
Joshiko Saibou ist bei ALBA BERLIN groß geworden, aber sein Weg in die erste Mannschaft war alles andere als geradeaus. Vielmehr spielte er sechs Jahre lang für vier andere Klubs, bevor er in ALBAs erster Mannschaft ankam, wo er am vergangenen Sonntag gegen Bonn mit 13 Punkten seine bisher größte Ausbeute im ALBA-Trikot verzeichnete.
Joshi, am vergangenen Sonntag gegen Bonn waren deine Eltern in der Halle. Müssen wir die jetzt immer einladen, damit du weiter so gut spielst?
JS: Das wäre toll! Meine Mutter ist aber sowieso meistens da und meine Schwester auch, wenn sie Zeit hat. Ein bisschen Support von der Familie tut immer gut.
Dein Vater ist Deutscher und deine Mutter stammt aus Togo, aber „Joshiko“ ist doch gar kein afrikanischer Name …
JS: Nein, überhaupt nicht. Der Name kommt aus Japan. Aber meine Mutter dachte sich wahrscheinlich einfach, dass es ein cooler Name ist. Was er ja auch ist (grinst).
Du gehörst zu den wenigen im Team, die die komplette Vorbereitung mitgemacht haben. Profitierst du jetzt davon?
JS: Wenn man sich an eine neue Mannschaft und an neue Systeme gewöhnen muss, ist es immer hilfreich, wenn man dafür im Training viel Zeit hat. Das gilt in dieser Saison für alle Spieler, weil Aito vieles anders macht und auch für die Alteingesessenen neu ist. Alle müssen ihre Gewohnheiten ändern. Das ist nicht einfach und braucht immer ein bisschen Zeit. Ich merke, dass es mir sehr gut tut, dass ich die komplette Vorbereitung mitmachen konnte.
Was sind denn für dich die größten Umstellungen?
JS: Aito legt ganz viel Wert darauf, das wir das Spiel selbst lesen. Wenn er zum Beispiel einen Spielzug ansagt, aber die gegnerische Verteidigung plötzlich etwas ganz anderes macht, dann erwartet er von uns, dass wir uns selbst darauf einstellen und in der Situation andere Entscheidungen als die angesagten treffen. Er verlangt, dass wir das Spiel selbst lesen und entsprechend handeln – schon nach bestimmten Regeln und Prinzipien, aber immer abhängig von der jeweiligen Situation. Für viele ist das eine große Umstellung.
In den Jahren, in denen du bei ALBA groß geworden bist, wurde vom Trainer mehr von außen vorgegeben?
JS: Ja, bei Luka Pavicevic war beispielweise alles sehr stark vorgegeben durch seine Systeme und seine Philosophie. Das kann definitiv ein erfolgreicher Weg sein. Dass es bei Aito ganz anders ist, kommt mir persönlich aber sehr entgegen, weil ich sowieso ein Spielertyp bin, der ein paar Freiheiten braucht und von Kreativität lebt. Mir macht es deshalb sehr viel Spaß unter Aito zu spielen und allen anderen im Team geht das genauso.
Warum bist du vor sechs Jahren Henrik Rödl nach Trier gefolgt?
JS: Für mich war es damals in meiner Karriere der richtige Schritt, weil ich den Fuß ins Profileben setzen wollte und mir gedacht habe, dass es mir dabei gut tun würde, auch mal weg von zu Hause und raus aus Berlin zu kommen. Da war es ein Glücksfall, dass Henrik in Trier ein Team übernommen hat, in das ich hineingepasst habe.
Deine Karriereplanung scheint generell zu stimmen, denn auch der Schritt 2013 aus Trier in die ProA nach Gießen war rückblickend genau der richtige, obwohl das damals viele überrascht hat …
JS: Ja, wenn ich jetzt zurückblicke, war der Schritt in die zweite Liga für mich die beste Entscheidung. Aber auch die schwerste. Viele haben damals gesagt: Mach das nicht, du gehörst doch in die erste Liga! Aber ich wollte mehr Verantwortung als Spieler übernehmen und das ging erstmal nur in der ProA. Jetzt bin ich sehr froh, dass ich es damals so gemacht habe. Auch dass ich drei Jahre später aus Würzburg noch einmal zu Denis Wucherer nach Gießen gegangen bin, hat mich weiter gebracht.
Hast du in all den Jahren immer „einen Koffer in Berlin“ gehabt?
JS: Berlin ist meine Heimat. Mein komplettes Umfeld, alle meine Freunde sind hier. Deshalb war ich in der Offseason immer in Berlin.
Am Samstag gegen Erfurt triffst du auf Andreas Obst, der im vergangenen Jahr noch dein Mitspieler in Gießen war …
JS: Andi ist ein guter Kumpel. Ich glaube, dass er mit dem Wechsel nach Erfurt genau den richtigen Schritt gemacht hat. Hoffentlich streut er gegen uns nicht zu viele Dreier ein. Das macht er nämlich richtig gut.
Von der Position her wart ihr in Gießen Konkurrenten oder?
JS: Nicht direkt. Man konkurriert natürlich in jeder Mannschaft mit seinen Mitspielern um Spielzeit, aber gleichzeitig weiß man auch, dass man nur als Team gewinnt. Mit Andi hat sich das im Laufe der Saison so geregelt, dass er mehr auf die drei gerückt ist und ich auf den Positionen zwei und eins gespielt habe.
Bei ALBA bist du jetzt hinter Luke Sikma schon der zweitälteste im Team. Siehst du dich trotzdem noch als junger Spieler?
JS: Das ist eine neue Situation für mich. Eigentlich fühle ich mich noch sehr jung, aber weil unser Team so jung ist in dieser Saison, ist es rechnerisch tatsächlich so. Ich habe aber weniger Erfahrung auf dem höchsten Niveau als viele andere im Team. Deshalb zähle ich mich mehr eher den jüngeren Spielern.