Philipp Hickethier ist seit 2011 bei und mit ALBA BERLIN unterwegs. Der 42-Jährige ist seit Gründung als Geschäftsführer der ALBASPROSS gGmbH, dem Träger der Kinder- und Jugendhilfe, für die zahlreichen Aktivitäten an Schulen, von der Ganztagsträgerschaft bis zur Schulsozialarbeit, vom Jugendclub bis zur Basketball-AG verantwortlich. Wir haben mit dem studierten Sport- und Erziehungswissenschaftler an einem Spätsommernachmittag gesprochen. Hauptthema natürlich: Bewegung und Sport über den ganzen Tag. (Fotos: Florian Ullbrich)

Philipp, hast Du Dich heute schon bewegt?
Ja, ich bin heute schon Fahrrad gefahren. 

Zählt das als richtiger Sport?
Ja, natürlich. Fahrradfahren - mache ich jeden Tag zur Arbeit hin und zurück und manchmal auch zwischendrin - ist für mich Sport und gleichzeitig ist die Grundlage für Sport immer Bewegung. Dementsprechend ist Fahrradfahren auch viel Bewegung.

Wie bewegt ist Dein Alltag so insgesamt?
Eigentlich viel zu unbewegt, weil sich bei mir mehr im Kopf bewegt… Ich sehe das durchaus selbstkritisch, weil ich mich sehr intensiv damit beschäftige, Kinder und Jugendliche in Bewegung zu bringen. Deshalb sollte ich langsam anfangen, mich wieder mehr zu bewegen.

Du hast die Kinder und Jugendlichen schon erwähnt. Denen zu helfen, beim Einstieg in den Sport, ist schon auch eine kleine Lebensaufgabe für Dich, oder?
Ja, unbedingt! Das ist bei mir total positiv besetzt. Meine Arbeit ist sehr intrinsisch motiviert. Für mich selbst war in meinem Aufwachsen Sport und Bewegung ein zentrales Element. Sowohl in der Freizeit als auch in meiner Bildungsbiographie. In der Schule, in den sitzenden Fächern, war ich kein Glanzschüler, aber der Sport und meine damalige Sportart Handball haben mir sehr dabei geholfen, meine Bildungsbiographie motiviert zu durchleben.

Das ist bestimmt nicht nur bei dir so…
In der Schule selbst sind die Menschen, die sich mit dem Thema Sport und Bewegung auseinandersetzen und dafür stehen für viele Kinder, die vielleicht in den anderen Fächern nicht so gut sind, total wichtige Vorbilder und können auch Bindungen herstellen. Das vor allem, damit die Kinder mit positiven Gefühlen in die Schule kommen und auch wieder nach Hause gehen. 

 

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Da sind wir jetzt schon mittendrin in der Schule und beim Bewegungsband. Was ist das für dich?
Das Bewegungsband hat so diesen Titel als logischen Reflex zu den vielen Bändern, die es in Schule gibt, z.B. das Leseband oder Matheband. Wir denken, es muss neben diesen wichtigen Fächern auch über Bewegung nachgedacht werden. Jede Handlung ist Bewegung und hat damit auch Rückwirkungen auf den anderen Unterricht. Das Bewegungsband ist auch eine Bande von Menschen, die sich aus verschiedenen Richtungen zusammengetan haben, um nicht nur darüber zu philosophieren, wie mehr Bewegung in die Schule kommen kann, sondern auch, um das zu systematisieren. Das Band ist für uns wesentlich, weil es eben die verschiedenen Anlässe miteinander für die Kinder und Jugendlichen verknüpft.

Ist es das, was denen Schulen gefehlt hat?
Es ist nichts Neues, aber unser Anspruch ist, all die Gelegenheiten, bei denen Bewegung in der Schule stattfinden kann, logisch miteinander zu verbinden. Wir glauben, Kinder müssen sich, an dem Ort, an dem sie sich die meiste Zeit aufhalten, viel mehr bewegen. Gleichzeitig aber geben wir mit diesem Bewegungsband allen Menschen, die in Schulen arbeiten die Möglichkeit, in dieses Thema einzusteigen und selbst ins Handeln kommen, wie sie den Schulalltag eines Kindes bewegter gestalten können. 

