
Um 15 Uhr ist der in den vergangenen 20 Jahren mehrmals ab- und wieder aufgestiegene MBC in der Mercedes-Benz Arena zu Gast. Im „Ost-Derby“ an der Spree war das Team aus Weißenfels bislang stets sieglos, macht aber in dieser Saison einen deutlich stärkeren Eindruck. Nach den ersten sechs Spieltagen rangiert der MBC mit 3:3 Siegen auf dem achten Tabellenplatz.
Sebastian Trzcionka (ALBA-Assistenztrainer): „Mit dem MBC erwartet uns nach nicht einmal 48 Stunden Erholung ein sehr guter Gegner. Weißenfels gehört zu den besten Offensivteams der Liga. Sie spielen mit einer kleinen Rotation, die aber exzellent harmoniert. Dabei bewegen sie sowohl sich als auch den Ball sehr gut und haben eine gute Balance zwischen Inside- und Outside-Scoring. Wir müssen mental und physisch bereit für diesen Gegner sein.“
Ben Lammers (ALBA-Center): „Nach einem tollen Auswärtssieg wird es nun umso wichtiger, dass wir unsere Konzentration beibehalten, wenn wir zurück nach Berlin kommen. Denn eins ist klar: Gegen den MBC müssen wir hart spielen.“
Das langjährige „Fahrstuhlteam“ richtet den Blick nach oben
Der 1999 als erster Club aus den ostdeutschen Bundesländern aufgestiegene MBC stieg in den folgenden Jahren dreimal ab und wieder auf und verdiente sich damit das Prädikat „Fahrstuhlteam“. Schon vor der aktuellen Saison wurden in Weißenfels aber frechere Ziele als der erneute Klassenerhalt ausgerufen, nachdem es dem zurückgekehrten montenegrinischen Trainer Igor Jovović gelungen war, namhafte Spieler wie den serbischen Center Goran Huskić (spielte zuletzt acht Jahre in Spanien) nach Weißenfels zu holen.
Auch Verpflichtungen wie Jakub Garbacz (in der letzten Saison Final-MVP in Polen) oder Behnam Yakhchali (spielte bei Olympia in Tokio für den Iran) ließen aufhorchen. Achtungserfolge in der Preseason bestärkten den Eindruck, dass das neu zusammengestellte Team auch auf dem Parkett gut harmonierte. In den ersten Punktspielen entwickelte sich der MBC mit im Schnitt 92 Punkten sogar zum korbgefährlichsten Team in der easyCredit BBL. Auch die Wurfquote von 51,6 Prozent ist nach sechs Spieltagen die beste in der Liga.
In Bamberg durchgereicht, beim MBC Topscorer: Jamel Morris
Dirigiert wird das wurfstarke MBC-Ensemble vom serbischen Nationalspieler Nikola Rebić, der vom neuen serbischen Nationaltrainer Svetislav Pesić auch zu den Ende November anstehenden WM-Qualifikationsspielen gegen Belgien und Lettland eingeladen wurde. Den defensivstarken Spielmacher, der zuletzt in Russland und Frankreich spielte, zeichnet eine große Spielübersicht aus, die ihm hilft, seine Mitspieler in Szene zu setzen. Im Schnitt 13 Punkte belegen aber, dass er auch selbst korbgefährlich ist.
Der US-amerikanische Combo Guard Jamel Morris begann die Saisonvorbereitung in Bamberg, wo er jedoch nach drei Wochen entlassen wurde, weil die Oberfranken lieber einen reinen Spielmacher verpflichten wollten. Dass der MBC nach seiner vorzeitigen Trennung von Reginald Johnson nahezu zeitgleich nach einem US-Guard Ausschau hielt, passte perfekt, und der Wechsel zum MBC sich für beide Seiten als großer Glücksgriff. Der aus allen Lagen korbgefährliche Morris ist nämlich mit im Schnitt 17,5 Punkten mittlerweile Topscorer des MBC und siebtbester Scorer in der easyCredit BBL.
Auf dem Flügel Nationalspieler aus Polen und dem Iran
Zwei Nationalspieler aus Polen und dem Iran runden den MBC-Backcourt ab und sorgen mit ihrer Korbgefährlichkeit dafür, dass die Weißenfelser Offensive den Gegner 40 Minuten lang unter Druck setzen kann. Yakhchali, der im Sommer mit im Schnitt 13 Punkten der zweitbeste Scorer des Iran bei den Olympischen Spielen in Tokio war, wurde im Vorjahr von Dirk Bauermann (war bis 2016 Nationaltrainer des Iran) nach Rostock geholt und zählte zu den Topscorern der ProA. Im MBC-Trikot will der 25-Jährige nun auch in der ersten Liga glänzen.
