber? Also Dinge, die man sich nur im richtigen Spiel aneignen kann. Man muss erst wieder die Situationen sehen, um das lernen zu können.

 

Im Training gegen Immanuel McElroy zu spielen, ist doch aber sicher auch eine harte Schule?

 

JH: Mir fallen die Spiele im Moment fast leichter als das Training. Im Spiel fühle ich mich sicherer als im Training gegen Mac. Das ist momentan tatsächlich meine größere Herausforderung.

Wie hast Du die Niederlage gegen Tau gesehen?

 

JH: Das war schon bitter. Wir haben lange sehr hart und konzentriert gespielt, haben es geschafft das Tempo etwas langsamer zu halten. Dann haben wir aber doch in einigen Situationen kleine Fehler gemacht, die uns am Ende das Spiel gekostet haben. Eine Mannschaft wie Tau bestraft solche Unachtsamkeiten sehr konsequent. Deshalb war die Enttäuschung nach dem Spiel doppelt groß.

 

Im Vergleich zum letzten Jahr ist ALBA zum Jahreswechsel in der Verteidigung viel stabiler?

 

JH: Ich denke, das liegt an unseren neuen Point Guards, die beide sehr defensiv orientierte Spieler sind. Rashad hat zum Beispiel gegen Tau mit seinen zwei, drei Steals nicht nur wichtige Punkte gemacht, sondern hat damit auch das Publikum mitgerissen. Wenn man die zwei vorne hat, hilft das dem gesamten Team ungemein. Bobby war im letzten Jahr kein schlechter Verteidiger, aber hatte nicht diese defensive Grundeinstellung, hatte seine Stärken mehr in der Offensive.

 

Eure Top16-Chance ist immer noch realistisch?

 

JH: Auf jeden Fall. Zwar geht es jetzt schon gegen Badalona um alles oder nichts, aber wir haben immerhin alles in unserer eigenen Hand, müssen nicht irgendwie auf andere Resultate hoffen. Wir müssen einfach das nächste Spiel gewinnen ...

 

 

... welches dummerweise ein Auswärtsspiel ist ...

 

JH: Ich denke, da dürfen wir uns aber auch nicht beschweren. Wir haben auswärts schon unsere Siegchancen gehabt. Das Spiel in Rom war zum Beispiel wirklich in Reichweite, das haben wir ein bisschen weggeschenkt. Wenn wir eine Runde weiterkommen wollen, dann müssen wir jetzt wenigstens einmal beweisen, dass wir auch auswärts gewinnen können.

 

Die kurze Weihnachtspause kommt Euch jetzt gar nicht so ungelegen?

 

JH: Lang wird die Pause nicht, wir werden ja schon gleich nach Weihnachten wieder trainieren, aber selbst diese kurze Pause kommt uns jetzt trotzdem sehr gelegen. Vielleicht sind am 7. Januar ja auch Julius und Patrick schon wieder dabei, die uns sehr fehlen und gegen Joventut sicher eine große Hilfe wären.

 

Wenn jetzt in der Euroleague so wichtige Entscheidungen anstehen, rückt da das Spiel gegen Tübingen am Montag nicht in den Hintergrund?

 

JH: Nein, denn gerade nach dieser Niederlage gegen Tau ist es für uns wichtig, das Jahr positiv zu beenden und unsere Stellung in der Liga zu festigen. Wir können gegen Tübingen auch schon gut üben, nicht gegen Ende des Spiels zu früh in der Konzentration nachzulassen, was uns ja vor zwei Wochen auch schon gegen Braunschweig fast den Sieg gekostet hätte. Das darf uns nicht mehr passieren.

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