"Wollen junge Spieler ausbilden und dabei oben mitspielen"

Für unseren Sportdirektor Himar Ojeda beginnt die heißeste Phase des Jahres schon lange vor den Playoffs – eigentlich endet sie nie. Wir haben mit ihm kurz vor seinem Abflug in die USA gesprochen, wo das „Portsmouth Invitational Tournament“, auf dem sich College-Absolventen präsentieren, alljährlich ein wichtiger Treffpunkt für Vereinsvertreter und Agenten aus der Welt des Profi-Basketballs ist.

Himar, wie hast du die beiden letzten ALBA-Spiele erlebt, die nur dank beherzter Schlussspurts gewonnen wurden?

 

HO: Nach ein paar Spielen mit unglaublich hohen Dreierquoten und sehr gutem Spielfluss war es nur eine Frage der Zeit, dass es mal nicht so locker laufen würde. Das war schon gegen Würzburg der Fall, wo unsere Würfe – gegen einen gut vorbereiteten Gegner – lange einfach nicht fallen wollten und das traf uns auswärts in Bonn noch härter, wo die Fans ihr Team toll angetrieben haben. Aber rückblickend war es natürlich eine gute Erfahrung, dass unser Team ruhig geblieben ist und am Ende doch noch Wege zum Sieg gefunden hat.

 

Trotz hoher Rückstände brach im Team keine Panik aus?

 

HO: Coach Aito hat der Mannschaft schon immer eingetrichtert, jedes Spiel mit vollem Einsatz zu Ende zu spielen – egal, wie hoch wir vorne oder hinten liegen. Diese Gewohnheit zahlt sich in solch schwierigen Spielen aus. Sie haben trotz hoher Rückstände einfach weitergespielt. Das ist natürlich ein großer Verdienst von Aito, der Mannschaft diese Mentalität zu vermitteln. Wenn man erlebt, wie ruhig er an der Seitenlinie bleibt, obwohl alles schief läuft, und wie er seelenruhig immer wieder von neuem erklärt, was zu tun ist, dann steckt diese Ruhe auch die Spieler an.

 

Hat er in Luke Sikma einen perfekten Vertreter auf dem Feld gefunden?

 

HO: Ich kannte Luke schon lange vor dem letzten Sommer, denn ich habe ihn damals nach dem Ende seiner College-Zeit nach Europa vermittelt. Wir sind seitdem immer in Kontakt geblieben. Ihn jetzt nach Berlin zu holen, war ist ein kleiner Traum von mir, der in Erfüllung gegangen ist. Ich habe im Sommer sehr aufmerksam verfolgt, ob Valencia ihn verlängern wollte oder nicht. Als ich mitbekommen habe, dass sie zögerten, habe ich ihn von unserem Projekt überzeugt. Aber ich habe nie gedacht, dass er hier so gut einschlagen würde. Er spielt ja hier bei ALBA die mit Abstand beste Saison seiner Karriere – sicher auch, weil er perfekt zu dem passt, was Aito will.

 

Stefan Peno und Marius Grigonis machen auch kein Geheimnis daraus, dass die Verpflichtung von Luke ihnen die letzte Überzeugung gegeben hat, nach Berlin zu kommen …

 

HO: Ich weiß, ich habe Luke sogar diesbezüglich eingespannt. Ich wusste, dass er Marius gut kannte und habe ihn gebeten, mit Marius zu reden, was dann auch funktioniert hat. Es ist mir sehr wichtig, dass die Spieler nicht nur als Basketballer, sondern auch menschlich zueinander passen. Darauf zu achten, ist mein Job als Sportdirektor, denn das erleichtert es den Trainern, aus den Spielern eine eingeschworene Gruppe zu formen. Jetzt zu sehen, dass die Spieler so gut zusammenpassen – obwohl sie ja teilweise sehr unterschiedliche Charaktere sind, macht mich schon ein bisschen stolz.

Wie groß sind die Chancen, diese tolle Mannschaft auch noch in der kommenden Saison in Berlin zu haben?

 

HO: Einen Großteil haben wir ja noch über den Sommer hinaus unter Vertrag. Das ist schon einmal gut. Aber andere müssen wir noch überzeugen hier zu bleiben und das wird nicht einfach – obwohl die Spieler sich hier wirklich alle sehr wohlfühlen. Aber das Profigeschäft ist hart und es ist global. Da werden viele an die Spieler herantreten und ihnen einflüstern, dass sie jetzt „den nächsten Schritt“ tun müssen. Ich werde dann dagegen halten und den Spielern erklären, dass sie auch als diese Gruppe, die sie jetzt sind, einen nächsten Schritt machen können. Darüber hinaus arbeiten Marco Baldi und Axel Schweitzer hart daran, auch den Club wirtschaftlich auf ein noch höheres Niveau zu bringen, was vielleicht auch den einen oder anderen Spieler überzeugt.