Du kommst aus der Praxis, ihr seid mit ALBASPROSS an vier Grundschulen aktiv, wie ist deine Idee, möglichst viel vom Bewegungsband tatsächlich umzusetzen?
Wir haben auf jeden Fall mit unseren pädagogischen Fachkräften und Trainer:innen schon mal viel Man- und Woman-Power an den Grundschulen und wollen mit ihnen gemeinsam das Bewegungsband maximal umsetzen. Natürlich hat jede Schule bestimmte Voraussetzungen und Limitierungen, die einen Rahmen vorgeben. Also das Bewegungsband ist mit den vielen Möglichkeiten ein Ideal. Es ist aber gleichzeitig auch möglich, nur einige Anlässe aufzugreifen.

Wie sind denn so die Reaktionen auf das Bewegungsband, wenn du es Schulen, Trägern, Verwaltungen oder der Politik vorstellst?
Wir nehmen das ja immer gerne mit als Plakat oder Präsentation, aber viel wichtiger ist, dass wir darüber auch sehr plastisch erzählen können, weil wir es selbst leben und erleben, erfahrbar machen, testen und es kurz gesagt, aus unserer Praxis entstanden ist. Die positive Resonanz, die wir oft erleben, entsteht auch deshalb, weil wir davon berichten können, wie wir damit arbeiten.

 

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Hast Du einen Lieblingsanlass entlang des Bewegungsbands?
Der bewegte Schulweg ist mittlerweile für mich ein Herzensprojekt. Viele von uns sehen darin eine große Herausforderung, aber genau deshalb ist das meine Lieblingsstation. Vielleicht ist die Umsetzung eine der schwierigsten, aber ich denke, da sollte man versuchen, sich hineinzuversetzen und gucken, dass sowas auch möglich ist. Ich probiers selbst aus, wenn ich mit meinem Sohn schon vor der Schule auf den Basketballfreiplatz gehe und wir den Weg laufen, ist das schon bewegt. Klingt einfach, aber genau das ist es, was das Bewegungsband ist. Es sensibilisiert dafür, was Bewegung bei Kindern alles ist.

Welcher Anlass liegt dir außerdem am Herzen?
Das sind die bewegten Pausen. Vor allem deshalb, weil eine unserer Schulen, die Albert-Gutzmann-Schule, mit der Pausenliga ein tolles Beispiel etabliert hat und einige andere Schulen mit einsteigen. Weil wir maximal die Transfereffekte nutzen, ist mir die Station wichtig. 

Was ist das langfristige Ziel in deinen Augen?
Für mich ist das Bewegungsband ein niedrigschwelliges Instrument dafür, dass die 450 Grundschulen in Berlin und die 15.000 Grundschulen deutschlandweit nutzen können, um loszulegen und es auch authentisch umzusetzen irgendwann bewegte Ganztagsgrundschulen zu werden. Und sie sollten es vor allem als Entlastung und Instrument für eine positive Schulkultur, ein positives Schulklima sehen. 
Noch mal zurück zu deiner Bewegung.

Du hast als Trainer hier auch angefangen und bist jetzt zurück in der Funktion…

Ja! Ich finde es wichtig, dass man selbst auch überprüft, ob das, was man im Büro entwickelt auch funktioniert. Wir wollen unseren Lieblingssport Basketball an die Kinder bringen und im Bewegungsband ist ein zentraler Punkt auch, aus dem schulischen Kontext den Weg in den Vereinssport zu finden. Da wir das an unseren Ganztagsschulen maximal zusammendenken und das Training im Ganztag stattfindet, bin ich als Coach eines Schulvereinsteams zusammen mit Henning Harnisch eingestiegen und trainiere 8- und 9-jährige Kinder. So bekommen wir einen Blick für die Menschen, die die wichtige Arbeit in unserem Club machen. Das ist ein total anspruchsvolles Feld und ich finds toll, dass es so viele Menschen gibt, die sich auf diesen Weg einlassen!

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