
Seit über einem Monat halten die Spielpläne der BBL und der EuroLeague die Profis von ALBA BERLIN schwer auf Trab. Und ganz nebenbei müssen auch noch Verletzungen auskuriert, neue Spieler integriert und ein Team geformt werden. Wie macht man gute Stimmung? Fragen an den Mannschaftskapitän Luke Sikma.
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Luke, wie steht es um die Teamchemie des ALBA-Kaders zu diesem frühen Zeitpunkt in der Saison?
Wenn ich darüber nachdenke, ist es schon etwas Besonderes, dass die Chemie bei ALBA eigentlich in jedem Jahr stimmt. In den vergangenen Jahren hatten wir mit Niels und Peyton starke Führungspersönlichkeiten, die natürlich ein Vakuum hinterlassen haben. Diese Lücke wird jetzt durch andere Spieler wie JT gefüllt. Obwohl es noch früh in der Saison ist und es sich platt anhört: Die ganze Mannschaft versteht sich bis jetzt sehr gut, auch mit den neuen Jungs ist die Stimmung toll. Aber natürlich muss man nicht nur abseits des Feldes harmonieren, sondern auch auf dem Basketballfeld. Dabei hilft es uns gerade extrem, dass unsere Verletzten nach und nach zurückkehren, wir uns weiter aneinander gewöhnen und gemeinsam Spielpraxis sammeln.
Wie bist Du in die Rolle des Anführers und Kapitäns bei ALBA hineingewachsen?
Bei allen Mannschaften, in denen ich in meiner Karriere gespielt habe, gehörte ich zu den Führungspersönlichkeiten. Es ist einfach eine Rolle, die gut zu mir passt. Seitdem ich bei ALBA bin, zähle ich zu den Ältesten und versuche deshalb, meine Erfahrungen mit den anderen Teammitgliedern zu teilen. In diese Rolle bin ich also halb hineingewachsen und zur anderen Hälfte habe ich sie selbst angenommen. Kapitän zu sein, ist eine Aufgabe, die ich sehr ernst nehme. Ich will den anderen ein gutes Vorbild sein.
Hast Du eine spezielle Herangehensweise, um neue Spieler zu integrieren?
Ich versuche einfach, alle mit einzubinden. Jeder soll sich von Anfang an als elementarer Teil des Gefüges begreifen. Egal wie alt ein Spieler ist oder wie lang er schon in der Mannschaft ist: Ich will, dass alle ehrlich und fair behandelt werden.
Wie wirst Du mit aufmüpfigen Charakteren fertig und wie entlockst Du schüchternen Spielern ein paar Worte?
Glücklicherweise haben wir es hier weniger mit rebellischen Charakteren zu tun. Schüchterne Jungs haben wir bei ALBA schon eher. Als Tim Schneider zu uns stieß, hat er keine zwei Worte gesprochen. Jetzt redet er wie ein Wasserfall. Das kam mit der Zeit. Im Team haben wir schon etliche Leute, die sehr kommunikativ sind, und vielleicht funktioniert es bei ALBA ähnlich wie Osmose. Die lauten Spieler sorgen mit ihrer Art dafür, dass die Schüchternen mit der Zeit auftauen und aus ihren Schneckenhäusern herauskommen.
Wie geht Ihr mit den Verletzten um, die nicht mit Euch auf dem Feld stehen und aktiv zum Teamerfolg beitragen können?
Ich denke, das Wichtigste dabei ist, dass sie sich trotz individueller Reha-Maßnahmen weiterhin als Teil des Ganzen begreifen. Während wir trainieren, bekommen unsere Verletzten Ihre Physiobehandlungen bei Discus oder trainieren individuell mit Pepe. Deshalb müssen wir sie auf andere Weise integrieren. Man muss sich nur unsere Spiele ansehen, um zu merken, dass das gut funktioniert. Diejenigen, die nicht spielen, sitzen direkt neben der Bank. Obwohl sie kein Trikot tragen, sind sie genauso in das Spiel involviert und springen in brenzligen Situationen auf wie die Spieler auf der Bank. Du wirst bei uns niemanden sehen, den das Spielgeschehen nicht kümmert und der stattdessen das ganze Spiel lang auf sein Handy starrt.
Wie hast Du bisher bei Verletzungen Anschluss an die Mannschaft gehalten?
Als ich in den letztjährigen Playoffs verletzt war, habe ich so eine Situation mal von der anderen Seite kennengelernt. Als ehrgeiziger Athlet ist es natürlich schwierig, nichts zum Teamerfolg beitragen zu können. Dafür habe ich dann beim Training an der Seitenlinie gesessen, habe die Jungs angefeuert und war für den Trash-Talk verantwortlich.
