
Nach der intensiven Auswärtswoche mit zwei Gastspielen in Russland und einem in Ulm kehren die Albatrosse (mit zwei Siegen im Gepäck) endlich wieder in die Mercedes-Benz Arena zurück. Dort steht nach den drei letzten hochkarätigen Gegnern Zenit, Khimki und Ulm gleich das nächste Topspiel an: Am Dienstag empfangen Coach Aito und sein Team um 19 Uhr den Tabellenvierten EWE Baskets Oldenburg. Es ist bereits das 50. ALBA-Pflichtspiel dieser Saison.
ALBA BERLIN ist alles andere als Oldenburgs Lieblingsgegner
Knapp 15.000 Zuschauer verfolgten vor gut einem Jahr am 16. Februar 2020 ALBAs 89:67-Triumph im Pokalfinale über die Oldenburger und verwandelten die Mercedes-Benz Arena in ein Tollhaus. Mit diesem zehnten Pokalsieg legte das Team von Coach Aito die Grundlage für Gewinn des Doubles. Da am selben Tag in der Mercedes-Benz Arena ein Eishockeyspiel der Eisbären gegen Mannheim ausgetragen wurde, musste die Arena innerhalb weniger Stunden umgebaut werden, aber die fantastische Atmosphäre rechtfertigte diese Anstrengung allemal.
Die Oldenburger zogen in diesem Pokalfinale nicht zum ersten und einzigen Mal den Kürzeren gegen ALBA. Man kann sogar sagen, dass ALBA sich in den letzten Jahren nicht sonderlich beliebt bei den EWE Baskets gemacht hat, die vier Monate später auch beim Finalturnier um die Meisterschaft in München im Halbfinale an ALBA scheiterten. Auch 2018 (im Viertelfinale) und 2019 (im Halbfinale) waren die Albatrosse in den Playoffs jeweils die Endstation für die Oldenburger gewesen, die somit viele Rechnungen mit den Berlinern offen haben.
US-Duo Pressey & Hobbs dirigiert die beste Offensive der Liga
Trainer Mladen Drijencic, der schon in der siebten Saison für die Oldenburger an der Seitenlinie steht, musste seine Spieler auf der Reise nach Berlin deshalb wohl kaum extra motivieren, zumal alle Leistungsträger aus der letzten Saison auch heute noch dabei sind. Diese Kontinuität im Kader ist auch in dieser Saison die Grundlage dafür, dass Oldenburg die beste Offensive in der easyCredit BBL stellt. Die EWE Baskets erzielen mit der höchsten Dreierquote (41,8 Prozent) die meisten Punkte (92,8 pro Spiel) und verzeichnen die wenigsten Ballverluste (11,1 pro Spiel).
Dirigiert wird die gefährliche Oldenburger Offensive von den US-Aufbauspielern Braydon Hobbs und Phil Pressey. Während Hobbs, der 2019 aus München nach Oldenburg wechselte, mit seinen 1,96 Metern als relativ großer Spielmacher viel Ruhe ausstrahlt und vor allem an der Dreierlinie korbgefährlich ist, bringt der 16 Zentimeter kleinere, schnellere und explosivere NBA-erfahrene Neuzugang Pressey Aggressivität ins Oldenburger Spiel ein. Da er auch der bessere Verteidiger ist, steht Pressey bei den EWE Baskets regelmäßig in der Startaufstellung.
Paulding & Hornsby sind mit je 15 Zählern die Topscorer
Auch auf der Position zwei kann Trainer Mladen Drijencic mit unterschiedlichen Spielertypen agieren. Während Karsten Tadda sich in seiner vierten Oldenburger Saison wie gehabt als Defensivspezialist um die gegnerischen Topscorer auf den Positionen eins bis drei kümmert, glänzte Sebastian Herrera in der vergangenen Saison in Crailsheim auf derselben Position mit großer offensiver Kreativität. Dass der Deutsch-Chilene in Oldenburg nicht sofort dieselben Zahlen auflegt, liegt natürlich auch daran, dass er dort stärkere Mitspieler an seiner Seite hat.
