Nachdem die Basketballer von ALBA BERLIN am Sonntag den letzten regulären BBL-Spieltag mit dem bisher höchsten Saisonsieg (110:70 gegen den Aufsteiger Heidelberg) souverän absolviert haben, bleiben noch drei Nachholspiele bis zu den am 13. Mai startenden Playoffs. Schon am Mittwoch (4. Mai, 19 Uhr, live auf MagentaSport) können die Albatrosse mit einem Sieg über die JobStairs Gießen 46ers die Telekom Baskets Bonn vom ersten Tabellenplatz verdrängen. (Foto: Michael Schepp)

Israel González (ALBA-Cheftrainer): „Gießen kann gegen uns ohne Druck aufspielen, denn sie haben keine Chance mehr, die Liga zu halten. Das macht sie für uns zu einem gefährlichen Gegner. Trotz des bereits feststehenden Abstiegs haben die 46ers ihr letztes Spiel gewonnen. Ohne den Druck wachsen Teams wie Gießen oder auch Frankfurt über sich hinaus und zeigen ihre wahre Stärke.“

Louis Olinde (ALBA-Forward): „Für uns ist das Spiel gegen Gießen sehr wichtig, da wir um den ersten Tabellenplatz kämpfen. Der Abstieg der 46ers steht bereits fest, aber wir rechnen trotzdem mit einem Gegner, der für einen Überraschungssieg kämpft. Wir müssen konzentriert in die Partie gehen, um am Mittwoch zu gewinnen.“

Der Traditionsclub aus der hessischen Basketballhochburg, der zu den Gründungsmitgliedern der Basketballbundesliga zählte und 1967 und 1968 die ersten Titel in der neuen Liga gewann, durchlebt aktuell schwere Zeiten. Seit einer Niederlage gegen Chemnitz am vergangenen Freitag steht nämlich fest, dass die Gießen 46ers in die ProA absteigen. Auch Siege in den verbleibenden zwei Nachholspielen gegen Berlin und Ulm könnten daran nichts mehr ändern.

US-Spielmacher Kendale McCullum ist Gießens „Floor General“

Zwar erwiesen sich die 46ers in dieser Saison oft als ein unbequemer Gegner, der zum Beispiel die Hamburg Towers mit 100:73 aus seiner Sporthalle Ost fegte und sich in München erst nach Verlängerung geschlagen gab. Aber Verletzungspech und Schicksalsschläge (US-Guard Brayon Blake kehrte in seine Heimat zurück, nachdem dort sein Bruder erschossen worden war) brachten immer wieder Unruhe ins Team von Trainer Pete Strobl und verhinderten einen konstanten Saisonverlauf.

Seit US-Guard T.J. Williams sich Mitte März verletzt hat, muss Kendale McCullum das Spiel als „Floor General“ fast im Alleingang dirigieren. Der 25-jährige US-Amerikaner lenkt das Spiel der Gießener souverän und ist auch selbst korbgefährlich, sodass man ihn in der kommenden Saison sicher bei einem anderen Erstligisten wiedersehen wird.

Nuni Omot läuft an der Dreierlinie heiß

Durch den Ausfall von Williams ist Bjarne Kraushaar aus dem Gießener Programm als zweiter Spielmacher stärker ins Rampenlicht gerückt und steigerte sich in den letzten vier Spielen auf im Schnitt sieben Punkte und vier Assists. Auch der junge Kilian Binapfl, der 2019 zusammen mit Kraushaar und Jonas Mattisseck mit der deutschen Auswahl Bronze bei der U18-Europameisterschaft gewann, setzte im Gießener Backcourt zuletzt immer stärkere Akzente.

Mit dem Ex-Braunschweiger Dennis Nawrocki, dem erfahrenen Florian Koch, dem lettischen Nationalspieler Mārtinš Laksa und dem Südsudanesen Nuni Omot präsentieren die 46ers auf dem Flügel gefährliche Dreierschützen. Vor allem Omot, der als größter Gießener mit im Schnitt fünf Rebounds auch der beste Rebounder im Team ist, läuft immer wieder an der Dreierlinie heiß. Mit 15 Zählern im Schnitt ist er dadurch hinter McCullum der zweitbeste Scorer der 46ers.

J.D. Miller hat sich zum effektivsten Spieler gemausert

Im Frontcourt sind die 46ers mit drei nur 2,03 Metern großen Big Men klein, aber sehr beweglich aufgestellt. Auch den in Gießen groß gewordenen Tim Uhlemann zeichnet dabei ein sehr guter Distanzwurf aus, während die US-Amerikaner J.D. Miller und Phillip Fayne ihre Athletik bevorzugt in der Zone zur Geltung bringen. Zusammen mit dem im Eins-gegen-Eins starken Omot bildet das Gießener Trio einen sehr mobilen und athletischen Frontcourt aus vier beliebig kombinierbaren Big Men.

So können der defensivstarke Phil Fayne und der im Dezember nachverpflichtete J.D. Miller sich auf der Position fünf abwechseln, harmonieren aber auch sehr gut als Duo, wenn sie gemeinsam auf den Positionen vier und fünf spielen. Miller hat sich in den letzten fünf Spielen mit seiner Vielseitigkeit und 12,6 Punkten sowie 7,6 Rebounds sogar zum effektivsten Spieler im Team gemausert.
 
