Südkoreanisches Sprachtalent

In Südkorea kämpfen derzeit Athleten aus der ganzen Welt bei den Paralympics um Medaillen. Ein Traum, den sich in zwei Jahren bei den Sommerspielen von Tokio auch ein Berliner Rollstuhlbasketballer erfüllen will. Dongyoung Kim stammt aus der Nähe Seouls, spielt bei den ALBA-Rollis und wurde dieses Jahr zum ersten Mal in die südkoreanische Nationalmannschaft berufen. Im August möchte Kim sein Heimatland bei der Weltmeisterschaft in Hamburg vertreten – und büffelt dafür fleißig Vokabeln.

„Ich will das Interview gerne auf Deutsch machen“, sagt Dongyoung Kim mit leiser aber fester Stimme. Er sitzt in einem Sportrollstuhl, auf der schwarzen Trainingsjacke ist der Name „Seoul“ aufgestickt. Für die Hauptstadt seines Landes spielt er bis vor wenigen Jahren Basketball – damals noch ohne Rollstuhl, kann er mit dem Sport bereits seinen Unterhalt bestreiten.

Vor zwei Jahren verändert sich das Leben des heute 25-Jährigen. Kim verunglückt beim Surfen. Seitdem sitzt er im Rollstuhl, was ihn aber nicht daran hindert, an seinen Zielen festzuhalten. Ein Studium in Berlin, das erste Spiel für die Nationalmannschaft oder eben ein Interview auf Deutsch. All das macht ihm keine Angst, sondern spornt ihn an, am Ball zu bleiben.

Ein kleiner Trainerraum in der Max-Schmeling-Halle. Auf einer Behandlungsliege sitzt ALBAs Abteilungsleiter Rollstuhlbasketball Red Frister, neben ihm der junge Südkoreaner, den hier alle liebevoll „Kim“ rufen, weil „für Deutsche mein Vorname zu schwer zu merken ist“, wie er mit einem Lachen erzählt. Red Frister nimmt den Flügelspieler unter seine Fittiche, möchte gerne mehr Einzeltraining mit ihm machen. „Kim kann es nach Tokio zu den Paralympics schaffen“, ist sich Frister sicher und fügt hinzu: „Wenn er es nur will.“

Geboren wird Kim in Hanam, eine halbe Autostunde von der Hauptstadt Seoul entfernt. In Südkorea absolviert er ein Ingenieur-Studium. Nun will er seinen Master an der TU Berlin dranhängen, lernt dafür derzeit an einer Sprachschule Deutsch. Als er nach Berlin kommt, lässt ihn der Basketball aber nicht los. „Ich bin ein Sportler“, sagt Kim. Er sucht bei Facebook und findet die Seite ALBA BERLINs. Dann trifft er Red Frister in der Max-Schmeling-Halle. Mittlerweile trainiert Kim dort zwei Mal pro Woche bei den Regionalliga-Rollis und trägt das gelbe ALBA-Trikot. Im vergangenen Dezember erhält er seinen Spielerpass. Berlin ist zu Kims zweiten Zuhause geworden. Er lebt in einer Wohnung im Gesundbrunnen, hat sich einer koreanischen Kirchengemeinde angeschlossen und ackert täglich für sein Sprachdiplom. Im Wintersemester möchte er sich dann um einen Studienplatz bewerben.

Auch wenn das Studium an erster Stelle steht, der Traum Weltmeisterschaft oder sogar Paralympics, er lebt. Nach seinem Unfall lernt Kim im Krankenhaus den Trainer der südkoreanischen Nationalmannschaft kennen. Im hochmodernen nationalen Trainingszentrum bei Seoul, in dem fast alle Spitzenathleten des Landes zusammengezogen werden, hat er bereits an zwei Lehrgängen teilgenommen. Jetzt will er den Sprung in den WM-Kader schaffen und mit nach Hamburg reisen, wo die besten Teams der Welt um den Titel spielen. „Meine Chancen dabei zu sein, liegen bei 30 Prozent“, beziffert Kim. Einen Vorteil hat der Südkoreaner mittlerweile: „Ich kann meinem Team auch als Dolmetscher helfen.“

Wusstet ihr,…

…dass ALBA BERLIN jedes Jahr ein Turnier an der Deutschen Schule Seoul veranstaltet? Koreanische Kinder trainieren und spielen dann zusammen mit deutschen Schülern und lernen sich über den Sport kennen. An dem Event nahmen in den letzten Jahren neben unserem Vizepräsident Henning Harnisch auch unsere ALBA-Coaches Norbert Opitz und Thomas Vogel teil. (mehr Infos)

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