In Oldenburg macht neben Rickey Paulding nämlich auch der neue US-Forward Keith Hornsby im Schnitt 15 Punkte, womit die beiden US-Forwards als Oldenburgs Topscorer unter den ersten Zwölf in der Bundesliga-Korbjägerliste rangieren. Während der auch mit 38 Jahren immer noch sehr agile Paulding zuweilen in einer kleinen Aufstellung auch auf die Position vier aufrückt, weicht der auf Distanzwürfe spezialisierte Hornsby als bester Dreierschütze der Liga (im Schnitt 2,6 Dreier mit einer 53-prozentigen Erfolgsquote) auch auf die Zwei aus.
Robuste Physis von Boothe und Mahalbasic unter dem Korb
Deutlich über 40 Prozent von jenseits der 6,75 Meter treffen im Oldenburger Team auch Nathan Boothe und Philipp Schwethelm auf der Position vier und ziehen damit jede gegnerische Verteidigung auseinander. Während Schwethelm dabei in der gesamten Saison überhaupt nur elf Würfe (in 21 Spielen) aus Mittel- und Nahdistanz genommen hat, agiert der robuste US-Power Forward auch in der Zone sehr effektiv, glänzt als Oldenburgs bester Rebounder und hat mit dieser Vielseitigkeit mittlerweile hinter Paulding in Oldenburg als regelmäßiger Starter die größten Spielanteile.
Unter dem Korb hat der ebenfalls sehr kräftige Rasid Mahalbasic mit guter Fußarbeit, trickreichen Bewegungen und viel Spielübersicht nichts von seiner Klasse eingebüßt. Aber die Oldenburger haben ihrem aus dem Lowpost agierenden österreichischen Nationalcenter mit dem aus Bonn gekommenen Martin Breunig einen agileren und beweglicheren Center an die Seite gestellt, der auch energisch zum Korb zieht. Dadurch reduziert sich die Spielzeit Mahalbasics, der jetzt oft sogar von Bank kommt, zwar etwas, aber das Oldenburger Innenspiel ist insgesamt variabler geworden.
Am Samstag 87:98 in Ludwigsburg gegen Jamel McLean
Am Wochenende verlor Oldenburg beim um Ex-Albatros Jamel McLean (18 Punkte und neun Rebounds!) verstärkten Tabellenführer Ludwigsburg 87:91 und fiel in der Tabelle auf den vierten Tabellenplatz zurück. Als die EWE Baskets sich nach 15 Minuten endlich auf die aggressive Ludwigsburger Defense einstellten, lagen sie schon 28:46 hinten. Angeführt von Braydon Hobbs (22 Punkte mit 6/8 Dreiern) verkürzte Oldenburg zwar noch bis zur 38. Minute auf 85:88, doch in der Crunchtime fehlte dann auch das nötige Glück. Neben Hobbs waren Keith Hornsby (15), Rasid Mahalbasic (11) und Rickey Paulding (10) die Topscorer.
Oldenburg spielt in dieser Saison in folgender Aufstellung (in Klammern gerundete Saison-Stats/Spiel):
PG: Phil Pressey (23 min, 9 p, 4 as), Braydon Hobbs (17 min, 8 p, 4 as)
SG: Karsten Tadda (16 min, 3 p, 2 as), Sebastian Herrera (20 min, 7 p, 2 as)
SF: Rickey Paulding (26 min, 15 p, 3 rb), Keith Hornsby (20 min, 15 p, 3 rb)
PF: Nathan Boothe (25 min, 12 p, 5 rb), Philipp Schwethelm (14 min, 6 p, 2 rb)
C: Martin Breunig (16 min, 6 p, 4 rb), Rasid Mahalbasic (20 min, 11 p, 6 rb, 4 as)
Stimmen zum Spiel:
Israel Gonzalez (ALBA Associate Headcoach): „Nachdem wir nun acht Tage lang auf Reisen waren, freuen wir uns natürlich darauf, wieder nach Hause zurückzukehren. Die Spielvorbereitung am Montag besteht aus der Rückreise, viel Videostudium und Regeneration. Dieser Rhythmus ist dem Team durch diese Saison aber schon bekannt und die Spieler wissen daher, was es benötigt, trotz der geringen Vorbereitungszeit auch am Dienstag bereit für Oldenburg zu sein.“
Ben Lammers (ALBA-Center): „Der Roadtrip mit den beiden Spielen in Russland und dem in Ulm war natürlich anstrengend für das ganze Team. Wir haben die Reise am Sonntag aber erfolgreich abgeschlossen und wollen das Momentum vom Auswärtssieg in Ulm mit in das nächste schwere Bundesliga-Spiel gegen Oldenburg nehmen.“
Gut zu wissen:
Oldenburgs Spielmacher Braydon Hobbs spielte in der Saison 2013/14 für Alba – nicht in Berlin, sondern in Ungarn bei Alba Fehervar. Sein Trainer beim vom Computerhersteller „Albacomp“ gesponsorten Erstligisten war in jener Saison Carlos Frade, der seit 2017 zum Trainerstab von Coach Aito bei ALBA BERLIN gehört. In der Saison 2018/19 wurde Hobbs zusammen mit Maodo Lô mit den Bayern Deutscher Meister.