Gießen zerstört Göttinger Playoff-Träume

Obwohl die Gießener erst am Freitag mit einer Heimniederlage gegen Chemnitz ihre letzte Chance auf den Klassenerhalt verspielt hatten, bewiesen sie 48 Stunden später am 1. Mai in Göttingen eine tolle Moral. Mit einem 90:87-Sieg zerstörten die 46ers die letzten Göttinger Hoffnungen auf eine Playoff-Teilnahme. J.D. Miller war mit seiner Saisonbestleistung von 19 Punkten (7/10 Würfe aus dem Feld) und starken Nerven bei den entscheidenden Freiwürfen der Matchwinner.

Ohne den verletzten T.J. Williams spielte Gießen in den letzten Wochen in folgender Aufstellung (in Klammern gerundete BBL-Stats):
PG: Kendale McCullum (31min, 16pt, 4rb, 7as), Bjarne Kraushaar (12min, 3pt)
SG: Dennis Nawrocki (10min, 3pt), Maximilian Begue (10min), Kilian Binapfl (9min)
SF: Martins Laksa (27min, 7pt), Florian Koch (20min, 9pt),
PF: Nuni Omot (26min, 15pt, 5rb), Tim Uhlemann (11min, 4pt)
C: J.D. Miller (21min, 8pt 4rb), Phillip Fayne (22min, 9pt, 5rb)

Gut zu wissen:
Florian Koch spielte in der Saison 2017/18 zusammen mit Johannes Thieman für Ludwigsburg.

JobStairs Gießen 46ers (Stats easyCredit BBL 2021/22)

Nr.

Name

Pos.

Alter

cm

Nat.

BBL

Ø  Pkt

Ø  Rb

Ø  As

0

Kendale McCullum

1/2

25

184

USA

---

15,6

3,9

7,4

1

Anunwa „Nuni“ Omot

3/4

27

206

USA

---

14,9

5,1

1,2

2

Dennis Nawrocki

2/3

29

193

GER

2 J.

3,0

1,1

0,1

4

Bjarne Kraushaar

1

22

190

GER

4 J.

2,9

1,4

2,2

7

Mārtinš Laksa

3

31

200

LAT

---

7,2

2,5

0,4

9

Maximilian Begue

2

21

192

GER

2 J.

1,3

1,7

0,6

10

Tim Uhlemann

4

23

203

GER

3 J.

3,9

1,9

0,2

12

Kilian Binapfl

2/3

22

198

GER

3 J.

2,2

2,0

0,1

15

Jalon Demarco „J. D.“ Miller

4/5

25

203

USA

---

7,6

4,4

1,4

21

Florian Koch

3

29

197

GER

11 J.

9,2

3,2

0,6

25

Phillip Fayne III

4/5

24

203

USA

---

8,5

4,8

0,6

30

T. J. Williams (verletzt)

1/2

27

191

USA

---

10,8

2,7

2,8

Headcoach: Pete Strobl (44, US/AUT, dritte BBL-Saison als Headcoach, die erste mit Gießen)

Gießen 46ers: Resultate der letzten drei Wochen
13.4. T.Baskets Bonn – Gießen (easyCredit BBL) 78:72 (N) McCullum 23
16.4. Gießen – s.Oliver Würzburg (easyCredit BL) 97:110 (N) McCullum 21
20.4. Gießen – Löwen Braunschweig (easyCredit BBL) 66:82 (N) McCullum 19
24.4. Skyliners Frankfurt – Gießen (easyCredit BBL) 75:76 (S) Omot 25
29.4. Gießen – Niners Chemnitz (easyCredit BBL) 70:91 (N) Omot 17
01.5. BG Göttingen – Gießen (easyCredit BBL) 87:90 (S) Miller 19

ALBA BERLIN: Resultate der letzten drei Wochen
12.4. ALBA – EWE Baskets Oldenburg (easyCredit BBL) 92:86 (S) Smith 19
15.4. ALBA – ratiopharm Ulm (easyCredit BBL) 78:73 (S) Lô 15
17.4. BG Göttingen – ALBA (easyCredit BBL) 86:92 (S) Lô 20
20.4. Merlins Crailsheim – ALBA (easyCredit BBL) 70:78 (S) Koumadje 20
22.4. ALBA – Brose Bamberg (easyCredit BBL) 89:57 (S) Koumadje 14
27.4. ALBA – Hamburg Towers (easyCredit BBL) 96:81 (S) Lô 17
01.5. ALBA – Academics Heidelberg (easyCredit BBL) 110:70 (S) Olinde 17

ALBA-Bilanz gegen Gießen: 67:9 Siege
68 Siege – 9 Niederlagen (in Berlin 37:1)
BBL: 54-5 / Playoff: 9-4 / Pokal 5-0
Höchster Sieg: 92:54 am 10.Oktober 2007 in Berlin (Bundesliga)
Höchste Niederlage: 87:102 am 29. April 2018 in Gießen (Bundesliga)