Die Albatrosse steuern nach dem Abschluss der EuroLeague geradezu auf den ersten großen Saisonhöhepunkt auf nationaler Ebene zu. Bevor das Team von Coach Aito am übernächsten Wochenende in München um den erneuten Pokaltitel spielt (live und kostenlos bei MagentaSport und Twitch), verlangen aber noch zwei Punktspiele in der easyCredit BBL die volle Konzentration. Vor allem im Heimspiel gegen die Hamburg Towers am Samstag (Tipoff 18 Uhr) haben sie dabei mit den Gästen noch eine Rechnung offen. Die Towers gewannen nämlich das Hinspiel vor zweieinhalb Wochen in Hamburg 90:75. Nachdem das potenzielle erste Heimspiel gegen Hamburg vergangene Saison corona-bedingt ausfiel, kommt es nun zur Premiere in der Mercedes-Benz Arena.

Defense von Trainer Calles funktioniert auch in Hamburg

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die easyCredit BBL sich schon lange Deutschlands zweitgrößte Metropole als Standort wünscht. Nun ist dieser Wunsch in Erfüllung gegangen: Die im Vorjahr als Aufsteiger noch viel Lehrgeld zahlenden Hamburg Towers starten so richtig durch. Mit zuletzt sieben Siegen in Folge - darunter neben dem Erfolg gegen ALBA auch Siege gegen Bayern München und in Bamberg – steuern die vor acht Jahren in der Hansestadt von den ehemaligen Nationalspielern Pascal Roller und Marvin Willoughby gegründeten Towers auf ihre ersten Playoffs zu.

Markenzeichen der Hamburger ist ihre mit großer Intensität und die Grenzen zum Foul auslotender Härte gespielte Verteidigung, mit der sie das gegnerische Spiel (zer)stören. Kein anderes Team forciert in der easyCredit BBL mehr Ballverluste als die Hamburger (16,5 pro Spiel). Die Hamburger Verteidigung erinnert nicht zufällig an die Spielweise, mit der Vechta in den letzten Jahren die Liga aufgemischt hat. Vechtas bisheriger Trainer Pedro Calles ist nämlich im vergangenen Sommer nach Hamburg gewechselt, wo seine Defensive jetzt genauso erfolgreich funktioniert.

Mit drei ganz verschiedenen Spielmachern für alles gewappnet

Mit Spielmacher Max Di Leo hat Calles dabei praktischerweise gleich seinen defensiven Anführer aus Vechta nach Hamburg mitgebracht. Der Sohn von Tony Di Leo (in den achtziger Jahren Trainer von Saturn Köln) und Ana Aszalos (deutsch-rumänische Nationalspielerin) hat sich in Vechta mit seiner unerbittlichen Defense, mit der er die gegnerischen Spielmacher über das gesamte Spielfeld unter Druck setzt, zu einem der besten Verteidiger in der Liga gemausert und führt nun auch den Hamburger Backcourt als „Verteidigungsminister“ an.

Ganz anders ist US-Point Guard T.J. Shorts gepolt, der mit seinen 1,75 Metern der kleinste Spieler der Liga ist, dieses Handicap aber mit der enormen Schnelligkeit kompensiert, mit der er die gegnerischen Verteidigungsreihen überrumpelt. Auch der bei den Towers aufgewachsen 19-jährige Justus Hollatz, der mit guter Ballbewegung und einem guten Auge für die Mitspieler im Februar als eines der größten deutschen Talente schon sein Debüt im Nationalteam feierte, ist schnell, ist mit 1,91 Metern aber deutlich größer als Di Leo und Shorts und ergänzt den Backcourt damit perfekt.

Auf dem Flügel Verstärkung aus Bamberg: Taylor & Taylor

Viel Erfahrung und Korbgefahr holten sich die Hamburger im vergangenen Sommer mit der Verpflichtung der beiden Bamberger Bryce und Kameron Taylor ins Team. Zwar musste der zuletzt angeschlagene Ex-Albatros in den letzten Spielen etwas kürzer treten, aber Kameron Taylor hat dafür die Erwartungen mit seiner großen Vielseitigkeit sogar übertroffen. Der US-Forward trifft als „Three-and-D-Spieler“ den Dreier, ist ein exzellenter Verteidiger und holt auch viele Rebounds. Mit gutem Dribbling und viel Spielübersicht bringt er dabei viel Tempo ins Spiel.

