Im ersten Heimspiel der EuroLeague-Rückrunde empfangen die Basketballer von ALBA BERLIN am Freitag (5. Januar, 19 Uhr, live auf Magenta Sport) mit Virtus Bologna das Überraschungsteam der bisherigen Saison in der Mercedes-Benz Arena. Die Italiener, die ALBA mit ihrem georgischen Topstar Tornike Shengelia im Hinspiel in Bologna 87:76 bezwangen, setzten ihren Lauf auch in den folgenden Spielen fort. Die Hinrunde beendete Virtus als Tabellenzweiter. (Foto: Tilo Wiedensohler)

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Israel González (ALBA-Cheftrainer): "Virtus Bologna ist in dieser Saison das Überraschungsteam der EuroLeague, aber das kommt nicht von ungefähr. Sie spielen sehr vielseitig in der Offensive: Pick-and-Roll, Lowpost-Game mit Shengelia, Eins-gegen-Eins-Situationen, großartiges Shooting mit Belinelli – da ist alles dabei! Und immer wenn es mal nicht läuft, können sie sich auf Shengelia verlassen. Das macht Bologna äußerst schwer zu verteidigen. In der Defensive sind sie auch stark und machen viel Druck am Ball. Virtus ist wirklich ein großartiges Team. Am Freitag wollen wir wieder mit viel Einsatz und Energie spielen. Unsere Verteidigung muss aggressiv sein und unsere Kommunikation auf dem Feld muss besser werden. Offensiv will ich vor allem gutes Ball-Movement sehen. Außerdem wollen wir das Pick-and-Roll noch besser nutzen."

Matt Thomas (ALBA-Guard): "Bologna spielt bisher eine großartige Saison. Sie sind sehr talentiert, haben einige sehr erfahrene Spieler und Luca Banchi macht einen tollen Job als Headcoach. Deswegen erwarten wir ein schweres Spiel am Freitag. Wir werden aber Woche für Woche besser. Bisher bemisst sich der Fortschritt unseres Teams noch nicht in Ergebnissen. In vielen EuroLeague-Spielen konnten wir lange mithalten, haben das Spiel aber am Ende aus der Hand gegeben. Besonders im vierten Viertel muss unsere Leistung deshalb  besser werden – offensiv und defensiv. Aber wir bleiben optimistisch."

Dass Virtus Bologna zur Saison-Halbzeit in der EuroLeague der schärfste Verfolger des überragenden Titelverteidigers Real Madrid sein würde, hatte zu Saisonbeginn kein Experte für möglich gehalten. Schließlich hatte die EuroLeague den letztjährigen Vierzehnten gemäß den Regularien des „Financial Fair Play“ angehalten, sein im Vorjahr ausuferndes Budget zur neuen Saison um zwanzig Prozent zu kürzen. Virtus musste sich notgedrungen von einigen teuren Stars wie Miloš Teodosić, Nico Mannion und Mam Jaiteh trennen.

Luca Banchi: Trainer der WM auch mit Bologna erfolgreich

Zu allem Überfluss musste sich Bologna Anfang Oktober kurzfristig auch noch einen neuen Trainer suchen, weil der von der WM zurückgekehrte Star-Trainer Sergio Scariolo das Team in der Öffentlichkeit schlecht redete und damit seinen Rauswurf provozierte. Als Nachfolger engagierte Virtus den Italiener Luca Banchi. Der hatte gerade sensationell Lettland bei der WM bis auf den fünften Platz gecoacht und brachte als bester Trainer der WM seine Erfolgssträhne mit nach Bologna. Virtus agierte unter seiner Führung mit weniger Stars tatsächlich besser als im Vorjahr.

Hilfreich war bei diesem fliegenden Trainerwechsel, dass Banchi mit dem 36-jährigen Daniel Hackett in Bologna einen erfahrenen Spielmacher vorfand, den er schon aus Siena, Mailand und Bamberg kannte. Hackett setzt auch in Bologna seine mit starker Physis und Athletik gepaarte Größe gleichermaßen an beiden Enden des Parketts clever ein. Als zweiter Aufbauspieler fungiert der bei Virtus groß gewordene Nationalspieler Alessandro Pajola.

Routinier Marco Belinelli trifft seiner Dreier auch noch mit 37

Auch der Däne Gabriel Lundberg folgte 2022 Hackett von ZSKA Moskau (mit einem kleinen Playoff-Umweg über die Phoenix Suns) nach Bologna und wechselt sich dort auf der Position zwei mit dem Routinier Marco Belinelli ab. Der mittlerweile 37-jährige Ex-Nationalspieler, der in 13 NBA-Jahren eine Dreierquote von 39 Prozent auflegte und 2014 mit San Antonio als erster (und bis heute einziger) Italiener NBA-Champion wurde, hat mit seiner aktuell 44-prozentigen Dreierquote einen großen Anteil am aktuellen Höhenflug von Virtus Bologna.

