Mit 3:1 Siegen gegen Ulm haben sich die Albatrosse zum 19. Mal für die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft qualifiziert. Für ALBA ist es das achte nationale Finale in Folge und das 36. Finale insgesamt in 31 Jahren Vereinsgeschichte. Gegner ist der FC Bayern München, der im Halbfinale den Punktrunden-Ersten und letztjährigen Finalisten Ludwigsburg mit 3:1 Siegen ausgeschaltet hat. Die beiden deutschen Europaligisten stehen sich am Mittwoch beim Auftaktspiel in der Mercedes-Benz Arena bereits zu sechsten Mal in dieser Saison gegenüber. ALBA gewann die beiden Punktspiele in der easyCredit BBL, die Bayern die beiden Vergleiche in der EuroLeague sowie vor drei Wochen das Pokalfinale in München.

Das Finale um die Meisterschaft wird wie zuvor das Viertel- und Halbfinale im Playoff-Modus „best-of-five“ gespielt, wobei sich allerdings die Abstände zwischen den Spielen verringern. Sowohl die ersten beiden Spiele am Mittwoch und Donnerstag in Berlin als auch die Spiele drei und vier am Wochenende in München sind an jeweils zwei aufeinanderfolgenden Tagen zu absolvieren, was für beide Teams zu einem in der Finalgeschichte beispiellosen Kraftakt wird.

Im Rahmen eines Pilotprojekts mit dem Berliner Senat sind für das erste Finale am Mittwoch 1.450 Fans in der Mercedes-Benz Arena zugelassen, für Spiel zwei am Donnerstag und das potenzielle, entscheidende fünfte Spiel am darauffolgenden Dienstag sogar bis zu 2.000 Gäste. Seit Mittwoch gibt es in Berlin zehn neue Teststellen für den BärCODE, der zum Einlass in die Arena benötigt wird. Weitere Infos zum BärCODE im Tickteshop. Übersicht der Teststellen auf www.baercode.de/teilnehmende-einrichtungen.

Die Serie im Überblick:
Spiel 1 (9. Juni, Mittwoch 20:30 Uhr): ALBA – Bayern
Spiel 2 (10. Juni, Donnerstag, 20:30 Uhr): ALBA – Bayern
Spiel 3 (12. Juni, Samstag, 15:00 Uhr): Bayern – ALBA
evtl. Spiel 4 (13. Juni, Sonntag, 15:00 Uhr): Bayern – ALBA
evtl. Spiel 5 (15. Juni, Dienstag, 19:00 Uhr) ALBA – Bayern

>>> ZUM TICKETSHOP <<<

Das zweite Finale am Donnerstag wird live für Blinde und Sehgeschädigte bei "BENA on air" übertragen. Den audiodeskriptiven Livestream hört ihr ab 20:15 Uhr unter www.bena-consulting.com/bena-on-air.

Münchener Defense basiert auf Athletik und Vielseitigkeit

Beispiellos in der Bundesliga-Geschichte ist das Spielpensum, das die beiden deutschen Europaligisten wettbewerbsübergreifend seit Oktober in dieser „Corona-Saison“ absolviert haben. ALBA spielt am Mittwoch bereits sein 80. Pflichtspiel. Die Bayern haben nach dem Erreichen der EuroLeague-Playoffs vor dem deutschen Finale sogar schon 86 Spiele auf dem Buckel, aber eben auch jede Menge Erfahrung aus vielen engen Spielen in der „Königsklasse“, in der sich die Münchener mit einer starken Verteidigung und großer Moral zum Überraschungsteam der Saison gemausert haben und nur knapp den Sprung ins Final Four verpassten.

Der Aufschwung der Münchener, die im Vorjahr beim Abbruch der EuroLeague-Saison noch Vorletzter in der Tabelle waren und auch auf nationaler Ebene titellos blieben, wird allgemein Trainer Andrea Trinchieri zugeschrieben. Der an der Seitenlinie mit viel Temperament agierende Italiener, der vor Jahren auch schon Bamberg in der EuroLeague salonfähig gemacht hatte, krempelte nach seiner Amtsübernahme das Münchener Team mit vielen Neuzugängen radikal um und verpasste den Bayern ein auf Athletik und Vielseitigkeit basierendes defensives Format, das schon früh in der Saison erste Erfolge zeigte. 

