Nach Stationen bei Duke, Creighton, in der NBA G League und in Italien trägt Alex O’Connell seit Kurzem das ALBA-Trikot. Im Interview spricht der 26-jährige Shooting Guard über seinen Weg von Duke bis Berlin, den Rat von Coach K und seine Liebe zu Pokémon-Karten.

Alex, wie hast du deine Liebe zum Basketball entdeckt?

Ich komme aus einer richtigen Basketballfamilie. Mein Vater hat am College gespielt, meine beiden Brüder ebenfalls. Bei uns bestand das ganze Leben irgendwie aus Basketball – in der Garage, im Garten, überall wurde gezockt. Schon als Kind wollte ich immer mithalten und habe angefangen zu spielen, sobald ich alt genug war, um den Ball zu dribbeln. Diese Konkurrenz im eigenen Haus hat mich geprägt. Für mich gab es ehrlich gesagt nie eine andere Option – Basketball war einfach das Ding.

Kannst du uns kurz durch deine bisherige Karriere führen?

Klar! Ich habe nach der Highschool drei Jahre an der Duke University gespielt und bin danach nach Creighton gewechselt, wo ich zwei weitere Jahre war – also insgesamt fünf College-Saisons. Danach bin ich in die G League gegangen, zu den Stockton Kings, dem Farmteam der Sacramento Kings. Dann kam mein erstes Auslandskapitel in Italien bei Reyer Venezia. Letztes Jahr war ich zurück in der G League bei den Westchester Knicks. Und jetzt bin ich hier – bei ALBA BERLIN. Und ganz ehrlich gesagt: Berlin ist jetzt schon meine liebste Profistation.

Wie hast du deine Zeit an der Duke University erlebt?

Ich bin als riesiger Duke-Fan aufgewachsen, weil mein Vater dort gespielt hat. Als sich dann für mich selbst die Chance ergeben hat, für die Blue Devils aufzulaufen, war das wie ein Traum. Duke ist einfach eine Institution – die Tradition, die Atmosphäre im Cameron Indoor Stadium, die Fans. Das ist College-Basketball pur.

Du hast dort unter dem legendären Headcoach Mike Krzyzewski gespielt. Was hast du von ihm lernen können?

Coach K ist eine absolute Legende! Seine Erfahrung, seine Ansprache, seine Haltung zum Spiel sind einzigartig. Er schöpft aus einem riesigen Erfahrungsschatz und hat unzählige spätere Profis trainiert. Die wichtigste Lektion, die ich von ihm gelernt habe, war: Jeder Spieler geht seinen eigenen Weg. Du darfst dich nicht mit anderen vergleichen oder denken, du müsstest denselben Karriereweg gehen. Jeder hat seine eigene Geschichte. Du musst dein Ding machen – und diesen Prozess genießen.
 

Warum hast du dich dennoch dazu entschieden, später an die Creighton University zu wechseln?

In erster Linie wegen der Spielzeit. Nach einem schwierigen Jahr bei Duke wollte ich eine größere Rolle übernehmen. Das Problem: Mein Wechsel war mitten in der Corona-Zeit – ich konnte keine Campusbesuche machen, alles lief über Zoom. Am Ende war Creighton trotzdem die perfekte Entscheidung. Die Coaches, das Team, die Kultur – es war wie eine große Familie und ich habe mich dort sehr wohlgefühlt. Die Zeit bei Duke war toll, aber wenn ich noch mal von vorne anfangen könnte, würde ich gleich nach Creighton gehen. Diese zwei Jahre dort haben mich als Spieler und Mensch extrem weitergebracht. Vielleicht kann ich dort ja später als Coach arbeiten, wenn meine aktive Karriere vorbei ist.

Wie hast du den Übergang ins Profigeschäft in der G League erlebt?

Das war eine große Umstellung. Im College wird sich um alles gekümmert – als Profi bist du plötzlich auf dich allein gestellt. In der G League musst du dich selbst managen. Vom Basketball her war der Unterschied gar nicht so groß – es war vor allem eine mentale Herausforderung. Am College war das Training sogar intensiver. In der G League ist die Saison aber länger und man muss lernen, selbstständiger zu werden und mit Auf und Abs umzugehen. Aber ich hatte tolle Mitspieler, von denen ich viel lernen konnte.

Ist es schwierig, in der G League Teamchemie zu entwickeln, wenn jeder für seinen eigenen Traum von der NBA kämpft?

