
Lucy Reuß begann in Ludwigsburg mit dem Basketballspielen, kam mit 17 nach Berlin und trug elf Jahre lang das ALBA-Trikot. Mit den Berlinerinnen schaffte sie den Aufstieg aus der zweiten Regionalliga bis in die DBBL. 2024 gewann ALBA mit Lucy die Deutsche Meisterschaft. Nach dem Ende ihrer aktiven Karriere ist die 28-jährige nun als Koordinatorin des Mädchenbasketball im Management des Vereins tätig. Im Interview erinnert sie sich an ihre eigene Jugend-Top4-Teilnahme und beschreibt, was sie in ihrer neuen Rolle anpacken wird. (Foto: Tilo Wiedensohler)
Lucy, was sind deine liebsten Erinnerungen an ein TOP4?
Das wohl eindrücklichste Top4, das ich spielen durfte, war mein erstes WNBL-Top4 in der eigenen Halle in Ludwigsburg und in absoluter Außenseiter-Rolle. Trotzdem wir das Heimrecht hatten, haben wir als Team im Hotel übernachtet, um noch näher beisammen zu sein. Wir sind zwar am Ende nur Vierter geworden, weil wir, ganz bitter, zweimal nach Verlängerung verloren haben, aber es war der Abschluss meiner Jugendbasketballzeit und insgesamt sehr emotional. Danach bin ich nach Berlin gezogen.
Gibt’s noch andere Turniere dieser Art an die du dich erinnerst?
Ja! Beim WNBL-Top4 2022 in der Max-Schmeling-Halle sind unsere ALBA-Mädels erstmals U18 Meisterinnen geworden. Drei Leute aus dem WNBL-Kader sind damals auch mit uns im Frauen- Team zusammen in die 1. DBBL aufgestiegen. Und da unsere Saison schon vorbei war, haben wir aus der Frauenmannschaft einen Fanclub aufgemacht und uns für das Wochenende an die Trommeln gestellt und richtig Stimmung gemacht. Hat wohl geholfen…
Was ist das Spezielle an so einem TOP4?
Das Besondere an einem TOP4 ist ganz klar der „Do-or-Die-Modus“. Es kann einfach alles passieren. Diese Spannung macht den Reiz aus. Gleichzeitig sorgt das Zusammensein aller Teams und Fans in einer Halle für eine ganz besondere Basketball-Atmosphäre. Das hat man auch beim DBBL-Top4 Ende Februar/Anfang März hier in der Sömmeringhalle gespürt. Die Energie und Emotionen waren beeindruckend. Für mich ist die Sömmeringhalle daher ein perfekter Ort für so ein Event.
Was hast du aus so einem Turnier mit in deine Karriere genommen?
Da bei solchen Turnieren jedes Spiel über Sieg oder Niederlage entscheidet, ist Teamzusammenhalt extrem wichtig. Das habe ich besonders mitgenommen. Gleichzeitig ist die Aufmerksamkeit deutlich höher als im normalen Jugendspielbetrieb. Man bekommt als Spielerin oder Spieler einen ersten Eindruck davon, wie es im Profibereich sein kann: mehr Zuschauer, mehr Öffentlichkeit. Das ist eine besondere Erfahrung und auf jeden Fall eine große Motivation.
Du hattest nach dem Ende deiner aktiven Karriere eine kurze Pause, bist nun aber zurück bei ALBA. Warum?
Während und nach meiner Karriere habe ich gemerkt, wie viel sich im Basketball bewegt hat, aber auch, wie viel noch zu tun ist. Genau da möchte ich meine Erfahrungen als ehemalige Spielerin einbringen. Außerdem ist es mir wichtig, dass immer mehr Frauen im Sport sichtbar Verantwortung übernehmen.
Wie sieht dein Aufgabenbereich aus?
Mein Fokus liegt auf der Weiterentwicklung des Mädchenbasketballs. Ich arbeite dabei eng mit Svenja Brucknhorst zusammen, aber natürlich auch mit vielen Kolleginnen und Kollegen bei ALBA. Gemeinsam wollen wir Strukturen schaffen, die es Mädchen leichter machen, zum Basketball zu finden und dabei zu bleiben. In diesem Zusammenhang habt ihr etwas am Rande des Jugend-Top4 2026 geplant… Im Rahmen des RMS Ebner Stolz Jugend-TOP4 planen wir einen Workshop für Mädchen aus Berlin mit dem Schwerpunkt Female Empowerment. In Gesprächen mit DBBL-Spielerinnen und einer Sportpsychologin sollen sie ihre eigenen Stärken entdecken und lernen, wie sie diese einsetzen können – auf und neben dem Feld. Der Basketball spielt dabei natürlich eine Rolle, aber genauso auch persönliche und soziale Kompetenzen. Außerdem werden sie das WNBL-Halbfinale miterleben und in der Halbzeit selbst auf dem Feld stehen.
Was ist dein Tipp für die aktiven Spieler:innen im Turnier für das Wochenende?
Das Team ist eure größte Stärke! Spielt füreinander, haltet zusammen und nutzt die Energie dieses Turniers.