Als Ersatz für den zum Jahreswechsel zu Partizan Belgrad gewechselten Ex-Albatros Jaleen Smith hat Virtus zu Weihnachten den Letten Rihards Lomazs nachverpflichtet. Auf der kleinen Flügelposition fungiert auch der Franzose Isaia Cordinier mit seiner explosiven Athletik und Schnelligkeit zuweilen als zweiter Ballhandler. Der ebenfalls sehr athletische zweite Small Forward Awudu Abass kann hingegen mit seiner starken Physis sogar gegnerische Center verteidigen. Dabei findet der italienische Nationalspieler nach langwieriger Verletzung immer mehr zu seiner alten Form.

Georgier Toko Shengelia spielt eine MVP-verdächtige Saison

Zu Saisonbeginn schockte der Nationalspieler Achille Polonara seine Teamkollegen mit der Nachricht von seiner (mittlerweile überwundenen) Krebserkrankung. Aber seine mehrmonatige Abwesenheit ließ das Team noch mehr zusammenrücken. Tornike „Toko“ Shengelia spielte auf der Power-Forward-Position eine MVP-würdige Hinrunde. Der extrem versierte und spielintelligente 32-jährige Georgier findet als Topscorer nicht nur viele verschiedene Wege zum Korberfolg, sondern ist auch Bolognas bester Rebounder und zweitbester Passgeber.

An seiner Seite hat Shengelia, der hinter Mike James (Monaco) und Shane Larkin (Efes) der dritteffektivste Spieler der Hinrunde war, in Bologna mit Bryant Dunston den wohl erfahrensten Big Man der Liga. Der 37-jährige US-Center wurde schon zweimal als bester Verteidiger der EuroLeague ausgezeichnet und gewann die EuroLeague 2021 und 2022 mit Efes Istanbul. Auf eine Verletzung des zweiten US-Centers Jordan Mickey hat Bologna zum Jahreswechsel mit der Nachverpflichtung des Kroaten Ante Žižić reagiert.

Virtus Segafredo Bologna (Stats Turkish Airlines EuroLeague 2023/24)

Nr.

Name

Pos.

Alter

cm

Nat.

EL

Pkt/Sp

Rb/Sp

As/Sp

00

Isaia Cordinieer

2/3

27

196

FRA

1 J.

8,8

3,1

2,7

1

Gabriel „Iffe“Lundberg

2

29

193

DEN

3 J.

7,8

1,6

1,9

3

Marco Belinelli

2/3

37

196

ITA

6 J.

14,5

1,6

1,5

6

Alessandro Pajola

1

24

194

ITA

1 J.

3,4

1,7

2,9

13

Ognjen Dobrić (verletzt)

3

28

200

SRB

6 J.

5,1

1,8

0,7

14

Bruno Mascolo

1

27

191

ITA

---

2,0

1,0

0,0

15

Devontae Cacok (verletzt)

5

27

204

USA

---

3,2

2,3

0,5

19

Rihards Lomazs

2

27

193

LAT

2 J.

 

 

 

21

Tornike „Toko“ Shengelia

4

32

206

GEO

10 J.

16,0

6,2

3,8

23

Daniel Hackett

1/2

36

197

ITA

11 J.

8,3

3,2

4,3

24

Leo Menalo

4

21

208

IT/CRO

1 J.

0,0

0,0

0,0

25

Jordan Mickey (verletzt)

4

29

203

USA

5 J.

9,9

4,9

0,7

33

Achille Polonara

3/4

32

201

ITA

5 J.

0,4

1,2

1,6

41

Ante Žižić

5

27

210

CRO

4 J.

6,4

3,8

0,8

42

Bryant Dunston

5

37

203

USA

10 J.

4,8

3,8

1,5

55

Awudu Abass

3

30

198

ITA

4 J.

3,4

1,2

0,0

Headcoach: Luca Banchi (58 Jahre, ITA, fünfte EuroLeague-Saison, die erste mit Bologna)

Virtus Bologna: Resultate der letzten zwei Wochen
21.12. Valencia Basket – Virtus (EuroL) 79:71 (N) Shengelia 15
23.12. Estra Pistoia – Virtus (Lega) 70:81 (S) Belinelli 19
28.12. Partizan Belgrad – Virtus (EuroL) 75:77 (S) Ludnberg 16
30.12. Virtus – Carpegna Pesaro (Lega) 83:66 (S) Shengelia 22
03.01. Virtus – Bayern München (EuroL) 85:83 (S) Shengelia 18

ALBA BERLIN: Resultate der letzten zwei Wochen
22.12. ALBA – Fenerbahçe Istanbul (EuroL) 82:91 (N) Brown 15
29.12. ALBA – Olympiakos Piräus (EuroL) 67:94 (N) Thomas 15
31.12. ALBA – Niners Chemnitz (BBL) 101:90 (S) Brown 25
02.01. Žalgiris Kaunas – ALBA (EuroL) 77:71 (N) Thiemann 17

ALBA-Bilanz gegen Virtus Bologna: 2:5
2 Siege – 5 Niederlagen (in Berlin 2-1)
(2-2 in FIBA-Europaliga / 0:3 in EuroLeague)