
Übung macht den Meister. Und Basketball spielen die Albatrosse in dieser Saison in bester Regelmäßigkeit. Der Erfolg hängt aber nicht nur von harter Arbeit in Spielen und Trainingseinheiten ab, sondern wird zusätzlich beeinflusst von einem Faktor, der auch mal mit Nichtstun einhergeht: die Regeneration. Um eine optimale Erholung der Spieler zu gewährleisten, geht ALBAs Betreuerstab unterschiedlichste Wege.
Fotos: Jan Buchholz, Text: Louis Richter
Training, Spiel, Reise, Spiel, Reise, Training, Spiel und wieder Reise. Die laufende Saison hat den Albatrossen bereits vor dem Start der Bundesliga-Playoffs enorm viel abverlangt. 72 Spiele wurden in den Hauptrunden der BBL und EuroLeague sowie im MagentaSport BBL Pokal absolviert. Und das aufgrund der Corona-Zwangspause im Herbst fast durchgängig mit drei Spielen pro Woche. Mindestens drei und maximal 15 Partien können nun noch einmal hinzukommen - in einem Zwei-Tages-Rhythmus. Der Spielplan war und bleibt eng, die Zeit zwischen den Spielen dementsprechend knapp und kostbar. Denn neben den wenigen Trainingszeiten ist es wichtig, dass die Spieler auch mal keinen Ball in der Hand haben. Stichwort: Erholung. „Die Regeneration spielt eine sehr große Rolle in meinem Tagesablauf“, sagt ALBAs Point Guard Peyton Siva. „Ein gutes Erholungsprogramm ermöglicht es mir, jeden Tag aufs Neue meine Leistung zu bringen. Das ist essenziell.“
Um den Spielern optimale Bedingungen zu schaffen, steht ihnen ALBAs medizinische Abteilung zur Seite. Physiotherapeut Henrik Lange (Titelbild) und sein Team betreuen die Spieler bei jedem Training und Spiel mit spezifischen Behandlungen und Massagen. Auch auf die Ernährung wird geachtet. So kommen beispielsweise die Nahrungsergänzungsmittel von ALBAs Partner Powerbar zum Einsatz, sodass die Spieler gleich nach der Belastung den Kohlenhydrat- und Proteinspeicher auffüllen. „Was wir außerdem nutzen, ist die Kältetherapie. Wir haben ein professionelles Kältebecken und arbeiten sehr viel mit Eiswasser“, erklärt Dr. Teamarzt Moritz Morawski.
Gut ausgestattet: Peyton Siva mit einer Sprunggelenksbandage von Bauerfeind.
Massierpistolen, Nahrungsergänzungsmittel und Eisbäder
Den Spielern stehen zusätzlich viele Geräte zur individuellen Nutzung zur Verfügung. Siva selbst ist ein großer Freund der Massierpistole, sie hält die Muskeln locker. Dazu kommt immer wieder ein Wärmegurt für den Rücken zum Einsatz. Persönliche Vorlieben, die sich der Aufbauspieler über die Jahre angeeignet hat. Andere Spieler nutzen Kompressionshosen, die den Stoffwechsel unterstützen und Stoffwechselendprodukte wie Laktat behutsam aus dem Körper transportieren. Außerdem tragen die Spieler Kompressionstrümpfe von ALBAs Partner Bauerfeind.
Dazu haben die Athletikcoaches Pepe Silva Moreno und Sebastian Böhm die Belastungen der einzelnen Spieler genau im Blick: „Ein indirekter Weg, das Regenerationslevel der Spieler abzuschätzen, ist es, die Trainings- und Spielbelastung zu messen mit dem Blick darauf, ob sich bestimmte Parameter verändern“, sagt Sebastian Böhm. Dafür nutzen die Coaches ein lokales Positionssystem, Bewegungssensoren und Herzfrequenzgurte, um sowohl die externe Belastung als auch die interne Beanspruchung der Spieler (Reaktion des Körpers auf die Belastung) objektiv quantifizieren zu können. Wichtige Daten, die bei der Optimierung der Regenerationsarbeit speziell in stressigen Wochen helfen: „Die Spieler dabei aktiv zu unterstützen, ist eine unserer Hauptaufgaben“, sagt Böhm.
Die Belastung genau im Blick: ALBAs Athletiktrainer Pepe Silva Moreno (r.) und Sebastian Böhm (l.).