Šiško und Seeley springen Wade Baldwin im Aufbau zur Seite

Dirigiert wird das Münchener Spiel vom athletischen US-Spielmacher Wade Baldwin, der mit seinen 1,93 Metern und langen Armen (Spannweite von über zwei Metern) perfekt zum Münchener Defensivkonzept passt, in dem auch ein Guard stets bereit sein muss, größere Gegenspieler zu verteidigen. Die größten Akzente setzt der NBA-erfahrene US-Amerikaner aber mit überraschenden Anspielen sowie seinen pfeilschnellen und eleganten Zügen zum Korb und einem im Vergleich zur vorigen Saison (mit Olympiakos Piräus) nicht zuletzt in kritischen Situationen verbesserten Dreipunktwurf als Motor der Münchener Offensive.

Als kleinster Bayern-Spieler agiert der junge Slowene Žan Mark Šiško (1,90 m) in der Rolle des klassischen Aufbauspielers, der zuerst den am besten postierten Mitspieler sucht. Seit dem Ausfall von Nick Weiler-Babb muss auch der zunächst vorrangig als Schütze eingesetzte D.J. Seeley verstärkt Aufgaben im Spielaufbau übernehmen. In den Playoffs steigerte sich der routinierte Shooting Guard auf vier Assists pro Spiel und verbesserte dabei seine Dreierquote von 52 auf 59 Prozent. Überhaupt haben sich die in der Punktrunde mit 36 Prozent von außen noch zurückhaltenden Bayern mit 46 Prozent zum besten Dreierteam der Playoffs gemausert!

Starkes Duo auf dem Flügel: Valdimir Lučić und Paul Zipser

Abgerundet wird der Münchener Backcourt in den Playoffs von zwei Akteuren, die in der Punktrunde verletzungsbedingt kürzer treten mussten, jetzt aber umso entschlossener in die Bresche springen. Robin Amaize überraschte im entscheidenden vierten Halbfinale gegen Ludwigsburg mit 16 Punkten (4/5 Dreier) sogar als Matchwinner und auch Ex-Albatros Nihad Đedović, der in vielen früheren Duellen gegen ALBA mit seiner Defensivstärke und eiskalten Dreiern den Unterschied ausmachte, hat sich nach einer Knieoperation und mehrmonatigen Reha pünktlich für das Finale gegen sein früheres Team wieder gesund gemeldet.

Der Anführer der Bayern-Mannschaft ist in seiner schon fünften Saison an der Isar unbestritten der serbische Nationalspieler Vladimir Lučić, der mehr ist als nur der Münchener Topscorer mit im Schnitt 16 Punkten. Mit seiner mentalen Härte und Nervenstärke imponierte er in vielen EuroLeague-Schlachten als das Rückgrat der Münchener und wurde von Fans und Experten ins All-EuroLeague-First Team gewählt, das alljährlich die fünf besten Spieler der EuroLeague auszeichnet. Zusammen mit dem vier Jahre jüngeren, aber in vielen Spielen schon genauso effektiven deutschen Nationalspieler Paul Zipser, bildet Lučić auf dem Flügel ein bärenstarkes Duo.   

Im Frontcourt ganz unterschiedliche Big Men für alle Fälle

Unter dem Korb ist bei den Bayern in dieser Saison unter Trainer Trinchieri der Center Leon Radošević aufgeblüht, weil er als Big Man auch kleinere Gegenspieler gut verteidigt. Hinter dem Einsatz des Ex-Berliners im Finale steht nach einer im vierten Spiel gegen Ludwigsburg erlittenen Knöchelverletzung allerdings ein Fragezeichen, so dass eventuell mehr Verantwortung auf die drei im Frontcourt mit ganz unterschiedlichen Qualitäten rotierenden US-Center zukommt. Vor allem der erfahrene und kräftige James Gist dürfte dabei mit seiner Defensivstärke auf den Positionen vier und fünf gegen ALBA eine Schlüsselrolle spielen.

