Ismet Akpinar konnte sich am vergangenen Wochenende gleich über fünf Siege freuen: In der NBBL gewann er mit ALBA am Freitag gegen Oldenburg und am Sonntag in Braunschweig, in der Beko BBL gewann ALBA am Freitag ebenfalls gegen Oldenburg, am Sonntag in Tübingen und am Samstag gewann auch Ismets Bruder Mutlu in der türkischen Liga mit Gaziantep ein wichtiges Spiel. Entsprechend gut gelaunt war ALBAs Nachwuchsspieler im DKB-Talk.

 

Ismet, im Augenblick macht es ja riesigen Spaß, ALBA beim Basketballspielen zuzuschauen. Macht es auch Spaß, als zwölfter oder dreizehnter Mann Teil dieser Mannschaft zu sein?

 

IA: Ja, auf jeden Fall. Ich empfinde es als große Ehre, dabei sein zu dürfen. Allein anzuschauen, wie die Mannschaft auf dem Spielfeld das umsetzt, was wir im Training zuvor eingeübt haben, macht mir immer wieder großen Spaß und wenn ich dann sogar schon ein paar Minuten mitspielen darf, natürlich umso mehr.

 

Du wirkst bei diesen Kurzeinsätzen überhaupt nicht nervös. Spürst du gar kein Lampenfieber?

 

IA: Doch, am Anfang bei meinem allerersten Einsatz gegen Ludwigsburg war ich schon etwas nervös. Auch beim zweiten und dritten Einsatz kann ich nicht behaupten, ohne Nervosität und Anspannung ins Spiel gegangen zu sein. Aber wenn man dann auf dem Spielfeld ist, dann blendet man das alles sehr schnell aus. Die Aufregung kommt, wenn man auf dem Auswechselstuhl sitzt. Auf dem Feld legt es sich dann, wenn man sich voll auf das konzentriert, was der Coach einem aufgetragen hat.

 

Sagt der Coach dir schon vor dem Spiel, ob er dich einsetzen will?

 

IA: Nein, denn das hängt am Ende immer vom Spielverlauf ab. In den Spielen gegen Braunschweig und Hagen, als ALBA eine deutliche Führung hatte, war mir schon klar, dass ich am Ende zum Einsatz kommen würde. Mir ist aber auch klar, dass ich in knappen Spielen oder wenn es wie gegen Oldenburg um den direkten Vergleich geht, wahrscheinlich nicht zum Einsatz komme.

 

Was kannst du in solchen Kurzeinsätzen am Ende eines schon entschiedenen Spiels lernen?

 

IA: Ich empfinde auch solche Kurzeinsätze als sehr lehrreich. Allein mal auf BBL-Tempo mitzuspielen und zu erleben, wie in dieser Liga verteidigt wird, ist eine Erfahrung, die man erst einmal machen muss.

 

Aber momentan ist für dich der Lerneffekt im Training gegen die Profis noch größer?

 

IA: Ganz klar ja. Im Training spielst du die ganze Zeit gegen BBL-Spieler und somit ist der Lerneffekt noch viel größer.

 

ALBA hat ja mit Cliff Hammonds und David Logan zwei sehr unterschiedliche Spielmacher. Mit wem kannst du dich mehr identifizieren?

 

IA: Cliff Hammonds konzentriert sich sehr auf die Defensive und ist wirklich einer der besten Verteidiger, die ich kenne. David Logan ist in der Offensive sehr stark. Da ich mich auch eher als einen offensivstarken Spieler sehe, möchte ich lieber ein David Logan werden, der noch etwas von Cliff Hammonds lernen will.

 

Bevor du so verteidigst wie Cliff, musst du aber noch viel Lehrgeld zahlen?

 

IA: Auf jeden Fall ... und viel Zeit im Kraftraum verbringen. Ich merke im Training ganz deutlich, dass ich ihm körperlich noch sehr unterlegen bin. Das ist bei mir ganz klar noch ein Schwachpunkt, weshalb ich auch sehr an meiner Athletik arbeite. Man muss als Spielmacher nicht der große Muskelprotz sein, aber eine bessere Athletik macht es einem einfacher.

 

Du bist in Hamburg aufgewachsen. Wie gut hast du dich denn schon in Berlin eingelebt?

 

IA: Sehr gut. Erst einmal fühle ich mich in der Mannschaft sehr wohl, was ja der wichtigste Bezugspunkt für mich ist. Aber auch sonst habe ich hier schon einige Freunde in Berlin gefunden. Hamburg ist ja auch nicht so weit weg und ich bekomme oft Besuch von meinen Eltern und alten Freunden.

 

Die großen Schiffe fehlen dir nicht?