Warum der Schlaf essentiell für die Regeneration ist
Der vielleicht wichtigste Vorgang in Sachen Erholung geschieht aber im Stillen: Durch den Schlaf. „Er ist sehr wichtig für die muskuläre und mentale Regeneration“, sagt Pepe Silva Moreno. „Den Spielern wird das immer bewusster, sie nehmen das Thema entsprechend auch ernster.“ Eine Studie der Stanford University auf Grundlage der Daten von elf Basketballern des Uni-Teams zeigte 2011, dass eine Verlängerung des nächtlichen Schlafs einige Leistungsparameter verbessern kann. So verbesserten die Spieler während der fünf bis sieben Wochen, in denen sie mindestens zehn Stunden Bettzeit pro Nacht hatten, ihre Wurfquoten um neun Prozent. „Wenn man diese Werte auf eine gesamte Saison bezieht, kann man sich sehr gut vorstellen, welch großen Effekt guter Schlaf für die Leistungen der Spieler haben können“, sagt Moreno.
So erhalten die Albatrosse Tipps in Sachen Schlafhygiene. Der Raum, in dem sie schlafen, sollte abgedunkelt und leise, die Luft darin etwas frisch und minimal kühl sein. Wiederkehrende Störgeräusche sollen dabei genauso wie Aufnahme von fettiger Nahrung kurz vor dem Schlafen tunlichst vermieden werden. „Sehr wichtig ist es auch, dass die Spieler einen gewissen Rhythmus und auch eine Regelmäßigkeit in ihren Schlaf kriegen“, sagt Morawski.
Das ist immer noch der simpelste und effektivste Weg um herauszufinden, wie es dem Spieler geht: Das Reden - Sebastian Böhm
Feedback und Schlafoptimierung
Peyton Siva schläft bewusst gerne und viel, auch wenn es die Saison ihm dabei nicht immer einfach macht: „Es ist nicht immer leicht, genügend oder qualitativ hochwertigen Schlaf zu bekommen, speziell auf Reisen.“ Dementsprechend genau wird der Schlaf der Spieler von der medizinischen Abteilung verfolgt: Jeden Morgen geben die Spieler nach dem Aufwachen in einer App an, wie sie geschlafen haben und wie fit sie sich fühlen. Die Trainer und Mitglieder der medizinischen Abteilung werten diese Angaben laufend aus. Einige Spieler tragen während der Nachtruhe zusätzlich Ringe, die die Tiefe und Qualität des Schlafes messen. „Wenn ein Spieler immer wieder angibt, dass er schlecht schläft, überprüfen wir, ob sich seine Schlafhygiene mit simplen Mitteln verbessern lässt. Vor allem aber gehen wir ins direkte Gespräch, gerne auch mit der Hilfe von unserer Sportpsychologin Renate Eichenberger“, sagt Morawski. „Das ist immer noch der simpelste und effektivste Weg, um herauszufinden, wie es dem Spieler geht: Das Reden“, sagt auch Sebastian Böhm. „Die Daten, die wir im Vorhinein erheben, sind dafür eine gute Gesprächsgrundlage.“
Daten und direktes Spielerfeedback: Auf die Mischung kommt es an.
Vorfreude auf die entscheidenden Wochen
Durch die hohe Belastung der laufenden Saison mussten die Spieler und auch Betreuer lernen, aus wenig Zeit möglichst viel Erholung zu schöpfen. „Wir hatten viele Wochen mit mehreren Auswärtsspielen und dementsprechend vielen Reisen. Umso bewusster versuche ich, mir so oft es geht aktiv die Zeit für die Erholung zu nehmen und sie fest einzuplanen“, sagt Peyton Siva. Erfahrungswerte, die auch für die anstehenden BBL-Playoffs wichtig werden könnten. Denn zwischen den Spielen bleibt nur ein Tag für Training, Erholung und mitunter auch das Reisen. „In diesen Phasen geht es vor allem um die Basics: Physiotherapie, gutes Essen, guter Schlaf“, sagt Morawski.
Die Coaches und Betreuer wollen dazu mit guter Trainingssteuerung einer zu großen Belastung vorbeugen. Wie das funktioniert, konnte das Team in den vergangenen Monaten auf Grund des engen Spielplans lernen. „Wir überlegen uns genau, wann mit mehr und wann mit weniger Intensität trainiert wird – die individuellen Situationen der einzelnen Spieler dabei immer mitgedacht“, sagt Athletiktrainer Moreno. Und: Konstanz zahlt sich aus: „Die Maßnahmen, die sich während der Saison als zielführend erwiesen haben, kommen auch in den Playoffs zum Einsatz. Wir wollen so wenig wie möglich verändern“, sagt Moreno.
So anstrengend die kommenden Wochen werden können, so groß ist aber auch die Vorfreude auf die Playoffs. „Wir müssen uns durch den Rhythmus durchkämpfen, aber vor allem freuen wir uns jetzt extrem auf diese entscheidenden Spiele“, sagt Siva. Und in guten Händen sind er und seine Kollegen bei der medizinischen Abteilung in Sachen Erholung sowieso.


