
Nach den Bundesligasiegen gegen Göttingen und den MBC richten die Albatrosse ihren Fokus wieder auf die Turkish Airlines EuroLeague, wo das Team von Coach Aito aus den letzten vier Spielen drei Siege geholt hat. Mit einem Erfolg in ihrem Heimspiel am Donnerstag (Tipoff 20:30 Uhr) gegen den Zwölften Olympiakos Piräus kann ALBA sich in der Tabelle auf den 14. Platz verbessern. Das Hinspiel gegen die 2019 aus der nationalen Liga verbannten Griechen, die deshalb auch in dieser Saison ausschließlich in der EuroLeague spielen, ging im November in Piräus 71:75 knapp verloren.
Letztes Gastspiel der Spielmacher-Legende Vasilis Spanoulis?
Die Galionsfigur der Griechen ist ihr Spielmacher Vasilis Spanoulis, der schon seine 15. EuroLeague-Saison spielt (die ersten vier noch für Panathinaikos, seit 2010 für Olympiakos) und mit 4.434 Punkten und 1.587 Assists aus bisher 353 Spielen sowohl die ewige Korbjägerliste als auch die Assist-Statistik der europäischen Königsklasse anführt. Dass der nur äußerlich verschlafen wirkendende, aber extrem clevere Point Guard mit seiner sachlichen, aber sehr effektiven Spielweise die Fähigkeit besitzt, in entscheidenden Situationen die richtigen Entscheidungen zu treffen und umzusetzen, brachte ihm in Griechenland den Spitznamen „Kill Bill“ ein.
2012 und 2013 führte Spanoulis Olympiakos zweimal in Folge als Final-Four-MVP zum Gewinn der EuroLeague, 2015 und 2017 ins Finale. Aber der 2013 als EuroLeague-MVP ausgezeichnete Spielmacher wird im Sommer 39 und denkt darüber nach, seine aktive Karriere zu beenden. Bei Olympiakos hat er sich in dieser Saison in die zweite Fünf zurückgezogen und spart sich als Bankspieler seine Energien auf, um dem Team in entscheidenden Situationen zu helfen. Da Olympiakos keine Playoff-Chancen mehr hat, könnte sein Gastspiel in Berlin am dreißigsten Spieltag schon einer seiner letzten Auftritte in der EuroLeague sein.
Rückkehrer Kostas Sloukas ist Olympiakos neuer Anführer
Einen Nachfolger auf der Position eins hat Olympiakos-Trainer Georgios Bartzokas mit dem Nationalspieler Kostas Sloukas schon gefunden. Der bei Olympiakos groß gewordene Point Guard guckte sich als junger Spieler viel bei Spanoulis ab, bevor er 2015 zu Fenerbahce Istanbul wechselte, mit den Türken viermal in Folge das EuroLeague-Final4 erreichte und 2017 den Titel gewann. Seine Rückkehr nach Piräus war im Sommer der Top-Transfer von Olympiakos, wo der im Pick&Roll nahezu perfekte Linkshänder aus diesen Situationen mit großer Sicherheit den eigenen offenen Wurf oder den Pass auf den zum Korb abrollenden Mitspieler findet.
Der ebenfalls im Sommer neu nach Piräus gekommene Combo Guard Charles Jenkins, der am College ein Topscorer war, hat sich auf seinen vielen Stationen in Europa (Mailand, Khimki und immer wieder Roter Stern Belgrad) zum Defensivspezialisten entwickelt. Auch bei Olympiakos nutzt der US-Amerikaner, der bereits in Khimki zwei Jahre für Trainer Bartzokas spielte, seine kräftige Physis vor allem, um im Backcourt die Defensive anzuführen. Auch der vielseitige Nationalspieler Giorgios Larentzakis, der das Spiel des Gegners sehr gut liest und ein guter Fastbreak-Spieler ist, verstärkt mit seiner Athletik die Verteidigung von Olympiakos.