 

Deutschlands U18 hat gerade das Albert Schweitzer Turnier gewonnen – mit vier ALBA-Spielern. Jonas Mattisseck und Hendrik Drescher hat man dabei angesehen, dass sie auch schon Erfahrungen in der Bundesliga gesammelt haben?

 

HO: Marco Baldi und ich waren uns von Anfang an darüber einig, dass wir nicht nur ein reiner Ausbildungsverein sein wollen und auch kein Club, der nur auf den sportlichen Erfolg achtet. Wir wollen das kombinieren. Wir wollen junge Spieler ausbilden und dabei oben mitspielen. Zu unserem großen Glück haben wir in Aito einen Coach gefunden, der das in Perfektion verkörpert. Genau diesen Spagat zu beherrschen, hat Aito auch schon in Spanien ausgezeichnet. Er hat keine Angst davor, junge Spieler in die Rotation aufzunehmen

 

Aber er tut das nicht aus Prinzip?

 

HO: In die Rotation kommt nur, wer sich dafür empfiehlt. Einige junge deutsche Spieler machen den Fehler und gucken nur danach, wo sie die meiste Spielzeit bekommen. Dabei kommt es im jungen Alter mindestens genauso darauf an, an einem Platz zu sein, wo du lernen und dich weiterentwickeln kannst. Dafür haben wir mittlerweile exzellente Rahmenbedingungen geschaffen. Wir haben Nachwuchsspezialisten wie Carlos Frade und Josef Dulibic nach Berlin geholt und arbeiten mit einem großen Pool an Talenten nach einem individuellen Plan. Dazu haben wir das modernste Basketball-Trainingszentrum in Deutschland und mit unserem Kooperationspartner Lok Bernau in der ProB ein wichtiges Bindeglied zwischen Jugend und Profis. Dass dann die größten Talente auch Spielzeit in der ersten Mannschaft erhalten, ist das Produkt unserer Entwicklungsarbeit – und nicht umgekehrt. Und dieses Programm hilft nicht nur den jungen Spielern. Nimm zum Beispiel Joshiko. Er ist zwar schon 28 Jahre alt, aber er arbeitet auch jetzt noch viel im Individualtraining mit Carlos Frade und Aito gibt ihm dann die Chance, das Erlernte im Spiel umzusetzen. Im Ergebnis ist er jetzt ein viel besserer Spieler als noch zu Saisonbeginn.

 

Unser nächster Gegner Ludwigsburg hat im Vorjahr absichtlich in Berlin verloren, um in den Playoffs auf den vermeintlich leichteren Gegner Ulm zu treffen. Das wird sich am Samstag wohl nicht wiederholen?

 

HO: Natürlich nicht, zumal sich das im letzten Jahr für Ludwigsburg auch nicht ausgezahlt hat, denn sie sind gegen Ulm ausgeschieden. Solche Kalkulationen an den letzten Spieltagen bringen meiner Meinung nach nichts – schon gar nicht in dieser Saison, wo es auf den Playoff-Rängen drunter und drüber geht. Ich ziehe es vor, dass man in jedem Spiel so gut wie möglich spielt. Wir müssen uns vor niemandem verstecken. Wir haben die meisten Assists – also bewegen wir den Ball sehr gut. Wir haben die statistisch beste Defense und trotzdem die wenigsten Fouls – also spielen wir eine sehr saubere Verteidigung.

 

Könnte es in den Playoffs schwieriger werden, wenn die Gegner sich ausgiebiger auf eure Spielweise vorbereiten?

 

HO: Sicher realisieren unsere Gegner mittlerweile, dass sie sich gegen uns besonders vorbereiten müssen. Aber das ist nicht so einfach, weil wir kaum festgelegte Systeme haben. Unsere Spieler haben gelernt, das Spiel zu lesen und aus der Situation zu entscheiden. Bundestrainer Henrik Rödl hat zum Beispiel beobachtet, dass in der WM-Quali gerade Niels Giffey und Joshiko Saibou in kritischen Situationen die ersten waren, die das Problem erkannt und Lösungen gefunden haben. Das ist auch ein Resultat unserer Spielweise, die damit schwerer ausrechenbar ist. Ich denke, damit werden wir auch in den Playoffs gut fahren.  

comments powered by Disqus

NÄCHSTE HEIMSPIELE

easyCredit BBL

vs Frankfurt

Fr. 27.04.2018

19:00 Uhr

easyCredit BBL

vs Ulm

Di. 01.05.2018

15:00 Uhr

Folge uns in den Sozialen Netzwerken:

Hier für den ALBA BERLIN
Newsletter anmelden!