
Nach dem Auswärts-Doppelspieltag der EuroLeague sind sie wieder zu Hause, aber Entspannung ist bei den immer noch ersatzgeschwächten Albatrossen noch nicht angesagt. Im vierten Spiel innerhalb von sieben Tagen (und bereits dem neunten Pflichtspiel im Dezember) geht es nämlich am Samstag um 18 Uhr in der Mercedes-Benz Arena gegen ratiopharm Ulm, das gemeinsam mit Bayern München ungeschlagen die Tabelle der easyCredit BBL anführt. Die Ulmer können gegen ALBA acht ausländische Profispieler aufbieten, während Coach Aito zuletzt nur vier Ausländer zur Verfügung standen. Das Spiel, zu dem wegen der Corona-Schutzmaßnahmen keine Zuschauer zugelassen sind, wird ab 17:45 von MagentaSport live übertragen.
Die Ulmer profitieren davon, dass nicht nur US-Center Dylan Osetkowski einen deutschen Zweitpass erhalten hat, sondern jüngst auch der österreichischen Nationalspieler Thomas Klepeisz. Beide fallen damit nicht mehr unter die 6+6-Regel. Trainer Jaka Lakovic kann somit im Spiel gegen ALBA insgesamt acht ausländische Vollprofis einsetzen. Aufgrund der Verletzungsmisere bei ALBA standen Coach Aito im Gegensatz dazu zuletzt nur vier Ausländer (Siva, Granger, Sikma und Nikic) zur Verfügung, von denen mit Kreso Nikic einer sogar gerade erst aus einer Doppellizenz-Saison mit Lok Bernau kommt.
Ulm, das beim Corona-erzwungenen Abbruch der Punktrunde im März als Tabellenzehnter Gefahr lief, die Playoffs zu verpassen, nutzte schon das im Juni von der easyCredit BBL in München ausgetragene Finalturnier, um wieder in die Erfolgsspur zurückzufinden. Das um den Center Dylan Osetkowski (war vor der Saison an Göttingen ausgeliehen worden) und den Braunschweiger Thomas Klepeisz verstärkte Team trumpfte in München gleich am ersten Spieltag mit einem Sieg über die Bayern groß auf und scheiterte erst im Halbfinale knapp an Ludwigsburg.
Natürlich setzten Manager Thorsten Leibenath und Trainer Jaka Lakovic anschließend alles daran, um diesen Schwung mit in die neue Saison zu nehmen. Neben Dylan Osetkowski wurde auch Thomas Klepeisz an das Team gebunden. Darüber hinaus wurde die Mannschaft durch sechs US-Amerikaner verstärkt, die Ulm zwar um einiges jünger, aber auch athletischer und durch eine enorme Tiefe unberechenbarer machen. Das Experiment, mit so vielen BBL-Neulingen in die Saison zu gehen, zahlte sich aus: Ulm hat seine ersten fünf Bundesligaspiele alle gewonnen.
Per Günther geht mit den Ulmern in seine 13. BBL-Saison
Für etwas Konstanz im Team sorgen die in Ulm gehaltenen deutschen Leistungsträger, allen voran der unverwüstliche Per Günther (32), der seine 13. Saison für die Ulmer spielt und den Neulingen als Kapitän zeigt, wo es lang geht. Auf dem Parkett dosiert der immer noch schnelle Spielmacher seine Einsätze dabei als Bankspieler und lässt dem neuen US-Point Guard Troy Caupain in der Startformation den Vortritt, der die Mannschaft mit guter Physis und mannschaftsdienlicher Vielseitigkeit an beiden Enden des Spielfelds mit viel Übersicht anführt.
Neben Günther fungiert auch der bis November verletzt fehlende Thomas Klepeisz als Spielmacher. Der österreichische Nationalspieler hat sich in Braunschweig vor allem durch seine Dreier einem Namen gemacht, die der Österreicher bevorzugt in der Crunchtime eiskalt abfeuert. Auch Andreas Obst ist ein begnadeter Distanzwerfer, hat sein Spiel aber nach seiner Rückkehr aus der spanischen Liga unübersehbar um einige Facetten erweitert. Der deutsche Nationalspieler zieht jetzt immer öfter auch hart zum Korb und hat sich zudem auch als Passgeber verbessert.