Karsten Tadda und Johannes Thiemann spielten bis zur Saison 2015/16 in Bamberg – Tadda als festes Mitglied der ersten Mannschaft und der vier Jahre jüngere „J.T.“ in sporadischen Einsätzen mit einer Doppellizenz für die Zweitligisten Baunach bzw. Breitengüßbach. 2016 wechselte Tadda nach Ulm, während der heutige ALBA-Center dem Ruf nach Ludwigsburg folgte, wo er 2016/17 zusammen mit Martin Breunig unter dem Korb stand.
EWE Baskets Oldenburg (Stats easyCredit BBL 2020/21)
Nr. | Name | Pos. | Alter | cm | Nat. | BBL | Ø Pkt | Ø Rb | Ø As |
3 | Braydon Hobbs | 1/2 | 31 | 196 | USA | 5 J. | 7,7 | 2,0 | 3,8 |
4 | Keith Hornsby | 2/3 | 29 | 192 | USA | --- | 14,7 | 2,7 | 1,0 |
7 | Sebastian Herrera | 2 | 23 | 193 | D/CHL | 2 J. | 6,8 | 2,3 | 2,3 |
9 | Karsten Tadda | 2 | 32 | 191 | GER | 13 J. | 3,4 | 1,7 | 1,6 |
11 | Jacob Hollatz | 1/2 | 22 | 191 | GER | 2 J. | 1,0 | 0,5 | 0,9 |
12 | Martin Breunig | 5 | 29 | 203 | GER | 4 J. | 6,3 | 3,9 | 0,7 |
17 | Norris Agbakoko | 5 | 21 | 216 | GER | --- | 2,0 | 1,3 | 0,0 |
23 | Rickey Paulding | 3 | 38 | 196 | USA | 13 J. | 15,4 | 2,5 | 1,2 |
24 | Rasid Mahalbasic | 5 | 30 | 210 | AUT | 3 J. | 10,7 | 5,6 | 3,5 |
25 | Phil Pressey | 1 | 30 | 180 | USA | --- | 8,9 | 2,4 | 4,0 |
33 | Philipp Schwethelm | 3/4 | 31 | 201 | GER | 15 J. | 6,1 | 1,5 | 0,9 |
45 | Nathan Boothe | 4 | 27 | 206 | USA | 2 J. | 12,4 | 4,8 | 2,4 |
Head Coach: Mladen Drijencic (55, D/BIH, siebte Bundesliga-Saison als Headcoach mit Oldenburg)
EWE Baskets: Resultate der letzten drei Wochen:
28.2. Oldenburg - Braunschweig (eaysCredit BBL) 101:89 (S) Paulding 16
06.3. Ludwigsburg – Oldenburg (easyCredit BBL) 98:87 (N) Hobbs 22
ALBA BERLIN: Resultate der letzten drei Wochen:
19.2. Fenerbahce Istanbul – ALBA (EuroLeague) 89:84 (N) Eriksson 19
26.2. ALBA – Panathinaikos Athen (EuroLeague) 74:65 (S) Thiemann 16
28.2. ALBA – Crailsheim (easyCredit BBL) 100:62 (S) Siva 15
02.3. Zenit St. Petersburg – ALBA (EuroLeague) 87:71 (N) Sikma 18
05.3. Khimki Moskau – ALBA (EuroLeague) 81:100 (S) Eriksson 36
07.3. Ulm – ALBA (easyCredit BBL) 76:84 (S) Lô 19
ALBA-Bilanz gegen Oldenburg:
50 Siege – 21 Niederlagen (in Berlin 30-6)
BBL: 27-14 / Playoff: 20-7 / Pokal 3-0
Höchster Sieg: 105:60 am 25. Oktober 1998 in Oldenburg (Pokal)
Höchste Niederlage: 67:82 am 3. Februar 2013 in Oldenburg