Der polnische Nationalspieler Jakub Garbacz, der zum ersten Mal außerhalb seiner Heimat spielt, führte in der vergangenen Saison Stal Ostrow mit im Schnitt 17 Punkten zum Gewinn der polnischen Meisterschaft und empfahl sich damit als Nachfolger für den nach Oldenburg abgewanderten letztjährigen BBL-Topscorer Michał Michalak. Am vergangenen Wochenende verpasste „Kuba“ wegen einer Krankheit das Spiel gegen Ludwigsburg, wurde aber vom jungen Radii Caisin sehr gut vertreten. In Berlin will der Pole verständlicherweise unbedingt wieder dabei sein.
Goran Huskić ist unter den BBL-Centern der beste Passgeber
Die Seele der Mannschaft bleibt auch in dieser Saison der Deutsch-Amerikaner Sergio Kerusch, der als Kapitän nicht nur für gute Stimmung im Team sorgt, sondern mit seiner Vielseitigkeit alle eventuellen Lücken stopft. Auf der Position vier gibt es diesbezüglich in dieser Saison aber wenig zu tun, denn – der ebenfalls stets gut gelaunte – US-Forward Chris Coffey hat hier mit spektakulärer Athletik und starker Physis alles im Griff und ist nach den ersten sechs Spieltagen mit im Schnitt 15 Punkten und neun Rebounds der zweiteffektivste Spieler in der easyCredit BBL.
Unter dem Korb hält die Star-Verpflichtung Goran Huskić alles, was man sich in Weißenfels von einem so erfahrenen Spieler erhofft hat. Der 2020 von einer schweren Verletzung aus der Bahn geworfene serbische Center blüht im MBC-Jersey zu alter Stärke auf und dominiert dabei in der Zone nicht nur mit Größe und Kraft, sondern auch mit seinem Spielwitz. Mit im Schnitt 5,5 Assists ist Huskić der beste Passgeber unter den BBL-Centern. Die nötigen Ruhepausen verschafft dem Serben der für seine elfte BBL-Saison aus Hamburg zum MBC gekommene Johannes Richter.
20 Ballverluste führen zu 80:88-Niederlage gegen Ludwigsburg
Nach Heimsiegen über Crailsheim und Würzburg fühlte sich der MBC am vergangenen Wochenende stark genug, um in Weißenfels auch Ludwigsburg herauszufordern. Bis ins dritte Viertel hinein schien mit einem starken Jamel Morris (33 Punkte mit 7/7 Dreiern!) auch tatsächlich der dritte Heimsieg in Folge möglich. Aber auf der Zielgeraden setzte sich Ludwigsburg dann doch mit seiner starken Verteidigung durch, forcierte beim MBC 20 Ballverluste und nutzte die Gegenstöße zum 88:80-Sieg. Neben Morris punktete für den MBC, der den erkrankten Jakub Garbacz schmerzlich vermisste, nur noch Center Goran Huskić (15) zweistellig.
Im bisherigen Saisonverlauf spielte der MBC in folgender Aufstellung (in Klammern gerundete Stats):
PG: Nikola Rebić (30 min, 13 pt, 4 as), Leon Friederici (6 min)
SG: Jamel Morris (27 min, 18 pt, 4 rb), Bekhnam Yakhchali (29 min, 13 pt)
SF: Jakub Garbacz (29 min, 13 pt), Radii Caisin (12 min, 4 pt)
PF: Chris Coffey (31 min, 15 pt, 9 rb), Sergio Kerusch (15 min, 3 pt, 4 rb)
C: Goran Huskić (28 min, 13 pt, 7 rb, 6 as), Johannes Richter (13 min, 3 pt)
Gut zu wissen:
Die beiden U20-Nationalspieler Evans Rapieque und Hendrik Warner wechselten im vergangenen Sommer aus der ALBA-Jugend zum MBC, wo sie zum erweiterten BBL-Kader zählen und parallel für den Kooperationspartner Sandersdorf in der ProB spielen. Die beiden gebürtigen Berliner gewannen 2017 und 2018 mit ALBAs U16 die NBBL (2017 noch zusammen mit Malte Delow und Franz Wagner) und spielten in den Folgejahren auch für LOK BERNAU.
