"Nicht panisch werden, wenn der Gegner einen Run hat"

In den Playoffs führt Peyton Siva mehr denn je im ALBA-Backcourt die Regie. Beim dritten und entscheidenden Halbfinalsieg gegen Ludwigsburg verteilte er elf Assists (bei nur zwei Ballverlusten) und verfehlte damit nur knapp seine Saisonbestleistung (12 gegen Würzburg). Mit 7,4 Assists pro Spiel ist Peyton sogar der beste Passgeber der gesamten Playoffs in der easyCredit BBL. Auch im Finale gegen die Bayern wird der US-Guard sicher eine Schlüsselrolle spielen.

Peyton, mit dem 3:0 gegen Ludwigsburg habt ihr euch eine kleine Ruhepause vor dem Finale verdient. Wie wichtig war das?

 

PS: Ich glaube, es war sehr wichtig, sich zu erholen und diverse kleinen Blessuren, die sich in solchen harten Playoff-Spielen zwangsläufig einstellen, auszukurieren. Ludwigsburg hat uns mit seiner physischen Spielweise vor allem im dritten Spiel noch einmal alles abverlangt. Auch mental war diese Pause gut, um sich in Ruhe auf das Finale einzustellen.

 

Was könnt ihr aus den ersten beiden Serien ins Finale mitnehmen?

 

PS: Beide Gegner waren auf ihre Weise richtig stark. Ich denke, dass die Serie gegen Oldenburg über fünf Spiele gegangen ist, hat uns geholfen, gleich in den Playoff-Modus zu kommen. Wir haben da noch einmal gesehen, worauf es in den Auswärtsspielen ankommt und dass die Intensität in den Playoffs eine ganz andere ist. Durch diese Erfahrung waren wir schon für die Serie gegen Ludwigsburg sehr gut gewappnet.

 

Man konnte auch sehen, dass in den Playoffs jedes Spiel anders ist …

 

PS: Ja, das ist verrückt. Was waren das für Unterschiede zwischen den ersten beiden Spielen gegen Oldenburg oder den letzten beiden gegen Ludwigsburg? Diese kleinen Dinge, an denen du im Training arbeitest, gelingen an einem Tag perfekt und zwei Tage später überhaupt nicht. Der Gegner guckt ja auch genau hin, was du machst, zieht daraus seine Schlüsse und passt sein Spiel an. Wenn du dann auf einmal mit ganz anderen offensiven und defensiven Taktiken überrascht wirst, kommt es doppelt darauf an, dass du deine eigenen Sachen mit hoher Konzentration aufs Parkett bringst.

 

Hast du das vierte Halbfinale zwischen Bamberg und Bayern gesehen?

 

PS: Ja, das habe ich mir angeschaut. Bamberg hat das Spiel mit viel Energie begonnen. Aber die Bayern haben darüber nie ihren Zusammenhalt verloren und haben sich in der zweiten Halbzeit noch großartig zum Sieg durchgekämpft. Gerade in Playoff-Spielen gibt es oft solche Läufe. Man darf nicht panisch werden, wenn der Gegner einen solchen Run hat, sondern man muss sehen, wie man mit einem eigenen Lauf antworten kann.

Die Bayern haben seit acht Wochen einen neuen Cheftrainer. Hat sich bei ihnen dadurch etwas verändert?

 

PS: Ich fand, die Bayern hatten gegen Bamberg einen guten Gameplan und haben den auch gut umgesetzt. Was will man mehr? Ein Trainerwechsel mitten in der Saison bringt immer etwas Unruhe in eine Mannschaft, denn die Spieler müssen sich ja schon auf die Philosophie des neuen Coaches einstellen. Aber das machen die Bayern bisher gut. Sie haben ihren ersten Platz in der Punktrunde behauptet und stehen im Finale. Überraschen tut mich das nicht, denn das sind schließlich alles sehr gute Spieler.

 

Im Pokalfinale im Februar in Ulm saht ihr gegen die Bayern acht Minuten vor Schluss schon wie die Sieger aus, habt dann aber doch noch knapp verloren. Was müsst ihr besser machen, damit sich das jetzt im Meisterschaftsfinale nicht wiederholt?

 

PS: Von diesem Pokalspiel haben wir sicher viel gelernt. Wir haben uns am Ende viel zu viele Ballverluste erlaubt, was die Münchener Schnellangriffe so richtig ins Rollen gebracht hat. Wie sie den Ring attackieren, speziell mit Jared Cunningham, ist wahrscheinlich ihre größte Stärke. Jared kenne ich schon seit der High School auch als sehr guten Verteidiger. Auf ihn müssen wir ganz besonders achten. Natürlich werden die Bayern Wege finden, ihre Punkte zu machen, aber wir dürfen ihnen nicht so viele leichte Körbe erlauben wie in der Schlussphase des Pokalfinales.

 

Die Ballverluste waren schon in der gesamten Saison ein Schwachpunkt bei ALBA, aber zuletzt habt ihr die deutlich reduziert und gleichzeitig bei den Assists zugelegt …

 

PS: Dass wir in den letzten Spielen besser auf den Ball aufgepasst haben, ist wirklich ein großer Fortschritt in unserem Spiel. Wir werden besser darin, das Spiel zu lesen, und darauf basierend treffen wir bessere Entscheidungen. Die Ballkontrolle ist in den Playoffs aber auch doppelt wichtig. Ballverluste können da nicht nur Spiele, sondern ganze Serien entscheiden. Trotzdem darfst du keine Angst davor haben, auch mal einen riskanten Pass zu spielen. Da eine gute Balance zu finden, ist die Grundlage für den Erfolg in den Playoffs.

 

Die Bayern-Spielmacher Stefan Jovic und Braydon Hobbs sind deutlich größer als du. Ist das ein Problem?

 

PS: Dass die beide einen Kopf größer sind als ich, jagt mir überhaupt keine Furcht ein, denn mit meinen 1,82 Metern spiele ich schon mein ganzes Leben lang gegen zumeist größere Point Guards – von Russell Westbrook in der NBA bis hin zu Braydon Hobbs in der Summer League und in der Bundesliga. Ich bin zudem auch gar nicht sicher, dass ich soviel gegen diese beiden spielen werde. Es könnte auch sein, dass sie wieder Anton Gavel auf mich ansetzen, der immer noch ein sehr guter Verteidiger ist. Ich bin da auf alles gefasst und bin zuversichtlich, dass ich den Ball gegen jeden Gegenspieler irgendwie in den Korb oder zu einem Mitspieler bekomme.

 

Wie schwer wiegt der Münchener Heimvorteil in der Serie?

 

PS: In der Punktrunde haben die Bayern bei uns gewonnen und wir in München. So wichtig scheint der Heimvorteil also gar nicht zu sein. Außerdem haben wir großartige Fans, denen keine Reise zu weit ist, um uns überall zu unterstützen. Dass die Bayern den Heimvorteil haben, zeigt allerdings, dass sie eine sehr starke Saison spielen und dass es alles andere als einfach wird, diesen Gegner zu schlagen.

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