"Mehr Kinder mit neuen Wegen zum Sportmachen animieren"

Als wir vor zehn Jahren unser erstes eigenes Jugendprogramm von Null auf gestartet haben, ahnte selbst Initiator Henning Harnisch nicht, wie schnell das Projekt wachsen würde: Innerhalb von nur zehn Jahren ist aus der ALBA Jugend der größte Basketballverein Deutschlands geworden, der mittlerweile rund 3.500 Kinder in Berlin und Brandenburg bespielt. Die ALBA Jugend beschäftigt 100 Jugendtrainer, betreibt zwei eigene Trainingshallen und kooperiert mit 145 Partnerschulen, aus denen 316 Teams in der ALBA Grundschulliga und der ALBA Oberschulliga antreten. Außerdem stehen in dieser Saison insgesamt 19 Spieler aus der ALBA Jugend in den Kadern verschiedener BBL-Clubs. Im DKB-Talk blicken wir mit Henning Harnisch auf diese Entwicklung zurück und natürlich auch nach vorne.

Henning, zehn Jahre ALBA Jugend – ist das schon lange genug, um zu feiern?

 

HH: Wir sind 2006 angetreten, um mit unserem Jugendprogramm zum einen systematischer Nachwuchstalente zu entwickeln und zum anderen insgesamt mehr Kinder – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Talent - für den Sport zu begeistern. Seitdem haben wir eine unglaubliche Entwicklung gemacht, natürlich ist das ein Grund zu feiern. Und das tun wir in diesem Jahr symbolisch gleich dreimal. Intern haben wir das schon im Januar mit den ganzen Trainern und den Mitarbeitern der Geschäftsstelle gefeiert, die die ALBA Jugend in den letzten zehn Jahren mit viel Engagement unterstützt haben. Jetzt begehen wir das Jubiläum im Rahmen des Beko BBL-Spiels gegen Göttingen und nach der Saison schließen wir es mit einem Sommerfest im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark feierlich ab.

 

Kürzlich haben wir hier an dieser Stelle ALBA-Assistenztrainer Thomas Päch interviewt, der uns erklärt hat, dass sein Weg ohne die ALBA Jugend gar nicht möglich gewesen wäre …

 

HH: Damit spricht er ein Feld an, auf dem wir – wenn man es deutschlandweit betrachtet – immer noch Pionierarbeit leisten. Nachwuchsarbeit lebt absolut mit und von der Kreativität der Trainer. Sie sind die Basis von allem und daher müssen Basketballcoaches auch echte Berufsperspektiven angeboten werden und nicht nur ehrenamtliche Tätigkeiten. Es ist eines unserer wichtigsten Ziele, die Bedingungen dafür zu schaffen und die Trainer zu bestärken, diesen Weg zu gehen.

 

Allein eine Jugendmannschaft zu trainieren, ergibt ja noch kein Arbeitsfeld für einen Trainer?

 

HH: Nein, das entsteht erst durch das Miteinander aus Schule und klassischem Vereinssport, was die Grundidee unserer Jugendarbeit bildet. Mit unserer Arbeit an den Berliner und Brandenburger Schulen und auch durch Projekte wie die kinder+Sport Basketball Academy oder die ALBA Schulligen haben wir Möglichkeiten entwickelt, wie man als Basketballtrainer bei uns beruflich Fuß fassen kann. Aktuell sehen wir immer mehr, wie dieser Weg Früchte trägt, und wenn jemand wie Thomas Päch es über einen Umweg sogar in unser Profiteam schafft, ist das natürlich noch die schönste Bestätigung.

 

Angefangen hat die Arbeit an den Schulen vor zehn Jahren mit nicht einmal einer Handvoll Schulen am Prenzlauer Berg …

 

HH: Die Zusammenarbeit mit den Schulen war zu Beginn nicht generalsstabsmäßig geplant, sondern ein stückweit intuitiv. Wir haben uns gesagt: In der Nachwuchsarbeit muss man auch mit den Schulen zusammenarbeiten und dafür fangen wir erst einmal bei uns vor der Haustür an. Das war damals die Max-Schmeling-Halle. Da haben wir gespielt, da haben wir trainiert und da haben wir auch unsere ersten Partnerschulen gesucht. Wenn es eine Traditionslinie im deutschen Basketball gibt, dann ist das die über die Schule und die basketballverrückten Sportlehrer. Daran haben wir uns erst einmal orientiert und haben unsere ersten Erfahrungen gesammelt mit vielen Fehlern und viel Aufbauarbeit.

Welche Rolle spielte dabei das Profiteam?

