ALBA-Kapitän Niels Giffey spielt mit großer Vielseitigkeit seine bisher beste Saison im ALBA-Trikot. Mit seinem starken Wurf und exzellenter Verteidigung ist der Forward, der in der vergangenen Saison viel auf der Position vier aushalf, in dieser Saison wieder verstärkt auf seiner angestammten Position drei zu Hause, wo der Nationalspieler konstantere Leistungen abruft. Ein Meistertitel wäre natürlich eine angemessene Krönung für seine verbesserte Leistung (und die des gesamten Teams). Aber nach dem 70:74 im ersten Finale fehlen dafür immer noch drei Siege.

Niels, knapp verloren ist auch verloren. Ist es trotzdem ein kleiner Trost, dass ihr am Sonntag in München bewiesen habt, dass ihr tatsächlich auf Augenhöhe mit den Bayern um den Titel spielen könnt?

NG: Es ist zumindest ein gutes Zeichen, dass dieses erste Spiel bis zum Ende offen war und zu beiden Seiten hätte kippen können. Man hat da gesehen, dass der Heimvorteil doch einen kleinen Unterschied ausmacht.

Gehörte es zum Gameplan, dass Peyton zu Beginn des Schlussviertels so aufdreht?

NG: Peyton hat da in der Phase einfach ganz stark übernommen, war für drei Minuten unglaublich heiß und hat damit dem ganzen Team einen großen Schwung gegeben.

... den ihr dann aber nicht durchziehen konntet. Was ist da deiner Ansicht nach schief gelaufen?

NG: Erst einmal haben wir da leider ein paar freie Dreier in Folge daneben geworfen und dann hatten wir Pech mit einigen Schiedsrichter-Entscheidungen. Wir haben uns dadurch defensiv und offensiv zu sehr aus dem Konzept bringen lassen und haben den Bayern so ermöglicht, das Spiel noch auf ihre Seite zu kippen.  

Über die Schiedsrichter-Entscheidungen in der Schlussphase wird derzeit heiß diskutiert …

NG: Es ist für die Schiedsrichter natürlich sehr schwer, in wichtigen Momenten in Sekundenbruchteilen die richtige Entscheidung zu treffen. In der Schlussphase war ich tatsächlich mit einigen Pfiffen nicht einverstanden. Aber trotzdem müssen wir als Team einfach besser aufpassen, dass wir uns davon in kritischen Situationen nicht mental und emotional mitziehen lassen und den Rhythmus verlieren.
 

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Das ist aber leichter gesagt als getan?

NG: Das ist schwierig, gerade auswärts. Ich hoffe, dass wir am Mittwoch in eigener Halle eine andere Einstellung finden und in solchen Situation cooler bleiben. Wenn man sich ungerecht behandelt fühlt, muss man seinen Standpunkt schon vertreten. Aber man muss einen kühlen Kopf behalten und man muss eine falsche Entscheidung auch akzeptieren. Wenn du dich als Spieler aufregst - selbst wenn du im Recht bist - kommt meistens nichts Gutes dabei heraus.

In diesem Spiel hatte ALBA erstmals mehr Ballverluste als Assists. Lag das an der Münchener Verteidigung oder an dem großen Druck, der in einem Finale herrscht?

NG: Bei uns lag das vor allem am Scoring. Unsere Schützen wurden zwar gut in Szene gesetzt, aber wenn der Wurf daneben geht, dann gibt es auch keinen Assist. Das Endresultat war ja auch nicht besonders hoch. Wann haben wir zuletzt nur siebzig Punkte gemacht? Deshalb sehe ich bei uns in der Offensive gerade bezüglich der Wurfausbeute für Mittwoch noch Luft nach oben.

Was nimmst du sonst aus dem ersten Spiel mit?

NG: Ich fand, dass wir am Sonntag in München defensiv richtig gut aussahen und die Bayern mit unserer Verteidigung über weite Phasen sehr in Bedrängnis gebracht haben. Aber wir haben zu wenig daraus gemacht. Wenn wir den Ball erobern, dann müssen wir in der Offensive mental stärker agieren. Da haben wir zu viele Chancen nicht genutzt. Aber auch wenn wir jetzt mit 0:1 hinten liegen, haben wir immer noch eine gute Chance, die Serie mit einem Heimsieg wieder auszugleichen und das Momentum auf unsere Seite zu ziehen.

Taktisch müsst ihr nicht so viel verändern?

NG: Nein, da geht es jetzt mehr um Kleinigkeiten. Da müssen wir nur ein paar Stellschrauben nachziehen, um am Mittwoch auch in der Offensive besser auszusehen, was mit den Fans im Rücken in der eigenen Halle sowieso leichter fallen sollte. Der Erfolgsdruck ist jetzt natürlich größer. Dass das jetzt für uns fast schon ein „Do or die“-Spiel ist, finde ich aber gar nicht so schlecht. Dass du dich nicht zu sicher fühlst, kann gerade zu Hause sogar hilfreich sein.

Ein Sweep wie gegen Oldenburg ist ja jetzt nicht mehr möglich, aber die Meisterschaft in einem vierten Spiel in Berlin klarzumachen, hätte ja auch was?

NG: Die Chance dafür besteht ja jetzt (lacht). Aber so weit sind wir noch nicht. Jetzt geht es erst einmal ausschließlich darum, die Serie am Mittwoch auszugleichen und dafür zu sorgen, dass wir auf jeden Fall noch einmal für ein viertes Finalspiel nach Berlin zurückkehren. Alles Weitere werden wir dann sehen.