Liyanage: "Aufregend und spannend, für ALBA zu spielen!"

Marc Liyanages Rekord in der Beko BBL liegt bei zehn Punkten – erzielt vor einem Jahr mit dem MBC hier in Berlin. Was liegt da näher, als vor der Neuauflage des Ost-Derbys den jetzt für ALBA spielenden Forward zum DKB-Talk zu bitten?

Marc, weißt du noch, was du vor einem Jahr an Silvester gemacht hast?

 

ML: Natürlich, da habe ich mit dem MBC hier in Berlin, meinem jetzigen Zuhause, gespielt und verloren. Es war für mich damals das erste Mal in der Mercedes-Benz Arena, die da noch o2 World hieß. Das war für mich natürlich ein großes Spiel. Es war mein erstes Jahr in der Beko BBL und dann zu Gast bei ALBA BERLIN in der großen Arena.

 

Und du hast ja auch gar nicht so schlecht gespielt. Mit zehn Punkten in über zwanzig Minuten warst du einer der besten beim MBC ...

 

ML: Ja, das war eines meiner besten Spiele in der vergangenen Saison und ich war am Ende auch ganz zufrieden, auch wenn mein Team dann doch ziemlich hoch verloren hat. Das hatten wir natürlich irgendwie eingeplant, aber wenn sich diese Einschätzung dann auch bewahrheitet, ist es trotzdem ärgerlich.

 

Der MBC hat in der letzten Saison sehr stark angefangen und wurde schon als Überraschungsteam gefeiert, aber dann ist mit zehn Niederlagen in Folge der Faden gerissen?

 

ML: Genau und das Spiel in Berlin fiel damals schon mitten in unsere Niederlagenserie, bevor wir uns dann Mitte Februar zum Glück wieder gefangen haben. Wir haben dann noch ein paar gute Spiele in Folge gespielt, so dass das unter dem Strich noch eine ganz ordentliche Saison war.

 

Dann bist du ja sozusagen krisengeprüft?

 

ML: Definitiv und ich habe in der Schwächephase, die wir gerade bei ALBA durchgemacht haben, auch schon ein paar Parallelen gesehen. So eine Niederlagenserie kommt ganz plötzlich und es ist nicht so einfach, da wieder rauszufinden. Meist ist das eine mentale Sache und deshalb waren unsere beiden Heimsiege über Brindisi und Tübingen auch so wichtig.

 

Der MBC hat sein Saisontief in dieser Saison gleich zu Saisonbeginn genommen?

 

ML: Wenn ich mir die Tabelle angucke, ist das für Trainer Silvano Poropat keine einfache Aufgabe, aber wenn jemand den MBC da rausführt, dann ist das Poropat. Der hat viel Erfahrung mit solchen schwierigen Situationen und ich bin mir sicher, dass er da einen Weg rausfindet. Zuletzt gegen Crailsheim und in Bremerhaven haben sie ja auch schon wieder gewonnen. 

 

Anders als beim MBC hast du jetzt bei ALBA zwei Spiele pro Woche. Ist dieser Rhythmus mit weniger Training eine große Umstellung für dich?

 

ML: Auf jeden Fall. Wir sind mehr unterwegs und müssen oft zu unseren Auswärtsspielen fliegen. Da wird weniger trainiert. Für mich, der ich wenig Spielzeit abgreife, bedeutet das, dass ich im Training Extra-Schichten einlegen muss. Alles in allem ist es für mich sehr aufregend und spannend, für ALBA zu spielen und im Training gegen Dragan Milosavljevic oder Niels Giffey habe ich schon viel gelernt. Solche Spieler im Training verteidigen zu lernen, bringt mir sehr viel.

 

Wie hat sich das eigentlich ergeben, dass du ein Albatros geworden bist?

