ALBA BERLIN startet als Tabellenzweiter in die Playoffs der easyCredit BBL und trifft in der ersten Runde auf RASTA Vechta. Cheftrainer Pedro Calles spricht vor dem Beginn der Post-Season über die Entwicklung seines Teams, die Herausforderungen der Serie und die entscheidenden Faktoren im Duell mit seinem Ex-Club.

Fotos: Tilo Wiedensohler / Jan Buchholz

Fast genau ein Jahr ist es her, dass wir hier im Trainingszentrum über eure Rolle als Underdog in den Playoffs gegen Ulm gesprochen haben. Jetzt trefft ihr als Tabellenzweiter auf den Siebten Vechta. Welche Mentalität wünschst du dir diesmal von deinem Team?

Ich wünsche mir ein fokussiertes Team, das unserer Entwicklung und der Arbeit der gesamten Saison vertraut. Dieser Weg hat uns in diese gute Ausgangslage gebracht. Gleichzeitig wissen wir aber, dass wir mit Vechta auf einen sehr gefährlichen Gegner treffen. Das wird kein typisches Zweiter-gegen-Siebter-Duell.


Wie zufrieden bist du mit der bisherigen Saison?

Wir können stolz auf das sein, was wir bisher erreicht haben. Nach einem Sommer mit vielen Fragezeichen und einem schwierigen Start haben wir Schritt für Schritt unsere Identität gefunden und uns konstant weiterentwickelt – bis hin zu einem sehr engen Pokalfinale, den BCL-Playoffs gegen eines der besten Teams und einer insgesamt soliden BBL-Hauptrunde.


Kannst du den Entwicklungsprozess deines Teams etwas genauer beschreiben?

Der Kader wurde im vergangenen Sommer zu großen Teilen neu zusammengestellt, viele Spieler hatten wenig oder gar keine Erfahrung auf europäischem Niveau. Die Ruhe zu bewahren, ist auch mir nicht immer leichtgefallen. Mit der Zeit wurden die Rollen jedoch klarer, und wichtige Siege haben das Vertrauen untereinander gestärkt. Der entscheidende Faktor ist die mannschaftliche Geschlossenheit. Das war über die gesamte Saison hinweg eine unserer großen Stärken.
 

image.alternative


ALBA steht traditionell für den Anspruch, am Ende der Saison den bestmöglichen Basketball zu spielen. Wie nah seid ihr diesem Ziel vor dem Start der Playoffs?

Wir gehen mit Selbstvertrauen in die Playoffs, aber unsere Entwicklung war nicht linear, da wir im Saisonverlauf immer wieder auf Veränderungen reagieren mussten. Boogie Ellis hat uns früh verlassen, dafür kam Alex O’Connell. Später mussten wir erneut reagieren, als Martynas Echodas gegangen ist. Mit Michael Rataj haben wir gegen Ende der Hauptrunde einen Spieler dazubekommen, der uns sehr hilft, aber eine andere Rolle einnimmt. Wir wissen inzwischen sehr genau, wie wir spielen wollen. Jetzt geht es darum, im Detail die richtigen Lösungen für den jeweiligen Gegner in der Playoff-Serie zu finden.


Wie hat Michael Rataj das Teamgefüge verändert?

Michael kennt den deutschen Basketball. Das hat ihm geholfen, sich schnell ins Team zu integrieren. Wir haben ihn zunächst als Center eingesetzt, mittlerweile spielt er aber überwiegend auf der Vier, seiner natürlichen Position. Dadurch können wir Moses Wood häufiger als Small Forward einsetzen. Das gibt uns mehr Größe, Länge und Rebounding.


Du warst von 2015 bis 2020 erst Co-Trainer und dann Headcoach in Vechta und fährst immer noch mit einem Vechtaer Autokennzeichen herum. Wie besonders ist diese Playoff-Serie für dich persönlich?

Es ist definitiv etwas Besonderes. Ich habe dort fünf Jahre gelebt, meine ersten Schritte als Headcoach gemacht und viele positive Erinnerungen an die Zeit in Vechta. Ich habe großen Respekt vor dem Club und den Menschen dort. Aber wenn das Spiel beginnt, ist das alles zweitrangig – dann will ich unbedingt mit ALBA gegen Vechta gewinnen!
 

image.alternative


Gibt es etwas, was du in dieser Saison als Coach neu gelernt hast?

Mir ist noch einmal mehr bewusst geworden, wie wertvoll es ist, mit guten Menschen zusammenzuarbeiten. Von außen sieht man einen anderen Club oft nur oberflächlich. Im Alltag wird hier bei ALBA aber deutlich, wie viele Menschen hier Tag für Tag mit viel Arbeitseifer und Enthusiasmus zu Werke gehen. Das hat mir auch dabei geholfen, in schwierigen Phasen auf den Erfolg unseres Weges zu vertrauen.


Klingt, als ob das eine Herausforderung für dich war.

ALBA ist ein großer Klub mit großer Historie und einer klaren Identität – das bedeutet auch Anspruch und Druck. Die Challenge bestand darin, mich an meine neue Umgebung kulturell und sportlich anzupassen und gleichzeitig mir selbst treu zu bleiben – zunächst als Assistant Coach und später als Headcoach.


Vechta ist offensiv sehr variabel. Ist Defense der Schlüssel in der Serie?

Ja. Vechta gehört statistisch zu den besten Offensivteams der Liga und ist sehr effizient. Sie haben eine starke zweite Saisonhälfte gespielt und sich nach anfänglichen Problemen dank einer starken Rückrunde für die Playoffs qualifiziert.

Sie sind offensiv talentiert und sehr variabel – darauf müssen wir vorbereitet sein. Mit Spielern wie Verge, Brown, Parsons, Kuhse und Bamba verfügen sie über viele gefährliche Guards und Forwards. Dazu kommen mit Herkenhoff und Pleiß zwei variable Big Men, die das Feld breit machen können und auch von außen gefährlich sind. Das macht es schwer, unseren Gegner auszurechnen. Es wird eine große Aufgabe, sie defensiv zu kontrollieren – bisher ist das nicht vielen Teams gelungen.


Was bedeutet das konkret für eure Defense?

Wir müssen sie aus ihrer Komfortzone bringen und ihre Stärken einschränken. Das bedeutet aggressiv zu verteidigen, aber auch das richtige Maß an Risiko abzuschätzen. Je aktiver man spielt, desto höher ist der Energieaufwand und desto wichtiger ist die Kommunikation und Abstimmung im Team.


Wer wird der X-Faktor in den Playoffs?

Entscheidend wird unsere Geduld und Konstanz über die gesamte Serie sein. Wir müssen unserem Gameplan vertrauen, auch wenn sich Spiele anders entwickeln als erwartet. Anpassungen gehören natürlich dazu, müssen aber überlegt getroffen werden.

Und natürlich will ich unsere Fans nicht unerwähnt lassen: Sie haben uns das ganze Jahr über großartig unterstützt. Die Energie in der Arena kann ein entscheidender Faktor sein, deshalb ist der Heimvorteil so wichtig. Wir freuen uns sehr darauf, unsere Fans in den Playoffs hinter uns zu haben.