Ja, manchmal schon. Jeder will in die NBA, gleichzeitig kommen aber auch immer wieder Spieler von oben runter in die G League. Diese Jungs haben dann automatisch Vorrang. Wenn sich deine Rolle im Team plötzlich ändert, darfst du dich in dieser Liga nicht verrückt machen, denn es gibt immer unvorhersehbare Wendungen.

Wie blickst du auf dein erstes Jahr in Europa bei Reyer Venezia zurück?

Es war eine sehr intensive Zeit. Die Saison war noch einmal länger als in der G League – Training sechs Tage die Woche, hohe körperliche Belastung. Das war neu für mich. Ich hatte eine gute Vorbereitung, aber dann bekam ich weniger Spielzeit und obendrein wurden weitere Spieler während der laufenden Saison verpflichtet. Das war echt frustrierend. Trotzdem verbuche ich meine Zeit in Italien rückblickend als wichtige Erfahrung.
 

Jetzt bist du in Berlin. Wie groß ist die Vorfreude auf die neue Herausforderung?

Sehr groß! Ich glaube, mein Spielstil passt gut zu ALBA. Das Team spielt schnell, teilt den Ball, pusht sich gegenseitig – das ist nicht selbstverständlich. Du merkst sofort, dass alle füreinander spielen. Kurzfristig will ich zurück in meinen Spielrhythmus finden und den Jungs dabei helfen, die Siegesserie weiter auszubauen. Aber ich will natürlich auch langfristig erfolgreich mit dem Team sein.

Wie hast du dein erstes Spiel in der Uber Arena erlebt?

Es war unglaublich! Die Halle ist großartig, die Fans waren super laut und alle haben mich total herzlich empfangen – auch wenn ich direkt bei meinem ersten Drive geblockt wurde (lacht). Es war einfach ein tolles Gefühl, in so einer Atmosphäre aufzulaufen und ich freue mich jetzt schon auf die nächsten Spiele in der Uber Arena.

Unter dem Announcement-Post hat sogar Rapper Russ kommentiert. Woher kennt ihr euch?

Russ kommt aus meiner Gegend in Georgia und war auf derselben Highschool wie mein älterer Bruder. Letzten Sommer haben wir zusammen trainiert, denn er ist auch ein richtig guter Basketballspieler. Wir haben viel über Basketball geredet, aber auch über Musik, über Mentalität. Ich bin seit Jahren Fan von ihm – also war das ziemlich cool. Wir haben mittlerweile echt eine gute Connection aufgebaut.

Welcher Song bringt dich vor einem Spiel in Stimmung?

„Shot Callin“ von NBA YoungBoy – der Typ ist crazy, aber seine Musik pusht mich total.

Was machst du gern abseits des Courts?

Ich zocke gern, schaue Serien – und sammle Pokémon-Karten. Ich habe schon als Kind die alten Spiele auf dem Game Boy gespielt, jetzt ist die Leidenschaft seit einiger Zeit wieder so richtig aufgeflammt. Ich kaufe Booster-Packs, lasse aber auch einige ungeöffnet und hoffe, dass sie irgendwann im Wert steigen (lacht). Mein Bruder und ich haben das zusammen angefangen, das hat uns diesen Sommer echt nochmal mehr zusammengeschweißt. Ich war auch schon in Berlin in einem Sammelkartenladen.

Und Fashion? Auf deiner Instagram-Seite habe ich gesehen, dass du dich für Sneaker interessierst.

Ja, früher war ich total drin – Sneaker, Designermode, das volle Programm. Heute bin ich entspannter. Ich trage, was bequem ist. Ich habe noch ein paar schicke Sachen, aber mein Geld fließt jetzt eher in Pokémonkarten (lacht). Früher war ich „Fashion Guy“, jetzt bin ich mehr „Comfort Guy“ – und ab sofort eh viel in ALBA-Gear unterwegs (lacht).

Und abschließend: Wenn du am Ende der Saison zurückblickst – was möchtest du über diese Spielzeit mit ALBA sagen können?

Ich will mich an die kleinen Momente erinnern: an die gemeinsame Freude nach einem Sieg, den Zusammenhalt im Team, das Lachen in der Kabine. Es ist leicht, sich in Druck und Erwartungen zu verlieren. Ich will einfach das Spiel genießen, im Moment leben und Spaß haben. Wenn wir das schaffen und füreinander spielen, kommen die Erfolge von ganz allein.