Shaquielle McKissic: Schnelle Beine in Offense und Defense
Als neue offensive Speerspitze holte Olympiakos im Sommer den 1,98 Meter großen US-Amerikaner Aaron Harrison nach Piräus, der in der vergangenen Saison mit einer fast 40-prozentigen Dreierquote im Trikot von Galatasatay Istanbul zu den fünf besten Scorern im EuroCup zählte. Aber der von den Olympiakos-Fans im Sommer als „Mr. Big Shot“ unter großem Jubel begrüßte US-Nationalspieler hadert in dieser Saison bis auf wenige Ausnahme mit seinem Wurf und wurde von Trainer Bartzokas deshalb in die zweite Fünf zurückgestuft. Gleichwohl muss ALBA diesen Shooter, der das Hinspiel im November verletzt verpasste, natürlich im Auge behalten.
Als korbgefährlichster Spieler von Olympiakos – auch im Hinspiel gegen ALBA - präsentiert sich unterdessen US-Forward Shaquielle McKissic, dessen Vertrag die Griechen deshalb kürzlich bereits bis 2023 verlängert haben. Das nur 1,96 Meter große, aber extrem athletische und explosive Kraftpaket stieß im Vorjahr erst im Februar zu Olympiakos, wo „Shaq“ die Fans aber gleich im zweiten Spiel mit 22 Punkten gegen den Erzrivalen Panathinaikos im Sturm eroberte. Seine mit schnellen Beinen in Offense und Defense risikofreudige Spielweise macht den US-Amerikaner zu einem der spektakulärsten Spieler in der EuroLeague.
Sasha Vezenkov tritt in die Fußstapfen von Georgios Printezis
Auf der Position vier neigt sich auch die Karriere von Giorgios Printezis ihrem Ende zu. Der bei Olympiakos groß gewordene Power Forward, der bis auf einen zweijährigen Ausflug in die spanische Liga seinem Jugendclub immer treu geblieben ist und großen Anteil an dessen Erfolgen hatte, kommt in seiner 18. EuroLeague-Saison mit mittlerweile 36 Jahren zumeist auch von der Bank. Seinen Platz in der ersten Fünf füllt mit zunehmendem Erfolg der zehn Jahre jüngere Aleksandar „Sasha“ Vezenkov aus. Der Greko-Bulgare ist mit einer 40-prozentigen Dreierquote und gutem Riecher für die Rebounds ein sehr korbgefährlicher Power Forward.
Unter dem Korb hat eine Knieverletzung von US-Center Hassan Martin Olympiakos im Februar zurückgeworfen, aber die Lücke wurde durch die Nachverpflichtung des 2019 nach zehn NBA-Jahren nach Europa (zunächst zu ZSKA Moskau) zurückgekehrten Nationalcenters Kosta Koufos umgehend gestopft. Neben dem als Wurfblocker und spektakulärer Dunker gefürchteten sprungkräftigen US-Center Octavius Ellis rückte in den letzten Wochen zudem auch oft der mit großer Spannweite gesegnete agile Franzose Livio Jean-Charles von der Vier auf die Fünf, so dass Olympiakos weiterhin im Frontcourt sehr tief und variabel besetzt bleibt.
Nach 22:39-Fehlstart noch 75:61-Sieg gegen St. Petersburg
Obwohl Olympiakos in der EuroLeague keine Playoff-Chance mehr hat, bewies das Team von Trainer Georgios Bartzokas am vergangenen Spieltag eine tolle Moral, als es sich gegen Zenit St. Petersburg aus einem 17-Punkte-Rückstand (22:39) zurückkämpfte und den Playoff-Kandidaten Zenit am Ende noch deutlich 75:61 bezwang. Im Schlussviertel gelangen den konsternierten Russen in Piräus gegen die von Giorgios Larentzakis und Livio Jean-Charles angeführte starke Olympiakos-Defense nur noch fünf Punkte. Unbändigen Siegeswillen offenbarte auch Vasilis Spanoulis, der die Aufholjagd mit 16 Punkten (3/4 Dreier) anführte. Die weiteren Topscorer waren Sasha Vezenkov und Shaquielle McKissic mit je 13 Zählern.
