
David McCormack ist angekommen bei ALBA. Beim EuroLeague-Auswärtssieg der Albatrosse am Mittwoch gegen Bologna legte der US-Center 16 Punkte und 14 Rebounds auf, testete ein ums andere Mal die Korbanlagen der Virtus Segafredo Arena und war mit seiner Energie auf dem Court der Motor des Teams. Höchste Zeit, den ALBA-Neuzugang näher kennenzulernen! (Foto: Tilo Wiedensohler)
David, was hat dich zum Basketball gebracht?
Ich habe angefangen zu spielen, als ich vier Jahre alt war. Ich habe die Sportart von Anfang an geliebt, deshalb brauchte ich niemanden, der mich antreibt. Meine Eltern haben nicht selbst gespielt und mein Bruder mochte Basketball zwar, war aber nicht so sehr darauf fokussiert wie ich.
An der Highschool hast du für Oak Hill gespielt, am College dann für die Kansas Jayhawks – zwei der besten Basketballprogramme in den USA. Gab es viel Konkurrenzdruck innerhalb der Teams, weil jeder schon früh den Traum von der NBA hat?
Alle Spieler, mit denen ich zusammengespielt habe, waren ehrgeizig und es gab einen Kampf um die Rollenverteilung und Spielminuten. Insgesamt habe ich die Competition aber als gesunden Konkurrenzkampf erlebt, der uns als Team oft noch enger zusammengeschweißt hat.
Oak Hill ist eine Privatschule, tief im Bundesstaat Virginia gelegen und umgeben von Wäldern. Wie war es für dich, dort zu spielen?
Oak Hill ist eine Schule mit einer großen Geschichte und einem tollen Staff – allen voran Headcoach Steve Smith. Weil es so abgelegen ist, gibt es wenige Dinge, die einen vom Sport ablenken. Außer Bäumen, Bären und Rehen ist nicht viel los [lacht]. Aber im Ernst: Die Zeit dort hat mich sehr weitergebracht und mein Skillset auf ein neues Level gehoben.
Vor allem körperlich hast du dich in deiner Zeit dort stark weiterentwickelt. Was hat deinen besonderen Arbeitseifer entfacht?
Mir ist einfach bewusst geworden, dass ich mehr an meinem Körper arbeiten und stärker werden muss, um mich als Basketballer weiterzuentwickeln. Ich habe mir damals vorgenommen, meine Fitness auf das nächste Level zu bringen, bin schon morgens zum Training gegangen und habe mehr auf meine Ernährung geachtet. Bei Oak Hill war ich auch umgeben von Mitspielern, die den gleichen Ehrgeiz hatten. Das hat mich zusätzlich angetrieben.
Mit Erfolg! Als hochdekorierter Four-Star-Recruit konntest du dir nach der Highschool ein College aussuchen, hast dich für Kansas entschieden und dort die vollen vier Jahre absolviert. Wie war die Zeit dort?
Es war eine Zeit mit vielen Höhen und Tiefen, aber ich habe die Zeit dort insgesamt sehr genossen. Ich habe in Kansas Freunde fürs Leben gefunden, die wie Familie für mich sind. Und natürlich war auch die College-Meisterschaft ein einmaliges Erlebnis.
Lass uns darüber sprechen! Im Halbfinale hast du erst 25 Punkte aufgelegt, nur um deinem Team dann im Finale mit 15 Punkten und zehn Rebounds zur NCAA-Championship 2022 zu verhelfen. Wie hat sich das angefühlt?
Es war ein einziger Traum für mich. Meine Mutter konnte meine Spiele am College aufgrund der großen Entfernung zwischen Virginia und Kansas nur selten besuchen. Aber im Finalturnier war sie dabei – das hat mir sehr viel bedeutet. Der Titelgewinn war ein absolut fantastisches Erlebnis für uns als Team, weil wir so lang und hart auf dieses Ziel hingearbeitet hatten.
