Im Halbfinale gleich gegen Bayern München: Wie bereitet sich das Team taktisch auf den Gegner vor? Wie lautet Jonas Mattissecks Prognose? Und warum ist er schon jetzt ganz angeknipst, obwohl er gar keinen Schalter umgelegt hat? Der Hintergrund-Talk zum BBL-TOP-FOUR in Oldenburg

Fotos: Tilo Wiedensohler

Jonas Mattissecks Spielerprofil

Jonas, nach dem Auswärtsspiel gegen Crailsheim geht’s zum Pokal-TOP-FOUR nach Oldenburg. Letztes Jahr haben sich die Bayern nicht qualifiziert, diesmal trefft ihr sie schon im Halbfinale. Wie ist dein Ausblick?

Wir freuen uns alle extrem aufs TOP FOUR. In der Mitte der Saison ein Wochenende, an dem man um einen Titel spielt, das ist für alle so eine zweite Luft, wie wir Sportler sagen: Alle haben plötzlich mehr Energie. Natürlich wird es im ersten Spiel schwer, direkt gegen Bayern. Aber wenn man den Titel will, muss man sie eh irgendwann schlagen.

Macht es für dich einen Unterschied, in welcher Runde ihr aufeinandertrefft?

Ob wir gegen München im Halbfinale oder Finale spielen, ist eigentlich egal. Jetzt wissen wir, dass sie unser erster Gegner sein werden und können uns gründlich darauf vorbereiten. In der anderen Partie, Ludwigsburg gegen Oldenburg, spielen ja auch zwei schwierige Gegner. Es würde auf jeden Fall ein herausforderndes Endspiel für uns. Vor allem, wenn Oldenburg als Heimmannschaft ins Finale einziehen würde… Aber wir konzentrieren uns erstmal auf unser Halbfinale am Samstag.

Du spielst auf die Atmosphäre in der Oldenburger Halle an. Was ist das Besondere an einem TOP FOUR? Die Auswärtsteams bringen ihre Fans mit – auch ihr habt ja ein paar Busse organisiert.

Es ist immer eine besondere Stimmung, wenn die Halle von vier Fanlagern besetzt ist. Auch wenn das eigene Team gerade nicht spielt, macht das einfach megaviel Spaß. Vor allem, weil eher die Hardcore-Fans mitreisen, und die machen ja immer richtig viel Alarm. Das gibt mir viel Energie. Und für die Fans ist es ein tolles Wochenende mit Basketball auf hohem Niveau.

In der BBL und in der EuroLeague: Ihr spielt gegen kein Team so häufig wie gegen Bayern und seid inzwischen miteinander vertraut. Auf welche Begegnungen und Matchups freust du dich am meisten?

Die Teams kennen einander, und die Coaches auch. Man kennt die Spielsysteme. Wir wissen, was auf uns zukommt, aber Bayern weiß das natürlich auch. Also müssen wir ein paar neue Ideen ausspielen, um unberechenbar zu bleiben. Taktisch ist es natürlich immer interessant, sich auf diese Spiele vorzubereiten.

Für mich persönlich ist das Matchup mit Bayerns Neuzugang DJ Seeley interessant, ein sehr, sehr guter Spieler. Auch Cassius Winston trägt viel Verantwortung in der Offense. Er macht viele Punkte und hat den Ball häufig in der Hand. Das werden die Matchups, mit denen ich mich herumschlagen muss.

Du hast gegen die Bayern viele verschiedene Aufgaben… Andi Obst fordert sicherlich auch noch deine Aufmerksamkeit. Worauf achtest du da? Darfst du etwas aus dem Nähkästchen plaudern?

Wir haben natürlich Scouting-Reports und machen ausgiebige Videoanalysen. Es ist zum Beispiel wichtig zu wissen, ob man einen Shooter oder einen Driver vor sich hat. Andi Obst muss man natürlich den Wurf wegnehmen (grinst). Er ist immerhin einer der besten Schützen Europas. Ich kenne die Spieler mittlerweile ganz ordentlich und gucke mir ihre Szenen aus den letzten Spielen an. Wie attackieren sie, wie spielen sie Pick and Roll? Und wie greifen sie als Team gegen ein Pick and Roll an? Nick Weiler-Babb hat zum Beispiel einen richtig guten Stepback, wenn er mit links dribbelt. Auf sowas achte ich und bereite mich drauf vor.

Teilweise sucht ihr besondere Matchups. Malte Delow hat in Berlin gegen Cassius Winston oft seine Größenvorteile ausgespielt. Wie sieht das bei dir aus, worauf achtest du offensiv?

Ich versuche, mir freie Würfe zu erarbeiten. Am Pokal-Wochenende ist es natürlich noch geiler, wenn du reinkommst und gleich einen Dreier triffst. Alles ist einfach um ein gewisses Extra intensiver. Du bist von Anfang an viel heißer auf das Spiel.

Du bist ja eigentlich ein sehr entspannter Typ. Im Spiel bist du fair, aber auch super energisch. Wie kannst du den Fokus so plötzlich hochfahren?

Lustig, dass du das ansprichst, wir sprechen privat auch im Team darüber: Jeder ist natürlich auf dem Feld etwas anders als abseits davon. Ich bin wirklich ein ganz ruhiger Typ, das erkennt man auf dem Feld allerdings nicht so. Vor dem Spiel pushe ich mich aber nicht besonders. Das ist einfach meine Persönlichkeit in der Halle. Ich bin sehr ehrgeizig und leidenschaftlich. Auf dem Feld will ich immer gewinnen, mein Bestes geben und alles fürs Team rausholen. Das merkt man auch, glaube ich. Es gibt keinen Schalter (schnipst), den ich umlegen muss. So bin ich halt. Ab und zu kann es natürlich auch stören, wenn ich etwas überdrehe, aber das werde ich mit dem Alter auch in den Griff bekommen.

Wer bringt dich in solchen Situationen wieder runter?

Luke hilft mir da immer sehr.

Lass uns jetzt mal in die Glaskugel gucken: Wie geht das Top Four aus?

Das erste Spiel wird tough und eng. Momentan sind wir aber gut drauf, vor allem in der BBL, sodass wir es hoffentlich gewinnen. Und für das Finale wäre meine Voraussage: Wir spielen gegen Oldenburg und schlagen sie vor einer richtig lauten Halle…

…die dann immer leiser wird…

…immer leiser und die ALBA-Fans werden immer lauter!


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