John Petrucelli will der beste Verteidiger in der BBL werden
Als von der jugoslawischen Schule geprägter Trainer betont der Slowene Jaka Lakovic stets, dass Basketball für ihn bei der Verteidigung anfängt und dafür ist bei den Ulmern nicht zuletzt John Petrucelli zuständig. Der US-Guard/Forward, der in der vergangenen Saison der beste Balldieb der israelischen Liga war, lauert auch in der Bundesliga stets darauf, dem Gegner den Ball abzujagen und mit einem Fastbreak zurückzuschlagen. Auch der kräftige Trey Landers stellt sich mit guter Defense und als guter Rebounder auf dem Flügel in den Dienst der Mannschaft.
Der erst Ende November als letztes Puzzleteil ins Team gekommene Forward Demetrius Conger fällt im Vergleich zu den anderen neuen Ulmer US-Amerikanern etwas aus den Rahmen, weil er nach Stationen in Italien, Griechenland, Belgien und Frankreich im europäischen Basketball schon länger zu Hause ist. Aus der letzten Saison gut mit ihren Rollen auf den Positionen drei und vier vertraut sind der mit viel Energie zum Korb ziehende Ex-Bamberger Patrick Heckmann und das auf defensive Sonderaufgaben spezialisierte Ulmer Eigengewächs Christoph Philipps.
Center Dylan Osetkowski hebt Ulm auf ein neues Niveau
Im Frontcourt sind die Ulmer nicht sehr groß, aber dafür umso athletischer aufgestellt. Dabei setzt Aric Holman nicht nur mit explosiven Dunkings oder abgeblockten Würfen die Highlights, sondern ist auch bis hinter die Dreierlinie korbgefährlich. Im EuroCup schockte er kürzlich Levallois mit 6/6 Dreiern. Der defensive Anker im Ulmer Frontcourt ist Isaiah Wilkins. Der reboundstarke Stiefsohn der NBA-Legende Dominique Wilkins machte sich schon am US-College (Virginia) vor allem als unermüdlicher Verteidiger einen Namen.
Der große Star im Ulmer Frontcourt ist indes Dylan Osetkowski, der seine Klasse schon in der vergangenen Saison im Göttinger Trikot mit im Schnitt 23 Punkten und elf Rebounds in den beiden Spielen gegen ALBA aufblitzen ließ und jetzt darauf brennt, im Ulmer Jersey genauso gut gegen ALBA auszusehen. Der reboundstarke Center, der sich in der Zone sehr dynamisch jede Lücke nutzend durchsetzt und auch den Dreier trifft, ist Ulms Topscorer in der easyCredit BBL und war mit im Schnitt 19 Punkten im EuroCup sogar der zweitbeste Scorer der Vorrunde.
94:90-Sieg in Malaga kann das EuroCup-Aus nicht abwenden
Die Ulmer haben sich am Mittwoch im EuroCup mit einem 94:90-Sieg in Malaga aus Europa verabschiedet. Topscorer war einmal mehr Dylan Osetkowski mit 25 Punkten, gefolgt von Troy Caupain (20). Zum Weiterkommen reichte der Sieg in Spanien nicht, weil (das von Ulm zweimal bezwungene) Mornar Bar im montenegrinischen Derby beim bereits qualifizierten Buducnost Podgorica gewann und den Ulmern (4:6 Siege) mit 5:5 Siegen den vierten Platz in der Gruppe und damit das letzte TOP16-Ticket vor der Nase wegschnappte. Die Ulmer hatten vor allem in den ersten Saisonwochen im Oktober - durch Verletzungen gehandicapt – mehrere Spiele knapp verloren.