 

HH: Die ALBA Jugend profitiert natürlich stark von der Strahlkraft und den bereits seit vielen Jahren bestehenden Strukturen des Profiteams. Das ist eine Basis, die nur ganz wenige Jugendprogramme haben. Ohne das Engagement und die Hilfe von Dieter Hauert, Marco Baldi und Axel Schweitzer, die auch die wichtigsten Säulen im Profiteam sind, stünde die ALBA Jugend niemals dort, wo sie jetzt steht.

 

Hat die Profi-Mannschaft auch als Türöffner funktioniert?

 

HH: Es hilft auf allen Ebenen, wenn die Leute dich kennen. Wenn wir als ALBA BERLIN aufgetreten sind, dann wusste jeder gleich, mit wem er es zu tun hat. Kinder in allen Stadtteilen wollen teilhaben an der Strahlkraft und Aura des Profisports. Allein schon, dass der Trainer, mit dem man im Alltag zu tun hat, ein ALBA-Logo auf der Brust trägt, ist sehr spannend für die Kinder. Noch viel interessanter wird es natürlich, wenn dann auch mal ein Bundesliga-Profi an der Schule vorbeikommt. Aber auch unsere Projekte wie die kinder+Sport Basketball Academy oder die ALBA Schulligen kommen sehr gut an bei den Kindern. So etwas gab es zum Beispiel bei mir an der Schule in Marburg nicht. Da gab es allenfalls die Bundesjugendspiele.

 

Heute habt ihre euren Wirkungskreis auf die ganze Stadt ausgeweitet?

 

HH: Die Verknüpfung von Schul- und Vereinssport praktizieren wir mittlerweile tatsächlich in der ganzen Stadt und auch in Teilen von Brandenburg. Berlin ist eine Stadt, wo solche Ideen auf sehr fruchtbaren Boden fallen. Man kann dabei zwar nicht immer das gleiche Schema anwenden, denn hier gibt es viele verschiedene Schultypen. Aber es gibt eben auch sehr viele pfiffige Menschen an den Schulen, mit denen man gute Sachen auf die Beine stellen kann. Wir haben uns auch mit einem Dutzend Berliner Basketballvereinen und dem Berliner Basketball im „PULS“-Projekt vernetzt, damit die Verschmelzung von Schule und Verein möglichst flächendeckend in Berlin stattfindet.

 

Wie erfolgreich das ist, sieht man ja auch daran, dass mittlerweile auch die anderen Berliner Proficlubs Hertha, Union, Eisbären, Füchse und Volleys mitmachen?

 

HH: Aus „ALBA macht Schule“ ist mittlerweile „Profivereine machen Schule“ ein offizielles Thema der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend, und Wissenschaft geworden, für deren Unterstützung wir sehr dankbar sind. Alle großen Berliner Profivereine machen jetzt mit und verfolgen das gemeinsame Ziel, mehr Kinder mit neuen Mitteln und Wegen zum Sportmachen zu animieren. Und zwar nicht nur für den Augenblick, sondern dauerhaft. Vor der Fokussierung auf einzelne Sportarten kommt nämlich als Erstes immer der allgemeine Zugang zum Sport. Deshalb kommen wir jetzt auch immer mehr mit Kitas ins Gespräch. Die Sportlehrer sagen uns, dass die Kinder mit immer schlechterem Sportwissen an die Schule kommen. Da merkt man, dass Deutschland nicht wirklich ein Sportland ist, weil es keine systematische Sportidee von klein auf gibt und Kitas und Schulen sportlich nicht ausreichend vernetzt sind. Wir sind dabei das zu ändern.

 

Wie lange wird das dauern, bis wir zum Beispiel so weit sind wie in Spanien?

 

HH: Wir haben ja jetzt mit Himar Ojeda bei ALBA einen Fachmann aus Spanien, das ein echtes Basketball-Land ist. Als ich mich mit ihm ausgetauscht habe, was wir machen und wie das in Spanien gemacht wird, hat er mir eines gesagt, was ich sehr interessant fand. Er hat gesagt: Was ihr da aufgebaut habt, das wird uns in zwanzig Jahren mal richtig helfen, denn dann sind eure jetzigen Jugendlichen selbst in der Stadt, in der Wirtschaft, in der Politik oder in den Medien in den Positionen, wo Entscheidungen getroffen werden. So weit hatte ich noch gar nicht gedacht, aber es stimmt. Wir bauen jetzt ein Basketball-Netzwerk auf. Natürlich werden die Kinder aus der ALBA Jugend nicht alle Bundesliga-Profis, aber sie werden mit dem Sport viel mehr verbinden als frühere Generationen das tun.

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