Dieses Jahr sind JT und Jonas Deine Co-Kapitäne. Wie helfen sie Dir auf dem Feld und abseits dessen?
JT hat diese natürliche Leader-Mentalität. Er spielt seit Jahren auf einem hohen Level, hat bereits viele Situation auf dem Basketballfeld erlebt und hilft allein aufgrund seiner Erfahrung der ganzen Mannschaft. Jonas ist immer noch einer der jungen Spieler bei uns, obwohl er auch schon seit langer Zeit Teil des Teams ist und sich seine Sporen bereits verdient hat. Er pusht uns mit seiner Energie und seiner kommunikativen Art. Außerdem ist seine Arbeitsethik beeindruckend. Er ist immer der Erste und der Letzte beim Training. Er geht einfach mit gutem Beispiel voran.
Wie geht Ihr bei ALBA mit jungen Spielern um, die frisch dazustoßen?
Wir haben bei uns eigentlich keine festen Rookie-Rituale, die unsere Jugendspieler durchmachen müssen. Israel lässt sie manchmal vor einer Video-Session einen Witz erzählen, aber das war‘s auch schon. Ich finde es toll, dass wir oft neue Leute aus dem Jugendprogramm bekommen. Dabei ist es mir wirklich ein Anliegen, dass sie vom ersten Training an gleich behandelt werden und sich niemand über sie erhebt. Selbstvertrauen spielt im Basketball eine so große Rolle, deshalb sollten wir die Jungen bestärken, anstatt sie noch nervöser zu machen.
Was war der beste Witz, den Du je vor einem Videotraining gehört hast?
Ehrlich gesagt, sind die Witze der jungen Spieler so schlecht, dass ich sie immer sofort vergesse. (lacht)
Ich habe gehört, dass Ihr in dieser Woche Eure alljährliche Halloweenparty veranstaltet habt. Als was warst Du verkleidet?
In diesem Jahr bin ich als Joker gekommen. Aber nicht als Heath-Ledger-Joker, sondern als die schlechte „Suicide Squad“-Version.
Als Kapitän der Mannschaft darfst Du natürlich auch den Style Deiner Kollegen bewerten. Wer hatte das beste und wer das schlechteste Kostüm des Abends?
Stefan und seine Freundin haben wirklich alles gegeben. Sie haben sich als Marge und Homer Simpson verkleidet, inklusive gelber Gesichtsfarbe. Zweiter war wohl JT, der als Aquaman zur Party kam, und auch Maodo als Django war super. Und dann war da noch Oscar, der als Aristokrat verkleidet war…
…uns hat er erzählt, er habe sich als Mozart verkleidet.
Ah, jetzt verstehe ich sein Kostüm erst komplett. Danke! (lacht)
Organisierst Du solche Partys eigentlich auch mit Hinblick darauf, das Team näher zueinander zu bringen?
Diese Art von Events sind nie aus Berechnung entstanden, sondern haben sich ganz natürlich entwickelt. Früher habe ich Halloween nie richtig gefeiert. Die erste dieser Partys ist in meinem ersten Jahr bei ALBA aus einem Witz mit Niels und seiner Frau Erin entstanden. Bei der ersten Team-Halloweenparty kamen alle in Verkleidung, und so war der Standard für die Zukunft gesetzt. Das wurde also eher zufällig zu einer Art ALBA-Tradition. Wir haben auch andere Mannschaftsunternehmungen, die mittlerweile fester Bestandteil sind. Zu Thanksgiving beispielsweise steuert jeder etwas zum großen Buffet bei.
Welcher ALBA-Spieler darf sein Handy niemals mit der Bluetooth-Box in der Umkleidekabine verbinden?
Lass mich kurz nachdenken. Christ und Maodo haben einen guten Musikgeschmack, Ben würde sein Handy eh nie anschließen. Jonas hört gern harten Classic-Rock, das ist auch stark. Meine Wahl fällt auf Malte. Er war für die Pregame-Playlist in der letzten Saison verantwortlich und irgendwann meinte selbst Israel, dass sich musikalisch etwas ändern müsse.
Mit wem würdest Du am liebsten für einen Tag die Klamotten tauschen und wessen Kleidung würdest Du niemals tragen?
Maodo ist immer stylish angezogen. Hätten seine Klamotten meine Größe, würde ich seinen Westberlin-Swag rocken. Mit Ben würde ich eher nicht tauschen wollen. (lacht)