Michael Rataj ist vor nicht einmal zwei Monaten nach Berlin gewechselt und hat sich bei ALBA blitzschnell zum Leistungsträger entwickelt – starke Playoff-Performances als ALBA-Topscorer im Halbfinale inklusive. Im Interview spricht der 22-Jährige Big Man über seine schnelle Eingewöhnung, die Playoff-Nerven hinter der coolen Fassade – und warum das Finale gegen Bayern München für ihn ein ganz besonderer Moment ist. (Foto: Tilo Wiedensohler)

Fällt dir ein Manga-Charakter ein, der es in kürzester Zeit geschafft hat durchzustarten?

Boah, gute Frage. Da wäre zum Beispiel Saitiama aus One Punch Man – aber bei dem war es auch nicht ganz so direkt. Der musste erstmal 100 Pushups, 100 Klimmzüge und ein paar Kilometer laufen, jeden Tag, bis er richtig stark wurde. Und dann gibt es noch Solo Leveling – da ist der Hauptcharakter tatsächlich nach etwa zwei Episoden einfach overpowered.

Kannst du dich mit solchen Charakteren identifizieren? 

Nicht wirklich, nein. Das sind natürlich fiktionale Figuren – und bei denen war der Aufstieg ein bisschen sehr random, Schlag auf Schlag. Ich finde, ich stecke schon sehr viel Arbeit rein. Das ist der Unterschied.

Ich frage dich das, weil du in dieser Saison zu ALBA gekommen bist und dich in kurzer Zeit zum Leistungsträger entwickelt hast. Was hat dir die Eingewöhnung so leicht gemacht?

Ich glaube, das liegt einfach am Staff, an den Mitspielern, am Coaching-Staff mit Pedro – und an der ganzen Organisation drum herum. Es war sehr einfach, sich einzufügen. Vor allem auf dem Spielfeld machen die Coaches es mir leicht, mein Spiel zu finden. Wenn man einen freien Kopf hat und einfach Basketball spielen kann, performt man natürlich auch gut.
 

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Liegt dir auch der ALBA-Spielstil?

Auf jeden Fall. Dass wir viel Transition laufen wollen, defensiv geprägt sind und mit vielen Switches arbeiten – das kommt meinem Spiel sehr entgegen.

Wie war die Eingewöhnung abseits des Courts? 

Sehr cool. Viele meiner Teammates sind in meinem Alter, das hilft natürlich. Und die deutschen Spieler – Jonas, Jack, Norris, Malte – die haben mich super aufgenommen. Neben dem Feld verstehen wir uns richtig gut. Es gibt immer welche, die auf Auswärtsfahrten stundenlang Poker spielen. Und auch mit den amerikanischen Jungs läuft es super – ich war selbst in Amerika, also kann ich gut nachvollziehen, wo die herkommen. Ich freue mich ehrlich gesagt sogar auf Roadtrips, weil man dann viel Zeit mit den Jungs hat. Das sagt doch alles.

In den Playoffs hattet ihr zweimal ein fünftes Spiel. Wie war diese Reise für dich?Sehr tough – aber auch sehr geil. Die Bamberg-Serie und die Vechta-Serie waren komplett unterschiedlich. Gegen Bamberg waren wir zweimal 2:0 vorne und dachten, wir können die Serie in Bamberg zumachen. Dann kamen zwei schwächere Spiele, aber das fünfte Spiel in Berlin haben wir souverän gewonnen. Gegen Vechta lagen wir am Anfang hinten und mussten zwei Spiele in Folge gewinnen – das war ein echter Grind. Ich war bei allen Spielen auch ziemlich nervös. Man sieht es mir vielleicht nicht an, weil ich immer Kaugummi kaue und auf cool tue – aber innerlich war da schon was los. Trotzdem: Es ist ein Blessing. Als junger Spieler auf so einer Bühne spielen zu dürfen, ist überragend. Ich hatte lange nicht mehr so viel Spaß beim Basketball.
 

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Das Finale gegen Bayern München – ist das für dich ein persönlicher Full-Circle-Moment?

Auf jeden Fall. Ich habe drei Jahre in München gespielt, bin dort auch JBBL-Meister geworden und kenne viele Leute im Club. Und jetzt treffe ich sie im Finale – als junger Spieler gegen meinen alten Verein, auf so einer Stage. Das ist natürlich sehr cool. Auch was Bayern an Qualität hat: Das ist eine besondere Herausforderung.

Worauf wird es ankommen, um Bayern den Threepeat zu vermiesen?Auf unser Teamspiel. Das wird der entscheidende Unterschied sein. Wir müssen unser Spiel durchdrücken und nicht zulassen, dass Bayern uns mit ihrer Physiw aus dem Rhythmus bringt. Sie haben auf den großen Positionen mit Oscar da Silva und Wenyen Gabriel sehr viel Größe und Athletik. Aber wir haben dafür unsere Chemie als Team. Wenn wir Transition spielen, ihre High-Low-Actions unterbinden und das konsequent durchhalten, werden die Bayern Probleme haben, uns zu stoppen.
 

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Ihr hattet weniger Erholungszeit als Bayern. Wie haben die letzten Tage ausgesehen?

Direkt nach dem Finaleinzug haben wir kurz mit den Fans in der Halle gefeiert – das war sehr cool. Danach hatten wir einen Tag frei, alle waren bei den Physios, haben den Kopf gelüftet. Heute haben wir Videoanalyse gemacht, unser letztes Spiel gegen Bayern noch mal angeschaut und geschaut, was wir besser machen können. Pedro und die Assistenztrainer haben uns unseren Plan vorgestellt – den werden wir jetzt befolgen.

Hast du den Kopf auch mit Mangas freigekriegt?
Ja, wirklich! Ich war auch in diesem Manga- und Figuren-Laden hier in Berlin – Norris hat ihn mir empfohlen, wir haben da so eine Manga-Anime-Connection. Da gab es ein Gewinnspiel mit Losen, und ich habe tatsächlich den Hauptgewinn gezogen: eine große Figur von Guts aus Berserk. War ein guter Tag. 

Letzte Frage: Welche Rolle kann der Hexenkessel Max-Schmeling-Halle ab dem dritten Spiel spielen? 

Die MSH hat nochmal eine andere Atmosphäre. Die Halle ist so gebaut, dass man als Spieler die Energie und Intensität der Fans viel direkter spürt. Etwas kleiner, etwas enger – und ich glaube, das macht es für jeden Gegner unangenehm, da zu spielen. Für unseren Heimvorteil in Spiel Drei und Vier wird das sehr wichtig sein. Da wird es auch Bayern München schwer haben, gegen uns zu gewinnen.