 

ML: Ich habe im Sommer sehr lange gewartet, weil ich gerne in der ersten Liga bleiben wollte, und hatte im August noch keinen neuen Verein. Als dann bei ALBA wegen der vielen fehlenden Nationalspieler eine Lücke im Trainingskader war, habe ich dort – zunächst für drei Wochen – meine Chance als Trainingsspieler bekommen. Dabei habe ich mich dann wohl nicht so schlecht angestellt, so dass Sasa mir das Angebot gemacht hat, für den Rest der Saison zu bleiben.

 

Das klingt erst einmal gut, aber als zwölfter Mann bei ALBA zu spielen, ist auch keine einfache Rolle, oder?

 

ML: Definitiv nicht, denn ich habe auch den Anspruch, hier nicht nur auf der Bank zu sitzen. Deshalb gilt es für mich, im Training alles zu geben, um mich für Spieleinsätze zu empfehlen. Als zwölfter Spieler, der sich jeden Tag mit guter Trainingsleistung anbieten muss, hat man es da vielleicht sogar schwerer als mancher etablierter Spieler.

 

Und dann lässt der Trainer dich gegen Bremerhaven mit der Aufgabe, Larry Gordon zu verteidigen, sogar in der ersten Fünf starten und dieser Larry Gordon wirft gleich einen Dreier gegen dich ...

 

ML: Ja, das ist dumm gelaufen. In der Situation war ich ein bisschen zu weit weg von ihm, weil ich helfen wollte. Das ist natürlich ein Fehler, der sofort auffällt und mich nicht gut aussehen ließ. Aber damit muss ich jetzt leben und daraus lernen, damit ich es das nächste Mal besser mache.

 

Ist das so, dass erfahrene Spieler wie Gordon das sofort sehen und ausnutzen, wenn sie da einen Neuling gegen sich haben?

 

ML: Ja, das machen die schon. Darüber wird vorher ja auch bei der Vorbereitung des Gegners gesprochen, welche Verteidiger mehr angegriffen werden sollen. Das machen wir bei ALBA ja auch. Da kann es einem als schwächerem Verteidiger schon passieren, dass man da mehr ins Visier genommen wird.

 

Du bist ein „Hamburger Jung“. Wie kommt man da zum Basketball?

 

ML: Das war ein Zufall, denn ich habe erst einmal mit Fußball angefangen und habe später Handball gespielt. Dann hat mich aber mal ein Schulfreund zum Basketball mitgenommen und da bin ich gleich am Ball geblieben, weil ich auch relativ schnell erfolgreich war. Über die NBBL bin ich dann in den Profibereich gerutscht.

 

Ismet kommt ja auch aus Hamburg. Kennt ihr euch von früher?

 

ML: Nein, in Hamburg kannte ich ihn noch nicht. Ich habe nur von meinem Trainer an der Sportschule von Ismet gehört, wenn er erzählt hat, dass da in den jüngeren Jahrgängen ein großes Talent heranreife. Jetzt kann ich hier bei ALBA live beobachten, wie er sich macht und ich bin wirklich beeindruckt, was der in seinem jungen Alter schon alles drauf hat. Er wird seinen Weg machen.

 

Für euch als Hamburger ist das Ost-Derby am Sonntag dann ja gar keine so brisante Sache, oder?

 

ML: Ost-Derby? Ach so, weil das die beiden einzigen Bundesligisten im Osten sind. Nein, daran habe ich noch nie gedacht. Das ist mir auch im letzten Jahr gar nicht bewusst gewesen, dass ich da im Ost-Derby mitgespielt habe.

 

Vor einem Jahr hieß es am Ende 82:56. Damit hängt die Latte für Sonntag ja für ALBA schon mal ziemlich hoch?

 

ML: Unser Ziel ist es erst einmal, an die Leistungen vom Heimsieg über Tübingen anzuknüpfen und auch gegen den MBC einen Sieg einzufahren. Wie hoch der dann ausfällt, ist glaube ich zweitrangig. Wichtiger ist, dass wir gut und mit vollem Einsatz spielen.

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