US-Forward Jordan Swing bringt in seiner schon zehnten Profisaison ebenfalls viel Erfahrung aus der spanischen und israelischen Liga mit, wo er sich vor allem als extrem gefährlicher Dreierschütze einen Namen gemacht hat. Auch in Hamburg zieht der leichtfüßige und im eins-gegen-eins starke Linkshänder mit seiner über 40-prozentigen Trefferquote an der Dreierlinie auf den Positionen zwei und drei die Aufmerksamkeit der gegnerischen Verteidigungen auf sich und öffnet damit nicht zuletzt auch Räume für seine Mitspieler.

Este Maik Kotsar holt unterm Korb die Kohlen aus dem Feuer

Vielseitigkeit zeichnet auch den aus Göttingen nach Hamburg gewechselten Terry Allen aus. Der US-Power Forward trifft den Dreier (6/8 im Hinspiel vor zweieinhalb Wochen gegen ALBA), setzt sich aber mit schnellen Bewegungen ebenso gut in der Zone durch und schaltet nach Rebounds sehr schnell auf Angriff um. In der Verteidigung setzt der jüngere Zac Cuthbertson auf der Position vier die Zeichen, aber Terry Allen ist mit flinken Händen ebenfalls ein guter Verteidiger, der auch kleinere Gegner stoppen kann.

Langfristige Verletzungen von Hans Brase und Johannes Richter haben die Hamburger Planungen im Frontcourt ziemlich über den Haufen geworfen, was aber gar nicht so negative Folgen hatte, weil der estnische Center-Neuzugang Maik Kotsar in seiner ersten Profisaison nach vier Jahren US-College mit überragenden Leistungen unterm Korb als Hamburgs Topscorer und bester Rebounder die Kohlen aus dem Feuer holt. Der 2,11 Meter große und 123 Kilo schwere Koloss ackert dabei in der Zone unermüdlich nicht nur mit Kraft, sondern durchaus auch mit Eleganz.

88:82-Sieg in Vechta war Mittwoch der siebte Sieg in Folge

Nach den spektakulären Siegen gegen ALBA, die Bayern und in Bamberg war das Gastspiel beim Schlusslicht Vechta am Mittwoch für die Towers eine Pflichtaufgabe, die das Team von Trainer Pedro Calles routiniert abhakte. Ohne jemals in Gefahr zu geraten, führten die Towers immer mit ungefähr zehn Punkten. Maik Kotsar war einmal mehr mit 21 Punkten und neun Rebounds der überragende Hamburger, gefolgt von Terry Allen (19), Kameron Taylor (14) und T. J. Shorts (13). Mit sieben Siegen in Folge sind die Hamburger nun endgültig das „Team der Stunde“.

In den letzten Wochen spielten die Towers in folgender Aufstellung (in Klammern gerundete Saison-Stats/Spiel):
PG: Max Di Leo (17 min, 3 p), T. J. Shorts (27 min, 13 p, 5 as)
SG: Justus Hollatz (19 min, 6 p, 3 as), Bryce Taylor (15 min, 6 p)
SF: Kameron Taylor (29 min, 14 p, 5 rb, 3 as), Jordan Swing (19 min, 11 p)
PF: Terry Allen (27 min, 12 p. 4 rb), Zac Cuthbertson (14 min, 4 p)
C: Maik Kotsar (28 min, 15 p, 7 rb), Marvin Ogunsipe (9 min)

Stimmen zum Spiel:
 

Israel Gonzalez (ALBA Associate Headcoach): „Nach unserem letzten Euroleague-Spiel rückt der Fokus nun komplett auf die Bundesliga und den Pokal. Mit Hamburg erwartet uns ein Team, das momentan sehr guten Basketball an beiden Enden des Feldes spielt. Wir müssen mit mehr Energie und Konzentration in das Spiel gehen als vor drei Wochen in Hamburg und 40 Minuten lang fokussiert sein, um einen Gegner wie die Towers besiegen zu können.“

Ben Lammers (ALBA-Center): „Wir haben die Saison in der EuroLeague mit einem Sieg beenden können und konzentrieren uns nun voll und ganz auf die Aufgaben in der Bundesliga und im Pokal. Wir haben das Hinspiel in Hamburg verloren und wissen, wie hart und energisch die Towers spielen. Wir müssen uns bis Samstag gut generieren, um mit voller Energie auftreten zu können.“

Gut zu wissen:
 

Der im vergangenen Sommer aus Oldenburg nach Hamburg gewechselte Hendrik Drescher ist der große Pechvogel bei den Towers, denn er erlitt in der Preaseason einen Kreuzbandriss und verpasst damit wohl die gesamte Saison. Der gebürtige Berliner kam 2016 zusammen mit Jonas Mattisseck zu ALBA, spielte dort mit ALBA2 in der Regionalliga, mit der U19 in der NBBL, mit Lok Bernau in der ProB und schnupperte auch schon etwas BBL-Luft in der easyCredit BBL. 2018 gewann er mit Deutschlands U18 zusammen mit Jonas das Albert-Schweitzer-Turnier in Mannheim.

