
Viele knappe Spiele, viele Verletzungen, viel gelernt: ALBAs Kooperationspartner LOK BERNAU hat eine bewegte und lehrreiche Spielzeit 2020/21 hinter sich, in der vieles anders war.
Alle Fotos: Ricardo Steinicke
Für LOK BERNAU ist die Saison 2020/21 in der ProB-Nord seit dem vergangenen Samstag beendet. Mit einem hart erkämpften 70:63-Auswärtssieg bei den RheinStars Köln fand eine Spielzeit ihr versöhnliches Ende, die sonst für die Bernauer vor allem von vielen Unwägbarkeiten geprägt war. Mit sechs Siegen bei 16 Niederlagen und Tabellenplatz zehn beendete LOK die Saison, in der ProA und ProB auf Grund der Corona-Pandemie auf sportliche Absteiger verzichteten. Gleich fünf Spiele gewann oder verlor LOK dabei mit maximal fünf Punkten Differenz. „Im Endeffekt“, sagt Headcoach René Schilling, „hat uns in diesem Jahr die Konstanz gefehlt, personell und deshalb auch sportlich.“
In Sachen Verletzungen erwischte es die Bernauer schwer. Lorenz Brenneke fehlte auf Grund einer Sprunggelenksverletzung gleich zweieinhalb Monate. Christoph Tilly, der in seiner ersten Spielzeit für LOK starke 11,8 Punkte pro Partie produzierte, verpasste einige Spiele verletzt. Till Isemann zog sich im ersten Training einen Muskelfaserriss zu und musste danach mit Pfeifferschem Drüsenfieber aussetzen. Nolan Adekunle kam verletzungsbedingt nur auf acht Einsätze. Malte Delow absolvierte auch wegen der vielen Ausfälle im Kader der ALBA-Profis weniger Spiele als geplant in Bernau. Und während des Saisonendspurts musste Coach Schilling mit Liam Daniel Carpenter und Abi Karmeric auch auf seine Starter im Backcourt verzichten. „Wir mussten auf die Ausfälle immer wieder reagieren und Spielern mehr Verantwortung und veränderte Rollen zuteilen. Das ist bei einer jungen Mannschaft nicht einfach. Ein solches Team braucht Stabilität“, sagt Schilling, der selbst ein Spiel verpasste. Im November befand er sich in Quarantäne, als LOK zuhause gegen Itzhoe antrat.
Viele neue Rollen, viele Lehren
Aber: Durch die freigewordenen Minuten und das Annehmen von mehr Verantwortung haben viele junge Spieler auch im Schnellverfahren einen Entwicklungsschritt gemacht – so zum Beispiel der junge Point Guard Tjark Lademacher (Jahrgang 2003) aus der ALBA Jugend. „Er wurde ins kalte Wasser geworfen und hat sofort performt“, sagt Schilling. Gegen den ProB-Hauptrundenmeister aus Bochum legte Lademacher im vorletzten Saisonspiel als Starter starke sechs Punkte und zehn Assists auf. „Evans Rapieque musste lernen, mehr Verantwortung zu übernehmen, auch was Leadership und das Reden auf dem Feld angeht“, sagt Schilling. Und mit Rikus Schulte kam ein erst 16-Jähriger aus der ALBA Jugend bereits zu ersten wertvollen ProB-Minuten. Mit Friedrich Feldrappe, Elias Rödl und Hendrik Warner absolvierten drei weitere Jung-Albatrosse ihre erste ProB-Saison, alle drei erarbeiteten sich dabei konstant Minuten.
Als echte Stütze des Teams präsentierte sich neben dem Veteranen Dan Oppland auch ALBAs Doppellizenzler Lorenz Brenneke. In fünf der neun Spiele nach seinem Verletzungscomeback legte Brenneke ein Double-Double aus Punkten und Rebounds auf, gegen Köln waren es zum Saisonabschluss starke 21 Zähler und 15 Rebounds. „Ich war nicht wirklich zufrieden mit meinem Saisonbeginn und wollte zeigen, dass ich es deutlich besser kann“, sagt Brenneke, der auch einige Minuten als Small Forward absolvierte und dabei vor allem sein Rebounding verbesserte: „Das war schon mein Ziel zu Saisonbeginn. Dementsprechend habe ich darauf meinen Fokus gelegt.“ Das freute auch Coach Schilling, der mit Brenneke schon länger an dessen Arbeit am Brett werkelt: „Das Rebounding war die letzten Jahre ein großes Thema mit ihm. Die Art und Weise, wie er sich in dem Bereich verbessert hat, freut mich und macht mich auch stolz.“
Verbesserung durch Selbstreflexion
Für Brenneke steht nun vor allem viel Training mit den ALBA-Profis und Individualcoach Carlos Frade an. Gemeinsam wollen sie an der Entscheidungsfindung und am Wurf arbeiten. Coach Schilling geht währenddessen die Planungen für die nächste Saison an. Ein wichtiger Schritt war dabei seine eigene Unterschrift unter einen neuen Vertrag in Bernau, er geht in seine bereits zehnte Spielzeit bei LOK. „Ich darf immer wieder mit neuen, talentierten Jungs arbeiten, sie begleiten, und – im Optimalfall – dabei zusehen, wie sie auf höchstem Niveau ankommen. Wie jetzt zum Beispiel Malte Delow: Ihn in der EuroLeague spielen zu sehen, ist ein tolles Gefühl“, sagt Schilling. „Dazu funktioniert die Zusammenarbeit mit ALBA weiterhin hervorragend. Es macht Spaß, in diesem professionellen Umfeld arbeiten zu dürfen.“
Auch als erfahrener Headcoach findet er dabei selbst immer wieder Aspekte, an denen er arbeiten kann: „Ich will mich in Zukunft besser an den vorhandenen Spielerkader anpassen“, erklärt Schilling. „In der vergangenen Saison wäre es eventuell sinnvoller gewesen, wenn wir ein paar Sachen etwas reduziert und uns mehr auf die Basics fokussiert hätten. Manchmal war es für die Jungs eventuell zu viel Input. Daran muss ich arbeiten.“ Mit Dan Oppland hat ein Leistungsträger bereits für die neue Saison unterschrieben. Noch mehr Erfahrung soll hinzukommen und mit den jungen Talenten gepaart werden, die bei LOK BERNAU in schöner Regelmäßigkeit ihren Grundstein für eine langfristige Profikarriere legen. Damit die nächste Saison wieder eine konstantere wird – und eine bessere.