 

IA: Klar vermisst man seine Heimat schon, wenn man seine ersten 18 Lebensjahre in Hamburg verbracht hat. Aber Berlin ist auch eine sehr schöne Stadt.

 

Und Berlin hat einen tollen Basketballclub, was Hamburg noch nicht hat?

 

IA: Das soll sich ja bald ändern. Wie ich gehört habe, ist das Projekt, in Hamburg einen Basketball-Erstligisten aufzubauen, auf einem sehr guten Weg. Für mich kommt das aber zu spät. Ich habe mich jetzt für Berlin entschieden.

 

Du hast im Jugendbereich schon mehrere Auszeichnungen erhalten und hattest als einer der interessanteren deutschen Nachwuchsspieler sicher auch Angebote von anderen Clubs. Warum hast du dich für ALBA entschieden?

 

IA: Mir gefällt vor allem, wie gut hier alles organisiert und koordiniert ist. Ich habe hier die Möglichkeit, in der NBBL und in der Regionalliga zu spielen und trainiere dazu noch regelmäßig mit der Profi-Mannschaft. Außerdem denke ich, dass es für mich keinen besseren Trainer als Sasa Obradovic gibt, der selber ein sehr guter Spielmacher war und mir jeden Tag Kleinigkeiten beibringt, die sehr entscheidend sind. Das ist wirklich unbeschreiblich, wie viel ich schon in meinem ersten halben Jahr hier gelernt habe.

 

Du bist erst 18 Jahre alt. Hast du Sasa Obradovic überhaupt noch live spielen gesehen?

 

IA: Live habe ich ihn nicht mehr spielen gesehen. Ich habe nur viele Geschichten darüber gehört und habe im Internet ein paar entsprechende Videos gefunden und mir angeguckt.

 

Wer sind sonst so deine Vorbilder?

 

IA: Mein großes Vorbild ist von klein auf mein älterer Bruder Mutlu, der in der türkischen Liga Basketball spielt. Schon als Achtjähriger wollte ich Profi-Basketballer werden wie mein Bruder, der jetzt 30 ist. Ich verfolge alle seine Spiele und freue mich mit ihm, wenn er wie gestern mit seinem Team in der Türkei gewinnt.

 

Stimmt es, dass der auf einem Türkei-Urlaub entdeckt worden ist?

 

IA: Ja, das ist wirklich eine ganz verrückte Geschichte. Er hat, obwohl er relativ groß war, bis 13 kein Basketball gespielt, sondern hat in Hamburg Taekwondo gemacht, wo er es sogar bis zum braunen Gürtel geschafft hat. Bei einem Urlaub in der Türkei war er zufällig in einem Basketball-Shop, um sich eine Hose zu kaufen, die er schön fand, und da hat ihn ein Agent angesprochen und ihn gefragt, ob er nicht Lust hätte, Basketball zu spielen. Da hat er gesagt: Ja klar, warum nicht. Nach dem Probetraining haben alle im Verein genickt und Mutlu hat einen Vertrag bekommen und ist als Basketballspieler in der Türkei geblieben.

 

Und damit war für dich auch der Weg zur Sportart Basketball geebnet?

 

IA: Ja, als kleines Kind habe ich in Hamburg Fußball gespielt, aber durch meinen Bruder bin ich zum Basketball gekommen.

 

Ihr habt ja in der NBBL in dieser Saison eine richtig gute Mannschaft zusammen …

 

IA: Ja, das ist wirklich eine sehr gute Mannschaft, die auf jeder Position sehr gut aufgestellt ist. Wir spielen mittlerweile hervorragend als Mannschaft zusammen und es macht riesigen Spaß. Wir haben zuletzt jeden Gegner deutlich geschlagen und ich bin sehr gespannt, wie es weiter geht. Ich denke, wir können es in dieser Saison sehr weit bringen.

 

In zwei Wochen fährst du zusammen mit Center Niklas Ney nach Bonn zum NBBL-Allstar Game. Du bist schon zum dritten Mal dabei. Wie bereitet man sich darauf vor?

 

IA: Eine große Vorbereitung gibt es da nicht, denn die Anreise ist am Spieltag. Da werden vom Trainer nur vorher ein paar ganz simple Systeme angesagt und dann geht es los. Das funktioniert trotzdem, weil die meisten Spieler sich irgendwie kennen. Es ist letztlich ein Spiel, wo jeder sich präsentieren und ein wenig Spaß haben kann.

 

Aber der Norden hat zuletzt immer verloren. Irgendwo hört da doch der Spaß auf?

 

IA: Stimmt, in den letzten beiden Jahren, als ich dabei war, haben wir verloren. Ich denke, in diesem Jahr wird sich das ändern. Da fühlen wir aus dem Norden uns schon an der Ehre gepackt.