
Johannes Thiemann steckt mitten in einem aufregenden Sommer. Erst die Meisterschaft, dann der neue Dreijahresvertrag bei ALBA und anschließend die geglückte Olympia-Qualifikation mit der Nationalmannschaft. Bevor am 24. Juli die Sommerspiele in Tokio beginnen, haben wir mit JT am Telefon über diese spannende Zeit gesprochen.
Fotos: FIBA, Camera4, Ulf Duda; Interview: Tobias Koschack
Herzlichen Glückwunsch erst mal zur Olympia-Qualifikation! Viel Zeit ist ja nicht mehr bis zum Beginn der Spiele. Wie genau verläuft denn die Vorbereitungsphase bis dahin?
Das Team hat noch ein paar Tage frei, bevor es am Montag zum Nationalmannschaftslehrgang nach Trier geht. Dort werden wir uns eine Woche lang auf Olympia vorbereiten. Ich bin jetzt noch einen Tag länger in Split geblieben und nutze die freie Zeit für einen kleinen Kurzurlaub. Den Tag heute werde ich also wahrscheinlich am Pool oder im Meer verbringen.
Nimm uns mal mit durch so einen typischen Vorbereitungstag: Wie oft trainiert Ihr? Und bleibt in der Vorbereitung auch noch genügend Zeit zum Entspannen mit den Jungs?
Normalerweise beginnt so ein Tag mit einem kleinen Meeting. Anschließend schauen wir uns Videoszenen unserer Gegner an. Dann gibt es Mittagessen und danach ein optionales Krafttraining, zu dem sich aber eigentlich fast alle Jungs motivieren können. Neben den Trainingseinheiten mit dem Team gibt es aber auch immer wieder Zeit zur Regeneration, damit wir möglichst frisch zu Olympia kommen.

Nach zuletzt 83 Spielen mit ALBA und dem Gewinn der Meisterschaft blieb kaum Zeit zur Erholung, bevor es zur Nationalmannschaft ging. Nach Olympia beginnt zeitnah die Saisonvorbereitung, und dann steht im nächsten Sommer die Europameisterschaft auf dem Plan. Wie schwer wiegt solch eine Dauerbelastung für Dich?
Das ist natürlich schon hart, aber Olympia ist auch ein großer Traum. Dafür macht man es am Ende natürlich gern. Wir sind erst das sechste deutsche Basketballteam, dem die Olympia-Qualifikation gelungen ist. Das ist schon eine riesige Leistung, für die ich gern ein bisschen Urlaubszeit abgebe.
Die Olympia-Qualifikation gelang der deutschen Mannschaft zuletzt im Jahr 2008. Die Euphorie war Euch jetzt nach dem Finalsieg über Brasilien deutlich anzumerken. Welchen Stellenwert hat die Olympia-Teilnahme in Deiner sportlichen Karriere?
Auf jeden Fall einen sehr hohen Stellenwert! Zu Olympia zu fahren ist für alle Sportlerinnen und Sportler ein großer Traum und nur für wenige wird er wahr. Die Teilnahme ist deswegen auf jeden Fall einer der Top-3-Momente meiner Karriere.
Dann haben wir jetzt eine neue Kategorie: die Top 3 der JT-Sportmomente. Kannst Du uns noch einen dieser Höhepunkte verraten?
Die Meisterschaft hat dieses Jahr auf jeden Fall richtig geschmeckt, weil die Saison auch einfach so besonders war. Ich habe selten eine Spielzeit erlebt, die so emotional, körperlich aufreibend und ermüdend war. Natürlich hat dabei auch Corona eine Rolle gespielt. Dass wir uns am Ende für all diese Mühen mit dem Meistertitel belohnen konnten, war unglaublich.

Kommen wir nochmal zurück zu Olympia. Worauf freust Du Dich am meisten, wenn du an die Zeit in Tokio denkst?
Ich war ja vor ein paar Jahren schon bei der Universiade dabei, also dem Olympia für Studierende. Die Zeit und Atmosphäre im Olympischen Dorf fand ich sehr cool, weil es viele Gelegenheiten gab, mit den anderen Sportlern zu interagieren. Ich weiß natürlich nicht genau, ob das unter Corona-Bedingungen in Tokio dieses Jahr möglich sein wird, aber ich freue mich trotzdem schon sehr darauf.
In der Nationalmannschaft gibt es viele Akteure, die viel Zeit mit und bei ALBA verbracht haben. Gibt es für Dich Unterschiede zwischen ALBA-Mitspielern und denen, die normalerweise nicht das gleiche Trikot tragen wie Du?
Mit den meisten Jungs spiele ich ja so gut wie jeden Sommer zusammen in der Nationalmannschaft. Wir kennen uns also schon länger. Aber natürlich weiß ich besser, an welchen Spots auf dem Feld Niels den Ball am liebsten bekommt. Mit ihm habe ich schließlich drei Jahre lang im selben Team gespielt. In der Nationalmannschaft gibt es so viele ALBA-Spieler oder frühere Spieler: Da ist auf jeden Fall ein bisschen ALBA-Spirit mit dabei.
Neben Australien und Nigeria trefft Ihr in der Gruppenphase auf Italien, die mit Simone Fontecchio antreten, der ja eine Saison bei ALBA war. Welche Tipps gibst Du Deinen Mitspielern im DBB-Team, wie man Simone am besten verteidigt?
Das wird auf jeden Fall schwierig. Was für ein starker Spieler er ist, hat er bei ALBA über die ganze Saison gezeigt. Aber vielleicht können wir ihn ja ein bisschen aus der Fassung bringen. Ich werde definitiv auch mal versuchen, ihn mit einem kleinen Spruch abzulenken, sodass er vielleicht einen Wurf mehr daneben setzt. Im Großen und Ganzen werden wir da aber schon eine schwere Aufgabe vor uns haben.