In den letzten Wochen spielte Olympiakos (ohne den verletzten Hassan Martin) in folgender Aufstellung (in Klammern gerundete Saison-Stats/Spiel):
PG: Kostas Sloukas (27 min, 11 p, 6 as), Vasilis Spanoulis (17 min, 7 p, 2 as)
SG: Charles Jenkins (16 min, 3 p), Georgios Larentzakis (11 min, 4 p)
SF: Shaquielle McKissic (24 min, 12 p, 3 rb, 2 as), Aaron Harrison (19 min, 7 p)
PF: Sasha Vezenkov (22 min, 10 p, 5 rb), Georgios Printezis (18 min, 8 p)
C: K. Koufos (10 min, 6 p), L. Jean-Charles (17 min, 6 p, 3 rb), O. Ellis (14 min, 6 p, 4 rb)
Stimmen zum Spiel:
Aito Garcia Reneses (ALBA-Headcoach): „Olympiakos ist eine Mannschaft mit sehr viel Erfahrung. Sie wissen, wie man erfolgreichen Basketball spielt, lassen sich nicht aus der Ruhe bringen und bewahren auch in schwierigen Momenten einen kühlen Kopf. Wir werden auch dieses Spiel nutzen, um zu lernen und uns weiter zu verbessern.“
Jayson Granger (ALBA-Guard): „Olympiakos hat sehr viel Qualität und Erfahrung im Team. Wir müssen wie immer mit viel Intensität über die gesamten 40 Minuten spielen und uns auf ihre phsysische Spielweise einstellen. Dazu wird es wichtig sein, die Details unseres eigenen Spiels umzusetzen. Das haben wir zuletzt gut gemacht und deshalb auch gute Ergebnisse erzielt. Ich fühle mich nach meiner sechswöchigen Verletzungspause ganz gut und arbeite nun daran, so schnell wie möglich richtig in Form zu kommen.“
Gut zu wissen:
Marcus Eriksson spielte von 2015 bis 2017 zwei Saisons zusammen mit Sasha Vezenkov für den FC Barcelona. In der zweiten Saison hörten sie dabei in der katalanischen Metropole auf das Kommando von Trainer Giorgios Bartzokas. 2017 wechselte Eriksson nach Gran Canaria, wo er bis Dezember Shaquielle McKissic als Teamkameraden hatte. Georgios Printezis spielte von 2009 bis 2011 unter Coach Aito für Unicaja Malaga.
Olympiakos stellte mit Vasilis Spanoulis und Georgios Printezis zwei Spieler im „2010-20-All Decade Team“ der EuroLeague. In einer großen Umfrage wählten Fans, Journalisten, Coaches und Teamkapitäne vor einem Jahr neben den beiden Olympiakos-Legenden noch Kyle Hines, Juan Carlos Navarro, Luka Doncic, Milos Teodosic, Nando De Colo, Dimitris Diamantidis, Sergio Llull und Bogdan Bogdanovic zu den zehn besten EuroLeague-Spielern der vergangenen Dekade.
