
Beim Heimspiel gegen die Basketball Löwen Braunschweig bekamen die ALBA-Fans am Mittwochabend einen neuen Spieler in Gelb zu Gesicht: Knapp fünf Minuten vor dem Ende des Spiels schickte Headcoach Israel González zum ersten Mal Rikus Schulte auf das Parkett der Mercedes-Benz Arena und verhalf dem 17-jährigen Youngster aus der ALBA JUGEND so zu seinem ersten Einsatz bei den Profis. Gut möglich, dass der 2,06 Meter große Forward in Zukunft öfter im Kader steht. Höchste Zeit also, Rikus vorzustellen.
Text: Tobias Koschack; Foto: Camera4
„Es hat großen Spaß gemacht, in der großen Arena vor den Fans zu spielen. Am Anfang war ich aufgeregt, aber aufs Feld zu kommen, war ein cooles Gefühl“, erzählt Rikus. „Meine Familie hat das Spiel auf MagentaSport verfolgt, und ein paar meiner NBBL-Teammates waren sogar in der Halle, um mich anzufeuern.“
Seit mittlerweile zweieinhalb Jahren trägt der Juniorennationalspieler nun schon das Trikot von ALBA BERLIN. Vladimir Bogojević hatte ihn davor schon länger beobachtet: „Rikus hat damals beim Bundesjugendlager gute Leistungen gezeigt“, sagt ALBAs NBBL-Trainer. „Von da an hatte ich ihn auf dem Schirm.“ Zu diesem Zeitpunkt spielte Rikus noch für das JBBL-Team der Baskets Münsterland und machte seinen späteren Coach insbesondere in den Playoffs auf sich aufmerksam. Mit gerade einmal 15 Jahren wagte er dann den Schritt nach Berlin: „Bei ALBA habe ich die Chance gesehen, mit besseren Mitspielern zusammenzuspielen und mich einer größeren Herausforderung zu stellen“, erklärt Rikus.
Weit weg vom Elternhaus musste er schnell auf eigenen Beinen stehen. Untergebracht in der ALBA-WG lernte er, Eigenverantwortung zu übernehmen. René Grzona hilft als NBBL-Assistenztrainer und ALBA-Betreuer den jungen Spielern dabei, sich selbstständig zu organisieren. „Rikus ist schnell erwachsen geworden“, findet Grzona. „Auch seine Mutter ist begeistert, wie schnell er in der Zeit in Berlin gereift ist. Heute geht er schon mit gutem Beispiel für seine noch jüngeren Mitbewohner voran.“
Abseits von Essen, Schlafen und ein paar Runden Fifa oder NBA 2K auf der Playstation bleibt den jungen Spielern wie Rikus aber ohnehin nicht viel Zeit in der WG. Da ist einmal die Schule. Und dann natürlich der Basketball: Rikus zählt zu den Stützen in ALBAs NBBL-Team, spielt für den Kooperationspartner LOK BERNAU in der ProB und trainiert zudem immer wieder bei den ALBA-Profis mit. Die Hierarchie ist dabei klar, erklärt Vladimir Bogojević: „Rikus spielt schwerpunktmäßig in Bernau und für uns in der NBBL, wenn es die Zeit zulässt. Wenn ihn aber die Profis im Kader haben wollen, dann hat das ganz klar Priorität.“
Anfang September trainierte Rikus zum ersten Mal mit Luke Sikma und Co. – und wurde direkt mit offenen Armen empfangen: „Besonders die jungen Spieler wie Malte, Jonas und Tim haben mich direkt begrüßt und mir alles gezeigt“, erzählt er. Kein Wunder, denn Malte Delow, Jonas Mattisseck und Tim Schneider kennen selbst das große Gefühl, aus der ALBA JUGEND ins Profiteam berufen zu werden. LOK BERNAUs Cheftrainer René Schilling hat sie alle gecoacht und ist sich sicher: „Vom Talent her steht Rikus den anderen in nichts nach.“
Wohl auch deshalb war Rikus im Sommer Teil des ALBA-Teams beim Vorbereitungsturnier im türkischen Bursa. Im Spiel gegen den türkischen Erstliga-Aufsteiger Petkim Spor stellte er seine Qualitäten als Allrounder unter Beweis: 4 Punkte, 3 Rebounds und 3 Assists verbuchte der junge Forward in 18 Minuten auf dem Feld. Diese Statistiken passen ins Bild, das Schilling von Rikus zeichnet: „Dank seiner Vielseitigkeit kann Rikus einem Team auf verschiedenste Art und Weise helfen“, sagt sein Coach in Bernau. „Was er sich jetzt noch aneignen muss, ist, aus sich herauszukommen und mit noch mehr Selbstvertrauen zu agieren. Er soll lernen, dass er ein Team auch verbal unterstützen und auch als junger Spieler den Ball fordern kann.“ Dass der 17-Jährige schnell lernfähig ist, unterstreicht Bogojević: „Neben seinem starken Rebounding und der Fähigkeit, sich gut abseits des Balles zu bewegen, hat Rikus eine sehr gute Auffassungsgabe und ergänzt sein Spiel immer wieder um neue Aspekte.“
Bereits im Dezember stand Rikus beim EuroLeague-Spiel gegen ZSKA Moskau im Kader. Damals bekam er tagsüber im Schulunterricht die Nachricht, dass er noch am selben Abend im Profikader gebraucht würde. An diesem Mittwoch stand der Youngster nun auch zum ersten Mal im Spiel auf dem Parkett der Mercedes-Benz Arena. Wenn es nach Luke Sikma geht, kann das in Zukunft gern öfter geschehen: „Rikus ist ein toller junger Spieler mit einer großen Zukunft“, ist der ALBA-Kapitän überzeugt. „Er kam rein und hat alles gegeben. Es war toll, ihn auf dem Parkett zu sehen. Bei seiner Premiere hatte er zwar keine Gelegenheit zu werfen, aber das holen wir beim nächsten Mal nach.“
Vielleicht fehlt Rikus Schulte also gar nicht mehr so viel, um demnächst öfter in der Mercedes-Benz Arena aufzulaufen. Spätestens nach dem Abitur im nächsten Jahr gibt es nämlich nur noch einen Fokus: Basketball.