Ojeda: "Bernau-Kooperation läuft noch besser als erwartet"

Himar Ojeda gab im vergangenen Sommer den entscheidenden Impuls für die neue Kooperation zwischen ALBA BERLIN und Lok Bernau, die an diesem Wochenende mit einer Doppelveranstaltung in der Mercedes-Benz Arena auch ein wenig gefeiert wird. Im DKB-Talk sprechen wir mit dem ALBA-Sportdirektor über diese schon jetzt erfolgreiche Zusammenarbeit und natürlich auch über die Situation im ALBA-Team.

Himar, ALBAs Niederlage in Göttingen war ein Rückschlag für das Team?

 

HO: Eine Niederlage ist immer enttäuschend – gerade wenn sie so knapp ist. Obwohl wir ohne Peyton Siva und Tony Gaffney spielen mussten, haben wir das Spiel gar nicht so schlecht begonnen. Aber wir konnten dem Spiel nie richtig unseren Stempel aufdrücken, so dass es am Ende leider auf die letzten Aktionen ankam. Wenn die Entscheidung erst ganz am Ende fällt, gibt es nie eine Sieg-Garantie. Aber soweit wollten wir es natürlich nicht kommen lassen und schon vorher für klare Verhältnisse sorgen. Aber momentan fehlt uns offenbar das Selbstvertrauen, um Spiele zu dominieren. Gegen Jena haben wir schon mit zwanzig geführt und haben uns trotzdem noch dazu verleiten lassen, am Ende in Panik zu verfallen.

 

Im Dezember und Januar sah das schon viel besser aus. Wie erklärst du den plötzlichen Leistungsabfall nach der unglücklichen Niederlage in Malaga? War das nur der Ausfall von Peyton Siva?

 

HO: Nein, obwohl wir Peyton und die Art und Weise, wie er für die Mannschaft kreiert und damit die gegnerische Verteidigung aufbricht, schon sehr vermissen. Das kann keiner unserer anderen Guards ersetzen. Nach dem Malaga-Spiel sind wir aber auch mental in ein Loch gefallen. Das Europapokal-Ende ist immer eine Zäsur in der Saison, wo sich neben einer gewissen Frustration oft so eine Art Frühjahrsmüdigkeit einstellt. Das – kombiniert mit dem Ausfall von Siva – hat uns aus der Bahn geworfen. Es betrifft gerade das gesamte Team. In Göttingen gab es zum Beispiel die Ansage, jedes Pick&Roll zu switchen, aber in einer Phase haben das drei verschiedene Spieler nacheinander verschlafen. Das ist in meinen Augen vor allem ein mentales Problem, das wir lösen müssen.

 

In Göttingen hat ALBA praktisch nur mit vier Ausländern gespielt. Da häufiger zumindest einer ausfällt, wäre es da nicht hilfreich, noch einen siebten Ausländer zu verpflichten?

 

HO: Wir wollen der Mannschaft helfen, wo es geht, und denken auch über einen siebten Ausländer nach, wobei wir aber auch unsere finanziellen Möglichkeiten im Blick behalten müssen, was andere Clubs – vor allem in Südeuropa – in einer solchen Situation manchmal ausblenden. Da wird dann einfach verpflichtet nach dem Motto: Irgendjemand wird uns schon unter die Arme greifen, um dieses Loch zu stopfen. Das funktioniert hier in Deutschland nicht. Aber wir schließen eine Nachverpflichtung nicht aus und haben den Spielermarkt im Blick.

 

Ist der Spielermarkt im Vergleich zu früheren Jahren schwieriger geworden?

 

HO: Der ist viel schwieriger geworden. Auch viele andere Teams in der Liga würden gerne noch nachverpflichten, finden aber keine Spieler, weil die Konkurrenz immer größer wird - nicht nur durch die größere Attraktivität der D-League in den USA. Die Spieler erhalten jetzt auch attraktive Angebote aus China, aus Japan oder aus der Türkei. Ich habe gerade von einem türkischen Zweitligisten gehört, der für eine Nachverpflichtung eine Summe in die Hand nehmen will, die kaum ein anderes Team in Europa zahlen würde.

Umso wichtiger wird die Nachwuchsarbeit?

 

HO: Auf jeden Fall. Dafür wollte ich ja unbedingt ein Team haben, das als Bindeglied zwischen unserer NBBL-Mannschaft und der ersten Mannschaft dient. Auch die besten Nachwuchsspieler brauchen nämlich erstmal Zeit in der ProB oder der ProA, bevor sie in der BBL gegen oft zehn Jahre ältere Spieler bestehen können. Sicher gibt es auch Ausnahmetalente wie Ricky Rubio oder Dennis Schröder, die diesen Zwischenschritt überspringen. In der Regel brauchen Talente aber eine Übergangsphase von drei oder vier Jahren. Ismet Akpinar ist ein gutes Beispiel. Er war vor drei Jahren MVP der NBBL und kommt jetzt erst richtig in der BBL an.

 

Durch die Kooperation mit Lok Bernau hat ALBA jetzt seine besten Nachwuchsspieler in der ProB. Wie zufrieden bist du damit?

 

HO: Sehr zufrieden. Es läuft sogar besser als erwartet. Wer hätte gedacht, dass Aufsteiger Bernau als ProB-Tabellenführer in die Playoffs geht? Aber nicht nur das. Die Kommunikation mit Lok ist hervorragend. In Bernau kann diese Mannschaft vor den Toren der Stadt ihre eigene Identität mit eigenen Fans und eigenen Sponsoren entwickeln und Tim Schneider, Ferdinand Zylka, Robert Glöckner und Jannes Hundt spielen dort schon Erwachsenen-Basketball.

 

Der Zufall will es, dass Lok in der ersten Playoff-Runde gegen Frankfurt auf einen Gegner trifft, der schon viel länger davon profitiert, eine eigene ProB-Mannschaft zu haben. Die Hessen könnten gegen Lok sogar auf einige Spieler zurückgreifen, die vorrangig im BBL-Team spielen?

 

HO: Wenn sie das tun, müssen wir eben in die Waagschale werfen, dass unser Team dann besser eingespielt ist. Wenn du in die ProA aufsteigen willst, musst du sowieso Teams schlagen, die wahrscheinlich noch stärker sind als Frankfurt.

 

Was ist die Idee hinter der Doppelveranstaltung an diesem Wochenende in der Mercedes-Benz Arena?

 

HO: Diese Veranstaltung soll die Verbindung sichtbar machen, die sich zwischen beiden Clubs entwickelt hat. Wir wollen demonstrieren, dass sich zwischen ALBA und Lok mehr als nur eine einfache Kooperation entwickelt hat. Wir binden da nicht nur unsere Spieler und unseren Trainer Sebastian Trzcionka ein. Wir teilen mit Lok auch unsere Ressourcen, indem wir für Auswärtsfahrten unsere Fahrzeuge zur Verfügung stellen. Viele ALBA-Fans wollen sicher auch einmal sehen, wie unsere Nachwuchsspieler sich im Lok-Trikot schlagen, ohne dafür nach Bernau zu fahren. Ich hoffe, dass viele ALBA-Fans früher kommen, um Lok gegen Frankfurt zu unterstützen und dass die Lok-Fans in der Arena bleiben, um ALBA gegen Würzburg anzufeuern. 

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