Auch Vincent Friederici und sein Bruder Leon sind gebürtige Berliner. Der 26-jährige Leon, der seine ersten Dribblings für den DBV und Berlin Süd in der NBBL machte, wechselte schon vor acht Jahren erstmals zum MBC, wohin er jetzt nach Stationen bei diversen Zweitligisten zurückgekehrt ist. Der sechs Jahre jüngere Vincent wuchs zusammen mit seinem Zwillingsbruder Marc (spielt aktuell für LOK BERNAU) beim Berliner SC und beim DBV auf und spielte in der NBBL für Ludwigsburg, die AB Baskets und Bremerhaven, bevor er sich 2020 dem MBC anschloss.
Syntainics MBC Weißenfels (Stats easyCredit BBL 2021/22)
Nr. | Name | Pos. | Alter | cm | Nat. | BBL | Pkt/Sp | Rb/Sp | As/Sp |
2 | Leon Friederici | 2 | 26 | 190 | GER | 2 J. | 1,8 | 0,6 | 0,2 |
7 | Sergio Kerusch | 3/4 | 32 | 195 | D/US | 7 J. | 3,2 | 4,4 | 0,2 |
8 | Johannes Richter | 4/5 | 27 | 205 | GER | 10 J. | 2,8 | 2,3 | 0,8 |
10 | Sandro Antunović | 5 | 23 | 208 | HR/BiH | 1 J. |
|
|
|
13 | Radii Caisin | 2/3 | 20 | 198 | GER | 3 J. | 3.8 | 2,0 | 0,4 |
18 | Robin Danes | 2 | 20 | 197 | GER | 1 J. |
|
|
|
20 | Jamel Morris | 1/2 | 28 | 193 | USA | --- | 17,5 | 1,3 | 1,8 |
22 | Chris Coffey | 4 | 24 | 201 | USA | --- | 14,8 | 8,8 | 1,2 |
23 | Goran Huskić | 5 | 29 | 210 | SRB | --- | 13,2 | 6,8 | 5,5 |
24 | Vincent Friederici | 1 | 20 | 190 | GER | 1 J. | 0,0 | 0,0 | 1,0 |
25 | Evans Rapieque | 1 | 19 | 193 | GER | --- | 0,5 | 0,0 | 0,0 |
30 | Jakub Garbacz | 2/3 | 27 | 197 | POL | --- | 13,2 | 2,2 | 0,6 |
31 | Hendrik Warner | 5 | 19 | 208 | GER | --- |
|
|
|
44 | Nikola Rebić | 1 | 26 | 187 | SRB | --- | 12,7 | 2,0 | 4,2 |
88 | Behnam Yakhchali | 2 | 25 | 194 | IRN | --- | 12,5 | 4,0 | 1,0 |
Headcoach: Igor Jovović (39, MNE, dritte Saison als Headcoach in der BBL, die zweite mit dem MBC)
MBC: Resultate der letzten drei Wochen:
16.10. MBC – Würzburg (easyCredit BBL) 95:73 (S) Rebić 19
23.10. Gießen – MBC (easyCredit BBL) 100:81 (N) Morris 20
30.10. MBC – Ludwigsburg (easyCredit BBL) 80:88 (N) Morris 33
ALBA BERLIN: Resultate der letzten drei Wochen:
14.10. ALBA – Baskonia (EuroLeague) 76:80 (N) Sikma 19
17.10. Oldenburg – ALBA (easyCredit BBL) 74:92 (S) da Silva 21
22.10. Roter Stern – ALBA (EuroLeague) 63:78 (S) Lô 17
24.10. ALBA – Göttingen (easyCredit BBL) 59:65 (N) da Silva 17
26.10. Olympiakos Piräus – ALBA (EuroLeague) 87:83 (N) da Silva 17
28.10. ALBA – Bayern München (EuroLeague) 69:82 (N) Lô 23
31.10. Bamberg – ALBA (easyCredit BBL) 89:101 (S) Sikma 14
05.11. Žalgiris Kaunas – ALBA (EuroLeague) 71:79 (S) Eriksson 16 / da Silva 16
ALBA-Bilanz gegen den MBC: 28:2
28 Siege – 2 Niederlagen (in Berlin 16:0)
BBL 27:2 / Pokal 1:0
Höchster Sieg: 89:58 am 27. Dezember 2015 in Berlin
Höchste Niederlage: 78:90 am 13. April 2001 in Spergau