Der Hype um die March Madness ist in den USA jedes Jahr unglaublich groß. Wie bist du in so einem jungen Alter mit dem Druck von außen umgegangen?
Es gab unglaublich viel, was auf uns eingeprasselt ist. Überall waren Kameras, Mikrofone und Filmcrews. Auch wenn die mediale Aufmerksamkeit an größeren Colleges schon während der Saison hoch ist – so etwas hatten wir alle noch nie erlebt. Aber es ist uns als Team gelungen, all das so gut es ging auszublenden. Wir waren fokussiert und konnten befreit aufspielen, weil wir voller Vertrauen in unser System waren. Auf dem Court galt die Aufmerksamkeit nur dem Spiel.
Nach diesem großen Erfolg wurdest du bei der NBA Draft nicht gepickt. Was ging damals durch deinen Kopf?
Natürlich hatte ich das Ziel, nach dem College in der NBA zu spielen, aber es ist nicht jeder dazu bestimmt, diesen Weg zu gehen. Ich bin mir bewusst, was für ein Privileg es ist, Profibasketball in Europa spielen zu dürfen. Deswegen habe ich mich für diesen Weg entschieden, um weiter an meinen Skills zu feilen.
Begonnen hast du deine Zeit in Europa in der Türkei. Wie groß war der Kulturschock für dich?
Riesig! Istanbul ist eine gigantische Stadt, die du mit nichts in den USA vergleichen kannst. Die Kultur und das Essen ist anders und auch an den europäischen Basketball musste ich mich erstmal gewöhnen. Die türkischen Fans sind auch sehr … emotional [lacht]. Ich habe in Istanbul so einiges fliegen sehen: Von Feuerzeugen über Münzen bis hin zu Handys war alles dabei. Die Stimmung, als ich mit Galatasaray gegen Karsiyaka in den Playoffs gespielt habe, war auch komplett elektrisierend.
Am College hast du vier Jahre für das gleiche Team gespielt, als Profi hast du schon vier unterschiedliche Trikots getragen, bevor du nach Berlin gekommen bist. Wie wichtig ist dir Konstanz?
Es ist definitiv ein wichtiger Faktor für mich! Dort wo ich spiele, möchte ich mich auf jeden Fall zuhause fühlen. Aber so ist das Leben als Profi nun mal. Und dann ist es genauso wichtig, anpassungsfähig zu sein. Das musste ich schon öfter unter Beweis stellen.
Was sind deine größten Erkenntnisse aus der bisherigen EuroLeague-Saison?
Es gibt unfassbar viele Spiele, die aber alle sehr wichtig sind und auf einem sehr hohen Niveau ausgetragen werden. „Every game matters“ – das ist meine größte Erkenntnis. Auch auf dem Court habe ich noch lange nicht ausgelernt.
Nach einem Kurzaufenthalt in Mailand bist du jetzt in Berlin. Hattest du schon Gelegenheit, die Stadt zu erkunden?
Bisher gab es noch nicht allzu viele Gelegenheiten, aber Jonas hat uns mit zu einem Weihnachtsmarkt genommen und ich konnte schon meinen ersten Glühwein probieren. Den fand ich sehr lecker! Ich freue mich immer, wenn ich verschiedene Kulturen erleben kann und bin gespannt auf alles, was noch kommt.
Am Mittwoch beim Sieg gegen Bologna warst du einer der Leistungsträger und hast mit viel Einsatz gespielt. Können die Fans das in jedem Spiel von dir erwarten?
Auf jeden Fall! Als Spieler versuche ich, in jeder Sekunde Energie auf den Court zu bringen. Ich will der Motor des Teams sein, hart spielen und all die kleinen Dinge tun, die es braucht, um zu gewinnen. Ich schreie herum, springe nach jedem Ball und hoffe, damit auch alle um mich herum anzustacheln und zu motivieren.


