Jahrbuch-Kolumne von Tommy Wosch - Das perfekte Spiel

Der krönende Abschluss eine ALBA-Jahrbuchs ist jedes Mal die Kolumne von Comedian Tommy Wosch. Der radioeins-Moderator ist nicht nur ALBA-Fan, sonder spielt auch selbst in unserer fünften Herrenmannschaft Basketball. Seinen Beitrag im ALBA-Jahrbuch zur Saison 2017/2018 könnt ihr jetzt online lesen.

Das Jahrbuch ist für ALBA-Dauerkarten-Inhaber kostenlos und im Fanshop für fünf Euro erhältlich.

Das perfekte Spiel - Traum eines Fans in vier Vierteln

 

Text: Tommy Wosch

Illustration: Christian Wischnewski

 

1. Viertel

Playoff Finale, Spiel fünf gegen Bamberg. Das Spiel läuft, aber ich bin gar nicht bei der Sache, drehe mich ständig um und schaue den Gang hoch. Kommt da noch einer? Fünf Minuten gespielt, ok, da kommt keiner mehr. Jetzt erst entspanne ich mich, ziehe meine Jacke aus. Ein Mann tippt mir genervt auf die Schulter: „Kann es sein, dass sie auf meinem Platz sitzen?“ Obwohl ich genau weiß, dass ich auf seinem Platz sitze, schaue ich gespielt interessiert auf meine Karte: Oberring steht da, Block 412, Reihe 17. Ich sitze Unterring, Block 102, Reihe sechs. Ok, das ist schon ein kleiner Unterschied, aber ich bin weitsichtig, habe Höhenangst und … Dennis Schröder winkt, neben ihm ist ein Platz frei. Eigentlich meinte er Henning Harnisch, der genau hinter mir sitzt, doch ehe er sich versieht, sitze ich auch schon neben Schröder und seinen 13 aufs Handy starrenden Kumpels. Jackpot! Dennis labert nicht viel beim Spiel, was er sagt, hat Hand und Fuß. Und vor allem … er hat keine Bierfahne. Ich schon. Neuerdings kann man in der Halle zwischen 23 Biersorten auswählen und der Leberkäs kommt vom vereinseigenen Metzger. Und damit meine ich nicht Doc Schleicher.

 

2. Viertel

Nicht nur ich hatte einen harten Start in dieses Spiel. ALBA liegt eins zu 23 hinten. Es sieht nach einer Hinrichtung aus. Da fliegt ein Ball ins Publikum, Dennis will ihn fangen, aber ich bin schneller, täusche einen No-Look-Pass zum Schiri an und versenke den Ball aus 25 Metern im Bamberger Korb. Lässig setze ich mich hin und blase über meine zur Pistole geformten Finger. Das alles wird auf der Leinwand übertragen, die Halle tobt. Die Initialzündung für ALBAs Spiel, wir gehen mit 45 zu 26 in die Halbzeit. In der Halbzeitpause nehme ich an einem Wurfcontest teil und versenke 14 von 12 Dreiern. In der Herrentoilette macht man mir ehrfürchtig Platz, am Pissoir bekomme ich Lob für meinen klaren, festen Strahl. Ich teste noch schnell das Vollbier einer kleinen unbekannten Brauerei aus Franken und gehe zurück auf meinen Platz. 

3. Viertel

Eine junge Dame von den ALBA Dancers wartet auf mich. Ob ich nicht auch mal Lust hätte, bei den Dancers mitzumachen. An Talent würde es sicher nicht fehlen, und das Team sucht schon lange nach einem lateinamerikanischen Schönling mit exaktem Hüftschwung. Ich bitte um Bedenkzeit, zwinker Dennis verschwörerisch zu, schon startet die zweite Halbzeit. Das Spiel wird immer besser und schneller, unglaublich schnell, so schnell, dass man den Ball gar nicht mehr sieht. Scheinbar ohne Ball rennen zehn Spieler von links nach rechts, rauf und runter, fliegen schwerelos wie in der Matrix, und dann das absolute Highlight: Akeem Vargas springt dribbelnd mit vier Flick-Flacks von Coast zu Coast und schließt mit einem Three-Sixty ab. Niels Giffey jubelt kurz, dann fliegt er hoch zur Anzeigetafel und ändert höchstpersönlich den Spielstand. Dennis und ich küssen uns für die Kiss Cam. Tja, wie gesagt, ein Wahnsinns-Spiel!

 

4. Viertel

Es ist wie verhext, ALBA spielt großartig, aber Bamberg hat immer wieder die bessere Antwort. Wir liegen hinten, mit neun Punkten, 17 Sekunden vor Schluss. Auszeit. Auf einmal steht Tommy Thorwarth neben mir, er reicht mir ein Trikot. Er nickt, der Trainer will es so, der Verein braucht mich. Während ich mich schnell umziehe, stellt er sich schützend vor mich. Dennoch bin ich kurz nackt zu sehen und der gesamte Block 208 fällt Kollektiv in Ohnmacht. Ich sitze auf der Bank, der Coach kritzelt einen Spielzug aufs Playboard. Aha, es soll über mich gehen! Kein Block, kein Pick-and-Roll, kein Give-and-Go, nichts, nur ein Pass auf mich und dann alle raus. „Ein Pass auf Tommy Wosch, dann alle an die Seitenlinie und die Hände zum Beifallklatschen vorbereiten!“, das sind die Worte des Trainers. Na gut, soll mir recht sein. Mein Plan steht: Schneller Zug zum Korb, zwei Punkte, dabei ein Foul ziehen, Freiwurf an den Ring, Rebound holen, noch mal And-One, das ganze fünf Mal, das sollte reichen. Ich mach es kurz. Der letzte Rebound war leider so lang, dass ich ihn erst hinter der Dreierlinie fangen konnte. Ich hab dann den Dreier versenkt. Noch als der letzte Ball in der Luft war, hat mir Marco Baldi einen Vertag auf Lebenszeit angeboten. Ich habe abgelehnt. Während der Freiwürfe hatte ich Zeit, über das Angebot der Dancers nachzudenken. Und ich glaube, ich mach das. Also man sieht sich.

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