Olympiakos Piräus (Stats Turkish Airlines Euroleague 2020/21)
Nr. | Name | Pos. | Alter | cm | Nat. | EL | Ø Pkt | Ø Rb | Ø As |
1 | Alexandros Nikolaidis | 1 | 18 | 190 | GRE | 1 J. | 0,0 | 1,0 | 0,0 |
2 | Aaron Harrison | 2/3 | 26 | 198 | USA | --- | 7,3 | 1,9 | 1,2 |
4 | Vasilis Charalampopoulos | 3 | 23 | 202 | GRE | 5 J. | 2,0 | 0,8 | 0,3 |
5 | Giannoulis Larentzakis | 2 | 27 | 196 | GRE | --- | 3,9 | 1,5 | 1,1 |
7 | Vassilis Spanoulis | 1/2 | 38 | 193 | GRE | 14 J. | 6,7 | 1,6 | 2,4 |
11 | Kostas Sloukas | 1 | 31 | 190 | GRE | 10 J. | 11,4 | 2,3 | 6,0 |
12 | Hassan Martin (verl.) | 5 | 25 | 201 | USA | --- | 9,0 | 4,6 | 0,4 |
14 | Sasha Vezenkov | 4 | 25 | 206 | GR/BG | 5 J. | 9,6 | 5,1 | 1,1 |
15 | Georgios Printezis | 4 | 36 | 205 | GRE | 17 J. | 8,2 | 2,4 | 1,0 |
16 | Kostas Papanikolaou (verl.) | 3 | 30 | 204 | GRE | 10 J. | 5,7 | 2,2 | 1,9 |
17 | Livio Jean-Charles | 4/5 | 27 | 205 | FRA | 1 J. | 6,2 | 2,8 | 0,6 |
22 | Charles Jenkins | 2 | 32 | 191 | USA | 7 J. | 3,2 | 1,3 | 0,9 |
31 | Kosta Koufos | 5 | 32 | 213 | GRE | 1 J. | 5,7 | 1,3 | 0,3 |
32 | Octavius Ellis | 5 | 28 | 208 | USA | 1 J. | 5,6 | 4,0 | 0,3 |
41 | Vasileios Christidis | 5 | 22 | 208 | GRE | --- |
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77 | Shaquielle McKissic | 2/3 | 30 | 196 | USA | 1 J. | 11,6 | 2,5 | 2,2 |
Head Coach: Georgios Bartzokas (55, GRE, neunte EuroLeague-Saison, die vierte mit Olympiakos)
Olympiakos Piräus: Resultate der letzten drei Wochen:
25.2. Olympiakos Piräus – ZSKA Moskau (EuroLeague) 74:75 (N) McKissic 24
03.3. Baskonia Vitoria – Olympiakos Piräus (Euroleague) 91:66 (N) Jean-Charles 15
05.3. Olympiakos Piräus – Roter Stern Belgrad (EuroLeague) 94:79 (S) McKissic 20
12.3. Olympiakos Piräus – Zenit St. Petersburg (EuroLeague) 75:61 (S) Spanoulis 17
ALBA BERLIN: Resultate der letzten drei Wochen:
26.2. ALBA – Panathinaikos Athen (EuroLeague) 74:65 (S) Thiemann 16
28.2. ALBA – Crailsheim (easyCredit BBL) 100:62 (S) Siva 15
02.3. Zenit St. Petersburg – ALBA (EuroLeague) 87:71 (N) Sikma 18
05.3. Khimki Moskau – ALBA (EuroLeague) 81:100 (S) Eriksson 36
07.3. Ulm – ALBA (easyCredit BBL) 76:84 (S) Lo 19
09.3. ALBA – Oldenburg (easyCredit BBL) 81:89 (N) Siva 15
11.3. ASVEL Villeurbanne – ALBA (EuroLeague) 89:95 (S) Siva 21
14.3. ALBA – BG Göttingen (easyCredit BBL) 89:58 (S) Fontecchio 14
16.3. Mitteldeutscher BC – ALBA (easyCredit BBL) 82:96
ALBA-Bilanz gegen Olympiakos: 3:8
3 Siege – 8 Niederlagen (in Berlin 1-4)
(FIBA-Europaliga 2:2 / EuroLeague 1:6)
Höchster Sieg: 93:86 am 14. Januar 2020 in Piräus (EuroLeague)
Höchste Niederlage: 65:94 am 12. November 1998 in Piräus (Europaliga)