In der Offensive ist der bullige Jalen Reynolds im Bayern-Frontcourt die erste Option, weil er mit seiner Physis am Brett kaum zu stoppen ist. Dass er mit einem weichen Handgelenk auch aus der Mitteldistanz hochprozentig trifft, machte ihn zum Topscorer der Bayern in der easyCredit BBL-Punktrunde. Der drahtige JaJuan Johnson, der 2018 mit Darüssafaka als zweitbester Scorer und bester Rebounder der Istanbuler den EuroCup gewann, glänzte bei den Bayern im bisherigen Saisonverlauf vor allem als starker Rebounder, gehörte am Freitag bei acht Rebounds mit zehn Punkten aber auch zu Bayerns Topscorern gegen Ludwigsburg. 

Im Halbfinale 3:1 gegen Punktrunden-Ersten Ludwigsburg

Nach ihrem 3:1 im Viertelfinale gegen Crailsheim mussten die Bayern im Halbfinale gegen Ludwigsburg eine ganz besonders knifflige Aufgabe lösen, denn die Schwaben hatten als Punktrunden-Erster den Heimvorteil und hatten seit über zwei Jahren kein Heimspiel mehr verloren. Tatsächlich konnte in Spiel eins auch eine Galavorstellung von Vladimir Lučić und Paul Zipser (zusammen 42 Punkte mit 8/15 Dreiern) eine 98:101-Niederlage nicht verhindern. In Spiel zwei gelang München mit 22 Punkten (4/5 Dreier) von D.J. Seeley zum 82:72-Sieg aber doch der vorentscheidende Auswärtssieg. Mit zwei Heimsiegen (81:78 und 82:73) machten die Münchener dann im heimischen Audi Dome den Sack zu und zogen mit 3:1 ins Finale ein.

Im Viertel- und Halbfinale spielten die Bayern in folgender Aufstellung (in Klammern gerundete Playoff-Stats/Spiel):
PG: Wade Baldwin (25 min, 11 p, 5 as), Žan Mark Šiško (23 min, 5 p, 4 as)
SG: Robin Amaize (15 min, 4 p), D.J. Seeley (26 min, 15 p, 4 as, 2 st), Nihad Đedović (8 min)
SF: Vladimir Lučić (32 min, 16 p, 4 rb), Paul Zipser (27 min, 15 p, 4 rb, 1 bs)
PF: JaJuan Johnson (17 min, 5 p, 4 rb), James Gist (20 min, 5 p, 4 rb)
C: Leon Radošević (19 min, 6 p, 4 rb), Jalen Reynolds (16 min, 10 p, 5 rb, 1 bs)

Stimmen zur Serie:

Aíto García Reneses (ALBA-Headcoach): "Im Finale treffen die deutschen Teams mit den meisten absolvierten Saisonspielen aufeinander. Beide Mannschaften mussten dazu in ihren Playoffspielen auf verletzte Spieler verzichten. Der Modus der Final Serie ist mit den "Back-To-Back"-Spielen ein außergewöhnlicher und sehr anspruchsvoll für die Spieler, sowohl mental als auch körperlich. Für beide Teams wird es dementsprechend wichtig sein, gesund durch diese Serie zu kommen, um so viel Energie wie möglich auf das Parkett bringen zu können."

Simone Fontecchio (ALBA-Forward): "Wir sind sehr glücklich, im Finale zu stehen. Die Serie gegen Ulm war hart, mental sowie physisch. Wir müssen uns jetzt ausruhen und gut auf diese Herausforderung vorbereiten. Bayern ist ein sehr gutes Team, sehr gut gecoacht. Aber wie immer geben wir alles, dazu haben wir bei den Heimspielen die Unterstützung unserer Fans. Wir wollen den Heimvorteil nutzen und direkt die ersten zwei Spiele erfolgreich bestreiten."

Peyton Siva (ALBA-Guard): "Es wird wichtig sein, dass wir den Heimvorteil nutzen und mit viel Energie in die ersten beiden Heimspiele gehen. Wir freuen uns darauf, erneut vor unseren Fans spielen zu dürfen und werden das genießen. Der Spielplan ist natürlich hart, aber dennoch werden wir alles geben, um eine bestmögliche Serie zu spielen."