Bryce Taylor kam 2010 aus Bonn für zwei Jahre zu ALBA und erreichte mit den Berlinern 2011 das BBL-Finale. Anschließend spielte er für Quakenbrück, München und Bamberg (2017/18 an der Seite von Mado Lô), bis er im vergangenen Sommer dem Ruf nach Hamburg folgte. Marvin Ogunsipe spielte 2018/19 bei Bayern München ebenfalls zusammen mit Maodo Lô und Johannes Richter lernte sein Center-Einmal-Eins bis 2014 zusammen mit Johannes Thiemann in Bamberg bzw. bei den angeschlossenen Kooperationspartnern Breitengüßbach und Baunach.

Hamburg Towers (Stats easyCredit BBL 2020/21)

Nr.

Name

Pos.

Alter

cm

Nat.

BBL

Pkt

Rb

As

0

T.J. Shorts

1

23

175

USA

---

13,3

2,9

5,2

2

Jordan Swing

2/3

30

198

USA

---

11,0

2,8

2,0

3

Max DiLeo

1

28

181

D/US

2 J.

3,3

1,4

1,3

6

Osaro Rich

1

22

190

GER

---

1,7

0,5

0,0

7

Kameron Taylor

2/3

26

198

USA

2 J.

14,0

5,4

3,3

11

Maik Kotsar

5

24

211

EST

---

134,7

6,8

1,8

12

Johannes Richter (verletzt)

5

27

205

GER

9 J.

2,3

1,3

1,0

21

Justus Hollatz

1/2

19

191

GER

1 J.

5,5

2,2

2,5

25

Terry Allen

4

27

203

USA

1 J.

11,7

4,2

1,6

26

Marvin Ogunsipe

4/5

25

204

D/AT

4 J.

2,4

1,9

0,4

30

Hans Brase (verletzt)

4

27

205

GER/US

2 J.

3,0

0,0

0,0

40

Zac Cuthbertson

3/4

24

201

USA

---

4,2

2,4

0,7

41

Hendrik Drescher (verletzt)

4

21

204

GER

1 J.

 

 

 

44

Bryce Taylor

2

34

195

D/US

11 J.

6,0

1,1

0,4

61

Patrick Spencer

1/2

24

191

USA

---

 

 

 

Head Coach: Pedro Calles (37 Jahre, ESP, dritte BBL-Saison, die erste mit Hamburg)

Hamburg Towers: Resultate der letzten drei Wochen:
20.3. Braunschweig – Hamburg (easyCredit BBL) 63:74 (S) Swing 23
23.3. Hamburg – ALBA BERLIN (easyCredit BBL) 90:75 (S) Allen 21
27.3. Hamburg – Bayern München (easyCredit BBL) 91:86 (S) Swing 21
04.4. Brose Bamberg – Hamburg (easyCredit BBL) 64:76 (S) Kotsar 22
07.4. RASTA Vechta – Hamburg (easyCredit BBL) 82:88 (S) Kotsar 22

ALBA BERLIN: Resultate der letzten drei Wochen:
21.3. Frankfurt – ALBA (easyCredit BBL) 60:94 (S) Eriksson 18
23.3. Hamburg – ALBA (easyCredit BBL) 90:75 (N) Giffey 16
26.3. FC Barcelona – ALBA (EuroLeague) 80:67 (N) Sikma 9
28.3. ALBA – Weißenfels (easyCredit BBL) 93:82 (S) Fontecchio 17
30.3. Zalgiris Kaunas – ALBA (EuroLeague) 96:86 (N) Eriksson 19
02.4. ALBA – BC Valencia (EuroLeague) 86:90 (N) Eriksson 17
04.4. Telekom Baskets Bonn – ALBA (easyCredit BBL) 75:80 (S) Sikma 17
08.4. ALBA – Roter Stern Belgrad (EuroLeague) 81:58 (S) Siva 17

ALBA-Bilanz gegen die HH Towers: 1:1
100:75 am 22. Dezember 2019 in Hamburg
75:90 am 23. März 2021 in Hamburg