In den letzten Wochen spielte Ulm in folgender Aufstellung (in Klammern gerundete BBL-Stats/Spiel):
PG: Troy Caupain (28 min, 12 p, 4 as), Per Günther (16 min, 9 p), Thomas Klepeisz
SG: John Petrucelli (26 min, 10 p, 5 rb, 3 as), Andreas Obst (22 min, 14 p, 3 as)
SF: Demetrius Conger (19 min, 5 p, 5 rb), Trey Landers (18 min, 5 p), Christoph Philipps
PF: Aric Holman (16 min, 10 p, 4 rb), Patrick Heckmann (22 min, 6 p, 3 rb)
C: Dylan Osetkowski (26 min, 17 p, 5 rb), Isaiah Wilkins (14 min, 5 p)
ratiopharm Ulm (Stats easyCredit BBL 2020/2021)
| Nr. | Name | Pos. | Alter | cm | Nat. | BBL | Pkt | Rb | As |
| 1 | Demetrius Conger | 3 | 30 | 198 | USA | --- | 4,5 | 4 | 1,5 |
| 3 | Trey Landers | 3 | 22 | 196 | USA | --- | 4,5 | 2,8 | 1,3 |
| 6 | Per Günther | 1 | 32 | 184 | GER | 12 J. | 9,2 | 1 | 2,2 |
| 7 | John Petrucelli | 2 | 28 | 193 | USA | --- | 9,8 | 4,6 | 2,6 |
| 10 | Christoph Philipps | 3/4 | 22 | 203 | GER | 3 J. | 2,5 | 2,5 | 0 |
| 11 | Isaiah Wilkins | 4 | 25 | 203 | USA | --- | 4,8 | 2,6 | 1 |
| 13 | Andreas Obst | 2 | 24 | 191 | GER | 5 J. | 14,4 | 2,2 | 3 |
| 17 | Nicolas Bretzel | 5 | 21 | 212 | GER | 3 J. | 3,5 | 1,5 | 0 |
| 21 | Dylan Osetkowski | 5 | 24 | 206 | D/USA | 1 J. | 16,5 | 5,3 | 2,3 |
| 22 | Thomas Klepeisz | 1/2 | 29 | 186 | D/AUT | 4 J. | 0 | 0 | 0 |
| 23 | Troy Caupain | 1 | 25 | 193 | USA | --- | 12,2 | 3,2 | 3,6 |
| 33 | Patrick Heckmann | 3 | 28 | 198 | GER | 5 J. | 6,2 | 3,4 | 2,4 |
| 35 | Aric Holman | 4/5 | 23 | 208 | USA | --- | 10 | 2,6 | 0,6 |
| 36 | Kristofer Krause | 2 | 20 | 190 | GER | 1 J. | 5 | 0 | 0 |
Head Coach: Jaka Lakovic (42, SLO, zweite BBL-Saison)
ALBA-Bilanz gegen Ulm: 28:10
28 Siege – 10 Niederlagen (in Berlin 16:4)
BBL 19:9, Pokal 3:0, Playoffs: 6:1
Höchster Sieg: 89:58 am 23. Dezember 2011 in Berlin
Höchste Niederlage: 72:91 am 11. April 2012 in Ulm
Stimme zum Spiel:
Israel Gonzalez (ALBA-Associate-Headcoach): „Mit Ulm erwartet uns zum Ende dieser schwierigen Woche mit zwei harten Auswärtsspielen in der EuroLeague eines der Topteams der Bundesliga. Die Ulmer stehen gemeinsam mit Bayern München ungeschlagen der der Tabellenspitze der easyCredit BBL. Unter der Woche holten sie einen beeindruckenden Sieg in Malaga und können nach der Rückkehr von Thomas Klepeisz auf einen kompletten Kader zurückgreifen. Es wird nach den anstrengenden Reisen darauf ankommen, ob wir in der einen Nacht in heimischen Betten wieder zu Kräften kommen und diese Energie am Samstag auf das Feld bringen können.“