Tim Schneider (ALBA-Forward): "Die Spiele gegen Bayern sind immer sehr speziell. Wir als Team freuen uns schon sehr auf unsere Fans und auf den Push, den sie uns geben werden. Sie haben uns bereits im zweiten Halbfinalspiel gegen Ulm getragen. Die Bayern sind ein sehr physisches und schlaues Team. Wir werden uns voll reinhängen müssen, denn die Bayern werden uns nichts schenken."

Maodo Lô (ALBA-Guard): "Das Aufeinandertreffen ist ein Klassiker im deutschen Basketball. Bereits in den letzten Jahren kam diese Serie öfter zustande. Es wird sehr intensiv und physisch. Dementsprechend wird die Energie eine sehr große Rolle spielen."

Gut zu wissen: 

Mit Nihad Đedović (2012/13) und Leon Radošević (2013 – 2015) stehen in dieser Saison zwei Ex-Albatrosse im Münchener Aufgebot. Auf Berliner Seite hat Maodo Lô eine Münchener Vorgeschichte. Der gebürtige Berliner spielte von 2018 bis 2020 für die Bayern. Darüber hinaus gibt es nur wenige andere personelle Querverbindungen: Vladimir Lučić spielte 2015/16 zusammen mit Luke Sikma für Valencia und D.J. Seeley 2017/18 mit Marcus Eriksson für Gran Canaria. Leon Radošević spielte von 2016 bis 2018 mit Maodo Lô für Bamberg, bevor sie zusammen nach München weiterzogen. 

Die Bayern stehen nach 1954 (66:54 in Heidelberg gegen den Berliner SC), 1955 (65:59 in Berlin gegen den Neuköllner SC), 2014 (3:1 gegen ALBA), 2015 (2:3 gegen Bamberg), 2018 (3:2 gegen ALBA) und 2019 (3:0 gegen ALBA) zum siebten Mal im Finale um die Deutsche Meisterschaft. ALBA BERLIN spielt zum 19. Mal um den Titel. Von den bisherigen 18 Finals hat ALBA neun gewonnen (viermal gegen Bonn sowie je einmal gegen den SSV Ulm, Leverkusen, Köln, Bamberg und im Vorjahr gegen Ludwigsburg) und neun verloren (viermal gegen Leverkusen, je einmal gegen Köln und Bamberg sowie zuletzt 2014, 2018 und 2019 gegen die Bayern).

FC Bayern München (Ø Stats easyCredit BBL 2020/21) 

Nr.NamePos.AltercmNat.BBLPktRbAs
1Jason George220198GER1 J.21,30,3
2Wade Baldwin125193USA---12,42,54
3David Krämer224198D/AUT4 J.2,91,40,3
4D. J. Seeley231193USA1 J.1222,8
8Jalen Reynolds528207USA---12,94,51,5
11Vladimir Lučić3/431204SRB4 J.12,141,5
12Diego Flaccadori225193ITA1 J.7,223,8
14Nihad Đedović2/331199BIH/D5 J.5,92,11,4
15Robin Amaize2/327196GER6 J.4,31,81
16Paul Zipser3/427203GER4 J.11,241,5
21James Gist4/534206USA---5,53,41,2
25JaJuan Johnson4/532208USA---104,80,9
31Žan Mark Šiško123190SLO1 J.6,22,24,4
43Leon Radošević531208CRO/D10 J.6,93,10,8
44Sasha Grant319198ITA1 J.2,21,30,3
66Matej Rudan320204CRO---320,3

Head Coach: Andrea Trinchieri (52 Jahre, ITA, fünfte BBL-Saison, die erste mit München)

ALBA-Bilanz gegen Bayern München: 21:1:34
21 Siege – ein Unentschieden - 34 Niederlagen (in Berlin 14:1:12)
BBL: 10:9, Playoffs 6:18, Pokal 4:3, Champions Cup 1:0, EuroCup: 0:1:1, EuroLeague 0:3
Höchster Sieg: 100:62 am 25. April 2021 in München
Höchste Niederlage: 58:97 am 16. Oktober 2016 in München